Die Bundeswehr bietet Frauen seit 20 Jahren alle Karrierepfade. Auch bei den Spezialkräften gibt es heute in einigen Bereichen Frauen.
Frauen in Spezialkräften: Eine Bereicherung
„Frauen sind ganz klar eine Bereicherung für uns“, heißt es beim KSKKommando Spezialkräfte. Mittlerweile gibt es weibliche Aufklärungsfeldwebel, die die Kommandokräfte begleiten. Sie können bei kulturell sensiblen Missionen oft besser eingesetzt werden. Aus den Einsätzen wissen die Spezialkräfte, dass Frauen in kulturell sensiblen Bereichen oft besser eingesetzt werden können, etwa bei einer Befragung oder einer Durchsuchung muslimischer Frauen.
Auch die Kampfschwimmer würden Frauen in ihren Reihen begrüßen. „Sie wären allein aus Gründen der Tarnung von großem Vorteil“, so Mathe. Bei einer verdeckten Operation kann es besser sein, eine Frau einzusetzen als einen Mann mit der Statur eines Schrankes“, meint Töpsel.
Bewerbung und Voraussetzungen
Grundsätzlich kann sich jeder bewerben, aber nicht jeder erfüllt die Voraussetzungen. Die Bewerbung für das Kommando Spezialkräfte (KSK) kann von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaftssoldaten unabhängig von ihrer militärischen Laufbahn und Verwendung eingereicht werden.
Formale Voraussetzungen:
Lesen Sie auch: Auszeichnung für Panzerzerstörung
- Passender Eingangsberuf in den Fachrichtungen Physik, Biologie oder Chemie.
- Abgeschlossene Laufbahn- und Verwendungsausbildung in der Ausbildungs- und Verwendungsreihe ABC-Abwehr.
- Uneingeschränkte Auslandsdienstverwendungsfähigkeit.
Körperliche und charakterliche Eigenschaften:
- Teamfähigkeit
- Belastbarkeit
- Willensstärke
- Psychische Stabilität
Wer weder Offizier noch Unteroffizier ist, muss die formalen Voraussetzungen für einen Laufbahnwechsel erfüllen.
Das Auswahlverfahren
Das Auswahlverfahren für das Kommando Spezialkräfte (KSK) wurde im Jahr 2023 grundlegend umgestaltet und besteht nun aus einem mehrstufigen Einstellungstest. Die Bewerberinnen und Bewerber werden dabei sowohl psychisch als auch physisch extrem gefordert und müssen vielfältige Testsituationen meistern. Dies ermöglicht den erfahrenen Ausbildern und Psychologen, die Eignung der Soldaten systematisch zu beurteilen und nach dem Leistungsprinzip zu entscheiden.
Das sogenannte Potentialfeststellungsverfahren (PFV) ist in zwei Phasen unterteilt und findet zweimal jährlich, im April und Oktober, statt.
Phase 1: Psychologische und körperliche Leistungstests
Lesen Sie auch: Einzelgängertum aus psychologischer Sicht
Diese Phase erstreckt sich über eine Woche und evaluiert die Eignung der Bewerberinnen und Bewerber für die Ausbildung und den Einsatz als Kommandosoldat im KSK. Das Ziel dieser Phase ist es, den „stillen Profi“ zu identifizieren. Die Stationen und Tests konzentrieren sich daher auf die kognitive Eigenständigkeit, Grundfitness, Teamfähigkeit sowie Lernbereitschaft und -fähigkeit.
Phase 2: Körperliche und psychische Belastung
Diese Phase kombiniert körperliche Belastung, wenig Nahrung und Schlafentzug über mehrere Tage hinweg, und kann nur durch außergewöhnliche körperliche Leistungsfähigkeit und absoluten Willen gemeistert werden.
Eine wesentliche Neuerung gegenüber der alten „Höllenwoche“ ist der Wechsel zwischen physische und psychische Belastung. Dies bedeutet, dass die Soldatinnen und Soldaten direkt nach einer körperlichen Belastung, wie einem Eilmarsch oder einem 5.000 Meter Geländelauf, psychologische Tests unter Vorbelastung absolvieren müssen.
Erfolgschancen und Perspektiven
Insgesamt haben sich in der 25-jährigen Geschichte des KSKKommando Spezialkräfte vier Frauen bei den Kommandokräften beworben. Jüngst hat zum ersten Mal eine Soldatin den ersten Teil des Potenzialfeststellungsverfahrens bestanden.
Lesen Sie auch: Das Einzelkämpfer Abzeichen der Wehrmacht
Von 100 Bewerberinnen und Bewerbern bestehen letztlich nur 20 bis 25 Prozent den intensiven Auswahlprozess.
7D-Test zur Selbsteinschätzung
Bewerbende für das KSK können ihre Leistungsfähigkeit im Vorfeld mithilfe des 7D-Tests überprüfen. Dieser Sporttest besteht aus sieben Teildisziplinen, die alle wesentlichen konditionellen Merkmale einzeln überprüfen und nach Berechnung der Punktsumme ein Gesamtbild der persönlichen Leistungsfähigkeit zeigen.
Die 7 Disziplinen des 7D-Tests:
- Sprint
- Klimmzüge
- Dips
- Liegestütze
- Sit-ups
- 5.000-Meter-Lauf
- Hindernisparcours
Absolventen des seit 1965 eingeführten vierwöchigen Einzelkämpferlehrganges haben ebenfalls das Sonderabzeichen mit zwei Eichenlaubblättern erhalten.
Tabelle: Leistungsniveaus im 7D-Test (Beispielhafte Darstellung)
| Disziplin | Leistungsniveau A | Leistungsniveau B | Leistungsniveau C |
|---|---|---|---|
| Sprint | unter 9 Sek. | 9 bis 9,9 Sek. | länger als 10 Sek. |
| Liegestütze | mehr als 20 Wdh. | 10 bis 20 Wdh. | weniger als 10 Wdh. |
| Klimmzüge | mehr als 12 Wdh. | 5 bis 12 Wdh. | weniger als 5 Wdh. |
| Sit-ups | mehr als 20 Wdh. | 12 bis 20 Wdh. | weniger als 12 Wdh. |
Töpsel ist überzeugt: „Frauen sind ganz klar eine Bereicherung für uns. Verschiedene Geschlechter bringen unterschiedliche Kompetenzen und Fähigkeiten mit, die wir alle brauchen.“
Philipp Töpsel vom KSKKommando Spezialkräfte-Ausbildungsstützpunkt sähe es positiv, wenn die aktuelle Bewerberin die Höllenwoche besteht und die Ausbildung antreten kann: „Das wäre bahnbrechend und eine Inspiration und Motivation für andere Soldatinnen, die sich für unsere Arbeit interessieren.“ Er setzt darauf, dass sich zukünftig mehr Frauen bewerben - damit das KSKKommando Spezialkräfte noch besser wird.
