Uwe Hück: Vom Thaibox-Europameister zum Betriebsratsvorsitzenden bei Porsche

Uwe Hück ist ein Mann, den man hört, bevor man ihn sieht. Durch die offene Tür seines Büros in der ersten Etage der Porsche-Zentrale in Stuttgart-Zuffenhausen brüllt er Namen von Leuten, die er sprechen möchte, jetzt, sofort. An diesem frühen Nachmittag ist der Betriebsratsvorsitzende von Porsche sauer.

Vom Lackierer zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden: Uwe Hück sorgt sich als Betriebsratschef von Porsche um die Belange der Arbeitnehmer.

In der kleinen Pforzheimer Schulturnhalle tummelt sich ein gutes Dutzend Jugendlicher. Die Luft ist stickig, Schweiß tropft auf den Boden. Satzfetzen mit unterschiedlichen Spracheinschlägen sind zu hören, unterbrochen von knappen Rufen und dem Geräusch dumpfer Schläge. Mitten in der Halle steht ein fast zwei Meter großer Hüne mit einem Kreuz wie ein Bär. Wenn andere Menschen nach Feierabend erschöpft im Fernsehsessel hängen, dreht Uwe Hück noch einmal voll auf. Als Thaiboxer, als Trainer, als Ansprechpartner. Vor allem aber als Vorbild.

Ein schwieriger Start ins Leben

„Ich kann nicht von mir behaupten, einen guten Start ins Leben gehabt zu haben. Ich bin Heimkind und werde aller Voraussicht nach keine Chance im Leben haben.“ Es ist eine bittere Bilanz, die der junge Uwe Hück zieht. Die Eltern des 1962 geborenen Stuttgarters sterben früh. Er wächst in Heimen auf, eckt schnell an. „Für die Heimleitung war ich wahrscheinlich nur noch ein schwer erziehbarer Sonderschüler, der es mit etwas Glück vielleicht noch zum Hilfsarbeiter bringen würde.“

Doch der Waisenjunge lernt schnell, sich durchs Leben zu kämpfen, seinen eigenen Weg zu gehen. Er schafft den Schritt von der Sonder- in die Hauptschule, überspringt prompt zwei Klassen. Der Sport gibt ihm Halt. Und Selbstvertrauen. Den Gegner respektieren, ohne ihn zu fürchten. Sich diszipliniert an die Regeln der Kampfkunst halten. Trotz Härte stets fair bleiben. All das sind Grundsätze, die nicht nur im Ring gelten - sondern dem jungen Uwe Hück als Fundament seiner späteren Erfolge dienen.

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Zunächst auf sportlicher Ebene: Er wird zweifacher Europameister im Thaiboxen, bewirbt sich anschließend bei Porsche. Am 1. Mit dem Job will Hück seine Karriere als Profisportler finanzieren, erkennt aber schnell, dass Porsche mehr ist als eine Zwischenstation.

Der Aufstieg bei Porsche

Auch zahlreichen Mitarbeitern fallen die Qualitäten ihres neuen Kollegen auf. Gerade einmal zwei Jahre im Unternehmen, wird Hück 1987 zum Vertrauensmann gewählt. Vor den Betriebsratswahlen 1990 wird ihm immer häufiger die Frage gestellt, ob er nicht kandidieren wolle. Er will - und wird gewählt. „Bald würde ich für jede Menge Menschen boxen“, blickt Hück in seiner 2012 im Campus-Verlag erschienenen Autobiographie „Volle Drehzahl“ auf seine Anfänge als Betriebsrat für die Porsche-Standorte Zuffenhausen und Ludwigsburg zurück.

Schnell macht er sich innerhalb des Unternehmens einen Namen. Sein Fleiß wird belohnt. 1997 wird der 35-Jährige zum Betriebsratsvorsitzenden für Zuffenhausen und Ludwigsburg gewählt.

Porsche hat inzwischen turbulente Jahre hinter sich: Sinkende Verkaufszahlen und steigende Verluste bedrohten zu Beginn der 1990er-Jahre die Existenz der Traditionsfirma. „Wir hatten zu lange im eigenen Saft geschmort“, erklärt Hück die Entstehung der Krise. Porsche reagiert: Prozesse und Abläufe kommen auf den Prüfstand, das Unternehmen wird komplett neu ausgerichtet.

Am 27. März 1998 stirbt Ferry Porsche im Alter von 88 Jahren. Uwe Hück, der den modernen und verantwortungsbewussten Führungsstil des Unternehmensgründers in besonderem Maße schätzt, hält im Namen der Belegschaft die Trauerrede. „Ich wollte nicht an den herausragenden Techniker und genialen Konstrukteur erinnern, sondern an diesen faszinierenden Menschen und seine große soziale Verantwortung“, sagt Hück, der die Maxime Ferry Porsches verinnerlicht hat.

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Mitte der 1990er-Jahre gelingt dem angeschlagenen Sportwagenhersteller die Trendwende - und anschließend ein kometenhafter Wiederaufstieg. Schon bald gilt Porsche als profitabelster Automobilhersteller der Welt. Und auch für Uwe Hück geht es weiter bergauf. 1998 wird er Mitglied des Aufsichtsrates der Porsche AG, 2002 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates, 2003 Vorsitzender des Porsche-Konzernbetriebsrates. Seit April 2010 ist er darüber hinaus stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Porsche AG, seit Dezember 2012 in gleicher Funktion im Gremium der Porsche Holding Stuttgart GmbH tätig.

In diesen Jahren hat Uwe Hück gemeinsam mit dem Vorstand sehr viel auf den Weg gebracht. Zum Beispiel die Entscheidung, den innovativen Supersportwagen 918 Spyder in einer Manufaktur in Zuffenhausen zu fertigen. Generell wird die Sportwagenproduktion im Stammwerk kontinuierlich effizienter und flexibler gestaltet, um die Arbeitsplätze bei Porsche langfristig zu sichern - eines der erklärten Ziele von Vorstand und Betriebsrat. Darüber hinaus werden die deutschen Standorte durch hohe Investitionen modernisiert und ausgebaut. Porsche wächst. Und ist nach wie vor äußerst profitabel.

Soziales Engagement und weitere Projekte

Bei allen Erfolgen, auch den persönlichen, hat der gelernte Lackierer eines niemals vergessen: Dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht. Menschen, die keine Chance erhalten haben. Für sie macht sich Hück stark - durch eine ganze Reihe sozialer Projekte. So arbeitet er zum Beispiel ehrenamtlich als Gesamtvorstandsvorsitzender und Thaibox-Trainer des FSV Buckenberg - einem Sportverein aus Pforzheim, der sich vor allem der gesellschaftlichen Integration von Jugendlichen annimmt. Hück ist Botschafter der Bildungsfachmesse Didacta und der Anti-Rassismus-Initiative „Respekt!“ sowie Mitglied im Kuratorium der Kinderlandstiftung Baden-Württemberg.

Ob Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Verhältnissen, Menschen mit Migrationshintergrund oder seinen Kolleginnen und Kollegen von Porsche: Uwe Hück, der Durchboxer, hat eine beispiellose Karriere gemacht. 1962 in Stuttgart geboren, begann Uwe Hück 1985 bei Porsche als Lackierer. Fünf Jahre später wurde er in den Betriebsrat für die Standorte Zuffenhausen und Ludwigsburg gewählt, 1997 zum dortigen Betriebsratsvorsitzenden. 1998 wird Hück Mitglied im Aufsichtsrat der Porsche AG, 2002 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates und ein Jahr später Vorsitzender des Konzernbetriebsrates.

Uwe Hück ist ein bekannter Kopf, er hat ein Talkshowgesicht. Bei „Hart aber fair“ war er am öftesten, bei Anne Will hat er „die Gesprächsleitung übernommen“, ein Youtube-Hit ist eine scharfe Auseinandersetzung mit Moderatorin Marietta Slomka im heute-Journal. Zuletzt hat er abgesagt, weil es immer nur um den Dieselskandal ging, mit dem sein Arbeitgeber zu tun hat.

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Hück hat da eine klare Meinung in Richtung der Werks-Oberen: „Die Kunden zu bescheißen, ist unanständig. Und die’s gemacht haben, gehören in den Knast.“ Doch lieber will er über das Bildungssystem in Deutschland sprechen. Er hält es für marode - und auch darum boxt er. Mit dem Geld, das er einnimmt, finanziert er seine Lernstiftung, „sie hat mich in den vergangenen zwei Jahren 1,4 Millionen Euro gekostet“. Hück will mit ihr zeigen, dass jeder die Chance auf Bildung haben sollte.

Im großen Pausenraum einer Werkhalle sitzen sie zusammen und feiern das 25-jährige Dienstjubiläum eines ihrer Kameraden. Bier und deftiges Essen stehen auf dem Tisch. Als Uwe Hück den Raum betritt, johlen die Frauen und Männer. Der Betriebsratschef begrüßt jeden mit Handschlag. Die meisten kennt er mit Namen. "Wichtig sind drei Dinge", sagt er in einer kurzen Ansprache: "Kameradschaft, Kameradschaft, Kameradschaft." Dann muss Uwe Hück schon wieder weiter. Zeit zum Biertrinken bleibt nicht. "Ich brauche den Kontakt zu den Kollegen", sagt Hück. Immer wenn bei Porsche am Samstag gearbeitet wird, steht der Hüne am Werktor und verabschiedet jeden persönlich. "Du musst leben, was Du sagst", fordert Hück von sich und von anderen.

Am Abend steht der Wagen vor einer Sporthalle in Pforzheim. Drinnen steht Uwe Hück in Shorts, T-Shirt und Beinschonern, umringt von etwa 20 Jugendlichen. Die jüngsten sind acht, die ältesten Anfang 30. Auch zwei von Hücks Söhnen sind dabei. Lam Anh hat Hück einst aus demselben Waisenhaus adoptiert, in dem auch der Betriebsratschef aufwuchs. Vincent ist sein leiblicher Sohn mit seiner chinesischen Frau Ming Chung.

"Versucht immer, kontrolliert zu sein", ruft Hück den Jungs zu, während sie durch die Halle laufen und sich Stoffstreifen um die Fäuste wickeln. Aus einer Box in der Ecke der Halle dröhnt "The eye of the tiger", das Lied, das durch den Boxfilm "Rocky" bekannt wurde. Wie die von Sylvester Stallone verkörperte Figur haben auch viele der Jugendlichen hier einen Migrationshintergrund. "Disziplin und Regeln lernst Du nur im Sport", hat Uwe Hück am Nachmittag in seinem Büro gesagt. In der Pforzheimer Sporthalle will er genau das vermitteln. Zweimal in der Woche trainiert er hier die Jugendlichen im Thaiboxen.

"Ihr nehmt mich nicht ernst", herrscht er plötzlich zwei Jungs an, die sich nicht an seine Anweisungen gehalten haben. Zur Strafe gibt es 15 Kniebeugen für die ganze Gruppe. Klar, dass auch der Trainer mitmacht. "Die Jugend im Stich zu lassen, bedeutet eine Gefahr für die Demokratie", ist Uwe Hück überzeugt. In einem Interview hat er vor "ägyptischen Verhältnissen" gewarnt, wo vor allem junge Menschen gegen den Präsidenten auf die Straße gegangen waren.

"Der Aufschwung in Deutschland geht an vielen jungen Menschen vorbei. Sie sind von prekärer Arbeit besonders stark betroffen", klagt Hück. "Wir haben teilweise richtige Diamanten in den Hauptschulen, reden sie aber schlecht." Porsche immerhin ist auch hier eine Ausnahme: 40 Prozent aller neu eingestellten Auszubildenden müssen Hauptschüler sein. Das hat der Betriebsrat ausgehandelt.

Uwe Hück kümmert sich, im Großen wie im Kleinen. "Wie läuft es in der Schule?", will er nach dem Box-Training von einem der Jungs wissen. Auch von seiner Partei, der SPD, erwartet Hück wieder mehr Engagement im Kleinen. 1982 trat er ein, bewunderte Herbert Wehner und Willy Brandt. Im Wahlkampf 2005 unterstützte er Gerhard Schröder und seine Reformpolitik. "Die SPD muss modern werden und dahin gehen, wo die Menschen Probleme haben." Und es muss ihr gelingen, wieder authentisch zu sein. "Wir müssen stärker die Sprache sprechen, wo die Menschen verstehen", sagt Hück in seinem Schwäbisch. "Wenn ich in der Politik wäre, würde ich dafür sorgen, dass wir da wieder hinkommen." Dann öffnet er die Tür seines gelben Porsche.

Ausflüge in die Politik und neue Projekte

Und wieder etwas Neues: Uwe Hück, Ex-Betriebsratschef von Porsche und Ex-Thaiboxer, übernimmt einen Posten bei einem Konstanzer Fitness-Start-up. Stuttgart - Uwe Hück (59) ist wieder für eine Überraschung gut: Der schillernde Ex-Porsche-Mann und Ex-Thaiboxer geht in die Fitnessbranche und wird Aufsichtsrat des Konstanzer Start-ups Bownce AG. Das teilte das 2019 gegründete Unternehmen am Donnerstag mit. „Uwe ist ein Macher und Stratege, der mutig ist und sagt, was er denkt. Hück wiederum lässt sich zitieren: „Sport hat mich großgemacht. Ohne Sport wäre ich nicht, der ich heute bin.“Hück soll das Konstanzer Start-up repräsentieren

Das Start-up spezialisiert sich auf die Entwicklung und Produktion neuer Sport- und Spielgeräte, Softwarelösungen inklusive. Es will nach eigenen Angaben im Frühjahr kommenden Jahre den interaktiven „Bownce Ball“ samt App auf den deutschen Markt bringen. Weitere Geräte wie Hanteln oder Springseile sollen folgen. Hück soll vor allem Aufgaben in der Kommunikation und der Repräsentation für Bownce übernehmen. Außerdem arbeite er für die Bownce-Stiftung, die sich für wohltätige Zwecke einsetze, heißt es.

Derzeit tritt Hück als Spitzenkandidat im Südwesten mit der Partei „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“ bei der Bundestagswahl an. Die Bürgerbewegung hatte er Anfang des Jahres gegründet, nachdem er 2020 nach einem langwierigen Streit die SPD nach 40 Jahren Mitgliedschaft verlassen hatte. Die Partei ist derzeit vor allem in Baden-Württemberg aktiv und zählte im Juni rund 200 Mitglieder.

Als die Porsche-Belegschaft am Montag zu einer Versammlung geladen wurde, schwante vielen Mitarbeitern zunächst nichts Gutes. Solche spontanen Zusammenkünfte auf dem Werkshof in Stuttgart-Zuffenhausen bedeuteten in der Vergangenheit zum Teil epochale Veränderungen. Vor zehn Jahren hatte das damalige Porsche-Management hier die bevorstehende Übernahme durch Volkswagen verkündet. Ganz so dramatisch wurde es am Montag nicht. Und doch geht eine jahrzehntelange Ära abrupt zu Ende. Betriebsratschef Uwe Hück, der den viel zitierten "Mythos Porsche" maßgeblich mitgeprägt hat, tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Bis Mitte nächster Woche will er eine Abschiedsrunde durch das Unternehmen drehen, sich von Weggefährten verabschieden und seine Sachen packen. Dann verlässt er Porsche, nach fast 35 Jahren.

Er habe alles erreicht, was er erreichen wollte, erklärte Hück am Montag seinen Mitarbeitern. Porsche stehe besser da denn je. Es sei ein guter Zeitpunkt zu gehen. Die meisten der rund 5000 Zuhörer seien völlig überrascht gewesen, sagt ein Teilnehmer. Seinem engsten Umfeld hatte sich Hück bereits in den Vorwochen anvertraut. "Ich will nicht, dass man mich hier irgendwann raustragen muss", sagte er.

Auch im Aufsichtsrat des VW-Konzerns herrscht Erstaunen. "Ich finde es sehr schade, dass er sein Mandat abgibt", sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann dem SPIEGEL. Insbesondere für Werksarbeiter war Hück ein Vorbild. Aufgewachsen in einem Kinderheim, arbeitete er sich ab Mitte der Achtzigerjahre vom Lackierer bis an die Spitze des Betriebsrats hoch. Respekt verschaffte er sich durch Härte in der Sache - und durch sein robustes Auftreten: Hück war zweimal Europameister im Thaiboxen, bis heute tritt er öffentlich bei Boxkämpfen auf. Wenn er es darauf anlegt, kann sein Händedruck sehr schmerzhaft werden. Wer Hück trifft, wird im Vorfeld von dessen Mitarbeitern angewiesen, den Ehering abzulegen: Der Chef packe sehr fest zu.

Es ist Hücks Verdienst, dass die Porsche-Belegschaft stark von den fetten Gewinnen des Sportwagenherstellers profitiert. In guten Jahren kassieren die Mitarbeiter mehr als 9000 Euro Bonus. Eigentümer und Belegschaft haben sich auf eine simple Arbeitsteilung geeinigt, die Hück folgendermaßen beschreibt: "Wir machen euch reich, ihr müsst uns satt machen."

Hück im Ring

Mit 55 steigt er immer noch in den Ring, nun gegen Boxstars. Das tut weh. Warum nur macht er das?

Und wieder ging es durch mit Francois Botha, dem Boxer aus Südafrika, genannt „Der Weiße Büffel“. Fast wie damals, 1999 in Las Vegas. Schwergewichts-Kampf gegen Mike Tyson, die erste Runde endet, doch Botha schlägt nach dem Gong noch einmal zu. Folge: Tyson wütend, aus dem Kampf wird eine Schlägerei, plötzlich ist eine Unmenge von Leuten im Ring, die Security muss die beiden Boxer voneinander trennen und einen jeden in seine Ecke drängen.

Sechzehn Jahre später, ein neuer Kampf, Beginn der fünften Runde. Normal puffen die Gegner noch kurz die Handschuhe aneinander, ehe sie loslegen, doch Francois Botha, noch immer büffelig, hält sich nicht daran und setzt dem anderen die Rechte klatschend an die Wange. Unsportlich, das Publikum buht. Der Schauplatz ist nicht mehr das MGM Grand in Vegas, sondern eine Halle in Ludwigsburg. Und der Gegner nicht die Urgewalt Mike Tyson, sondern ein Deutscher, der kein Berufsboxer ist. Sondern Betriebsratsvorsitzender bei Porsche und VW und dort auch im Aufsichtsrat: Uwe Hück.

Er steckt den unerwarteten Schlag weg, vor der nächsten Runde hält er die Hände dann demonstrativ zur Deckung hoch. Gelächter bei den Zuschauern und nun auch bei Büffel Botha. Alles gut, es lebe die Freundschaft. Nach acht Runden fallen sie sich in die Arme und nehmen die - erwartbare - Wertung des Kampfgerichts entgegen: ein Unentschieden. Das war 2015, und knapp zwei Jahre später haben sie sogar noch einen Rückkampf veranstaltet: Botha - Hück, diesmal in Südafrika. „Da hat der aber einen draufgekriegt“, sagt Hück, 55.

Was durch die Laufbahn bei Porsche auf der Strecke blieb, waren die Thaibox-Ambitionen. Es gab keinen WM-Kampf. Doch er hat weiter trainiert, und die Auseinandersetzung im Ring ist ein wichtiger Programmpunkt bei seiner Lernstiftung in Pforzheim, der Stadt mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit Baden-Württembergs. Dadurch, dass er sich mit problematischen Jugendlichen beschäftigt, „gebe ich ihnen eine Würde“. Er lehrt: „Dein Trikot schwitzt nicht von alleine, du musst was dafür tun.“ Er stellt sich selbst zum Sparring in den Ring.

Und Uwe Hück hat angefangen mit den Kämpfen im klassischen Boxen gegen die Größen der Branche. Botha, das muss man wissen, war mal Weltklasse, er hat Axel Schulz geschlagen (Hück: „Leider hat er vergessen, dass er dabei gedopt war“) und gegen Wladimir Klitschko um den Weltmeistergürtel geboxt. Dann ist Hück gegen Luan Krasniqi angetreten, Schwergewichtler, der für Deutschland 1996 Olympia-Bronze gewann und als Profi die WM-Chance gegen den Klitschko-Bezwinger Lamon Brewster hatte.

Vor ein paar Wochen erst hat Uwe Hück sich mit Firat Arslan gemessen. Arslan - Hück war eine Charity-Veranstaltung für Eduard Gutknecht, einen deutschen Boxer, der zum Pflegefall wurde. Es kamen 70 000 Euro für die Familie zusammen, über dem Ring hing die Flagge der IG Metall. Gegen Firat Arslan wird Uwe Hück im Februar 2018 erneut boxen, diesmal in der Türkei. „Das Geld kriegen türkische Kinderheime“, kündigt Hück an - aber es geht ihm auch um eine politische Aussage. „Die Türkei ist unser Nachbar. Nachbarn kann man sich nicht aussuchen, man muss mit ihnen auskommen. Zu sagen, die Türkei ist kein demokratisches Land, bringt nichts.“

Firat Arslan ist Deutsch-Türke, mit ihm will Uwe Hück eine Botschaft loswerden: „Wenn ihr Politiker nicht zusammenkommt, dann müssen wir es machen.“ So will er die Gespräche zwischen dem türkischen Präsidenten Erdogan und der deutschen Seite wieder in Schwung bringen.

Und es geht noch eine Nummer größer, wie Uwe Hück neulich bei einer Veranstaltung der Münchner Macromedia-Hochschule verriet: Sein Kumpel und SPD-Parteifreund Gerhard Schröder soll für ihn bei Wladimir Putin vorfühlen. Uwe Hück will in Russland in den Ring steigen. Gegner? Er würde sich Nikolaj Walujew nicht verweigern, dem 2,14-Meter-Klotz, der Weltmeister war und nun Angeordneter der Duma ist. „Ich will, dass wir die Russen nicht länger beschimpfen - aber ich will auch dem Putin sagen, dass er die Atomwaffen besser unten lässt.“

Hück sagt: Beides braucht man nicht wirklich, aber es macht unheimlich Spaß (lacht). Wenn jemand in einen Porsche steigt, links den Zündschlüssel dreht und der Sound losbrüllt, dann haben die meisten schon schweißnasse Hände. Sobald der Fuß dann das Gaspedal drückt, ist der Spaßfaktor kaum noch mit Worten zu beschreiben, das muss man erleben. Und so ist das im Europa-Park auch. Wer noch nicht dort war, verpasst etwas. Was Roland Mack geschaffen hat, ist einzigartig! Und beide Marken haben Tradition, obwohl sie eigentlich noch relativ jung sind. Der Europa-Park ist Anfang 40, Porsche gerade mal 70. Beide stehen gut im Saft und haben noch viel vor.

Hück: Ich genieße die Zeit immer. Es ist, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Und es ist faszinierend, die vielen Besucher zu sehen, die mit einem glücklichen Gesicht und einem Dauer- schmunzeln durch den Park gehen. Familien, Kinder, Erwachsene, es ist bei allen dasselbe.

Hück: Beides ist Adrenalin pur. Aber ich fahre lieber Porsche! Mit Udo Lindenberg ist eine Ausstellung seiner Bilder im Europa-Park geplant.

Hück: Udo ist ein alter Freund von mir. Er ist der Straßenköter aus Hamburg und ich der aus Stuttgart. Was uns außerdem verbindet: Wir beide lieben Porsche, wir sind saumäßig gut und erfolgreich und wir setzen uns ein für soziale Gerechtigkeit.

Hück: Wir hatten im Jahr 2016 eine Lindenberg-Ausstellung im Porsche-Museum. Die Besucher waren begeistert von dieser Zeitreise durch die deutsche Geschichte und die der Marke Porsche. Udo Lindenberg schafft es, beides zu vereinen. Das ist einmalig.

Uwe Hück hat in seinem Leben, das so unglücklich begann, keine Ziele gesetzt. Den lässt er sich mal sortieren nach dem Rücktritt, irgendwann wird er seine Idee vortragen. Obwohl ja absehbar ist: „Er ist einzigartig und gut. Es wird wehtun.

Zusammenfassung der wichtigsten Stationen von Uwe Hück

JahrEreignis
1962Geboren in Stuttgart
1985Beginn bei Porsche als Lackierer
1987Wahl zum Vertrauensmann
1990Wahl zum Betriebsratsmitglied
1997Wahl zum Betriebsratsvorsitzenden für Zuffenhausen und Ludwigsburg
1998Mitglied des Aufsichtsrates der Porsche AG
2002Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates
2003Vorsitzender des Konzernbetriebsrates
2010Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Porsche AG