Der Wert von 90 Tonnen Gold im Kontext von "Haus des Geldes"

Im Finale von Staffel 5 der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ raubt die Crew um den Professor (Álvaro Morte) satte 90 Tonnen Gold aus der spanischen Zentralbank. Für diese unglaubliche Menge setzten die Verbrecher*innen sogar ihr Leben aufs Spiel - und einige verloren es sogar. Doch wie viel Euro bekommt man eigentlich dafür?

Der "Haus des Geldes"-Raubzug in Euro

Um festzustellen, wie viel die Beute der „Haus des Geldes“-Gauner*innen wert ist, nehmen wir am besten den aktuellen Goldkurs. Der Goldpreis unterliegt natürlich stets Schwankungen. Allein im Jahr 2021 bewegte er sich im Bereich von etwa 45.500 bis 53.000 Euro pro Kilogramm. Nehmen wir an, der Wert liegt bei 51.000 Euro pro Kilogramm. 90 Tonnen sind 90.000 Kilogramm und das multipliziert mit 51.000 ergibt folgendes Ergebnis:

90 Tonnen Gold sind etwa 4,59 Milliarden Euro wert.

Zusammen mit den 984 Millionen Euro, die in Staffel 2 ergaunert wurden, ergibt sich sogar eine Gesamtsumme von etwa 5,57 Milliarden Euro, die aber natürlich auch noch unter den Bankräuber*innen aufgeteilt werden muss. Schließlich waren deutlich mehr als zehn Leute an den Überfällen beteiligt. Als Milliardär oder Milliardärin wird also niemand aus dieser Nummer hervorgehen.

Doch die „Haus des Geldes“-Bande wird das Gold ohnehin nicht in Geld umwandeln können. Denn nachdem beim Überfall auf die Zentralbank so einiges schiefging, benötigen sie es nun als Druckmittel, mit dem sie den spanischen Staat erpressen, um nicht verfolgt zu werden.

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Goldreserven im internationalen Vergleich

Die Goldreserven Deutschlands sind hoch. Tatsächlich ist die Bundesrepublik in Sachen Gold das zweitreichste Land der Welt - direkt hinter den USA. Insgesamt verfügt Deutschland (Stand 2017) über 3.374 Tonnen Gold. Die USA haben hingegen mit über 8.000 Tonnen an Goldreserven mehr als doppelt so viel Edelmetall in ihrem Besitz.

Einen Teil des Bundesvermögens in Gold anzulegen ist vorausschauend, denn Gold ist wertstabil und dank des intrinsischen Wertes auch in Krisenzeiten absolut zuverlässig.

Hier eine Übersicht der größten Goldreserven der Welt:

Land Goldreserven in Tonnen (ca.)
USA 8.000
Deutschland 3.374

In der Zeit von 1945 bis 1950 besaß Deutschland überhaupt keine Goldreserven. Erst danach wurde mit Einführung des Bretton-Woods-Systems der Grundstein für den heutigen Goldvorrat gelegt. Dieses funktionierte nach einem einfachen Prinzip: Länder mit Leistungsbilanzdefiziten mussten Staaten, die Leistungsbilanz-Überschüsse hatten, im Gegenzug Gold überschreiben. So gelangte Deutschland rechtmäßig in den Besitz neuer Goldreserven.

Mittlerweile ist bei den Goldreserven Deutschlands jedoch Stillstand angesagt: Die Bundesband kauft weder Gold an, noch verkauft sie welches. Einzig die rund fünf bis sechs Tonnen Gold, die jährlich verwendet werden, um damit Gedenkmünzen zu prägen, sorgen dafür, dass sich die Goldreserven Deutschlands stetig verringern.

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Obwohl es sich bei den deutschen Goldreserven um Eigentum der Deutschen Bundesbank handelt, bedeutet dies nicht automatisch, dass sich die vielen Tonnen Gold tatsächlich in der Bundesrepublik befinden. Vielmehr ist es nur ungefähr die Hälfte der rund 270.000 Barren, die in deutschen Tresoren lagern. Der Rest wird in Großbritannien und den USA aufbewahrt.

Deutsche Goldreserven im Ausland zu lagern ist eine Art Notfallplan: Sollte es zu einer Währungskrise kommen, würden die Goldvorräte entweder direkt verkauft oder verpfändet, um hierfür im Gegenzug Bargeld in einer stabilen Alternativwährung (US-Dollar) zu erhalten.

Realitätscheck: Ist ein solcher Goldraub überhaupt möglich?

In "Haus des Geldes" liefert der "Berlin" genannte Halbbruder des Professors den Masterplan für den Einbruch. In der Realität stieße er aber wohl auf nahezu unüberwindliche Hürden. 90 Tonnen Gold zu stehlen, das ist doch ziemlich unrealistisch, wenngleich man 20 Tonnen eigentlich in einem Kubikmeter stapeln kann.

"Dazu sind 90 Tonnen kaum im Markt unterzubringen", sagt Önder Ciftci vom Goldhändler Ophirum. "Barren sind standardisiert und registriert. Muss Gold eingeschmolzen werden, dann passiert dies in Scheideanstalten. Kleinere Mengen kann man auch privat einschmelzen, aber keinesfalls 90 Tonnen. Der Energiebedarf beim Goldschmelzen ist hoch, es entstehen somit auch hohe Stromkosten. 90 Tonnen ließen sich somit ohnehin nur sukzessive über einen langen Zeitraum einschmelzen und verkaufen."

Auch in Sachen Gewicht hätten die Diebe ein großes Problem. Gold ist das drittschwerste Metall und das fünftschwerste Element, in einem unauffälligen Seat Ibiza kann man die Goldbestände kaum abräumen.

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Zu all diesen praktischen Hürden kommt noch die Sicherheitskomponente. Den Tresorraum einer Zentralbank zu knacken, ist praktisch unmöglich. Die Räume werden durch tonnenschweren Türen mit Zeitschlössern gesichert, die Wände sind mehrere Meter dick. Bewegungs- und Erschütterungsmelder melden Einbruchversuche sofort. Die Polizei ist an das Alarmsystem einer Notenbank angeschlossen, darüber hinaus sichern Wachleute die Tresore rund um die Uhr ab. In der Serie zeigt sich dieses Sicherungssystem anfällig für um die Ecke gedachte, clevere Ideen. Doch in der Realität wird selbst das Kreativhirn des "Professors" nicht ausreichen.

Die sichere Reserve: Gold als Krisenanlage

Gold war immer schon die beste Krisenanlage und ist es heute mehr denn je. Die meisten Gewinne machte Gold in den Zeiten, da andere Wertanlagen schlingerten. Denn jede Krise, die die Börsen schockt, ist gut für Goldanlagen. Die Kämpfe im Irak, der Ölpreis, die Unsicherheit über die US-Wirtschaft: All das fördert den Gold-Boom.

Auch die hohe und stark wachsende Verschuldung in den USA und vielen anderen Ländern dürfte ein wichtiger Grund für Großinvestoren sein, ihren Reserveschatz stärker auf Gold auszurichten. Zwar ist das Gegenparteirisiko - sprich Staatspleiten - bei den meisten Ländern nur theoretischer Natur, allerdings untergräbt eine nicht nachhaltige Schuldenpolitik den langfristigen Wert der Währungen, in denen die Schulden bedient werden.