Eins vorweg: Es hat sich viel bewegt in den letzten Wochen und Monaten. Die Verantwortlichen haben die Corona-Zwangspause genutzt und sich viele Gedanken gemacht.
Veränderungen im Bewertungssystem
Das bisherige Bewertungssystem bei Taekwondo Technikturnieren, bestehend aus den Bereichen Technik mit maximal 4,0 Punkten und der Präsentation mit maximal 6,0 Punkten, bleibt zwar punktetechnisch unverändert.
Wirft jedoch den Hauptfokus vermehrt auf die Präsentation, welche die Punkte Geschwindigkeit und Kraft, sowie Rhythmus und Tempo und den Ausdruck und die Energie der jeweiligen Poomsae (Taekwondo-Form) vereint.
Der Bereich Technik wird nun mehr in der Ausführung der reinen Technik, sowie der jeweiligen Brennpunkte der gezeigten Techniken deutlich vernachlässigt, was zur einer größeren Ausführungsspanne bzw. zu einer großzügigen Definition der Technik führt.
Was bei den meisten Landeskampfrichtern für große Diskussionen sorgte.
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Auswirkungen des neuen Reglements
Das neue Reglement des Weltverbands World Taekwondo ist eingeschlagen wie eine Bombe und macht den Sport nicht nur für die Sportler viel attraktiver.
Die Umsetzung des neuen Reglements, das in Hessen und in Berlin bei den DTU Final9 bereits zur Anwendung kam, ist ein Garant für noch mehr Action.
Taekwondo ist damit viel spektakulärer geworden.
Allein das neue „Best of 3“ macht die Wettkämpfe für die Sportlerinnen und Sportler wesentlich unberechenbarer.
Es ist kein seltenes Bild, dass eine hoch gewonnene erste Runde gleichzeitig auch den Gesamtsieg bedeutet.
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Im Rahmen der Wettkämpfe gab es einige Überraschungen. Große Anerkennung an die Erfinder!
Martin Schoepe / Taekwondo Sportschule Wuppertal: Ich halte das neue Reglement für sehr interessant.
Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, wie es sich langfristig in der Praxis bewährt.
Anpassungen und Reaktionen
Man hat ja schon bei den Spanish Open Anfang April nach dem neuen Regelwerk gekämpft und gemerkt, dass man nachbessern muss.
Der Coach kann nach dem neuen Regelwerk beim Kopftreffer, der nicht ausgelöst hat, wieder seine Karte ziehen und ein Videoreplay fordern.
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Martin Schoepe: Ich habe mich im Vorfeld intensiv in das neue Regelwerk eingelesen, um bei den Wettkämpfen gut vorbereitet zu sein.
Ich habe auch viele Kämpfe gesehen, bei denen Sportler oder Sportlerinnen die erste Runde klar gewonnen und den Wettkampf dann doch verloren haben.
Ich finde, das macht unseren Sport noch interessanter und spannender: Du kannst Dir nie sicher sein, bis der Kampf wirklich vorbei ist.
Ich denke, das neue Regelwerk wird eher den offensiven Kämpfern zugutekommen.
Wenn der Angreifer nach einer Drehtechnik fällt, wird er nicht mehr mit einem Gam-jeom bestraft wie es früher war.
Herausforderungen und Perspektiven
Aktuell spielt Corona wieder kräftig mit seinen Muskeln.
Trotzdem sind die Spuren riesig, die der Virus hinterlassen hat.
Für die Sportler ist die aktuelle Zeit nicht schön.
Aber wie soll es für Taekwondo als Turniersport weitergehen?
Jetzt ist die beste Zeit für ein Austausch.
Was möchten die Sportler, welchen Weg möchten die regionalen Verbände gehen und vor allem, wohin möchte die Deutsche Taekwondo Union (DTU)?
Turniere und auch das Training werden in diesen Tagen bestimmt von ständig neu diskutierten Corona-Auflagen.
Beim Training ist es spürbar: Den Sportlern fehlt ein Ziel vor den Augen.
Es gibt kaum eine andere Sportart wo „das Gewicht machen“ so im Mittelpunkt steht.
Fokussierte Vorbereitung und Training - die Turniervorbereitung - wird bei den meisten Sportlern großgeschrieben.
Kaum ein anderer Sport fordert so viel Leidenschaft und Entbehrungen wie Taekwondo.
Nicht auszudenken, wenn jetzt vielleicht kurz vor knapp doch noch, das eine oder andere der wenigen Turniere abgesagt werden muss, die in der derzeitigen Situation durchgeführt werden sollen.
Nachwuchsförderung und Wettkampferfahrung
Gerade der Nachwuchs braucht Wettkämpfe, um zu reifen.
Für die ambitionierten Vereine und Sportler waren es schon vor Covid-19 zu wenig realistische Wettkampferfahrung.
Denn ein Blick durch das Starterfeld der letzten Turniere zeigt sehr schnell: In den meisten Gewichts- und Altersklasse fehlten schon vor Corona aktive Teilnehmer.
Und das, obwohl beim Taekwondo mittlerweile drei Jahrgänge in eine Altersklasse zusammengelegt werden.
Trotzdem findet man teilweise nur zwei oder drei Sportler in einer Gewichtsklasse.
Dabei wird nach der Waage sogar noch kräftig geschoben, junge Sportler werden kommentarlos einfach in die nächste Gewichtsklasse versetzt.
Die Kosten für ein Turnier sind exorbitant hoch.
Die Klassifizierungen werden bis ins Kleinste aufgeteilt, damit sich viele Sportler anmelden, denn mit der Startgebühr wird ein Teil der riesigen Kosten gedeckt.
Spätestens nach der Waage wird versucht, jedem Sportler bestmöglich gerecht zu werden.
Leider bleiben dennoch noch relativ viele Sportler kampflos.
Dasselbe gilt aber auch bei den Athleten, die nach ihren ersten Wettkämpfen in der Leistungsklasse (LK) 1 schnell gemerkt haben, dass sie sich da doch zu viel zugetraut haben und jetzt nicht mehr in ihre alte Leistungsklasse - LK2 - zurück können.
Auch hier wäre es schön, wenn mit Bedacht Lösungen gesucht werden.
Warum gibt es zum Beispiel keine Wettkämpfe mit einen leistungsmäßig gemischten Starterfeld?
Selbstverständlich nur für die ambitionierten LK2-Athleten, die hier Erfahrungen sammeln möchten.
Für alle Teilnehmer ist das ein ganz besonderer Reiz, der Pokal hat längst seinen eigenen Mythos und lebt von vielen Legenden, die dort geboren wurden.
Verbesserungsvorschläge und Zukunftsstrategien
Wir haben hervorragende Kampfrichter, traut ihnen mehr zu.
Gestaltet bei Turnieren die Gewichts- und Altersklassen etwas enger.
Macht den Sport fairer: maximal zwei Jahrgänge.
Öffnet die LK1 für ambitionierte LK2 Sportler.
