Karat: Wenn das Schweigen bricht – 50 Jahre Bandgeschichte

Am 22. Februar 1975 gab die legendäre ostdeutsche Band KARAT ihr erstes Konzert in Heidenau und feiert nun 50 Jahre Bandgeschichte.

Anlässlich des Jubiläums veröffentlicht KARAT ein neues Album, „Hohe Himmel“, das ausschließlich neue Songs enthält und die Band nicht als Oldie-Gruppe, sondern als dynamische, immer wieder frische Kraft in der Musikszene zeigt.

Mit drei Zeilen, verpackt in ein sehr rockiges gitarrenlastiges Gewand, starten sie ihr Album 2025: Leadsänger CLAUDIUS DREILICH singt „Wir waren gestern da. Wir sind heute da. Wir sind immer noch da!“. Und WIE sie noch da sind.

Von Anfang bis Ende hinterlässt CLAUDIUS DREILICHs markante Stimme einen bleibenden Eindruck und verleiht dem Song, aber auch dem Album eine unverkennbare Note.

Das neue Album "Hohe Himmel" im Detail

Schon im 1979er Song „Gewitterregen“ wurde die Vokabel „Ausgeträumt“ verwendet, im Jubiläumsalbum. Melancholisch und mit 80er-Synthie-Sounds produziert, geht es um eine „Reise ohne Plan“ und bei der man „nie ankommt“ - wehmütig blickt der Protagonist an bessere Zeiten zurück - ein Song wie er inhaltlich und produktionstechnisch in die Glanzzeiten von KARAT gepasst hätte.

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Der Titelsong des Albums, „Hohe Himmel“, nimmt uns - im Samba-Rhythmus produziert - mit auf eine mitreißende musikalische Reise, die produktionstechnisch nahtlos an „Ausgeträumt“ anknüpft und sie mit aufregenden weltmusikalischen Einflüssen bereichert. Man spürt förmlich die gesangliche Leidenschaft von Sänger CLAUDIUS DREILICH und seine Entschlossenheit, diesen Song mit außergewöhnlicher Intensität zum Leben zu erwecken.

Eine von Streichern begleitete Liebesballade zeigt eine weitere Facette von KARAT: Mit „All das schenk ich dir“ beschreiben sie eine tief empfundene Liebe, die als großes Glück empfunden wird. Die unerschütterliche Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich ohne Worte verstehen und gemeinsam durch jede Herausforderung gehen, ist hier Thema: Die Liebe wird als bedingungslos und stark dargestellt - bereit für alles, was die Zukunft bringt.

Der Song „Nicht egal“ wurde bereits 2023 in der BEATRICE-EGLI-Show vorgestellt. Es geht im Text um eine gemeinsame Reise voller Herausforderungen, um Hoffnung und Entschlossenheit.

Die Band blickt zurück auf eine Zeit, in der Mut und Stärke das Leben bestimmten - eine Phase voller Energie und Unerschrockenheit. Die Realität hat sich dann aber verändert, die Zeiten sind härter geworden und manche Wärme ist verschwunden. Trotz dieser Schwierigkeiten richten die Jungs von KARAT den Blick nach vorne - verbunden mit der Hoffnung, dass alles wieder gut werden kann.

Mit poetischer Leichtigkeit und emotionaler Tiefe entführt uns der Song „Schlafendes Herz“ in eine Welt voller sanfter Klänge. Berührende Zeilen wie „Der Wind weht. Der Fluss fließt“ sind wunderbare Metaphern für die Beständigkeit des Lebens und der Gefühle. Die Lyrik entfaltet sich mit einer zeitlosen Eleganz, die an große Songwriter erinnert, die Melodie schmiegt sich wie eine Umarmung um die Worte. Der Song erzählt von einer tiefen Sehnsucht nach einer verlorenen Liebe und dem schmerzhaften Prozess des Vergessens. Die Naturbilder - der Wind, der Fluss, die vergehende Zeit - symbolisieren den unaufhaltsamen Lauf des Lebens, während der Schmerz des Verlusts langsam verblasst.

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Was soll der Geiz: Wenn das Schweigen Bricht

Eingeläutet mit tollen Piano-Riffs, folgt ein Song, der bereits im Herbst 2023 vorgestellt wurde. „Was soll der Geiz“ beschäftigt sich mit dem Druck, der auf Menschen lastet, wenn sie ihre Meinung äußern - oder wenn sie schweigen. Er thematisiert, dass Aussagen Konsequenzen haben können („kostet es dich Kopf und Kragen“), aber auch, dass Nichtstun oder Schweigen ebenfalls riskant sein kann. Gerade als Band mit DDR-Geschichte ist Meinungsfreiheit für KARAT offensichtlich ein hohes Gut.

Der Text spielt mit der Vorstellung, dass Gedanken eigentlich frei sein sollten, aber in der Realität oft eingeschränkt werden - sei es durch äußeren Druck oder gesellschaftliche Erwartungen. Anscheinend hat der Song auch eine politische Komponente: Man ist es leid, leere Versprechen oder falsche Beteuerungen anderer zu hören und dies anzuprangern, wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen („muss verdammen, wenn sie es versauen“).

Musikalisch von der Produktion stark an DAVID BOWIEs 80er-Songs erinnernd, vermittelt der Text „Vor ein paar Jahren“ eine Mischung aus Nostalgie, Akzeptanz und einer sanften Melancholie über eine Liebe, die geblieben ist - auch wenn sich die Wege getrennt haben. Trotz der Trennung bleiben die Gefühle tief im Herzen verankert - auch nach Jahren sind die Erinnerungen lebendig. Sehnsucht und Emotionen bleiben spürbar. Das Leben geht manchmal eigene Wege - trotz eines Versprechens, sich niemals zu verlieren, geht das Leben bisweilen weiter.

Fünfzig Jahre KARAT - das ist natürlich eine Geschichte mit vielen Höhen, aber auch mit Tiefen, wenn man zum Beispiel an die Millennium-Zeit denkt. Und so beschreibt der Song „Unbesiegbar“ die Höhen und Tiefen des Lebens und vermittelt eine Botschaft des Durchhaltens.

Dabei beginnt KARAT mit einer kritischen Betrachtung: Oft leben Menschen, als könnten sie die Welt einfach nach ihren Vorstellungen gestalten - ganz ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Irgendwann stößt man an Grenzen - Probleme tauchen auf, nichts scheint mehr so klar und einfach wie zuvor.

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Mit „Trau dich“ gibt es dann eine Ballade auf die Ohren, die stilistisch etwas an RIO REISER erinnert. Der Text beschreibt eine tiefe emotionale Verbindung zwischen zwei Menschen, die räumlich getrennt sind, sich aber dennoch nah bleiben. Das Lied dient als symbolischer Begleiter für die geliebte Person - eine Art musikalische Umarmung, die Trost und Nähe spendet. Der Song vermittelt: „Auch wenn ich nicht da bin, bin ich bei dir.“ Die Melodie soll für die geliebte angesprochene Person ein Zuhause sein, ein vertrauter Ort, der Geborgenheit schenkt, wenn die Sehnsucht schmerzt.

Melancholisch mit Reggae-Rhythmus kommt der „Winterschlaf“ daher - ein Titel, der zwischen Resignation und Hoffnung schwankt. Der Text beschreibt eine Welt, die erschöpft ist und eine Pause braucht - ein Bild der Erholung nach schweren Zeiten, was aktuell zum Zeitgeist passt.

Poseidon, der Gott des Meeres, wird gebeten, Ruhe zu bewahren, damit die Welt in einen „Winterschlaf“ fallen kann, um sich von den Strapazen des vergangenen Jahres zu erholen - eine Vorstellung, die nachdenkenswert ist. Trotz der Müdigkeit gibt es Hoffnung: Licht durchbricht den Schatten, genau wie Hoffnung auch in schwierigen Momenten nicht verschwindet. Das Leben stellt hohe Anforderungen und fordert sogar unsere Träume heraus, doch der Text vermittelt eine Botschaft der Verbundenheit - „Wir sind nicht allein“.

Gleichzeitig klingt eine Warnung mit: Wenn wir nicht achtsam sind, könnte das Leid, das uns heute umgibt, bald zu spät sein, um noch ein Wunder zu erwarten.

Als Vorab-Single hat KARAT den Song „Wir“ veröffentlicht. Mit diesem Song positioniert sich die Band gegen die Verrohung der Gesellschaft und ruft zu mehr Zusammenhalt auf.

Der letzte Song des Albums, „Der Mensch“, thematisiert auf eindrucksvolle Weise die drängenden Probleme unserer Zeit, insbesondere die Zerstörung der Erde und die Verantwortung des Menschen für seinen Planeten. Der Text beginnt mit einer ernsten Warnung: Die Welt braucht keinen neuen Gott, um zu beten, denn die Erde ist krank und in Gefahr.

Es wird eine existenzielle Frage aufgeworfen: Haben wir noch die Möglichkeit, unser Leben und unseren Planeten zu retten, oder sind wir bereits zu spät dran? In diesen Zeilen steckt sowohl eine tiefgründige Besorgnis als auch eine angsterfüllte Erkenntnis über die drohende Zukunft. Dieser Song-Inhalt erinnert an den großen KARAT-Hit „Der blaue Planet“. CLAUDIUS DREILICH trägt somit die Botschaft seines Vaters weiter.

Die Musik selbst unterstreicht die Bedrohlichkeit der Situation, beginnend mit einem düsteren Piano, das sich zu einer kraftvollen Rockballade steigert.

Das neue KARAT-Album „Hohe Himmel“ überrascht mit verschiedenen musikalischen Facetten und tiefgründigen Texten, die von den Band-Mitgliedern sowie bekannten Gastautoren stammen.