Eisenbahn-Notstand in Argentinien und Brasilien: Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen

Die Eisenbahninfrastruktur in Argentinien und Brasilien steht im Jahr 2025 vor grossen Herausforderungen. Während in Argentinien Privatisierungen und Streckenstilllegungen drohen, kämpfen brasilianische Städte mit dem Ausbau und der Modernisierung ihrer Bahnnetze.

Argentinien: Privatisierung, Naturkatastrophen und Streckenstilllegungen

Die von der Regierung angekündigte Privatisierung oder Stilllegung aller Bahnen ausserhalb der Agglomeration Buenos Aires und der wichtigsten Güterkorridore hat die Provinzregierung von Buenos Aires bereits im November 2024 veranlasst, die SOFPBA (Sociedad Operadora Ferro-viaria de la Provincia de Buenos Aires S.A.) ins Leben zu rufen. Diese Gesellschaft soll sofort nach entsprechenden Massnahmen der Regierung den Bahnverkehr übernehmen.

Dies soll die S-Bahnen rund um Buenos Aires, die Fernverkehrszüge nach Bragado, Junin, Mar del Plata und Pinamar und den Güterverkehr innerhalb der Provinz - ausser den bereits privat betriebenen Linien - umfassen. Man will auch die unter der vorherigen Regierung zur Wiederinbetriebnahe vorgesehenen Strecken, wie Maipú - Ayacucho - Tandil und Lobos - 25 de Mayo und den stillgelegten Zug von Buenos Aires nach Bahía Blanca übernehmen.

Die Provinzregierung von Axel Kicillof hat als Direktor der neuen Bahngesellschaft Martin Marinucci - vormals stand er Trenes Argentinos vor - ernannt, womit eine Person mir viel Erfahrung bei SOFPBA vorstehen wird.

Die Tragödie von Bahía Blanca

Am 07.03.2025 wurde die Stadt Bahía Blanca von den schlimmsten je registrierten Niederschlägen heimgesucht. Die ganze Stadt und ihre Umgebung wurden teils meterhoch von Wasser bedeckt und es waren auch Verletzte und Tote zu beklagen. Alle Bahnlinien wurden zum Teil komplett zerstört.

Lesen Sie auch: Eine Analyse von UFC 303

Betroffen sind alle Linien, und es werden wohl hunderte von Millionen Dollars nötig sein, um diese wieder aufzubauen. Der Hafen von Bahía Blanca, wichtig für den Export von Getreide und anderen Landwirtschaftsprodukten, kann nicht mehr erreicht werden. Wirtschaftlich könnte dieses Ereignis die privaten Güterzuggesellschaften Ferrosur Roca und Ferro-Expreso Pampeano ruinieren.

Die Bahnstrecke nach Neuquén und weiter ist vom übrigen Netz über viele Kilometer abgeschnitten. Ebenfalls schwer getroffen ist Tren Patagónico, da die Strecke von Bahía Blanca nach Süden vollständig zerstört wurde. In Aguara (29 km von Bahía Blanca) wurde eine Brücke mitsamt den Widerlagern zu 100% zerstört und weggeschwemmt.

Dies trifft Tren Patagonico umso stärker, nachdem sich in den vergangenen Monaten immerhin ein regelmässiger Güterverkehr von 1 bis 2 Zügen je Woche etabliert hat. Die Eisenbahnergewerkschaft Fraternidad hat jedoch schnell reagiert. Es wurde eine Komposition aus Personen- und Güterwagen zusammengestellt und sofort auf den Weg gesandt.

In Buenos Aires und unterwegs wurden Spenden aus der Bevölkerung aufgeladen, und der Zug erreichte nach knapp 50 Stunden den Bahnhof La Viticola (27 km von Bahía Blanca, an der Strecke via Saavedra), wo alles auf Lkw verladen wurde, denn näher an die Stadt kommt man auf der Schiene nicht mehr. Nach einem sehr schnellen Auslad kehrte die Komposition nach Buenos Aires zurück, und am 15.03. nahm sie wiederum voll beladen eine zweite Fahrt nach Bahía Blanca aus. Die Gewerkschaft ist nicht nur für den Transport verantwortlich, sie forderte auch alle Mitglieder auf, den Lohn eines Arbeitstages zu spenden.

Weitere Herausforderungen in Argentinien

  • Neuquén - Cipolletti: Nach einem langen Unterbruch wurde am 08.02.2025 der Bahnverkehr mit Triebwagen auf dieser 6 km Langen Strecke wieder aufgenommen.
  • Chaco: Die Regierung der Provinz Chaco will zusammen mit Trenes Argentinos Operaciones TAO den Abschnitt von Cacuí nach Puerto Tirol wieder in Betrieb nehmen.
  • Tucumán: Obwohl der Bahnhof Tucumán Mitre von zwei Zügen der Verbindnung Buenos Aires - Tucumán jede Woche bedient wird, versuchen Immobilienunternehmen, den Bahnhof von Trenes Argentinos zu bekommen, wobei die Chancen nicht schlecht stehen, da die Regierung soviel wie möglich von der Bahn loswerden will.
  • General Guido - Pinamar: Am 01.04.2025 muss Trenes Argentinos Operaciones TAO die 100 km lange Triebwagenverbindung General Guido - General Madariaga - Divisadero Pinamar stilllegen.

Brasilien: Ausbau und Modernisierung

Im Gegensatz zu Argentinien erlebt Brasilien einen Ausbau und eine Modernisierung seiner Bahnnetze. Verschiedene Städte und Bundesstaaten investieren in neue Strecken, Triebwagen und die Sanierung bestehender Infrastruktur.

Lesen Sie auch: Alles über UFC 311

CBTU João Pessoa

Da die Nachfrage nach Zugfahrten am Samstag stetig angestiegen ist, hat die CBTU Paraíba auf der Strecke Cabedelo - João Pessoa - Santa Rita im Dezember die Zahl der Fahrten an Samstagen um 2 Zugpaare erweitert, wobei nun die letzten Abfahrten statt um 15 Uhr jetzt gegen 18 Uhr stattfinden. Nach nur wenigen Wochen konnte die Bahn bekanntgeben, dass auch diese Züge sehr gut beansprucht werden.

CBTU Natal

Die CBTU Natal in Rio Grande do Norte hat noch gegen Ende des Jahres 2024 die Station Bela Vista in Betrieb genommen. Die neue Station liegt an der Nordstrecke nach Ceará Mirim etwa im Km 19 zwischen den Stationen Nordelândia und Estrela do Mar. Die Station Bela Vista ist die Abzweigstation zur neuen Strecke nach Jardim Petrópolis.

Neue S-Bahn?

Das Transportministerium hat 15,5 km der nicht genutzten Meterspurlinie Itabaiana - Souza im Bereich der Stadt Campina Grande im Inneren des Staates Paraíba an die Stadt Campina Grande abgetreten. Die Stadt will mit Hilfe des Staates eine Stadtbahn einrichten, um die Strassen der Stadt mit rund 420’000 Einwohnern zu entlasten.

Metro Teresina

Auf Beschluss der Regierung von Piauí kann die Bevölkerung von Teresina seit 01.01.2025 die Züge auf der 13,5 km langen Strecke Engenheiro Alberto Silva - Itararé kostenlos benützen. Man erhofft sich durch die stärkere Nutzung der Züge eine Entlastung der Strassen durch das Zentrum von Teresina, und zudem kann Kontrollpersonal in den Zügen und für die Abrechnung der eingegangenen Gelder eingespart werden.

Rumo Baurú

Der Güterkonzessionär Rumo Logistica hat damit begonnen, die Bahnstrecken rund um Baurú zu sanieren. Das Ziel liegt dabei auf der Wiederinbetriebnahme der 369,1 km langen Strecke Baurú - Marília - Tupã - Panorama. In Panorama entsteht in der selben Zeit ein intermodales Güterzentrum, um Güter zwischen Bahn, Lkw und Flussschifffahrt umzuladen.

Lesen Sie auch: Judo-Start: Was Eltern wissen müssen

CBTU Nordeste

Der staatliche Betreiber der vier Dieselzug-Vorortsbahnen im Nordosten Brasiliens (Maceió, Recife, João Pessoa und Natal) hat zum ersten Mal ein Strategiepapier über mehrere Jahre, bis 2028, veröffentlicht.

Projekt Porto Alegre - Gramado

Der Wiederaufbau der Eisenbahninfrastruktur im Staat Rio Grande do Sul soll auch gleich für anstehende Bahnprojekte genutzt werden, so hofft man es bei der Regierung in Porto Alegre. So kommen auch Privatunternehmen mit konkreten Projekten. Nun hat das Konsortium SulTrens den Plan zum Bau einer rund 84 km langen Bahn von Porto Alegre (Flughafen und Anschluss an die S-Bahn) nach Gramado und Canela vorgelegt.

Estrada de Ferro Vitória a Minas (EFVM)

Anfang Februar 2025 hat die EFVM die ersten neuen Personenwagen in Betrieb genommen. 34 neue Wagen wurden in China bestellt, wobei diese nahezu identisch und kompatibel sind zu jenen, die 2014 aus Rumänien geliefert wurden. Ab 2026 werden in den Monaten mit starkem Reiseverkehr jeweils 2 Zugpaare pro Tag zwischen Belo Horizonte und Vitória verkehren.

Estrada de Ferro Carajás (EFC)

Auch die EFC wird 60 sehr ähnliche Personenwagen wie die EFVM, ebenfalls vom Hersteller Sifang (China), bekommen.