Karate lernen vs. Karate machen: Ein umfassender Überblick

Das Angebot an Kampfsportarten ist groß, von Aikido und Kickboxen bis Taekwondo. Wer heute Kampfsport ausübt, möchte oft außerdem die körperliche Fitness und das Selbstbewusstsein stärken. In Deutschland etablierte Kampfsportarten wie Judo oder Karate werden in vielen Sportvereinen angeboten. Generell ist jede Kampfsportart für alle Altersgruppen geeignet: Kinder lernen ihren Körper und körperliche Koordination besser kennen. Älteren Menschen kann Kampfsport helfen, körperliche Fähigkeiten aufrechtzuerhalten.

Östliche und westliche Kampfsportarten

Mit Kampfkunst sind in der Regel Selbstverteidigungstechniken aus östlichen Kulturen gemeint, etwa chinesische Kampfkünste wie Kung-Fu, japanische wie Aikido oder das koreanische Taekwondo. Kampfsportarten mit einer langen Tradition in Europa sind Ringen, Boxen und Fechten. Es gibt auch asiatische Kampfsportarten, die mit Waffen betrieben werden, etwa das japanische Kendo, eine Art Schwertkampf. Olympische Kampfsportarten sind Boxen, Fechten, Judo, Karate, Ringen und Taekwondo.

Technische Unterschiede bei Kampfsportarten

Jeder Kampfsport hat eigene Techniken und Schwerpunkte. Beim Ringen besteht ein enger Körperkontakt und beim Boxen werden Schläge primär aus der Distanz abgegeben. Bei einigen Kampfsportarten sind Tritte verboten, bei anderen geben sie gerade den Ausschlag. Manche Kampfsportarten lassen sich den Stilen „weich“ und „hart“ zuordnen. Weich bedeutet, die Energie von gegnerischen Angriffen aufzufangen und umzuleiten. Harte Kampfsportarten zielen ursprünglich darauf ab, das Gegenüber zu verletzen. Zu dieser Art Kampfsport gehört zum Beispiel Taekwondo.

Was ist Karate?

Um 500 nach Christus erschufen chinesische Mönche aus gymnastischen Übungen eine waffenlose Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich diese Kampftradition in Japan unter dem Namen Karate als Sport mit eigenem Regelwerk. Beim Karate erlernt man Stoß-, Schlag- und Tritttechniken. Schläge und Tritte müssen aber im Training und im Wettkampf abgestoppt werden, bevor sie den Gegner oder die Gegnerin berühren. Das erfordert eine gute Körperbeherrschung, die bei dieser Kampfsportart systematisch trainiert wird.

Der Vorläufer der heutigen Kampfkunst Karate wurde auf der Japan vorgelagerten Insel Okinawa unter dem Namen Tôde entwickelt. Dieser Name weist auf die chinesischen Wurzeln dieser Kampfart hin. Durch eine Umdeutung der Schreibweise gelang es Gichin Funakoshi, das Schriftzeichen "Tô" (das für China steht) in die Silbe „Kara“ zu verändern, die „leer“ bedeutet. In der Übersetzung mit dieser neuen Schreibweise bedeutete Karate so viel wie „leere Hand“.

Lesen Sie auch: Mehr über Karate

Karate heute: Breitensport und olympische Disziplin

Viele verbinden Karate mit Actionfilmen und zergeschlagenen Ziegelsteinen. Aber der Kampfsport hat nichts mit Schlägereien zu tun, sondern viel mit Gleichgewichtssinn und innerer Ruhe. Inzwischen wird er sogar im Reha-Sport eingesetzt. Bei den kommenden Olympischen Spielen dürfen erstmals Karateka antreten. Im Karate gibt es zwei Disziplinen, den Zweikampf, Kumite, und die sogenannten Formen, die Kata. "Das Faszinierende an Kata ist, dass ich mich trotz einer festen Form wunderbar persönlich darin ausdrücken kann", sagt Kiyou Shimizu. "Anders als in anderen Sportarten ist die Kata ein historisches Erbe, das viele Jahre von Meister zu Meister weitergegeben wurde.

Bereits im März vergangenen Jahres war jedoch klar, dass es zunächst nur diese eine Teilnahme sein wird, denn Karate wird 2024 in Paris nicht mehr dabei sein. "Also wir sind eigentlich einer der größten Weltverbände. Wir haben 200 Nationen und 50 Millionen Mitglieder", sagt Wolfgang Weigert. Er ist Präsident des Deutschen Karate Verbandes und Vize-Präsident der World Karate Federation. Er weiß: Nicht alle dieser 50 Millionen Mitglieder messen sich auf Turnieren.

Karate als Gesundheitssport

Schon seit 2003 wird Karate als solcher von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannt. Sie arbeitet am Institut für Psychologie der Universität Regensburg und ist selbst Karateka. Sie leitet eine Trainingsgruppe von Parkinson Patienten, die mit Karate gegen die Folgen der Krankheit ankämpfen. Und das mit Erfolg: Ihre Studie im Jahr 2017 zeigte, dass sich Kondition, Koordination und kognitive Fähigkeiten der Teilnehmer in der Gruppe verbessert hatten.

"Die Teilnehmer lernen wirklich schwierige Techniken. Das ist so. Sie müssen sich anstrengen und sie sehen, dass ihre Anstrengung Erfolg bringt, und dieser Erfolg ist ihnen selber zuzuschreiben und nicht einem Arzt und nicht einem Medikament, sondern ihren eigenen Anstrengungen. Gemeinschaft ist die große Stärke des Karate.

Karate für jedes Alter

Andreas Sparmann hat deshalb mehrere Versuche unternommen, Karate für Ältere einzuführen. "Das Besondere daran ist ja, dass das Menschen waren, die vorher noch nie etwas mit Karate zu tun hatten und eben erst im Alter so ab 60, 70 eingestiegen sind. Und das ist schon ein großer Schritt. Wer von Kindesbeinen an Karate macht und damit 70 geworden ist, für den ist das gar nichts. Klaus Jänicke ist vor 15 Jahren als 60-Jähriger in den "Karate 50+" Kurs eingestiegen.

Lesen Sie auch: Rapserdflöhe bekämpfen mit Karate Zeon

Verbesserung der körperlichen Situation heißt mehr Gleichgewicht: Da geht es auch um Sturzprophylaxe. Und dieses Sicherheitsgefühl wird noch von einem anderen Aspekt im Karate verstärkt: der Selbstverteidigung.

Die Teilnehmer unterstützen sich gegenseitig, und das gibt nicht nur ein gutes Gefühl. Therapeutisches Karate kann dabei helfen, Depressionen zu vermeiden. Karate ist Meditation in Bewegung. Es macht den Kopf leer und das Herz frei. Und in wirklich guten Momenten finden Körper, Geist und Seele zu sich", sagt mir Christian Christen, Karate-Trainer in Berlin.

Karate auf Okinawa: Ursprung und Wirtschaftsfaktor

Im 15. Jahrhundert durfte die einfache Bevölkerung dort keine Waffen tragen - das war den Shogunen und ihren Kriegern vorbehalten. Um sich dennoch verteidigen zu können, entwickelten die Bewohner eine waffenlose Kampfkunst, das Okinawa-Te. Daraus entwickelte sich im Lauf der Zeit Karate, und das fand Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Weg nach Japan. Patrick Rault ist Franzose, Träger des achten Dan, des achten Meistergrads im Karate, und Kulturbotschafter Okinawas. Er will das kulturelle Erbe erhalten und verbreiten.

2004 hat dann das örtliche Touristikzentrum einen Extraberater eingestellt: Der hilft Gästen aus aller Welt, das passende Training vor Ort zu finden. Das ist heute auch online möglich - auf der Homepage des Okinawa Karate Information Center kann ich vor der Reise meine Karate-Kurse buchen! In Okinawa ist Karate entstanden und auch für den dortigen Tourismus wichtig. Damit ist Karate auf Okinawa heute auch ein Wirtschaftsfaktor.

"Es gibt viele Verbindungen zwischen Karate und der Kultur. Man kann Karate auch rein physisch trainieren. Aber irgendwann, um zu verstehen, den Geist der Kampfkunst, der Höflichkeit, der Freundlichkeit, der Großzügigkeit, des Mitgefühls, dann müssen Sie dazu lernen. Dazu gehört auch gemeinsames Essen und Trinken. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die japanische Teezeremonie, die für viele Karateka dazu gehört, sich über das körperliche Training hinaus mit der Kampfkunst zu beschäftigen.

Lesen Sie auch: Die Lehre im Karate Dojo

Die persönliche Entwicklung im Karate

Als Knut Paul 1965 mit Karate angefangen hat, war Fußball in Deutschland für Frauen verpönt. 1964 begann Gudrun Hisatake in Bayern mit dem Karatetraining. Schon drei Jahre später machte sie ihren ersten schwarzen Gürtel, den ersten Meistergrad. "Also, Karate hatte jetzt nie die Frauen ausgeschlossen. Es war nur zu der Zeit überhaupt nicht üblich. Ja, und deswegen hat das eine Weile gedauert, bis wir beim prozentualen Anteil, der liegt so jetzt bei 34 Prozent, angekommen sind.

Susanne Nitschmann ist die Bundesfrauenreferentin des Deutschen Karate Verbandes. Sie erzählt mir, dass Frauen in den 1970er Jahren noch ein spezielles Gesundheitszeugnis vorweisen mussten, bevor sie zum Zweikampf, zum Kumite, antreten durften: Sie mussten sogar einen negativen Schwangerschaftstest vorlegen! Auch die Ausrüstung war noch nicht auf Frauen eingestellt, so "dass die zum Beispiel als Brustschutz-Ersatz Tupperdosen genommen haben.

Moderne Entwicklungen im Karate

Im 21. Jahrhundert ist auch im Karate die moderne Technik angekommen. Im Karate gibt es jetzt den Videobeweis. Und schon seit vielen Jahren hilft das Internet den Karateka, sich international zu vernetzen. So konnten sich Onlinepioniere wie Iain Abernethy oder Jesse Enkamp eine weltweite Schülerschaft aufbauen, und leben jetzt von ihrer Tätigkeit als Karatetrainer. Sie verkaufen Lehrinhalte auf CDs, per Videoabonnement oder per App, und werden weltweit für Lehrgänge gebucht.

Deutschlands mehrfache Para-Karate-EM und WM-Gewinnerin, Helga Balkie, startet ebenfalls in der Disziplin Kata. Helga Balkie ist an Multipler Sklerose erkrankt, und dadurch auch erblindet. Sie hat von Kindheit an viel Sport getrieben, und damit gezielt ihre Muskulatur trainiert. Sie braucht das Training vor Ort.

Heiko Kuppi hat keine Extra-Ausbildung absolviert, um Sportler- und Sportlerinnen mit Einschränkungen zu trainieren. "Nicht jeder lernt auf die gleiche Weise. Als Trainer bist du immer schon gefordert zu schauen: Wie tickt dein Athlet und wie vermitteltest du ihm das am besten? Oder mit welchen Übungen kannst du ihn am besten motivieren? Und das ist bei Leuten mit Rollstuhl oder mit geistiger Behinderung nicht anders.

Karate vs. Taekwondo: Wo liegt der Unterschied?

Wie im vorherigen Abschnitt erläutert, war das Taekwon-Do in seiner Anfangszeit praktisch "nur" ein koreanischer Stil des japanischen Karate. Taekwondo zeichnet sich durch dynamische Beintechniken aus, wie sie in kaum einer anderen Kampfkunst vorkommen. Hier wurden originär koreanische Bewegungsarten in das japanische Karate eingearbeitet, wodurch das Taekwondo oft sehr spektakulär und geradezu akrobatisch wirkt. Taekwondo forciert den dynamischen Einsatz der Hüfte und nutzt optimal die hohe Flexibilität, die durch die spezielle Dehngmnastik erreicht wird. Im Gegensatz dazu wirkt das japanische Karate oft etwas starr.

Karate erzeugt durch seine strenge und geradlinige Ausführung wiederum eine besondere Ästhetik, die sich inbesondere in Vorführungen der KATA (Übungsformen) bewundern lässt. Beintechniken werden demgegenüber deutlich sparsamer eingesetzt, als es im Taekwondo der Fall ist. Sowohl Karate als auch Taekwondo bilden gleichermaßen einen athletischen und gesunden Sportler mit scharfem Verstand und schneller Auffassungsgabe aus. Beiden Kampfkünste liegen aufgrund Ihrer gemeinsamen Herkunfsgeschichte die identischen Prinzipien zugrunde.

Die drei Kampfsportarten Judo, Karate und Taekwondo im Vergleich

Zu den bekanntesten Kampfsportarten zählen Judo, Ju-Jutsu, Karate, Kung-Fu und Taekwondo. Wir stellen hier Judo, Karate und Taekwondo für Sie vor und zeigen auf, was sie voneinander unterscheidet. In vielen Kampfsport-Vereinen werden Kinderkurse werden bereits ab vier Jahren angeboten. Der Nachwuchs wird zunächst mit Spiel und Spaß an die der Kampfsportart zugrunde liegenden Bewegungsabläufe herangeführt.

  • Judo: Judo ist eine japanische Kampfsportart. Übersetzt bedeutet Judo „der sanfte Weg“. Im Judo geht es darum, sich auf den Weg des Gegenübers einzulassen und blitzschnell darauf zu reagieren. Judo ist eine Kampfsportart mit viel Körperkontakt: Die Kinder packen sich beispielsweise an Armen oder Schultern und versuchen, ihre Partnerin oder ihren Partner, der im Kampf zu ihrer Gegnerin oder zu ihrem Gegner wird, auf die Matte zu schleudern. Sie lernen Wurf- und Bodentechniken, weniger Stoß- und Tritttechniken.
  • Karate: Die Kampfsportart Karate kommt ebenfalls aus Japan. Karate heißt übersetzt „leere Hand“. Damit ist gemeint, dass man sich gegen eine Angreiferin oder Angreifer nur mit der leeren Hand, aber natürlich auch mit den bloßen Füßen verteidigen kann. Im Gegensatz zum Judo gibt es beim Karate wenig Körperkontakt. Ziel ist, sich mittels gezielter Schläge, Tritte und Stöße gegen die Angreiferin oder den Angreifer zu verteidigen.
  • Taekwondo: Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst und bedeutet die Verbindung von Tae (Tritt), Kwon (Faust) und Do (Geist). Taekwondo scheint Karate sehr zu ähneln, doch die Konzentration liegt hier auf schnellen Fußtechniken und kräftigen Tritten. Im Training werden häufige Angriffe und wirksame Gegenreaktionen geübt. Dabei werden entweder verschiedene Formen gegen unsichtbare Gegnerinnen und Gegner durchgespielt oder der Freikampf gegeneinander trainiert. Die Techniken helfen, Schläge oder Tritte gezielt abzuwehren.

Karate: Mythen und Realität

Karate ist Fitness für Körper und Geist: Wenn du Fitness begeistert bist und nach einer Sportart suchst, die dich sowohl körperlich als auch mental fit hält - egal in welchem Alter - kann Karate genau die richtige Wahl für dich sein. Karate ist ein Lebensweg, der den Menschen (positiv) verändern kann. Bist du hektisch und impulsiv, wirst du ruhig und besonnen. Rein aus Erfahrung können wir sagen: Das stimmt nicht. Der Irrglaube, Karate sei nur etwas für junge Leute ist leider weit verbreitet. Dennoch eignet sich der Sport hervorragend auch für Senioren, was unser breiter Seniorenstamm im Verein belegt. Es kommt immer drauf an, was man daraus macht. Auch hier können wir klar widersprechen. Wenn du dich nicht fit genug fühlst, kann Karate genau der richtige Sport für dich sein. Karate fördert die Beweglichkeit, deine Ausdauer, stärkt Herz und Kreislauf und kann dazu beitragen, deine Fitness zu stärken.

Trotzdem brauchst du keine Angst vor dem Sport zu haben, da wir dich langsam und behutsam an den Kontaktsport / Kontakt mit anderen heranführen. Du lernst, Distanzen einzuschätzen, deine Kraft zu kontrollieren und gezielte Muskelpartien so anzuspannen, dass das Verletzungsrisiko so stark minimiert wird, dass es nur selten zu ernsthaften Komplikationen kommt. Karate härtet dich übrigens auch ab: Deine Knochenhaut wird dicker, deine Muskeln stärker und dein Gefühl für deinen Körper so gut, dass du normalerweise gut zurechtkommen wirst. Hierzu geben wir dir ein entschiedenes Jein. Wenn man Karate lange genug geübt hat, braucht man sich nicht körperlich zu verteidigen, durch den Geist geht das verbal mit Zurückhaltung.

Karate für Kinder: Mehr als nur Selbstverteidigung

Hockey, Turnen oder vielleicht Kampfsport? Für Kinder ist das Angebot an sportlichen Aktivitäten groß. Da fällt die Auswahl nicht leicht. „Kinder stark machen“ und viele Anbieter von Kampfsportarten teilen das gleiche Ziel: Kinder nicht nur körperlich zu stärken, sondern auch ihr Selbstbewusstsein.Beim Kampfsport lernen Kinder ihre körperliche Kraft kennen und wie sie sich im Notfall verteidigen können. Gleichzeitig werden Werte wie Achtsamkeit, Disziplin und der Umgang mit den eigenen Gefühlen geübt. Den Kämpfenden wird Konzentration, Selbstbeherrschung und gegenseitiger Respekt abverlangt.

Viele Kampfsportarten eignen sich für energiegeladene extrovertierte Kinder genauso wie für schüchterne. Judo ist allerdings mehr auf Nähe ausgelegt als Karate oder Taekwondo. Deshalb kann es sein, dass zurückhaltende Kinder lieber Karate oder Taekwondo wählen. Letztendlich sollten die Eltern auf die Bedürfnisse ihres Kindes achten. Nur Sport, der Spaß und Freude bereitet, wird ihr Kind körperlich und mental stärken.

Die Prinzipien von Karate und Taekwondo: Konzentrierte Energie und ENDspannung

Im Karate wie im Taekwon-Do gilt bei nahzu allen Angriffstechniken das Prinzip der "kleinen Flächen". Beide Kampfkünste generieren dazu Ihre Kraft aus der Hüftregion, genauer gesamt dem Unterbauch. Technisch gesehen bewegt sich im Karate sowie im Taekwondo erst die Hüfte, dann die Glieder. Der Oberkörper ist dabei grundsätzlich immer aufgerichtet. Das stellt beispielsweise den Hauptunterschied zum chinesischen Kung-Fu oder dem brasilisanischen Capoeira dar: dort übt man, seinen Körperschwerpunkt in jeder erdenklichen Position an der richtigen Stelle zu haben, damit man nicht umkippt.

Karate und Taekwon-Do nutzen "Kime" bzw. Fokus am Endpunkt aller Schläge. Diese END-Spannung sorgt für die nötige Kraft und Stabilität beim Auftreffen auf ein Ziel. Demgegenüber ist der erste, längere Teil einer jeden Bewegung entspannt auszuführen, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit auf dem Weg zum Ziel zu erreichen. Das "harte" Ende einer jeden Bewegung gibt den Techniken im Taekwondo und auch im Karate ihren festen Rahmen. Ziel jeder Angriffstechnik ist es, "Bewegungsenergie in Deformationsenergie umzuwandeln", einfacher, so draufzuschlagen, daß es bricht oder auseinanderfliegt.

Karatepionier Albrecht Pflüger: "Diese Umwandlung geschieht umso vollständiger, je mehr es uns gelingt, ohne Zögerung urplötzlich abzustoppen." Das Innehalten im Schlag oder Tritt, das millimetergenaue Arretieren, erfüllt danach einen doppelten Zweck: einerseits den Partner beim Üben nicht zu treffen, andererseits die Energie zu verstärken, die so "viel größer ist als etwa bei einem schiebenden Stoß" (Pflüger).

Zusammenfassende Tabelle: Karate, Judo und Taekwondo im Vergleich

Merkmal Judo Karate Taekwondo
Ursprung Japan Japan (Okinawa) Korea
Bedeutung Sanfter Weg Leere Hand Fuß, Faust, Disziplin
Körperkontakt Viel Wenig Mittel
Techniken Würfe, Griffe, Hebel Schläge, Tritte, Stöße Schnelle Fußtechniken, Tritte
Fokus Ausnutzung der gegnerischen Kraft Direkte Angriffe, Selbstverteidigung Dynamik, Schnelligkeit