Karate feiert an den Olympischen Spielen in Tokio seine Premiere. Elena Quirici will bei der Verteilung der ersten Olympia-Medaillen in der asiatischen Kampfsportart ein Wörtchen mitreden.
In einer Video-Serie werfen wir einen Blick auf einige ausgesuchte Schweizer Hoffnungsträgerinnen und -träger an den Olympischen Sommerspielen 2021 in Tokio. Heute: Karateka Elena Quirici aus Schinznach-Dorf im Aargau.
Sie will die einmalige Chance packen, denn 2024 figuriert Karate bereits nicht mehr im Programm.
Zwei Frauen haben fünf Ringe im Visier. Die Aargauerin Elena Quirici und die Zürcherin Petra Klingler wollen im Sommer 2020 in Tokio Sportgeschichte schreiben.
Für beide Athletinnen eröffnet sich die Chance, ihre Sportart bei der olympischen Premiere zu vertreten. Und sowohl Karate-Kämpferin Quirici als amtierende Europameisterin wie auch Sportkletterin Klingler als Weltmeisterin von 2016 dürfen sogar leise von einer Medaille träumen.
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Derzeit befinden sich die 25-jährige Quirici und die zwei Jahre ältere Klingler auf der Mission, sich überhaupt für den erstmaligen Auftritt ihrer Disziplin im sportlichen Olymp zu qualifizieren.
Alles andere als ein Selbstläufer, denn einerseits ist die Dichte an der Spitze in den beiden weltumspannenden Sportarten gross, andererseits legt man für die Karate-Premiere in Tokio verschiedene Kategorien zusammen.
Quirici, die in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm antritt, muss sich in Japan auch mit den ganz schweren Girls ohne Gewichtslimite messen. Nur zehn Athletinnen dürfen in der für Olympia vereinten Kategorie an den Start.
Jüngst erhielten Quiricis Olympiaträume einen argen Dämpfer. Nicht etwa, weil es der Schinznacherin sportlich schlecht läuft. In den drei bisherigen Qualifikationsturnieren stand sie einmal zuoberst auf dem Podest und einmal im Final. Aber ein sportpolitischer Entscheid sorgt für gehörigen Frust.
Die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris haben entschieden, welche Sportarten sie zusätzlich ins Programm aufnehmen. Im Rahmen der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dürfen die Olympiastädte ab 2020 zusätzliche Sportarten ins Programm aufnehmen. Die Bedingung dafür ist, die vorgegebene Höchstzahl von 10'500 Teilnehmern nicht zu überschreiten.
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Karate in Paris 2024 nicht dabei
Während Peking für die Winterspiele 2022 keine eigenen Wünsche eingab, setzt Paris zwei Jahre später weitgehend auf Kontinuität. Mit Skateboard, Surfen und Sportklettern berücksichtigen die Franzosen drei der fünf Olympia Premieren von Tokio erneut. Baseball und Karate müssen zugunsten von Breakdance weichen. Dies ausgerechnet im Land, das nach Japan als bedeutendste Karate-Nation der Welt gilt. 167 WM-Medaillen gewannen französische Kämpfer bisher.
Begründet wird die Auswahl mit der Philosophie, auf ein junges, urbanes Publikum setzen zu wollen. Dafür wählte man Sportarten mit Wettkämpfen ausserhalb konventioneller Arenen und mit ausgesprochen starker Präsenz in sozialen Netzwerken.
Der Aufschrei in der Karate-Welt ist gross. «Wir werden nicht aufgeben», sagte Antonio Espinos, der Generalsekretär der Welt-Karate-Föderation, trotzig.
Auch Elena Quirici, die an diesem Wochenende in Spanien versuchen wird, ihren EM-Titel zu verteidigen, schüttelt den Kopf. «Als wir es im Trainingslager erfuhren, waren alle sehr gefrustet. Leid tun mir vor allem die jungen Sportler, für die Tokio noch zu früh kommt. Ihnen wurde der olympische Traum wieder weggenommen.» Für sie selber bedeutet das Wegfallen der Perspektive Paris 2024 eine neue Ausgangslage, wenn «ich nach Tokio über meine sportliche Zukunft entscheiden werde».
Was aber sagt man beim Olympischen Komitee zur Situation von Karate? Kit McConnell, der Sportdirektor des IOC, weist darauf hin, dass die neue Möglichkeit der Austragungsorte, Sportarten zu benennen, in erster Linie eine grosse Chance für diese sei, Teil des olympischen Programms zu sein. «Es gibt noch viele Sportarten, die gerne dabei wären.»
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Auch das IOC selbst hat Möglichkeiten, das olympische Programm zu ändern. So stand Ringen für Tokio 2020 auf der Kippe und zuletzt gab es Diskussionen um Boxen (wegen des umstrittenen Präsidenten) und Gewichtheben (wegen der vielen Dopingfälle). Erstmals dabei wird im Sommer 2020 Streetball sein, eine Basketball-Variante mit 3 gegen 3 Spielern. Auch dies ein Schachzug, um ein jüngeres Publikum für Olympia zu begeistern.
Zwei weitere Faktoren haben im Rahmen der Agenda 2020 für das IOC höchste Priorität. Dass man Synergien bei der Benützung von Wettkampfstätten schafft und dass die Geschlechter im gleichen Masse vertreten sind. In Paris werden erstmals in der olympischen Geschichte exakt die gleiche Anzahl Sportlerinnen wie Sportler teilnehmen.
McConnell will nicht ausschliessen, dass Karate 2028 in Los Angeles zurück ins Programm rückt. Durch die Doppelvergabe der beiden Sommerspiele 2024 und 2028 hat das IOC bei der Festsetzung des Programms so viel Vorlaufzeit wie noch nie. Bereits 2021 will man dieses festlegen. Dannzumal mit den Erfahrungen von Tokio.
Für die Athletin Elena Quirici wird Los Angeles kaum mehr ein Thema sein. Ihr olympischer Traum ist auf Japan ausgerichtet. Dem ordnet die 25-Jährige alles unter. Erst am 15. März beendete sie die Spitzensport-Rekrutenschule. Ihren 40-Prozent-Job als kaufmännische Angestellte hat sie gekündigt, um in den nächsten Monaten als Profisportlerin optimale Bedingungen für ihr grosses Ziel zu schaffen. Ironie des Schicksals.
Nachdem die letzten Karate-Wettkämpfe wegen des Coronavirus abgesagt wurden, hatte die Aargauer Karatekämpferin Elena Quirici die Olympia-Qualifikation auf sicher. Am Dienstag folgte dann die Verschiebung der Spiele. Ihre Qualifikation kann sie aber behalten.
Die 26-jährige Karateka aus Schinznach-Dorf ist zweifache Europameisterin und gewann 2012 die Bronze-Medaille an der Weltmeisterschaft in ihrer Gewichtsklasse. 2020 qualifizierte sie sich für die olympischen Spiele in Tokio.
SRF: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Spiele verschoben, war das für Sie der richtige Entscheid?
Elena Quirici: Ja. Die Gesundheit geht vor, ich bin froh über diesen Entscheid. Dennoch schmerzt es natürlich, wir haben so lange davon geträumt und so hart gearbeitet. Aber es ist der logische Entscheid.
Die Qualifikationsphase ging wegen des Coronavirus früher zu Ende als geplant. Und Sie waren dadurch dann plötzlich qualifiziert.
Dann folgte die Verschiebung von Olympia und die Unsicherheit, was dies nun für Ihre Qualifikation bedeutet. Wie erlebten Sie die letzten Tage?
Es war ein Gefühlschaos in den letzten Wochen. Zuerst wird die Qualifikation beendet, ich bin qualifiziert. Man hat riesige Freude, der ganze Druck ist plötzlich weg. Dann weiss man nicht, was mit den Olympischen Spielen passiert. Dann werden sie verschoben und man stellt sich die Frage, was das nun für meine Qualifikation bedeutet. Dann heisst es, die qualifizierten Athleten bleiben qualifiziert. Ich will mich aber noch nicht zu sehr freuen. Ich trainiere nun einfach weiter. Das Ziel bleibt so oder so Tokio 2021.
Diese Olympia-Qualifikation ist Ihr ganz grosses Ziel. Sie haben vor einem Jahr aufgehört zu arbeiten und sich ausschliesslich auf den Sport funktioniert. Was bedeutet diese Verschiebung der Spiele für Sie nun?
Durch die vielen Qualifikationswettkämpfe auf der ganzen Welt hatte ich gar keine Zeit zum Arbeiten. Und es hat sich auch gelohnt. Nun muss ich aber über die Bücher. Es ist nicht nur Elena, für die die Vorbereitung ein Jahr länger geht. Dazu gehören auch meine Trainer, meine Familie und meine Freunde, die diesen Weg mit mir gehen müssen. Zudem ist es als Randsportart auch eine finanzielle Frage. Das werden wir nun anschauen.
Wie sieht denn im Moment Ihr Alltag aus. Trotz der Verschiebung der Olympischen Spiele sollten Sie weiterhin trainieren, was derzeit wegen der Corona-Krise sicherlich nicht einfach sein dürfte?
Als absehbar wurde, dass es schlimmer wird, habe ich mir einen Raum organisiert und ihn mit Trainingsmatten eingerichtet. Von meinem Fitnesscenter konnte ich Gewichte mit nach Hause nehmen, damit ich meine Muskeln trainieren kann. Und glücklicherweise lebt mein Freund, der auch Karate macht, mit mir im gleichen Haushalt, so können wir zusammen trainieren.
Das Gespräch führte Beni Minder. Am 29.3.2020 teilte das Internationale Olympische Komitee mit, dass die Qualifikationen auch für die Spiele im Jahr 2021 gelten. Elena Quirici kann an den Wettkämpfen teilnehmen.
