Sabine Meindl: 25 Jahre Taekwondo in Dachau

Sabine Meindl (52) liebt und lehrt Taekwondo, die Kampfkunst aus Korea. Sie kann mit ihren Händen Bretter zerschlagen. Dafür stellt die blonde Powerfrau zwei Bretter auf den Mattenboden und legt eines quer darüber.

Sie holt tief Luft in ihrem weißen Taekwondo-Anzug. Dann stellt sie sich breit auf und schlägt mit der Handkante auf das zweieinhalb Zentimeter dicke Holz. Rums, zerfällt es in zwei Teile. Sabine Meindl übt in ihrem traditionellen Taekwondo-Center in Dachau-Ost.

Das Jubiläum feiert die Meisterin (6. DAN) mit einer Benefizgala. Am 19. Oktober feierte das traditionelle Taekwondo Center Dachau sein 25-jähriges Bestehen mit einer Benefizgala. Das Event fand im Theatersaal des ASV Dachau statt. Der Erlös kam behinderten Kindern und Jugendlichen des Franziskuswerks Schönbrunn zugute.

25 Jahre Taekwondo Center Dachau

Neben den Matten stehen ein goldener Gong und ein kleiner Buddha. Meindl hat den Trainingsraum vor genau 25 Jahren eröffnet und feierte das mit einer Benefiz-Gala. Begonnen hat alles im Jahr 1994, als Sabine Meindl, damals 2. Dan, sich entschloss, eine eigene Taekwondo-Schule zu gründen. Viele Helfer standen ihr damals zur Seite. So konnte nach rund sechs Wochen Arbeit die Taekwondo-Schule eröffnet werden.

Später erfolgte der Umzug ins Gewerbegebiet Dachau, in die Kopernikusstraße 15. Die folgenden 25 Jahre sind eine einzige Erfolgsgeschichte. Aktuell hat die Taekwondo-Schule über 40 Schwarzgurte aufzuweisen. Sabine Meindl konnte in dieser Zeit sogar Schüler bis zum 4. Dan ausbilden. Sie selbst hat den 6. Dan erreicht und darf sich so Großmeisterin nennen.

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Mittlerweile ist sie Großmeisterin und sagt über den Bretterbruchtest: „Das kann eigentlich jeder, wenn er es trainiert“, der Trick ist: „Man schafft das durch Konzentration und indem man seine ganze Kraft auf einen Punkt fixiert.“

Taekwondo als Lebenselixier

Taekwondo ist ihr Lebenselixier. Schon als Kind war die geborene Münchnerin von den Kampfsport-Szenen in der Fernsehserie „Kung Fu“ fasziniert, für sie war damals klar: „Das möchte ich auch mal machen.“ Mit 14 Jahren landete sie beim Probetraining im Taekwondo-Center in Pasing - und fühlte sich sofort zuhause: „Mir hat das Meditative gefallen, dass man seine Kraft aus dem Inneren herausholt und in Aktion umwandelt, vor allem bei den schönen und hohen Beinkicks.“ Taekwondo ist koreanisch und bedeutet Fußtechnik (tae), Handtechnik (kwon) und Weg (do). Es entstand aus dem Karate.

Sabine Meindl blieb dabei und machte sich mit 27 Jahren mit ihrem Taekwondo-Center selbstständig: „Angst hatte ich nicht, aber am Anfang habe ich gedacht, dass vielleicht nur Frauen und Kinder zu mir kommen, aber das war gar nicht so.“ Sie konnte sich als Großmeisterin, koreanisch Sabonim, auch unter den Männern behaupten: „Außerhalb des Trainingsbereichs bin ich Sabine, auf den Matten bin ich Sabonim.“

In den ersten Jahren als Trainerin arbeitete sie noch im Personalbereich eines Unternehmens. Mittlerweile hat sie sich auf Taekwondo konzentriert. Klischees, dass Letzteres aggressiv sei und wehtue, wehrt sie ab: „Für mich ist es kein Kampfsport, sondern eine Kampfkunst, das heißt: Wir schlagen uns hier nicht gegenseitig auf Kampfwesten.“ Trotzdem wird gegeneinander gekämpft, aber: „Da bleiben wir mit unseren Bewegungen immer zwei Zentimeter von unserem Gegner entfernt.“

Der Weg zum 6. Dan

Sie hat sich als Taekwondoka immer weiterentwickelt. Als sie den schwarzen Gürtel hatte, eröffnete sie ihr Studio und hatte den 1. DAN, japanisch für Rang. Meindl erzählt: „Ich bin immer wieder nach New York geflogen, um bei Großmeister Kwon Jae-hwa zu trainieren.“ Er ist ein Taekwondo-Star. Der Koreaner bereiste in den 60er Jahren Europa und brachte die Kampfkunst unter anderem nach Deutschland.

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Die Prüfung dazu fand in den USA, bei Großmeister Kwon Jae-Hwa statt. Sabine Meindl ist die einzige Frau, die bei Großmeister Kwon jemals die Prüfung zum 6. Dan abgelegt hat. Bei ihm machte Meindl ihren 6. DAN, damit war sie die erste und einzige Frau bei Kwon Jae-hwa, die diesen Rang erreichte: „Ich musste dafür mit verbundenen Augen einen Formenlauf machen und zwei Bruchtests.“ Der Formenlauf ist ein Kampf gegen einen imaginären Gegner. Er beinhaltet zum Beispiel verschiedene Fußtritte und Handschläge.

Ein Leben ohne Taekwondo kann sich Sabine Meindl nicht mehr vorstellen, sie trainiert fünf Tage in der Woche, zwischen zwei und drei Stunden: „Es hilft natürlich, wenn man sich im Ernstfall verteidigen muss, das musste ich aber noch nie, aber ich glaube, man hat auch eine andere Ausstrahlung, man ist selbstbewusster.“

Engagement und Zusammenhalt

Ihre Schüler sind zwischen vier und über 70 Jahre alt. Rund hundert davon zeigten ihr Können bei der Gala. Der Erlös ging an das Franziskuswerk Schönbrunn. Meindl: „Wir wollen damit Kinder und Jugendliche unterstützen, die sich nur mit Einschränkungen bewegen können.“ Einige Schönbrunner kamen auch zur Gala und sogar ein Gast aus Hawaii. David Ippen hat dort ebenfalls ein Taekwondo-Center.

Auch einige Leiter befreundeter Taekwondo-Schulen waren bei der Gala mit dabei, einer, David Ippen, reiste sogar aus den USA (Hawaii) an.

Was zeichnet die Schule aus? Sabine und ihre Trainer gelten als ausgesprochen engagiert, es ist bekannt, dass Schüler aus Dachau bei Prüfungen und Wettkämpfen immer zu den Besten gehören. Groß geschrieben wird der Zusammenhalt der Generationen. So ist der jüngste Schüler vier Jahre jung, der Älteste hat die 70-Jahre-Marke bereits überschritten.

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Gegenseitiger Respekt, Hilfe und Unterstützung sind selbstverständlich. In gemeinsamen Trainingslagern kommen neben dem Training auch das Gesellschaftliche und der Spaß nicht zu kurz.

Das hat Sabine Meindl auch schon besucht und war sogar schon im Heimatland der Kampfkunst, in Korea: „Da möchte ich unbedingt noch mal hin.“

Der weltweite Siegeszug des Taekwondo begann bereits in den 1960er Jahren. 1965 bereiste Großmeister Kwon Jae-Hwa mit einer koreanischen Delegation Europa und legte damit den Grundstein für das traditionelle Taekwondo in Deutschland. Seit vielen Jahren lebt der über 80jährige Kwon Jae-Hwa in New York.

Einen ausgezeichneten Ruf genießt das traditionelle Taekwondo Center Dachau von Sabine Meindl.

„Taekwon-Do ist für mich mehr als ein Sport - es ist meine Leidenschaft und Lebensaufgabe. Ich freue mich, die persönliche Entwicklung meiner kleinen und großen Schüler zu fördern, indem ich ihnen Disziplin, Respekt, Ausdauer und Selbstbewusstsein vermittle. Es ist erfüllend zu sehen, wie sie nicht nur körperlich stärker, sondern auch selbstbewusster und zielstrebiger werden."