Deutsche Taekwondo Meisterschaft: Regeln und mehr

Taekwondo oder Tae-Kwon-Do beziehungsweise Taekwon-Do ist eine koreanische Kampfkunst, die hierzulande als Kampfsport ausgeübt wird. Das Wort Taekwondo kann also mit „Der Weg des Fuß- und Faustkampfes“ oder „Der Weg mit Fuß und Faust“ übersetzt werden. Taekwondo setzt auf Schnelligkeit und Dynamik und es dominieren die Fußtechniken.

Das Taekwondo hat sich vom koreanischen Volkssport zu einem modernen Wettkampfsport entwickelt und ist in der Welt verbreitet. Weltweit trainieren geschätzte 40 Millionen Menschen diesen dynamischen Vollkontakt-Wettkampfsport. Für ein Taekwondo-Training muss man einem der vielen Verbände beitreten. Es gibt internationale Wettkämpfe und dieser Sport im WT Stil ist seit 2000 auch olympische Disziplin.

Ausrüstung

Der Kampfanzug namens Dobok besteht aus einer Art Jacke (Sang-I), Hose (Hang-I) und Gürtel (Ty). Der Anzug lässt alle Bewegungen zu und ist auch reißfest. Dieser Anzug ist auch die einzige Bekleidung, die Füße bleiben unbekleidet. Jegliche Form von Schmuck (Ringe, Uhren, Ohrringe) muss aufgrund der Verletzungsgefahr ebenfalls auch im Training abgelegt werden.

Bei Wettkämpfen ist das Oberteil meist geschlossen und über den Kopf zu ziehen. Die Hose ist weit, reicht bis zur halben Wade und so gearbeitet, dass ein seitlicher Spagat möglich ist. Für ein Probetraining ist auch ein Trainingsanzug zulässig. Jedoch muss man bei Eintritt in einen Verband einen Dobok erwerben, schon als Symbol der Einheit.

Im WT Wettkampf sind Schutzausrüstungen gestattet, da es sich um Vollkontakt-Kampf handelt: Weicher Helm, Schutzweste, Zahnschutz, Tiefschutz, Handschützer, Unterarm- und Schienbeinschoner sowie je nach Altersklasse auch mit Spannschutz.

Lesen Sie auch: Taekwondo-Regeländerungen

Gürtel und Gürtelsystem

Taekwondo Gürtel erfüllen vorwiegend einen praktischen Zweck, das Zusammenhalten der Jacke. Die Farben des Gürtels geben überdies Auskunft über den Rang oder den Trainings- und Wissensstand. Die Gürtelgrade sind unterteilt in Schülerklasse (Kup) und Meisterklasse, Dan oder Poom.

Die Bedeutung der Gürtelfarben:

  • Der weiße Gürtel wird von Anfängern getragen
  • Der weißgelbe Gürtel ist ein Übergang.
  • Der gelbe Gürtel steht für fruchtbaren Erdboden, auf dem Wissen und Können gedeihen sollen.
  • Der gelbgrüne Gürtel ist ein Übergang.
  • Der grüne Gürtel symbolisiert die ersten Sprösslinge und Früchte, Zeichen, dass etwas im Schüler heranreift.
  • Der grünblaue Gürtel ist ein Übergang.
  • Der blaue Gürtel steht für den Himmel und somit sinnbildlich für eine Grenze und Anregung, Höheres anzustreben und auch zu erreichen.
  • Der blaurote Gürtel ist ein Übergang.
  • Der rote Gürtel repräsentiert die Sonne, von der schon eine große Kraft ausgeht, der Schüler ist also kurz davor, Meister zu werden.
  • Nur die Dan-Träger dürfen auch Doboks mit einem schwarzen Revers tragen.

Das Taekwondo-Training

Zum Taekwondo gehören nicht nur körperliche Trainingseinheiten und bewusste Ausübung der Bewegungsabläufe. Dahinter steckt auch eine Philosophie, zusammengefasst als sogenannte „Grundsätze des Taekwondo“:

  • Ye-Ui, die Höflichkeit
  • Yom-Chi, die Integrität
  • In-Nae, das Durchhaltevermögen, die Geduld
  • Guk-Gi, die Selbstdisziplin
  • Beakjul-bool-gul, die Unbezwingbarkeit

Folgendem Eid sollen sich alle Taekwondo-Schüler verpflichtet fühlen:

  • Ich verpflichte mich, die Grundsätze des Taekwondo einzuhalten
  • Ich verpflichte mich, meinen Trainer und alle Höhergestellten zu achten
  • Ich verpflichte mich, Taekwondo nie zu missbrauchen
  • Ich verpflichte mich, mich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen
  • Ich verpflichte mich, bei der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten

Trainingsübungen

Aus den genannten Philosophien und physikalischen Gesetzmäßigkeiten leiten sich die Trainingsübungen und die Stufen des Fortschritts im Taekwondo ab:

Lesen Sie auch: Was ist der Unterschied?

  • Grundschule (Gibon Yeonseup): Üben einzelner Bewegungen und Techniken durch mehrfaches Wiederholen, ohne Gegner.
  • Formenlauf (Teul, Hyeong, Pumsae (Taegeuk/Palgue)): festgelegte Techniken werden in vorgegebener Reihenfolge durchgeführt.
  • Einschrittkampf (Hanbon Gyeorugi, Ilbo Matsogi, Ilbo Daeryeon): Ein Übungskampf mit festgelegter Technikenreihenfolge gegen einen Gegner.
  • Bruchtest (Gyeokpa): Zerstören von Holzbrettern, Ziegeln oder sonstigen Materialien mittels Taekwondo-Techniken.
  • Freikampf (Daeryeon, Matsogi oder Gyeorugi): Freier Übungskampf gegen einen Gegner, häufig ohne Berührung.
  • Wettkampf (Chayu Matsogi): Leicht-, Semi- oder Vollkontaktkampf gegen einen Gegner.
  • Selbstverteidigung (Hosinsul): Selbstverteidigung gegen einen oder mehrere unbewaffnete oder bewaffnete Gegner.
  • Gymnastik (Dosu Dallyon)
  • Theorie (Ilon)

Die Taekwondo-Regeln

Je nach Stilrichtung, Schule oder Großmeister gibt es unterschiedlich strikte Regeln für Trainingsabläufe beziehungsweise einen allgemeinen Verhaltenskodex. Viele Regeln gelten jedoch grundsätzlich für den Taekwondo-Sport allgemein.

Diese sind zum Beispiel:

  • Zum Training erscheint man pünktlich und in sauberer Sportkleidung (Dobok). Hände und Füße gewaschen, kurze Finger- und Fußnägel.
  • Kein Essen oder Trinken während einer Trainingseinheit, kein Kaugummi oder eine Rauchpause - die gesamte Aufmerksamkeit ist dem Lehrer oder dem Übungspartner gewidmet.
  • Kein Verlassen des Trainingsbereiches während einer Trainingseinheit - vorher auf die Toilette gehen beziehungsweise beim Lehrer abmelden.
  • Vor dem Training stellen sich die Schüler vor dem Meister in einer fest vorgegebenen Reihenfolge gemäß ihres Ranges auf, der höchste immer vorne rechts.
  • Das Training beginnt, wenn der Lehrer den Befehl zur Aufstellung gibt.
  • Beim Training darf nicht geplaudert oder laut gelacht werden. Die Kommandos des Lehrers müssen jederzeit gehört werden können und müssen auch befolgt werden.
  • Nur der Lehrer oder hohe Graduierungen dürfen anderen Schülern Techniken beibringen oder korrigieren.
  • Angriffe gegeneinander, Bruchtests, Übungen mit Waffen (zum Beispiel bei der Selbstverteidigung) oder andere schwierige Übungen dürfen nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Lehrers und unter dessen Beobachtung durchgeführt werden.
  • Befiehlt der Lehrer den Übungsabbruch (Kommando Geuman oder Baro oder Gallyeo), müssen alle Übungen sofort beendet werden.

Die Verneigung

Da Verneigungen, Respekt und Formwahrung in Asien selbstverständlicher Inhalt des täglichen Lebens sind, gibt es gewisse Formregeln auch beim Taekwondo. Die Verneigung drückt Respekt vor dem Lehrer und dem Übungspartner aus und dient der Sammlung und Konzentration.

Die Verneigung wird meist mit dem Kommando Cha-ryeot (Achtung!) vorbereitet. Die Füße sind nebeneinander positioniert im Moa Seogi, Fäuste am gestreckten Arm leicht neben dem Körper. Mit dem Kommando Gyeong-nye (grüßen, verneigen) beugt sich der Oberkörper im rechten Winkel nach vor, die Arme mit den Fäusten werden ebenfalls leicht angewinkelt.

Eine Verneigung erfolgt:

Lesen Sie auch: Die Bedeutung von Taekwondo Poomsae

  • beim Betreten und Verlassen des Übungsraums
  • zu Beginn und Ende der Übungsstunde
  • vor und nach Partnerübungen
  • vor und nach einem Bruchtest (zum Beispiel eines Holzbretts)

Wettkampf-Regeln

Ein Taekwondo- Wettkampf oder Freikampf findet grundsätzlich auf einem abgegrenzten Feld statt. Ein Kampfrichter leitet den Wettkampf, während ihn mehreren Punktrichtern bewerten. Der Kampf geht über wenige Minuten, in denen die Teilnehmer versuchen, den Gegner mit Taekwondo-Techniken im Vollkontakt zu treffen.

Vollkontakt bedeutet Fußtechniken zum Körper und Kopf. Handtechniken zum Kopf sind aufgrund erhöhter Verletzungsgefahr nicht erlaubt, lediglich Fausttechniken zum Rumpf. Tiefe Fußtechniken auf die Beine sind verboten. Je nach getroffener Körperstelle gibt es Punkte: Torso zwei Punkte, Kopf 3 Punkte. Ein Zusatzpunkt wird für Drehtechniken gegeben, Punktabzüge gibt es als Strafe bei unsportlichem Verhalten. Ein Wettkampf kann auch durch ein K.O. entschieden werden.

Bei Olympischen Spielen gibt es drei Runden über jeweils zwei Minuten mit jeweils einer Minute Pause. Olympische Wettkämpfe finden in vier der sonst üblichen acht Gewichtsklassen für Männer und Frauen statt. Es gelten die internationalen WT Wettkampfregeln und die Wettkämpfer tragen die vorgeschriebene Schutzausrüstung (Kopfschutz, Schienbein- und Ellbogenschoner, Tiefschutz, Zahnschutz, Brustpanzer).

Bei Freikämpfen gilt meist Leicht- oder Semikontakt und es wird eher die korrekte und ästhetische Ausführung der Technik(en) bewertet als die Treffer. Erlaubt ist Hand- und Fußschutz.

Neben dem Freikampf werden auch Formenturniere ausgetragen. Die traditionelle Hyeong Form bedeutet: Kein Kontakt beziehungsweise nur Leichtkontakt, kein Schutz.

Deutsche Taekwondo Meisterschaften

Taekwondo ist ein weltweit verbreiteter Sport, bei dem in nationalen und internationalen Turnieren die besten Sportler ermittelt werden. Die deutschen Taekwondo Meisterschaften der unterschiedlichen Altersklassen finden jährlich statt und werden außerdem als Einzel- und Mannschaftswettkämpfe ausgetragen.

Eine Taekwondo Bundesliga wurde in der Saison 2003/2004 nach dem olympischen Vorbild gestartet, um den Sport und den Wettkampf einem großen Interessentenkreis näher zu bringen. Beispiele hierfür sind die Turniere „Berlin Open“ oder „NRW Masters“.

Wie bei allen Kampfsportarten üblich, erfolgt auch hier eine Einteilung nach Geschlechtern in Taekwondo Gewichtsklassen und Altersklassen. Die genaue Definition der Klassen allerdings ist von Verband zu Verband unterschiedlich. Die oberste Regel gilt dem Befolgen der Befehle des Kampfrichters. Unterbrechungen des Kampfes kann nur der Kampfrichter veranlassen.

Punkte werden für Techniken zum Kopf oder zur Brust vergeben. Einen Punkt erhaltet Ihr für Techniken gegen die Brust, 3 Punkte für Drehtritte gegen die Brust oder einen geraden Tritt zum Kopf und 4 Punkte für einen Drehtritt zum Kopf. Der Kampfrichter kann Verwarnungen für leichte Regelverstöße und Strafpunkte aussprechen. Zwei Verwarnungen ergeben ebenfalls einen Strafpunkt. Der Strafpunkt wird für den Gegner als Punkt gewertet.

Die Theorie der Kraft

Die Taekwondo-Technik bedient sich bestimmter physikalischer Gesetzmäßigkeiten, der sogenannten „Theorie der Kraft“. Diese besteht aus:

  • Konzentration: Die gesamte Kraft genau im Moment des Schlages auf eine möglichst kleine Fläche wirken zu lassen. Große Fläche = kleine Kraftwirkung, kleine Fläche = große Kraftwirkung.
  • Reaktionskraft: Gegnerische Kraft plus eigene Kraft = Kraft, die auf den Gegner einwirkt.
  • Gleichgewicht: Angriff wird wirksamer und Abwehr wird stabiler, wenn der Körper sich im Gleichgewicht befindet.
  • Atmungskontrolle: Eigene Schlagwirkung und Schutz des eigenen Körpers erhöhen sich durch Anspannen der Bauchmuskeln (Ausatmen und Pressen) im Moment des Schlages.
  • Schnelligkeit: Je größer die Geschwindigkeit, desto größer ist die wirksame Kraft.
  • Masse: Je größer die am Schlag beteiligte Masse (Hüfte und gesamter Körper, nicht nur der schlagende oder tretende Körperteil), desto größer die wirksame Kraft.