Die Frage, welche Kampfsportart am gefährlichsten ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt eine breite Auswahl an Kampfsportarten, zu den bekanntesten zählen Karate, Judo, Kickboxen, Boxen, MMA oder Krav Maga. Allerdings kommt es natürlich auf die Situation an. Gegen einen Bären oder einen Angreifer mit Schusswaffen gibt es selbstverständlich Grenzen. Jedoch hat man durch die Kenntnis von Kampfsporttechniken und Vitalpunkten sowie Fitness einen erheblichen Vorteil in einer Notsituation, egal welcher Art.
Im Folgenden werfen wir einen Blick auf verschiedene Kampfsportarten und deren Gefahren, um ein umfassenderes Bild zu erhalten.
Boxen: Eine Sportart mit Risiken
Boxen ist eine Sportart, die über Leben und Tod entscheiden kann. Laut einer Umfrage von Manuel Velazquez vom bekannten US-TV-Channel CNN starben zwischen 1890 und 2011 schätzungsweise 1.604 Boxer als direkte Folge von Verletzungen im Ring. Das sind durchschnittlich 13 Todesfälle pro Jahr. Der 27-jährige amerikanische Boxer Patrick Day ist das jüngste Todesopfer im Boxsport, er starb vier Tage nach einer Kopfverletzung, die er in einem Kampf erlitt. Im Juli starben zwei Boxer im Abstand von nur wenigen Tagen hintereinander.
Kopfverletzungen treten auch in anderen Sportarten wie beim Football, beim Fußball, Rugby und beim Radfahren auf. Was das Boxen jedoch so einzigartig macht, ist, dass die Boxer versuchen, ihre Gegner KO zu schlagen. Das ist es auch was die Medien lesewirksamer in der Öffentlichkeit ausschlachten.
Allerdings räumte der WBF-Sprecher ein: „Aber Boxen bringt jungen Menschen auch so viel Gutes. Boxen hält sie von der Straße fern und fern von Drogen. Boxen lehrt viele junge Menschen Disziplin und Selbstvertrauen. Viele der jungen Leute, die mit dem Boxsport angefangen haben, wären wahrscheinlich ohne Boxen tot oder im Gefängnis gelandet. Und was wäre, wenn Boxen verboten würde? Ich bin sicher, es würde einfach auch weiterhin stattfinden, dann wahrscheinlich ohne Sicherheitsvorkehrungen und ärztliche Untersuchungen. Man kann heute auch ohne eine Aufsichtsbehörde Fußball spielen und es würde keinen großen Unterschied machen, aber Boxen ohne Aufsichtsbehörden und ärztliche Kontrolle ist eine schlechte Idee.“
Lesen Sie auch: Ratgeber zur Wahl der passenden Kampfsportart
Andere Sportarten im Vergleich
Boxen wird in den Statistiken der gefährlichsten Sportarten gar nicht genannt. Im Jahre 2018 hat alleine nur in Österreich (!) der Tod 268 Mal in den alpinen Bergen zugeschlagen. Im Jahre 2005 waren es sogar 416 Bergsteiger die am Berg in Österreich ihr Leben gelassen haben. Dieses Beispiel ließ sich auch noch auf viele andere Extrem-Sportarten fortführen, aber auch der Fussball und das Skilaufen beklagen jährlich eine Vielzahl von Toten mehr als das Boxen. Die meisten Sportunfälle, nämlich 32 Prozent, passierten beim Fußballspielen, danach folgten mit 26 Prozent Unglücke beim Alpinskifahren. Acht Prozent der Unfälle erlitten Radfahrer. Zwei Drittel aller Unfälle passierten somit bei diesen drei Sportarten. Andere Ballsportarten - exklusive Fußball - sind laut der Auswertung die Ursache für fünf Prozent der Unfälle. Beim Laufen und Joggen ereignen sich vier Prozent, beim Reiten und Snowboarden drei Prozent aller Unfälle.
Einige weitere Beispiele für riskante Sportarten sind:
- Bergsteigen: Allein 2021 gab es im bayrischen Alpenraum 55 Bergtote.
- Moto-Cross: In einer 12 Jahre andauernden Studie lag die Gesamthäufigkeit von Motocross-Verletzungen bei 95 von 1000 Fahrer:innen.
- Skifahren: Allein Kollisionsunfälle gab es 2021/2022 1,29 pro 1000 Skifahrer:innen.
- Stierkampf: Einer Studie aus dem Jahr 2021 zufolge ist die Unfallrate dabei über neun Prozent. Zum Tod kommt es in jedem 200. Fall.
- Free Soloing: Hier klettern Extremsportler:innen ganz ohne Sicherung an Felswänden hoch, in Höhen, wo ein Fall sicher zum Tod führt.
- Wingsuit-Fliegen: Laut flightnotch.com endet schätzungsweise einer von 500 Sprüngen tödlich.
MMA: Ein moderner Vollkontaktsport
Der Begriff „Mixed Martial Arts“ (MMA) bezeichnet einen relativ modernen, aus Brasilien und den USA stammenden Vollkontaktsport, der Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten beinhaltet und meistens in Form von Käfigkämpfen ausgeübt wird, wobei Schlag- und Tritttechniken sowie Bodenkampf- und Ringertechniken erlaubt sind. Auch weil – im Gegensatz zu asiatischen Kampfsportarten – im Bodenkampf weiter geschlagen und getreten werden darf, erinnern Käfigkämpfe an Gladiatorenkämpfe.
In regulierten professionellen MMA-Wettkämpfen gleichen die Verletzungsraten denen anderer Kampfsportarten. Die Knockoutquote ist niedriger als im Boxen, was zu einer Verminderung des Risikos von Gehirnverletzungen führen kann.
Weitere Kampfsportarten und ihre Schwerpunkte
Je nach Kampfsportart liegt der Fokus auf dem Kampf mit Waffen, Verteidigung, mentaler Stärke etc. Hier eine kurze Übersicht:
Lesen Sie auch: Traditionelle japanische Kampfkünste
- Krav Maga: Fokussiert auf Selbstverteidigung, effektiv und schnell erlernbar.
- Judo: Nutzt die Kraft des Gegners, gut geeignet für körperlich schwächere Menschen.
- Kickboxen und MMA: Sehr hart, erfordern viel Kondition.
- Tai Chi: Auf sanfte Abläufe ausgelegt.
Selbstverteidigung und Vitalpunkte
Beim Kampfsport, in der Selbstverteidigung und vor allem beim Krav Maga wird versucht die verwundbaren Körperstellen des Angreifers zu attackieren. Mit einem Schlag oder Tritt zu einer empfindlichen Stelle des menschlichen Körpers, kann der Verteidiger körperliche Unterlegenheit ausgleichen und sich eine Chance der Selbstverteidigung bewahren. Es gibt Punkte am menschlichen Körper die bei einem harten Schlag zum KO oder zum Tod führen können. Dazu gehören unter anderem der Kehlkopf, die Schläfe und die Stelle am Hinterkopf an der die Wirbelsäule beginnt.
Neben den besonders verwundbaren Stellen des Körpers gibt es noch sogenannte Vitalpunkte. In einigen Selbstverteidigungssystemen werden diese empfindlichen Punkte dazu genutzt den Gegner Kampfunfähig zu machen.
Wie man den richtigen Kampfsport findet
Ihr wisst noch nicht genau welcher Kampfsport für Euch geeignet sein könnte?
- Zunächst einmal müsst ihr wissen, dass Kampfsportarten teilweise andere Zielstellung haben: Verteidigung (für das Militär oder Bevölkerung), sportliche Ertüchtigung oder Training des Geistes/ Konzentration.
- Manche Kampfsportarten sind härter als andere: Kickboxen und MMA sind sehr hart, Tai Chi hingegen ist auf sanfte Abläufe ausgelegt.
- Probieren geht über studieren - nehmt an einem Probetraining teil: Es ist sehr empfehlenswert ein paar Schnupperkurse zu besuchen und sich einen Einblick zu verschaffen. Denn das Umfeld, eure Trainingspartner und der Trainer machen sehr viel aus. Sie entscheiden maßgeblich über den Erfolg.
Tabelle: Vergleich einiger Kampfsportarten
| Kampfsportart | Härtegrad | Fokus | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Krav Maga | Mittel | Selbstverteidigung | Alle |
| Judo | Mittel | Kraftnutzung des Gegners | Körperlich schwächere |
| Kickboxen | Hoch | Kondition, Angriff | Sportliche |
| MMA | Hoch | Vollkontakt, Vielseitigkeit | Erfahrene |
| Tai Chi | Niedrig | Sanfte Abläufe, Entspannung | Alle |
Lesen Sie auch: Gürtelsystem im Karate
