We Love MMA: Erfahrungen und Einblicke in Deutschlands härteste Liga

Während Berlin vom ersten Schneetreiben kurzzeitig bedeckt war, ging es in der Mercedes-Benz-Arena am Ostbahnhof überhaupt nicht romantisch zu. Samstagabend fand dort die 62. „We Love MMA“-Veranstaltung statt. Man spricht auch von „Deutschlands härteste Liga“, in der die 6000 Zuschauer zehn Kämpfe bestaunen konnten.

Was ist Mixed Martial Arts (MMA)?

MMA ist eine Vollkontakt-Sportart und vereint in sich gleich mehrere traditionelle und nichttraditionelle Kampfsportarten: Boxen, Kickboxen, Karate, Taekwondo, Muay Thai, klassischen Bodenkampf, Ringen, Brazilian Jiu-Jitsu und Judo. Im martialisch anmutenden Oktagonkäfig stehen sich zwei Kämpfer für dreimal fünf Minuten gegenüber, es sei denn der Kampf wird durch eine Aufgabe oder einen Knock-out beendet. Manchmal greift auch der Kampfrichter ein, falls ein Fight zu einseitig wird und der Unterlegene geschützt werden muss.

Ursprünge und Entwicklung von We Love MMA

Das Event war auch als eine Art Huldigung der MMA-Veranstalter an Berlin zu verstehen, da die Liga ihre Ursprünge in der deutschen Hauptstadt hat. 2010 wurden die Wettkämpfe jedoch noch in der wesentlich kleineren Universal Hall in Moabit ausgetragen. Allein hinsichtlich des Austragungsorts also in zwölf Jahren ein Riesenschritt für den MMA-Sport. Schließlich wächst MMA auch in Deutschland, bringt schillernde Persönlichkeiten hervor und hat sich von einer Nischensportart hin zum spektakulären Großevent entwickelt.

Einblick in die Kämpfe und Kämpfer

Und so standen MMA-Kämpfer aus der Hauptstadt im Mittelpunkt des Geschehens. Ein Ost-Berliner Derby läutete den Abend ein mit dem Kampf zwischen Jann Jentzen aus dem Pankower Boxtempel Berlin und Tamio Lüftner von der Kampfsportschule Trigoon aus Köpenick. Nach 1:30 Minuten war der erste Fight jedoch schnell entschieden: Per „Choke“, einer Würgetechnik, ging der Sieg an Jentzen. Vom Boxen ging es schnell auch mal in den Bodenkampf.

Auch die nächsten Kämpfe dauerten jeweils keine zwei Runden. Maximilian Pick gewann ebenfalls nach einem Choke gegen den Peruaner Sebastian Salazar, Davlet Karataev konnte gegen Till Fiedler als Sieger aus dem Käfig gehen. Den Kampf gegen Nicolas Hose musste Ayman Saliev vor Beginn der zweiten Runde abbrechen, danach wurde es jedoch zum ersten Mal spektakulär. Zwischen Ken Masters und Adnan Omar sah es lange nach einem Sieg für Omar aus. Jedoch konnte sich Masters aus einer fast aussichtslosen Lage mit seinen Füßen befreien und seinen Kontrahenten schlussendlich besiegen.

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Die Komplexität von MMA

Der Fight verdeutlichte die Komplexität von MMA. Es reicht nicht nur ein guter Boden- oder Faustkampf, sondern der Mix aus all diesen Kampfsportarten muss nahezu fehlerlos beherrscht werden. Besonders in den höheren Gewichtsklassen kann jede Sekunde ausschlaggebend sein, nicht selten gibt es überraschende Wendungen während der Kämpfe.

Der Traum vom großen Wurf

„Was ist dein nächster Schritt und gegen wen geht’s als Nächstes?“, fragt der Moderator einen der MMA-Sportler. Nicht wenige träumen von der großen Karriere, viele der Kämpfer sind erst um die 20 Jahre alt. Der Kampfsport hat einige Persönlichkeiten hervorgebracht. Einerseits ist da Conor McGregor aus Irland zu nennen, einer der bestverdienenden Sportler der Welt. Gerüchten zufolge soll er sogar am Kauf des ruhmreichen FC Liverpool interessiert sein. Auch der aus Dagestan stammende Chabib Nurmagomedow ist eine Legende in der Kampfsportszene. Der Russe war ungeschlagener Weltmeister, wollte den Ruf von MMA verbessern, sprach öffentlich über ein respektvolles Miteinander zwischen Sportlern.

Fairness und Respekt im Oktagon

Der faire Umgang bestätigte sich auch im zweiten Teil des Berliner Fight-Abends. Mansur Kovraev aus Russland siegte trotz des Altersunterschiedes gegen den zehn Jahre älteren Max Müller. Majerbek Bajtulaev konnte seinen Heimvorteil ausnutzen und gewann gegen Nikolas Wilemski vom Lee Gym Hannover. Nach Bajtulaevs Sieg sprach sein Trainer in höchsten Tönen über seinen Lehrling. Mehr noch war er aber vom Publikum an diesem Abend beeindruckt, das sich durchaus begeistert zeigte.

Das Publikum applaudiert jedem Kämpfer, die Fighter begegnen sich mit Respekt: Sie klatschen vor und nach dem Kampf ab, umarmen sich teilweise danach, schütteln sich die Hände mit dem gegnerischen Trainerteam. Von rowdyhaftem Verhalten war an diesem Samstagabend jedenfalls keine Spur.

Die Zukunft von MMA in Deutschland

„Dieser Sport ist für jeden was“, sagte er mit der Hoffnung, dass MMA in Deutschland weiter wachsen wird. So haben es die Events jetzt schon in die Mercedes-Benz-Arena oder den Olympiapark von München geschafft. „Zwar ist es noch ein Stück, bis wir da angekommen sind, wo die USA, Brasilien und Russland sind, jedoch sehe ich großes Potenzial, was MMA in Deutschland angeht“, so der Coach.

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Für Kampfsport-Fans beginnt endlich das Jahr 2019 - Deutschlands härteste Liga, „We Love MMA“, veranstaltet am 2. Februar ihren ersten Event. BILD überträgt den Kampfabend aus Hannover ab 19 Uhr live und exklusiv!

We Love MMA Termine

  • 02.02.2019 - Hannover, Swiss-Life-Hall (We love MMA 45)
  • 23.02.2019 - München, Kleine Olympiahalle (We love MMA 46)
  • 23.03.2019 - Düsseldorf, Castello Düsseldorf (We love MMA 47)
  • 18.05.2019 - Saarbrücken, Saarlandhalle (We love MMA 48)
  • 28.09.2019 - Stuttgart, Carl-Benz-Arena (We Love MMA 49)
  • 19.10.2019 - Hamburg, Barclaycard-Arena (We Love MMA 50)

Weitere Einblicke und Besonderheiten

Dieses Mal steigen auch die Frauen in den Käfig. Im Bantamgewicht treffen Anna Hübsch (24, Pyranha MMA) und Kübra Kaplan (20, Fit & Fight Kiel) aufeinander - um zu entscheiden, wer wirklich die härteste Frau Deutschlands ist.

6000 Zuschauer sorgten für gute Stimmung beim 62. „We Love MMA“-Event. Zum Abschluss der letzten Fight-Nacht des Jahres gab es jedoch noch einige Kracher. Aslan Badaev konnte ein weiteres Berlin-Duell gegen Kevin Amacher nach Punkten für sich entscheiden. Es war der erste Kampf des Abends, der über die volle Länge von 15 Minuten ging. Auch im vorletzten Match-up stand der Sieger erst nach der Wertung der Punktrichter fest: Sajad Sharifi gewann sein „Auswärtsspiel“ gegen Yunus Emre Genciz von der Kampfsportschule Spitfire Berlin.

Das „Highlight“, wie es der Moderator ankündigte, gab es für die Zuschauer erst zum Ende des Abends. Jedoch wurde dieser Fight schon in der ersten Runde entschieden, in der Ahmad Halimson gegen Qaisar Amer Chel siegte. Für die Veranstalter ein gelungener MMA-Abend, der sicher wieder zurück nach Berlin kommen wird. Auch ein Großteil der Zuschauer zeigte sich zufrieden. „Ich will beim nächsten Mal wiederkommen“, sagte eine Freundin ihrem Begleiter auf dem Nachhauseweg.

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