Sexualität und Potenzialentfaltung sind Themen, die oft getrennt voneinander betrachtet werden, obwohl sie tief miteinander verbunden sind. Sexualität ist weit mehr als nur ein physischer Akt. Sie ist eine Quelle der Lebensenergie, die unser gesamtes Sein durchdringt.
Für die meisten Menschen ist Sexualität ein tief verwurzeltes Bedürfnis, das nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf emotionaler und spiritueller Ebene befriedigt werden möchte. Sexualität soll lustvoll sein, und allen Beteiligten „Spaß machen“, für Entspannung sorgen und Befriedigung bringen. In Partnerschaften darf sie kein „Pflichtprogramm“ werden.
Sexualität ist jedem Menschen unterschiedlich wichtig, Häufigkeit, Vorlieben, Fantasien, die Erwartungen an Exklusivität und Treue. Wo beginnt Untreue? Schon mit dieser Frage zeigen sich die unterschiedlichen Einstellungen, wann eine Begegnung sexuell bewertet wird.
Sexualität heißt Begierde, körperliche Nähe herstellen und sich für den Moment fallen lassen zu können. Somit braucht sie (meist) Vertrauen. Genauso lebt sie auch vom Prickeln, ausgelöst durch Neues und Unbekanntes - „das erobern wollen“.
Sexualität beginnt im Kopf, heißt es oft. Nicht zu vergessen: Sexualität dient auch der Fortpflanzung. Sie sehen, Sexualität ist für jeden Menschen anders, aber sie gehört zu uns allen. Sie ist vielfältig und dabei einzigartig.
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Sex haben kann jeder, Sexualität mit allen Sinnen genießen, sich hemmungslos fallenlassen ist eine Kunst, die bei Bedarf geübt und entwickelt werden kann. Sie schenkt Nähe, Befriedigung, Energie, Genuss und Lebensfreude. Zeit, zu Ihrer Sexualität zu stehen, ihre Wünsche auszusprechen und diese befreit und lustvoll auszuleben?
Hindernisse beim Loslassen und Wege zur Lust
„Manchmal kann ich irgendwie nicht loslassen.“ Das ist ein Gefühl, das wohl viele kennen. Dabei scheint im intimen Moment alles so einfach. Man ist einander nah, man liebt, man möchte entspannen. Doch dann das: tausendmal zärtlich berührt, leider nichts passiert. Die Erregung war ganz nah - und hat sich doch gleich wieder verflüchtigt, die Spannung nimmt einfach keine Fahrt auf. Und während der Partner auf dem schönen Gefühl surft, fühlt man sich einsam ans Ufer gespült. Bleibt enttäuscht und ein wenig verstimmt zurück.
Sicher, er kann nichts dafür, aber es wäre kaum vorstellbar, dass ein Mann den Satz sagen oder denken würde. Warum nur? Tatsächlich ist eine höhere Selbstkontrolle, gepaart mit Hemmungen, sich fallen zu lassen, eher bei Frauen typisch. Weshalb das so ist, dazu gibt es einige Erklärungsansätze. Und Anregung, wie man das schöne Gefühl leichter zulassen kann.
Vier Gründe, warum Frauen schwerer loslassen können
- Jahrtausende Fruchtbarkeit: Die Angst vor einer möglichen Schwangerschaft hinterlässt ihre Spuren. Auch wenn es heute sichere Verhütungsmittel gibt, die wir achtsam anwenden. Dennoch hinterlässt der Gedanke, welch heftige Folgen eine Empfängnis für Frauen am eigenen Leib und Leben hat einen bleibenden Eindruck. Kein Wunder also, dass unser Gehirn gewöhnt ist mit Sicherheitschecks dazwischenzufunken: Ist wirklich gut verhütet? Ist es hier sicher? Ist der Mann ein Guter? In Folge ist die weibliche Entfaltung von Erregung viel gefährdeter.
- Jahrhunderte Sexualmoral: Die Ansichten dazu, wie eine Frau zu sein hat, hängen mit der Fruchtbarkeit, aber noch mehr der historischen Stellung und den weiblichen Rollenidealen zusammen. Der Dame wird die Tür aufgehalten, ansonsten hat der Mann den Vortritt. Das gesellschaftliche Ideal hieß (und heißt oft noch): sorgsam sein, sozial, nicht zu laut und bestimmend. Weiblich eben. Nur wenige von uns sind ganz frei davon, so schnell lassen sich Erziehung und gesellschaftliche Urteile nicht abschütteln. Plötzlich darf und soll man die Beherrschung sausen lassen, soll sich Raum und Zeit nehmen, stöhnen, egoistisch sein? Gar nicht so leicht. Aber essenziell für die Lust.
- Ein Jahrzehnt Selbstoptimierung: In Zeiten von Achtsamkeit und Selbstoptimierung hat „die Kontrolle verlieren“ ganz schlechte Kritiken. Ständig wird das Gegenteil verlangt: Vergesse dich bloß nicht! Sieh’ gut aus! Zeig’ wenig Emotionen, einen Körper ohne Fehl und Tadel, Oberfläche ist alles. Sexualität ist genau genommen das Gegenteil davon. Den Switch muss man erst einmal hinbekommen.
- Jahrhundert ohne Funkstille: Wir leben in einer Zeit, in der alle immer auf „on“ sind, online, erreichbar, up to date mit News, in Social-Media, aktiv im Sport, beim Job. Doch um in die Erregung zu kommen, sollte das vegetative, also autonome Nervensystem die Leitung übernehmen, und genau das können wir nicht steuern. Dazu müssen wir in den Offline-Modus wechseln, spüren, geschehen lassen, können die Entwicklung nicht steuern. Hingabe, können wir das noch? Moment, das müssen wir üben.
Wege, die Kontrolle abzugeben und Lust zuzulassen
Vor einigen Anregungen sei noch eine grundsätzliche Frage beantwortet: sind Frauen vielleicht generell weniger erregbar als Männer? Die Antwort: vermutlich nicht. Die Ergebnisse eines Experiments verweisen darauf, dass eher kulturelle und psychische Phänomene den Zugang zum körperlichen Empfinden erschweren.
In einer Studie zeigten Frauen angesichts erotischer Filme die gleichen genitalphysiologischen und sogar neuronalen Reaktionen wie Männer. Gehirn und Genitalien reagierten also, doch als die Forscher die Probandinnen fragten, ob sie Erregung gespürt hätten, verneinten die meisten. Die Reaktion von Körper und Gefühl stimmten bei ihnen seltener überein als bei Männern, was Forscher Konkordanz, in diesem Fall eher Nicht-Konkordanz nennen.
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Die Wahrnehmung und Annahme der eigenen Gefühle ist also schwacher ausgeprägt - die Forscher vermuten aus evolutionsbiologischen, sozialen und kulturellen Gründen. So können Sie Hindernisse aus dem Weg räumen:
- Bewusste letzte Kontrolle: Machen Sie sich vor dem Sex nochmal klar: Ihre Verhütung ist lückenlos, der Mann ist richtig, Sie haben Zeit, Sie haben Ruhe, das Handy ist aus, zur Not auch die Klingel, die Schlafzimmertür zu (auch diese Kleinigkeit kann helfen). Sie können sich verführen lassen, oder verführen. Die Checks bewusst durchzugehen, beruhigt.
- Authentisch sein ist alles: Denken Sie daran: Mit eingezogenem Bauch kann niemand genießen, schon gar nicht Gefühle durchs Becken fluten lassen. Ihr Partner will Sie so, wie Sie sind, nicht als Produkt eines Insta-Filters oder als Darstellerin wie in einem Film. Vertrauen Sie darauf. Nur Sie sind live und in Farbe hier, schmecken, riechen, spüren. DAS ist das Maximum der Gefühle. Streichen Sie die Sorgen vor einem kritischen Urteil. Auch dem eigenen.
- Es ist Ihr Königreich: Egal, was Sie oder Ihr Partner gesehen haben, wie es sein könnte oder müsste: Für Ihre Lust machen Sie die Regeln und gestalten alles, wie es für Sie passt. Wenn mit Laken darüber, dann mit Laken darüber, wenn mit gedimmtem oder ohne Licht dann eben im Schummer. Hand hier, Hand da: Wichtig ist allein, dass Sie in die Entspannung kommen.
- Perfektion passt nicht: Seien Sie nachsichtig zu sich und dem Partner. Dabei hilft Humor, und der Abschied von falschen Idealen: Man muss nicht gleichzeitig kommen, man muss nicht zwingend kommen, am schönsten ist ein liebevolles und lustvolles Miteinander, unverkrampft und menschlich. Ende offen, der Weg ein befriedigendes Miteinander. Das zählt.
Selbstliebe und Körperbewusstsein
Bin ich gerne Frau? Die Beziehung zu sich selbst ist das tragende Element, das darüber bestimmt, wie Sexualität gelebt wird. Die körperpsychotherapeutische Praxis zeigt: Ungeklärte und unbewusste seelische Belastungen und Konflikte beeinträchtigen das sexuelle Lusterleben erheblich. Starke tonische Beckenboden-Anspannung verhindert sexuelle Erregung und/oder reduziert diese zu einem lokalen, reduzierten Phänomen - nur die Klitoris. Entsprechend wird eine orgastische Entladung vergleichsweise "kleiner" ausfallen, als wenn der ganze Körper beteiligt ist.
Eine erfüllende Sexualität ist das Ergebnis eines guten Körper-Bewusstseins. sind intensive Qualitäten im sinnlichen Erleben möglich. Welche Ängste und Widerstände habe ich bzgl. Sexualität, Männern und auch Frau-Sein? Was habe ich von meiner Mutter gelernt und vorgelebt bekommen? Mann erfahren?
Entwicklung psychischer sowie sexueller Autonomie und weiblicher Identität: Ankommen, Raum sein. Ins Sein finden - empfangende Kraft. Das Weibliche ist weiter, offener Raum, empfangende Kraft. Empfänglichkeit verloren ging, bzw. Der Kern beim Sexual-Coaching dreht sich um eine achtsam begleitete Entwicklung des Bewusstseins hinsichtlich des inneren Erlebens. Einkehr in die Fühl-Spür-und Innenwelt, um das Ankommen im eigenen Körper.
Einen anderen Schwerpunkt nimmt die Stärkung weiblicher Identität ein, sowie die Rückbesinnung auf die Polarität. Gespräch und Körperarbeit bilden das Fundament. Andere verwendete Methoden wie z.B. »Das Streben zulassen und dem Sein nachgeben. Das ist das Eigentliche der weiblichen Sexualität. Chronische Muskelspannung im Becken vermindert die Durchblutung der Vagina, wodurch die Lubrikation eingeschränkt wird, d.h. Das Weibliche ist weiter, offener Raum, empfangende Kraft. verloren ging, bzw. Sexuelle Erregung muss mittels muskulärer Anspannung eingeschränkt bzw.
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Weibliche Sexualität hat etwas mit Empfangen zu tun, mit Aufnehmen und Ausgefüllt (erfüllt) Werden, verbunden mit mit dem Gefühl, gewollt und begehrt zu sein. »Immer willst Du nur das Eine!« Der empörte Aufschrei, wenn der Mann (schon wieder) Sex möchte, ist wohl bekannt. Doch was eigentlich ein Schutz sein soll, wird zum selbstverletzenden Rückläufer. Bei nicht wenigen Paaren verwandelt sich die Sexualität in einen Geschlechterkampf. begreifen. Auch hierbei ist ein Zusammenspiel der Partner möglich, d.h.
Daher ist es nötig zu differenzieren: Was davon hat mit unserer Beziehungsdynamik zu tun? Immer geht es bei der Sexualität um die Erfüllung ganz natürlicher Grundbedürfnisse, nämlich gewollt und gemeint zu werden. Für eine (sexuell) verletzte Frau ist es erst einmal wichtig, ein solides Fundament zu errichten. Dabei ist es mir wichtig, den Fokus von Verletzt-Sein und Mangel immer mehr umzulenken in Richtung Fülle: Welche verborgenen Schätze wollen ans Licht? Woraus schöpfst Du Kraft?
Ist eine Frau gut verbunden, fühlt sie sich gehalten und gestärkt. Die Methodenwahl richtet sich nach dem Prozess und ist individuell abgesprochen. Hinter all diesen Symptomenen können sich weibliche Luststörungen verbergen.
Transgenerationale Aspekte und Weibliche Kraft
Traumatische Erfahrungen können transgenerational vererbt werden. Missbrauch bzw. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der weiblichen Vorfahren - angefangen bei der eigenen Mutter, Großmutter, usw. Stellenwert ein. Eine Frau in ihrer Kraft ist in ihrer weiblichen Essenz gegründet und lebt voll und ganz aus ihr. Mit Würde und Anmut lebt sie ihre Weiblichkeit, voller Autorität und Kraft. Wie bin ich Frau? Was stärkt mich? "Reif für die Liebe?"
Viele Frauen sind unzufrieden mit der Art ihrer Sexualität. Sie erleben diese oft als eingeschränkt und können sich darin nicht wirklich entfalten. Lust, Erregung oder Orgasmus sind für viele Frauen eine unberechenbare Angelegenheit, deren Höhen und Tiefen sie sich oft hilflos ausgeliefert fühlen. Darauf Einfluss zu nehmen und die Dinge für sich selbst erfüllend zu lenken, beeinflusst oftmals schon im Vorfeld des Liebesspiels die Frauen in ihrem Lust-, bzw. Unlustempfinden.
Dieser 3. Step ist ein besonderer Erfahrungsraum zu intimen Fragen und Wissen: Du wirst deine Lustzentren und -punkte erforschen, um das eigene orgasmische Erleben stärker lenken zu können. Eine Dakini, die ihre sexuelle Seite bejaht und das eigene sexuelle Potenzial lebt, wirkt wie ein Magnet auf Männer. Und sie kann lernen neben der Lust und Leidenschaft auch die heilige und spirituelle Seite der eigenen Sexualität kennen zu lernen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Selbstliebe, die auch für viele Frauen eher eine "Ersatzbefriedigung" ist. Jede Frau sehnt sich nach Zärtlichkeit, liebevoller Berührung und einer erfüllten Sexualität. Unsere Sexualität ist unsere intimste und essentielle Fähigkeit unser Frausein zu leben und auszudrücken. Durch sie erhalten wir Aufmerksamkeit, Bestätigung und Anerkennung. Unsere Sexualität ist von daher elementar mit unserem Selbstwert und Selbstbewusstsein als Frau verbunden.
Darüber hinaus ist unsere Sexualität eines der größten und genussvollsten Geschenke, die wir im Leben erfahren dürfen. Sie ermöglicht uns höchste Sinnenfreuden, tiefes Glück und Verbundenheit zu erleben. Darüber hinaus kann die Sexualität eine der wonnevollsten Möglichkeiten bieten, um den im Körper verankerten spirituellen Raum in sich zu erschließen.
Jede Frau hat das Potenzial, ihre Sexualität voll und ganz befriedigend und erfüllend zu leben. Und obwohl diese essentielle Gabe jeder Frau mitgegeben ist, sind doch viele Frauen nicht in der Lage, ihr orgasmisches Erleben zu lenken. Lust, Erregung, Orgasmus ist für viele Frauen eine unberechenbare Angelegenheit, deren Höhen und Tiefen sie sich oft hilflos ausgeliefert fühlt. Manchmal stellt sie sich ein, die Lust - manchmal nicht. Manchmal kommt er, der Orgasmus - manchmal nicht.
Das Leiden an der Unfähigkeit, auf das orgasmische Erleben Einfluss zu nehmen und das für sie erfüllend zu lenken, beeinflusst oftmals schon im Vorfeld die Frau in ihrem Lust-, bzw. Die tiefste und eindrücklichste Botschaft der Selbstliebe geben wir uns in der körperlich-sinnlichen Berührung. Selbstliebe geht über die gewohnte Selbstbefriedigung hinaus. In der Selbstbefriedigung geht es auch bei der Frau lediglich darum, sexuelle Spannungen abzubauen, wozu sie normalerweise nur ein paar Minuten braucht. Im Fokus steht dabei die Klitoris, die dabei schnell stimuliert wird, während die anderen Genitalien und Körperpartien wenig oder gar nicht beachtet werden.
In der Selbstliebe, wie du sie hier im Seminar kennenlernst geht es darum, neue Räume von Heilung, Selbstannahme und Ekstase für dich selbst zu erschließen. Dafür braucht es zunächst eine klare Entscheidung dafür und die Bereitschaft, alte Gewohnheiten der Selbstbefriedigung loszulassen, sowie die Orgasmusfixiertheit aufzugeben. Dieser 3. Step ist ein besonderer Erfahrungsraum zu intimen Fragen und Wissen: Du wirst deine Lustzentren und -punkte erforschen, um das eigene orgasmische Erleben stärker lenken zu können.
Sexualität und Jugend
Das Thema Sexualität und sexuelle Orientierung hat in der Pubertät einen hohen Stellenwert. Vieles wird explizit oder implizit dazu unter Jugendlichen verhandelt. Dabei herrschen teilweise ein starker normativer Druck und Regeln, die sich aus verschiedenen gesellschaftlichen Vorstellungen zusammensetzen, aber selten klar thematisiert werden. Es geht um (vermeintlich) sexuelle Kontakte von Jungen und Mädchen, die wahlweise zu häufig oder zu selten stattfinden oder geschlechtsspezifisch sehr unterschiedlich bewertet werden.
Jungen, die mit vielen Mädchen „etwas haben“, sind nach wie vor eher „cool“, wohingegen Mädchen, die mit mehreren Jungen etwas haben, zum Teil vernichtend abgewertet werden - von den Jungen ebenso wie von den Geschlechtsgenossinnen. Das bezieht sich auch auf die Kleidung. Der Balanceakt zwischen dem, was als zu viel oder zu wenig „sexy“ angesehen wird, ist teils recht unverständlich und willkürlich und folgt je nach individueller „Mädchengruppe“ eigenen Regeln.
Das ist für den Themenkomplex des religiös begründeten Extremismus von daher interessant, weil es einige Aussagen von Mädchen und jungen Frauen etwa aus dem salafistischen Spektrum gibt, die die dort herrschende eindeutige Kleiderordnung als Entlastung wahrnehmen. Sie müssen nicht mehr nachdenken, was sie anziehen dürfen, um „cool“ und doch „keine Schlampe“ zu sein. Sie sind nicht mehr den andauernden vergleichenden und bewertenden Blicken auch der Mädchen untereinander ausgesetzt. Sie folgen ihren eigenen Regeln des Salafismus, in dem innere Werte zählen und sich Schönheit vor allem an gottgefälligem Verhalten ablesen lässt.
Was sich geändert hat, ist der kaum gebremste Zugang von Kindern und Jugendlichen auf pornografische Bilder und Filme durch das Internet. Abgesehen von den Überforderungen, die sich dadurch für Heranwachsende ergeben können, wird immer wieder festgestellt, dass viele junge Menschen dennoch recht wenig über ihren eigenen Körper, den der Partner*innen und über empfehlenswerte Gesundheits- und Verhütungsvorsorgemaßnahmen wissen. Das betrifft alle Kinder und Jugendliche.
In streng religiösen muslimischen (wie auch anderen konfessionellen) Kontexten bestimmen strikte Normen den Umgang mit dem Thema Sexualität. Außerehelicher Geschlechtsverkehr wird ebenso abgelehnt wie nicht-heterosexuelle Orientierungen. Der Wiener Imam Tarafa Baghajati dazu: „Prinzipiell hat der Islam eine äußerst positive Einstellung zur Sexualität zwischen Mann und Frau. Dies ist in unzähligen Stellen aus dem Koran, Hadithe des Propheten und der islamischen Tradition und Literatur belegt. Sex gehört aber eindeutig in die Ehe.“
Das hat zur Folge, dass Jugendliche aus diesem Umfeld nicht die Gelegenheit haben, sich offen zu Sexualität, eigenen Wünschen und Vorstellungen zu äußern. Solange sie noch keine Ehe anstreben, hat Sexualität für sie kein Thema zu sein. Das kann die ohnehin hohe Verunsicherung in Zeiten der Pubertät verstärken und auch sehr frustrierend sein.
Die Frustration über nicht ausgelebte Sexualität ist ein Feld, das in der Präventionsarbeit - mit Jungen und Mädchen gleichermaßen - Beachtung finden sollte. Wie ist das, wenn das Gros der Gleichaltrigen herum Erfahrungen in temporären Partnerschaften machen kann und man selbst nicht? Weil man vom Verständnis der Eltern und des familiären Umfelds her nicht darf oder auch niemanden geeigneten findet?
Für radikal islamistische Gruppierungen gelten jegliche Liberalisierungen in Bezug auf Sexualität, sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten als nicht akzeptabel. Das voreheliche keusche Leben wird als heldenhaft dargestellt. Die Belohnung für die Entbehrungen erfolgt, wenn er/sie erst einmal die/den Richtige/n kennengelernt hat und dann die wahre Vereinigung erlebt.
Allerdings stellen sich die Prediger im Netz und anderswo als aufgeklärte Ansprechpartner dar. Anders als Jugendliche es häufig in ihrem Umfeld erleben, sprechen selbst ernannte Prediger offen über Verführungen, Wünsche und auch begangene Verfehlungen. Manche Parabeln im Internet machen zwar Andeutungen, dass man im Leben natürlich weiterhin mit Herausforderungen und Widrigkeiten zu rechnen hat, sei es, weil Eheleute etwa durch Kriegshandlungen getrennt sein müssen, sei es, weil die Schönheit einer Ehefrau sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Aber es gibt immer ein Happy End.
Darüber hinaus machen radikal islamistische Gruppierungen für jene, die bislang nicht enthaltsam, keusch und schamhaft im Sinne des Koran gelebt haben, ein hervorragendes Angebot: Sie können von Neuem - als unbeschriebenes Blatt sozusagen - beginnen. Und für Mädchen gibt es eine weitere Attraktion: Es wird (offiziell) nicht mit zweierlei Maß gemessen und Jungen haben sich genauso keusch und schamhaft zu verhalten wie sie als Frauen.
Dass das wirkliche Zusammenleben zwischen Mann und Frau im religiös begründeten Extremismus sich mit Sicherheit nicht immer durch regelhaftes und respektvolles Leben auszeichnet, zeigen vor allem Schilderungen aus den Kriegsgebieten des sogenannten IS. Hierzu bedürfte es einer eigenen Abhandlung insbesondere auch zur Rolle von Ehefrauen im Verhältnis zu gefangenen Frauen, die als „Sklavinnen“ gehalten wurden und sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren.
Sexuelle Orientierung und Geschlechtliche Identität
Ein weiteres wichtiges Thema sind sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität. Hier lässt sich beobachten, dass in der Mehrheitsgesellschaft der Umgang und die Bewertung von Homo- oder Transsexualität bzw. Queerness in Jugendgruppen sehr unterschiedlich ausfallen können. In ein und derselben Schule kann sich in einer Klasse eine Kultur der Offenheit entwickelt haben, während in der Parallelklasse homofeindliche Äußerungen prägend sind.
Oft hat das tatsächlich damit zu tun, dass eine Gruppe schwule, lesbische, transsexuelle oder queere Menschen unter den ihren hat und das als selbstverständlich ansieht. Insgesamt zeigt sich: Je offener und konstruktiver Lehrpersonen und mehrere Mitschüler*innen mit dem Thema umgehen, umso positiver ist das für die Gesamtgruppe. Wenn in einer Gruppe jedoch mehrheitlich Personen sind, die keine (offenen) Erfahrungen mit Nicht-Heterosexuellen haben und deren Umfeld nur das intime Verhältnis zwischen Mann und Frau als legitim ansieht, ist es oft schwierig, Toleranz einzufordern.
Heteronormative Positionen, die Homosexualität u. a. als Krankheit darstellen und die Sexualität insgesamt nur als innerehelichen Akt gutheißen, werden von fundamentalistischen Gruppen aller Religionen (Christentum, Judentum und Islam) vertreten. Im Islam werden von vielen Rechtsgelehrten sexuelle Handlungen zwischen Männern ebenso als Sünde abgelehnt wie außerehelicher Geschlechtsverkehr und das Trinken von Alkohol.
In der Regel werden diese „Sünden“ jedoch als Privatsache angesehen. Radikal islamistische Gruppierungen positionieren sich eindeutig gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften: YouTube-Videos von „Botschaft des Islam“ vermitteln konkret Inhalte gegen Homosexualität und appellieren mehr oder weniger subtil an die Verantwortung der Muslim*innen, lasterhaftem Leben entgegenzuwirken, da etwa gleichgeschlechtliche Liebe zur Vernichtung der Welt führen würde.
Die Geschichte der Sexualforschung
Alles, was es über die Sexualforschung zu wissen gibt: Das zeigt die Ausstellung "The Institute of Sexology" in der Londoner Wellcome Galerie. Eines der Hauptziele dieser Ausstellung liegt darin, zu zeigen, dass die Freiheit, sich als sexuelle Wesen zu entfalten, nicht selbstverständlich ist.
"Natürlich geht es auch allgemein um Sex, aber wir konzentrieren uns auf jene, die Sex wissenschaftlich über die letzten 150 Jahre untersucht haben," sagt Chefkurator James Peto, der aber auch keine plausible Erklärung dafür hat, warum erstaunlich viele dieser ersten Pioniere aus dem deutschsprachigen Raum kamen. "Ich glaube, eine der interessanten Erkenntnisse ist, das viele von ihnen Sammler waren; vielleicht mussten sie Beweise für sexuelle Praktiken und Einstellungen zusammentragen.
Die Ausstellung beleuchtet ihre Methoden, wie sie Sexualität untersuchten, aber zeigt auch die wissenschaftlichen und kulturellen Objekte, die sie sammelten. So präsentieren wir eine ganze Anzahl von Filmen, Skulpturen, Zeichnungen und Bilder, die das Studium und die Praxis von Sexualität zeigen. Zu sehen sind erotische Kunstwerke aus allen Epochen und Regionen - aus Persien, Japan, Indien und Europa: sich begattende Tiere, weibliche und männliche Genitalien und kopulierende Paare beider Geschlechter.
Hirschfeld, selbst homosexuell, entwickelte die Lehre der sexuellen Zwischenstufen und kämpfte für ihre Gleichberechtigung. Als Jude und Sozialist musste er vor den Nazis fliehen, sein Institut wurde verwüstet und seine Bibliothek Opfer der Bücherverbrennung, die als Film von der Wand flimmert. "Eines der Hauptziele dieser Ausstellung liegt darin, zu zeigen, dass die Freiheit uns als sexuelle Wesen zu entfalten, nicht selbstverständlich ist.
Wilhelm Reich, der Prediger der radikalen sexuellen Befreiung, geriet mit den US-Behörden in Konflikt und landete im Gefängnis. Seine Lehre über den Orgon-Akkumulator wurde als Scharlatanerie gebrandmarkt, auch seine Bücher verbrannt. Ob moderne Verhütungsmittel oder altertümliche Sexspielzeuge - manche Ausstellungsstücke sind unmissverständlich, andere verführen zum Schmunzeln, etwa wenn ein französisches Buch aus dem 19.
"Jede Generation gefällt sich darin zu glauben, dass sie den Sex erfunden habe.
