Judoka Daniel Eich hat bei Olympia 2024 in Paris Größe bewiesen und die olympischen Werte in herausragender Manier vertreten.
Der Schweizer traf in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm auf Peter Paltchick aus Israel. Kurz vor Schluss dann die vermeintliche Entscheidung: Strafe für den Israeli, Bronze für Eich. Doch es kam anders.
Fünf Sekunden vor dem Ende riss Daniel Eich die Arme in die Höhe. Peter Paltchick hatte soeben seine dritte Strafe kassiert, der Kampf war eigentlich entschieden.
Doch irgendetwas stimmte nicht, das merkte dann auch der Videoschiedsrichter. Tatsächlich war es nämlich nicht die dritte Strafe, die im Judo die Niederlage bedeutet, sondern erst die zweite für Paltchik. Entsprechend wurde die Entscheidung nach etwa 30 Sekunden korrigiert, der Kampf für wenige Augenblicke fortgesetzt.
Letztlich ging Paltchick mit 1:0 als Sieger von der Matte.
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"Im ersten Moment habe ich geglaubt, dass ich gewonnen habe, aber als der VAR kam, habe ich gemerkt, dass da irgendetwas nicht stimmt", wird Eich von "20min.ch" zitiert. Er habe sich "einen kurzen Moment gefreut, aber mir dann gedacht, dass es Quatsch wäre, wenn die Entscheidung so geschrieben werden würde", gab der 24-Jährige zu.
"Ich habe nicht das Gefühl, dass sie mich beschissen haben", führte Eich aus. Es sei "ein bitteres Resultat, aber ich bin froh, bis zum Schluss mitgekämpft zu haben".
Dem Publikum war der Hintergrund der Entscheidung offenbar nicht ganz klar, denn Paltchick wurde ausgebuht. Und wieder zeigte sich Eich als fairer Sportsmann. Der Schweizer deutete mit dem Finger auf seinen Gegner, stellte sich daneben und verdeutliche damit, dass dieser der verdiente Sieger und Gewinner der Bronzemedaille ist.
"Am Ende war ich nahe dran, eine Medaille zu machen", befand Eich. Er finde sich aber damit ab, dass es nicht gereicht habe.
Weitere Judo-Wettkämpfe und Ergebnisse
Neben Daniel Eich gab es auch andere Athleten, die in verschiedenen Wettkämpfen angetreten sind.
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Den Anfang machte am zweiten WM-Tag in Abu Dhabi Martin Setz. Er verliert seinen Auftaktkampf mit Ippon und scheidet damit aus.
Am dritten Tag geht Dena Pohl auf die Matte. Sie wird von der Polin Natalia Kropska nach einer Minute mit Waza-ari geworfen und gibt dann in einer Würgetechnik auf.
Erik Abramov hat nach zweieinhalb Minuten einen leichten Vorteil mit 2:1 Strafen, der Ukrainer Yevheniy Balyevskyy wirft allerdings eine Minute vor Ende mit Ippon. Damit scheidet Erik Abramov aus.
Auch Louis Mai scheidet aus. Gegen Dzhakhongir Madzhidov aus Tadschikistan erhalten beide schnell eine Bestrafung wegen Inaktivität.
Samira Bouizgarne hat keinen guten Start. Bereits nach neun Sekunden wirft Idalys Ortiz aus Kuba mit Waza-ari, erhält dann jedoch noch eine Strafe. Samira Bouizgarne schafft es nicht mehr, den Waza-ari aufzuholen und verliert den Auftaktkampf.
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George Udsilauri: Ein Brandenburger Kämpfer
George Udsilauri kämpft in der Klasse bis 100 kg und ist der erfolgreichste Starter, der in Brandenburg trainiert.
Zunächst kämpft er gegen Michael Korrel aus den Niederlanden. Er hat eine lange Erfolgsliste.
Nach zwei Minuten erhält der Niederländer Michael Korrell eine Strafe für Runterziehen und eine Minute vor Schluss noch Waza-ari.
Nach einer Minute wirft George Udsilauri einen excellenten De-ashi-barai, für den zunächst Ippon gegeben wird. Allerdings wird er zurückgenommen und auf Waza-ari umgewandelt.
Unser Athlet schafft es, die Spannung aufrecht zu erhalten und verteidigt den Waza-ari bis zum Ende.
Sein nächster Gegner ist Jorge Fonseca aus Portugal. Er ist der aktuelle Olympia-Dritte und war 2019 und 2021 Weltmeister.
Beide erhalten insgesamt jeweils zwei Shido und nach fast zwei Minuten punktet Fonseca mit Waza-ari, den er bis zum Ende verteidigt. Gegen Nikoloz Sherazadashvili aus Spanien gerät er nach ca. drei Minuten Kampfzeit in eine Haltetechnik und verliert diesen Kampf.
Er hadert nach dem letzten Kampf sehr stark mit sich. „Eigentlich brauchte ich das Finale für die Qualifikation nach Paris“, war seine erste Reaktion.
„Und nach dem ersten Kampf wusste ich, dass es gehen kann.“ Letztendlich hat ihn Jorge Fonseca einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Im Halbfinale verliert er gegen ihn und ab da war sein Kopf schwer geworden. „Gegen den Spanier haben mir hintenraus einfach auch die Körner gefehlt“, schätzt er kritisch ein.
Sein betreuender Trainer Sebastian Seidl als Assistenz-Bundestrainer schaut auf den Wettkampf seines Schützlings äußerst positiv.
„Er hat den Wettkampf seines Lebens gemacht. Er hatte so ein schweres Los. So da rauszukommen, das macht mich schon sehr stolz.“
Er schätzt vor allem auch ein, dass er selbst in den beiden Kämpfen, die er verloren hat, wie ein Löwe gekämpft hat.
„Das Turnier heut sollte ihm ganz viel Selbstvertrauen für die kommenden Jahre geben.
Losseni Kone
Losseni Kone geht durch ein Wechselbad der Gefühle im Kampf gegen Tsetsentsengel Odkhuu aus der Mongolei. Beide haben jeweils zwei Strafen und kämpfen im Golden Score.
Nach fast der doppelten Kampfzeit auch Beide sehr müde. Nach dreieinhalb Minuten in der Verlängerung dann Waza-ari für unseren Athleten, der wieder zurückgenommen wurde.
Sechs Sekunden später aber ein erneuter Ansatz und Ippon. Losseni Kone ist eine Runde weiter und kämpft als nächstes gegen den aktuellen WM-Dritten Alisher Yusupov aus Usbekistan.
Der Kampf war kurz. Der Ukrainer setzt an, wirft auf Waza-ari und geht in eine Halte über. Damit verliert Losseni Kone seinen zweiten Kampf nach 23 Sekunden und scheidet aus.
Hamburger Judo-Team in der 1. Bundesliga
In der 1. Judo-Bundesliga der Männer empfing das Hamburger Judo-Team am Samstag, den 28. Juni, den Tabellenführer UJKC Potsdam. Hamburg startete sehr stark in den ersten Durchgang.
Nachdem Ivaylo Ivanov (-90kg) für die Gäste aus Potsdam den ersten Punkt der Begegnung erzielte, gewann das HJT die nächsten vier Kämpfe in Folge.
Rashid Mammadaliyev (-73kg), Daniel Udsilauri (+100kg), Moritz Plafky (-60kg) und Strahinja Buncic (-66kg) brachten Hamburg mit 4:1 in Führung. Nach der Halbzeitpause erzielte Paul Friedrichs (-90kg) den Ausgleich für die Potsdamer.
Rashid Mammadaliyev (-73kg), Daniel Yannik Eich (+100kg) und Moritz Plafky (-60kg) erneut mit drei Punkten in Führung.
In Hinsicht auf die Qualifikation für die Final Four tut dieses Unentschieden dem HJT deutlich mehr weh als dem UJKC Potsdam. Potsdam steht mit 11 Punkten nach wie vor an der Tabellenspitze der Gruppe Nord, gefolgt von Titelverteidiger Remscheid mit 10 Punkten.
Hamburg liegt mit 9 Punkten auf Platz drei. Den letzten Kampftag der regulären Saison wird das HJT am 23. August zu Gast beim 1.
