Die Brüder Karl-Richard und Johannes Frey stehen seit Kindertagen gemeinsam auf der Judomatte.
Für grosse Träume braucht es manchmal mutige Entscheidungen. Judoka Johannes Frey wechselte von der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm ins Schwergewicht, um sich gemeinsam mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Karl-Richard den Traum von den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu erfüllen.
«Bis jetzt bereue ich es nicht, ich bin echt happy damit», sagt der 22 Jahre alte Johannes. Aus unfreiwilligen Konkurrenten wurden Weggefährten, die gemeinsam für ihr grosses Ziel kämpfen.
Im Judo kann sich pro Gewichtsklasse nur ein Athlet je Nation für Olympia qualifizieren. Da die Brüder Frey zunächst beide in der Klasse bis 100 Kilogramm kämpften, hätte nur einer fahren können. «Um dem Konkurrenzkampf mit meinem Bruder aus dem Weg zu gehen und die Chancen auf Olympia zu verdoppeln, haben wir diese Entscheidung getroffen», erklärt Johannes die Beweggründe. «Ich finde es sehr mutig, dass er den Schritt gemacht hat», urteilt Richard.
Nun kämpfen beide um Punkte für die Olympia-Qualifikation. Die wollen sie auch am Montag bei den Europaspielen in Minsk - einem ihrer ersten gemeinsamen grossen Wettkämpfe - sammeln. «Die internationale Quali für Olympia ist bretthart», sagt Bundestrainer Richard Trautmann, der mit den Brüdern täglich in Köln trainiert, der Deutschen Presse-Agentur.
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«Beim Johannes müssen wir wegen der einjährigen Verletzungspause noch aufholen, aber ich bin optimistisch, dass er das schafft.» Johannes hatte zuletzt mit einer Knieverletzung zu kämpfen, Karl-Richard war am Ellenbogen verletzt.
Die Chancen auf eine Olympia-Qualifikation sind für Karl-Richard deutlich grösser. «In Deutschland sind derzeit fast alle guten Athleten in meiner Gewichtsklasse verletzt. Die Konkurrenz ist damit im Moment nicht wirklich da», sagt er. Johannes dagegen muss sich gegen den ebenfalls starken Sven Heinle durchsetzen.
«Auf der Olympia-Rangliste steht er auf Position 37, das reicht Stand heute nicht. Aber es ist ja auch noch Zeit», sagt Sportdirektor Ruben Goebel vom Deutschen Judobund über den jüngeren der beiden Brüder.
Seit eineinhalb Jahren kämpft Johannes, der mit 1,92 Meter vier Zentimeter grösser als sein Bruder ist, im Schwergewicht. «Beim Gewichtmachen nach oben geht es um einen gezielten Muskelaufbau», beschreibt Johannes die Probleme bei der Umstellung. «Man muss viel und regelmässig das Richtige essen und trinken, Ernährung und Aufbautraining müssen aufeinander abgestimmt sein.»
Auch die Verantwortlichen beeindruckt er damit. «Hut ab vor dieser schweren Entscheidung und den damit verbundenen Umstellungen», sagt Goebel.
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Trautmann ist überzeugt, dass der Wechsel richtig war. «Johannes hat in der kurzen Zeit in der neuen Gewichtsklasse schon sehr viele Weltklasse-Leute geschlagen», lobt er. Der 22-Jährige wiegt aktuell 115 Kilogramm - und muss teils gegen Gegner kämpfen, die 60 Kilo schwerer, damit aber meist auch langsamer und weniger ausdauernd, sind.
«Johannes' Stärke, seine enorme Explosivität, kommt im Schwergewicht viel mehr zum Tragen», urteilt Trautmann.
Beim täglichen Training profitieren die Brüder voneinander. «Wir geben uns oft Tipps und beraten uns gegenseitig», sagt Karl-Richard, der mit Johannes zusammen im Köln lebt. «Auch zu Hause sprechen wir viel über Judo, das ist bei uns eigentlich 24 Stunden Thema.» Streit gibt es trotzdem selten.
«Ich habe generell ein sehr enges Verhältnis zu meinen Brüdern, sie sind gleichzeitig auch meine besten Freunde», sagt Johannes. Der dritte Bruder Gerrit macht inzwischen kein Judo mehr. Alle drei begannen als Kinder gemeinsam mit dem Sport.
Johannes macht seine Ausbildung bei der Bundespolizei, Karl-Richard ist bei der Bundeswehr. Beide sind für ihre Wettkämpfe freigestellt. Bei den Europaspielen streben sie eine Medaille an, grosses Ziel bleibt aber Olympia. Karl-Richard war 2016 in Rio bereits dabei, wurde Fünfter.
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«Es war trotzdem ein tolles Erlebnis für mich, ich durfte olympische Luft schnuppern», berichtet er. In Japan - dem Mutterland des Judos - wollen beide nun gemeinsam, unterstützt von Familie und Freunden den Traum von einer Olympia-Medaille verwirklichen.
«Es ist natürlich optimal, dass sie ihr Ziel jetzt gemeinsam angehen können», sagt Trautmann. «Beide sind wild entschlossen, in Tokio eine Medaille zu gewinnen.» Johannes ist trotz der nicht immer einfachen Eingewöhnung in der neuen Gewichtsklasse überzeugt vom gemeinsamen Weg der Brüder: «Wenn alles nach Plan verläuft, werden wir auch um Medaillen kämpfen.
Ein Jahr vor den Spielen im Mutterland des Judo galten die Titelkämpfe in Tokio auch als Generalprobe - die das deutsche Team gründlich verpatzte. Zwei bis drei Medaillen waren vorher vom Verband als Ziel ausgegeben worden. Verletzungen, Lospech und schlechte Leistungen verhinderten am Ende ein besseres Abschneiden.
Trajdos holte in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm mit Bronze die einzige Medaille. Andere hoch gehandelte Athleten wie Ex-Weltmeister Alexander Wieczerzak schieden früh aus oder verletzten sich gar wie Karl-Richard Frey, der sechs bis acht Wochen ausfallen wird.
«Wir müssen an manchen Stellschrauben hart arbeiten, aber wir waren nicht so grottenschlecht, wie es aussieht», sagte Frese zum Ziel für die nächsten Monate. Obwohl nur Trajdos und der WM-Siebte Dominic Ressel in Tokio wertvolle Punkte für die Olympia-Qualifikation holten, ist in den meisten Gewichtsklassen noch alles drin.
«Jetzt weiss jeder, worum es geht», sagte Goebel, der nach wie vor guter Dinge für die Qualifikation für die Spiele im kommenden Jahr ist.
Nach dem Heim-Grand-Slam in Düsseldorf im Februar will der DJB in den meisten Klassen möglichst die Olympia-Starter benennen, auch wenn die Qualifikationsphase noch bis Ende Mai läuft. Bei Olympia hoffen die deutschen Starter dann auf weniger Pech und Pannen und dafür auf mehr Medaillen.
Weitere bemerkenswerte Ereignisse bei Olympia
- Frankreichs Superstar Teddy Riner hat bei den Sommerspielen in Paris Gold in der Klasse über 100 kg gewonnen und sich damit zum alleinigen Rekord-Olympiasieger im Judo gekrönt.
- Ungarn hat am Freitag im Team-Final im Degenfechten der Männer gerade genug getan, um Titelverteidiger Japan zu entthronen und Gold zu holen.
- Grossbritannien hat erstmals seit 2012 wieder Olympiagold im Teamspringen gewonnen.
- Der belarussische Trampolin-Turner Iwan Litwinowitsch hat bei den Olympischen Spielen die erste Goldmedaille für den umstrittenen Kreis der «neutralen individuellen Athleten» (AIN) gesichert.
- Die Doppelweltmeister Daoyi Long und Zongyuan Wang haben im 3-Meter-Synchronspringen in Paris Gold geholt.
- Der Chinese Siwei Zheng hat mit seiner Partnerin Yaqiong Huang souverän das olympische Badminton-Turnier im Mixed-Doppel gewonnen.
Kontroversen und Skandale
Die deutsche Judoka Martyna Trajdos (32) wird von ihrem Trainer ins Gesicht geschlagen. Auf Instagram verteidigt die Athletin ihren Trainer, der für seine Art der Motivation kritisiert wurde: «Bitte macht ihm keine Vorwürfe! Ich brauche das vor meinen Kämpfen, um wach zu sein.»
Skandal um einen ägyptischen Ringer. Wie die Zeitung «Le Parisien» berichtet, wurde der Olympionike in der Nacht auf den Freitag um 4.30 Uhr festgenommen. Er soll einer Frau alkoholisiert an den Hintern gefasst haben.
Beim Sieg der Holländer im Landhockey-Final gegen Deutschland entlädt sich die angespannte Spannung. Der Holländer Duco Telgenkamp provoziert den deutschen Goalie Paul Danneberg mit dem Zeigefinger auf den Lippen, ehe er mit der Hand noch über den Helm wischt. Die Deutschen wollen sich das nicht gefallen lassen. Es kommt zu Rudelbildungen, Telgenkamp streckt dann auch noch die Zunge raus.
Nachdem Australiens Landhockey-Nationalmannschaft im Viertelfinal rausfliegt, treibt sich Spieler Tom Craig (28) am 6. August in Paris herum. Und dabei wird er beim Drogenkauf erwischt. Er hat sich auf offener Strasse mit Kokain versorgt. Die Polizei verhaftet den Australier, ein Bild zeigt, wie er von zivilen Polizisten umzingelt auf dem Boden sitzt. Er muss die Nacht im Gefängnis verbringen.
Bevor die deutsche 4x400-Meter-Mixed-Staffel überhaupt die Rennbahn betreten konnte, gabs ordentlich Zoff. Denn man entschied sich intern gegen Luna Bulmahn. Stattdessen schenkte man Eileen Demes und Alica Schmidt das Vertrauen. Dies, obwohl Buhlman dieses Jahr die zweitschnellste deutsche 400-Meter-Zeit lief.
Über keine Sache wurde so viel diskutiert wie über das olympische Boxturnier der Frauen. Grund dafür sind Imane Khelif aus Algerien und Lin Yu-ting aus Taiwan. Beide Boxerinnen wurden nämlich letztes Jahr bei den Weltmeisterschaften aufgrund von nicht bestandenen Geschlechtstests disqualifiziert. Weil das Boxturnier an den Spielen aber nicht vom Weltverband IBA organisiert wird, gelten in Paris andere Regeln.
Wirbel um die Schwimmerin Luana Alonso (20). Am ersten Olympiatag tritt das Talent aus Paraguay über 100 Meter Schmetterling an, muss aber bereits im Vorlauf die Segel streichen. Danach erklärt sie überraschend ihren Rücktritt vom Schwimmsport. Denn Alonso nutzt die Zeit in Paris und geniesst ihr Leben in der Stadt der Liebe. Dass die 20-Jährige dabei weiter im Olympischen Dorf wohnt, passt dem Olympischen Komitee von Paraguay aber gar nicht. Sie fordern ihren sofortigen Auszug.
Mitglieder des kanadischen Fussballteams spionierten mit einer Drohne bei Trainings ihrer Gegnerinnen aus Neuseeland. Der Betrug fiel auf und hatte weitreichende Konsequenzen.
Sowohl der georgische Fechter Sandro Bazadze (31) als auch sein ägyptischer Gegner Mohamed Amer (26) brauchten noch einen Treffer für den Sieg. Dann wurde es kurios: Nach der letzten Aktion hielten sich beide mit aggressiven Jubelschreien nicht zurück, obwohl noch nicht klar war, wer den Treffer zuerst gelandet hatte. Als die Kampfrichterin den Ägypter nach dem Studium der Videobilder zum Sieger erklärte, brannten bei der Weltnummer eins Bazazde die Sicherungen durch.
Gar nicht erst angetreten zu einem Erstrunden-Kampf in der Kategorie bis 73 Kilo ist der algerische Judoka Messaoud Redouane Dris (22). Von offizieller Seite hiess es, der dreifache Afrika-Meister habe das Gewichtslimit um 400 Gramm überschritten.
Offensichtlich wollten Ana Vieira (22) und Gabriel Santos (28) die Stadt der Liebe auch abseits des Sports erleben, was Vieira zum Verhängnis wurde. Die 22-Jährige musste nach Hause fahren. Gemeinsam mit ihrem Freund hatte sie ohne Erlaubnis das olympische Dorf verlassen.
Den Kolumbianer Jhancarlos Gonzalez (27) störten die Fernsehkameras beim Skateboard-Wettbewerb angeblich so sehr, dass er seinen Lauf beenden und neu starten musste. In diesem zweiten Versuch stürzte der 27-Jährige, weshalb er sich zu einer obszönen Geste hinreissen liess: Wütend hielt er dem ungeliebten Objekt den Mittelfinger entgegen.
Bei der spektakulären Eröffnungsfeier lief nicht alles nach Plan. Zuerst wurde das südkoreanische Team fälschlicherweise als «Demokratische Volksrepublik Korea», dem offiziellen Namen Nordkoreas, vorgestellt.
Der Trainer der deutschen Landhockey-Frauen, Valentin Altenburg (43), war im Vorrundenspiel gegen Frankreich überhaupt nicht zufrieden mit dem Spiel seines Teams und teilte dies auch unmissverständlich mit. Dumm nur, dass die TV-Mikrofone mitschnitten. «Anne, halt jetzt die Fresse und komm her, das nervt mich, deine Körpersprache. Das ist schlecht von dir. Meine Güte, jetzt reiss dich zusammen», brüllte er.
Der deutsche Judo-Kämpfer Eduard Trippel (27) scheiterte in der Kategorie bis 90 Kilo überraschend schon im ersten Duell am Schweden Marcus Nyman (33). In die Enttäuschung mischte sich nach der Niederlage auch der Frust über die Kampfweise seines Gegners.
Das deutsche Judo-Mixed-Team hat im Kampf gegen die Niederlande die olympische Bronzemedaille gewonnen.
Das französische Team setzte sich wie vor drei Jahren in Tokio im Final gegen die Japaner durch. Riner, der am Vortag seinen dritten Einzel-Olympiasieg in der höchsten Gewichtsklasse gefeiert hatte, war die entscheidende Figur im Final.
Für Kanadas Fussballerinnen, die trotz 6 Punkten Abzug wegen Drohne-Spionage dank dreier Siege in die Viertelfinals eingezogen waren, ist das Turnier zu Ende. Die Nordamerikanerinnen unterlagen Deutschland im Penaltyschiessen mit 2:4.
Die Dressur-Equipe um die neue deutsche Rekord-Olympiasiegerin Isabell Werth hat nach Rio 2016 und Tokio 2021 zum dritten Mal in Folge Gold geholt.
Der Einzel-Wettkampf der Tischtennisspielerinnen war fest in chinesischer Hand. Meng Chen und Yingsha Sun zogen dank 4:0-Siegen in ihren Halbfinals in den Final ein. Dort lieferten sich die beiden Landsfrauen ein packendes Duell. Die topgesetzte Sun konnte den 1. Satz für sich entscheiden und glich später auch noch zum 2:2 aus. Im 5. und 6. Satz machte Chen, die Nummer 2 des Turniers, dann aber alles klar und sicherte sich dank dem 4:2-Sieg die Goldmedaille.
