Der Aufstieg Wladimir Putins, geboren am 7. Oktober 1952 in Leningrad (heute Sankt Petersburg), von einem Kind, das in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, zum Oberhaupt eines der einflussreichsten Länder der Welt hat die politische Landschaft Russlands sowie die der Welt nachhaltig verändert.
Kindheit und Ausbildung
Wladimir Wladimirowitsch Putin wird in eine gemessen an den Zeitläuften relative Armut hineingeboren. Seine Mutter ist fast 41 Jahre alt, als er am 7. Oktober 1952 in der Leningrader Geburtsklinik Snegirew zur Welt kommt.
Wladimir Putin ist das dritte Kind der Fabrikarbeiter Maria Iwanowna Putina und Wladimir Spiridonowitsch Putin, welcher Anhänger der Kommunistischen Partei war. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen in einer kommunistischen Wohngemeinschaft und teilte sich Bad und Küche mit ihren Nachbarn.
Gezeichnet von den frühen Todesfällen seiner Brüder, lernte der junge Putin früh, sich in Auseinandersetzungen zu behaupten - eine Resilienz, die sein weiteres Leben prägen sollte. Als Einzelkind mit berufstätigen Eltern wächst er in den Hinterhöfen der Leningrader Altstadt heran: «Während der ersten Klassen war der Hof für Putin das Fenster zur Welt.
Sein Interesse für Kampfsportarten führte dazu, dass er Kenntnisse in Judo, Boxen und Ringen erwarb. Bis heute trainiert der Präsident regelmäßig Kampfsportarten.
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Inspiriert durch sowjetische Spionagefilme entwickelte der junge Putin schnell den Wunsch, Agent zu werden. Prompt bewarb er sich beim sowjetischen Geheimdienst KGB, begnügte sich aber vorerst mit einem Jura-Studium an der Universität Leningrad.
Putins Bildungsweg, der ihn an die Universität Leningrad zum Jurastudium führte, mündete in eine loyale Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und später in eine Karriere beim sowjetischen Geheimdienst KGB.
Während des Studiums trat Putin der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) bei und absolvierte eine KGB-Ausbildung. Von 1985 bis 1990 arbeitete er im Auslandsressort des KGB in Dresden und kehrte nach der Auflösung der DDR zurück.
Dort unterrichtete er Wirtschaftsrecht an der Universität Leningrad und freundete sich mit seinem früheren Professor Anatolij Sobtschak an. 1997 promovierte Putin an der Hochschule Sankt Petersburg in Wirtschaftswissenschaften - wenn auch unter zahlreichen Plagiats- und Betrugsvorwürfen.
Politische Anfänge und Aufstieg
Nach dem Fall der Sowjetunion begann Putin, unterstützt durch seinen früheren Professor und 1991 zum Oberbürgermeister Sankt Petersburgs gewählten Anatolij Sobtschak, seine politische Laufbahn. 1990 stellte dieser ihn als Berater ein, ein Jahr später wurde Sobtschak zum Oberbürgermeister von Sankt Petersburg gewählt. Damit wurde Putin zum Vorsitzenden des Städtischen Komitees für Auslandsbeziehungen ernannt.
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Als Vizebürgermeister, später in der Präsidialverwaltung unter Boris Jelzin und schließlich als Direktor des Geheimdienstes FSB festigte er seinen Einfluss. 1994 fiel ihm die Rolle des ersten Vizebürgermeisters von Sankt Petersburg zu. Als Sobtschak die Wahl 1996 verlor, trat auch Putin von seinem Amt zurück.
Stattdessen unterstützte er Boris Jelzin bei der russischen Präsidentschaftswahl und wurde im selben Jahr zum Stellvertretenden Leiter der Geschäftsführung des Präsidenten. In der Folge stieg er zum Stellvertretenden Chef der Präsidialverwaltung auf und war für die Durchsetzung von Gesetzen und Dekreten zuständig.
1998 übernahm Putin die Leitung des Geheimdienstes FSB, dem Nachfolger des KGB. Ein Jahr später wurde der aufstrebende Politiker zum Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation ernannt. Im August 1999 entließ der russische Präsident Boris Jelzin den damaligen Ministerpräsidenten Sergej Stepaschin und beauftragte stattdessen Wladimir Putin mit dem Amt.
Damit stieg er zum zweitmächtigsten Mann in Russland auf. In diese Zeit fiel auch der Zweite Tschetschenienkrieg, der mit Terroranschlägen in der Moskauer Innenstadt begann. Der Ministerpräsident machte tschetschenische Terroristen für die Taten verantwortlich und erklärte ihnen öffentlich den Krieg.
Am 31. Dezember 1999 verkündete Jelzin überraschend seinen Rücktritt als Präsident der Russischen Föderation. Daraufhin war Putin geschäftsführender Präsident und leitete die Amtsgeschäfte bis zu den Präsidentschaftswahlen im März 2000. Im Volk war der Politiker aufgrund seines harten Durchgreifens im Tschetschenien-Krieg populär geworden und gewann die Wahl souverän mit 52,9 Prozent der Stimmen.
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Präsidentschaft und Machtausbau
Ein großer Schwerpunkt Putins war die Etablierung einer vertikalen Macht, die die Zentralregierung in Moskau wieder stärken sollte. In den Jahren davor hatten die Regionen Russlands immer mehr Autonomie gewonnen und verfolgten zum Teil separatistische Bestrebungen.
Außerdem entmachtete er die Oligarchen Russlands, die seiner Ansicht nach zu viel Einfluss hatten. Sogar die Melodie der sowjetischen Nationalhymne wurde wiedereingeführt. Im schwelenden Tschetschenien-Konflikt griff der Putin derweil weiter hart durch. Im Juni 2000 stellte er die Republik per Dekret unter die direkte Verwaltung Russlands.
Am 14. März 2004 wurde Wladimir Putin mit 74 Prozent der Stimmen erneut zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Allerdings stellten die staatlich gelenkten Medien im Voraus sicher, dass es nie wirklich einen ernsthaften Konkurrenten für Putin gab.
Daraufhin setzte der Politiker eine weitere Stärkung seiner Machtbefugnisse durch. Unter anderem fiel es ihm fortan zu, Gouverneure vorzuschlagen, anstatt diese direkt wählen zu lassen. Auch die Wirtschaft Russlands förderte er weiter, die dank des steigenden Ölpreises einen überwältigenden Aufschwung erlebt hatte.
Nachdem ein russischer Präsident laut Verfassung nur zwei Perioden in Folge im Amt bleiben darf, durfte Putin 2008 nicht erneut antreten. Stattdessen unterstützte er seinen engen Vertrauten, den bisherigen Vize-Ministerpräsidenten und Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzenden Dmitri Medwedew, der die Wahl spielend gewann.
Medwedew wiederum schlug Putin als Ministerpräsidenten vor, was das Parlament mit 87,1 Prozent der Stimmen absegnete. Der neue Präsident gehörte der Partei Einiges Russland an, die geschlossen hinter Putin steht und eine klare Mehrheit im Parlament hat.
Dem Ministerpräsidenten hatte Putin vor dem Machtwechsel mehrere neue Privilegien eingeräumt, wie etwa die Leitung der Gouverneure. Obwohl der Politiker also de facto zweiter Mann hinter Medwedew war, blieb er weiterhin der tonangebende Regierungschef. 2010 wurde durchgesetzt, dass die Amtszeit eines Präsidenten ab der nächsten Wahl sechs statt vier Jahre betragen würde.
Das Machtspiel wurde fortgesetzt, als Medwedew Putin im September 2011 als Nachfolger im Amt des Präsidenten vorschlug. Putin selbst bestätigte seine Kandidatur wenig später. Am 4. März 2012 wurde er im ersten Wahlgang in seine dritte Amtsperiode als Staatspräsident gewählt.
Die Ukraine-Krise und internationale Sanktionen
2013 verschärften sich die Beziehungen Russlands zur Ukraine, woraufhin es zur sogenannten Krim-Krise kam. Im März 2014 besetzte Russland die ukrainische Halbinsel Krim. Wenig später verkündete das russische Parlament, dass die Krim der Russischen Föderation beigetreten sei.
Putins Regierung wird außerdem vorgeworfen, absichtlich Unruhen geschürt zu haben, um den Nachbarstaat zu schwächen, indem sie pro-russische Separatisten im Osten der Ukraine militärisch unterstützt.
Die Annexion der Krim führte zu scharfen internationalen EU-Sanktionen gegen Russland. Putin wurde völkerrechtswidriges Handeln vorgeworfen. Die Vereinten Nationen gaben bekannt, dass das Referendum ungültig sei und die Krim weiterhin Teil der Ukraine sei.
Zudem wurde Russland 2014 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama aus den G8 ausgeschlossen. Die wirtschaftlichen Sanktionen machten sich schnell am fallenden Kurs der russischen Währung Rubel bemerkbar. Putin wies die Schuld daraufhin dem westlichen Ausland zu.
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine
2022 gipfelte der lange schwelende Konflikt in einem Angriff Russlands auf die Ukraine. In einer „militärischen Spezialoperation“ überfielen russische Truppen ukrainisches Gebiet entlang der gesamten Landesgrenze.
Der Überfall, der sich eigentlich nur über wenige Tage ziehen sollte, konzentrierte sich hauptsächlich auf die Hauptstadt Kiew und sollte die vorherrschende Regierung um Präsident Wolodymyr Selenskyj stürzen. Der Plan eines Blitzkriegs ging jedoch nicht auf und ein vollumfänglicher Krieg zwischen den beiden Staaten entfachte.
Mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg sorgte Putin erneut für internationale Empörung, die sich in weiteren Sanktionen gegen Russland und weitreichender Unterstützung für die Ukraine äußerte.
Kontroversen und Kritik
Wladimir Putin wird ein autoritärer Regierungsstil vorgeworfen, der mit einer Beschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit sowie Verletzung von Menschenrechten einhergehe. Andersdenkende werden konsequent unterdrückt und verfolgt.
Kreml-kritische Journalisten müssen laut der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen damit rechnen, verhaftet oder zum Opfer von Gewalt zu werden. Das russische Fernsehen untersteht der Regierung und widmet Putin gerne bis zu 80 Prozent der Sendezeit.
Oppositionelle werden so gut wie möglich ausgeschaltet. So kommt es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen und politisch motivierten Verfolgungen. Als 2017 Proteste gegen Putin stattfanden, bei denen Zehntausende auf die Straßen gingen, wurden tausende Demonstranten von der Regierung verhaftet.
Insbesondere junge Menschen wurden festgenommen und anschließend von ihren Lehrern als Staatsfeinde beschimpft. Die Aktivisten müssten in Russland um ihre „Freiheit, Gesundheit und ihr Leben fürchten“, nachdem die Regierung immer aggressiver gegen sie vorgeht.
Auch Minderheiten werden unterdrückt. Im Juni 2013 wurde ein Gesetz verabschiedet, wonach sich Homosexuelle nicht öffentlich zu ihrer Sexualität bekennen dürfen und auch Medien nicht öffentlich über Homosexualität berichten dürfen.
Privatleben
Wladimir Putin war von 1983 bis 2014 mit der Linguistin Ljudmila Schkrebnewa verheiratet. Zusammen hat das Paar zwei Töchter namens Maria und Jekaterina, die die Deutsche Schule in Moskau und die Staatliche Universität Sankt Petersburg besuchten. Nach fast 30 Jahren Ehe gaben die Putins 2013 bekannt, dass sie sich einvernehmlich getrennt hatten.
Als Grund gaben sie an, sich aufgrund Putins Amt kaum mehr gesehen zu haben. Das Paar habe sich auseinandergelebt, außerdem habe die Deutschlehrerin Probleme mit dem Leben in der Öffentlichkeit.
Öffentlich ist wenig über die Töchter Putins bekannt. Allerdings wurde berichtet, dass sie im Ausland studierten, was der Politiker vehement dementierte. Beide hätten ausschließlich in Russland gelebt. Er sei allerdings stolz darauf, dass sie zwei bis drei Fremdsprachen beherrschen würden.
Ansonsten achtet Putin darauf, dass nur ausgewählte Details aus seinem Privatleben an die Öffentlichkeit gelangen. Ob beim Judo, beim Reiten oder oberkörperfrei mit einem Fisch in der Hand - stets inszeniert sich der Staatschef als kraftstrotzender Naturbursche.
Wichtige Stationen in Wladimir Putins Karriere
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1952 | Geburt in Leningrad (heute Sankt Petersburg) |
| 1975 | Eintritt in den sowjetischen Geheimdienst KGB |
| 1985-1990 | Tätigkeit im Auslandsressort des KGB in Dresden |
| 1997 | Promotion in Wirtschaftswissenschaften |
| 1998 | Leitung des Geheimdienstes FSB |
| 1999 | Ernennung zum Ministerpräsidenten Russlands |
| 2000 | Übernahme der Präsidentschaft von Boris Jelzin |
| 2000-2008 | Präsident Russlands |
| 2008-2012 | Ministerpräsident unter Präsident Dmitri Medwedew |
| seit 2012 | erneut Präsident Russlands |
