Die Geschichte des Frauen-Wrestlings ist reich an Pionierinnen, Kämpfen und Erfolgen. Es ist eine Geschichte von Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten und ihren Platz im Ring erkämpfen.
Frühe Anfänge und Pionierinnen
Bereits im späten 19. Jahrhundert begannen Frauen, auf Jahrmärkten und im Zirkus in den Ring zu steigen. Grace Hemmendinger, mit einer Körpergröße von 1,82 Metern und einem Gewicht von rund 125 kg, war eine der ersten bekannten Wrestlerinnen. Sie gewann in den 1870er-Jahren Kämpfe gegen Frauen und Männer. Josephine Wahlford-Blatt alias Minerva gilt als erste Frau, die einen Titel im professionellen Wrestling gehalten hat. Das war bereits in den 1890er Jahren und zeigt, dass es fast seit Beginn des professionellen Wrestling im 19.Jahrhundert auch Frauen gibt, die dieser Mischung aus Sport und Unterhaltung nachgehen.
Minerva, mit bürgerlichem Namen Josephine Schauer Blatt, gilt bis heute als erste Frau der Welt, die im Wrestling Gold gewinnen konnte- wenn auch nur einen eher unterklassigen Jahrmarkt-Titel im Jahr 1896. Erst stolze 17 Jahre später wurde ihr der Titel wieder abgenommen. Eine weitere Frau schrieb wenig später Geschichte, als Cora Livingston den Titel gewann und ihn für rekordverdächtige 22 Jahre hielt.
Der Aufstieg und Fall des Frauen-Wrestling in den USA
Billy Wolfe, ein amerikanischer Wrestling Promoter, erkannte das Potenzial von Frauen im Ring und begann, weibliche Athletinnen in seine Shows zu booken. Nun standen immer öfter auch Frauen im Rampenlicht großer Events. Bald kamen jedoch vermehrt Gerücht über Wolfe auf, der Promoter würde seine Wrestlerinnen vermehrt sexuell missbrauchen.
Als einige wütende Frauen in den frühen 1950ern mit diesen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gehen wollten, soll jedoch der einflussreiche Wolfe dafür gesorgt haben, dass alle Wrestlerinnen, die gegen ihn aussagen wollten, keine Anstellung mehr in der Wrestling-Welt fanden. So wurde zum Beispiel Mildred Burke, ebenfalls ein Opfer von Wolfe, nach ihrer Aussage gegen den Wrestling-Mogul von sämtlichen Promotern fallen gelassen und verschwand kurzzeitig in die Bedeutungslosigkeit.
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1963 starb der umstrittene Wolfe, aber ein anderer Stern der Wrestling-Historie begann aufzusteigen: „The Fabolous Moolah“, eine ehemalige Schülerin beim verstorbenen Wolfe, veränderte mit ihrem Einstieg in den Showsport auch den Stil des Frauen-Wrestlings.
In den neunziger Jahren verschwand das Frauen-Wrestling in den USA in der Versenkung. Gemessen an den folgenden Jahren war das Schattendasein des Frauenwrestlings in den Neunzigern jedoch vielleicht sogar die bessere Alternative. Spätestens mit dem Beginn der »Attitude Era« Ende 1997 ging der Trend in der WWE immer stärker hin zu reiner Fleischbeschau. Während die männlichen Wrestler sich in vermeintlich provokanter Weise als dauerpotente Samenschleudern gerieren durften, ging es bei den Frauen meist in erster Linie darum, wie wenig sie anhatten - nicht selten im wörtlichsten Sinn. Trauriges Symbol dieser Zeit sind die sogenannten »Bra and Panties«-Matches, in denen es darum ging, die Kontrahentin möglichst schnell bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Zwischen August 2000 und Juli 2005 fanden in der WWE Dutzende dieser Matches statt.
Internationale Entwicklungen
Die Entwicklung in den USA ließ auch den Rest der Welt nicht lange kalt. In Japan wurden bald vereinzelt Shows mit Frauen veranstaltet, so richtig wollte das Frauen-Wrestling in Asien aber erst nicht ankommen. Bis Mildred Burke, die ehemalige Schülerin von Billy Wolfe, ab 1954 nach Japan ging, um dort aufzutreten. Ihre Präsenz trieb auch viele Japanerinnen zu den Shows, die von Burkes Stil und ihrer Präsenz beeindruckt waren. Sie wollten das auch können. 1968 wurde die „All Japan Women‘s Pro Wrestling Corporation“ gegründet, die in Japan ein großer Erfolg wurde.
In der Zwischenzeit wurde das Frauen-Wrestling auch in den USA wieder größer, weshalb Mildred Burke wieder in ihre Heimat zurückkehrte und dort die World Womens Wrestling Association gründete. Bald kam es zu einigen „Crossover-Events“ zwischen der amerikanischen WWWA und der japanischen Company, ein Zeichen der gegenseitigen Dankbarkeit zwischen Japan und der einflussreichen Mildred Burke.
In Mexiko gab es Frauen im Wrestling-Ring schon seit den 1930ern. Allerdings waren die meistens Gäste aus Amerika, die nur für ein oder zwei Auftritte vorbeischauten. Ab den 50ern stiegen dann auch die ersten einheimischen Wrestlerinnen in den „Sqared Circle“. 1955 wurde dann erstmals die Mexikanerin „La Dama Enmascarada“ im eigenen Land Titelträgerin. Aber die Freude hielt nicht lange. 1960 verbot die mexikanische Regierung Frauen-Wrestling, da sie es als „unsittlich“ betrachteten. Erst 1986 wurde dieses Verbot wieder aufgehoben.
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Die "Divas"-Ära und der Wandel
Nachdem das Frauen-Wrestling in den USA in den 1980er Jahren zur Nebensache wurde, experimentierte die spätere WWE ab diesem Zeitpunkt vorsichtig mit Frauen-Wrestling. Um die 90er Jahre wurde die Women‘s Division langsam wieder abgebaut und der dazugehörige Titel deaktiviert. Es gab danach immer wieder vorsichtige Versuche für einen Frauen-Neustart in der WWF. Frauen wie Sable, Ivory und Terri Runnels legten dann tatsächlich den Grundstein für einen Durchbruch der Frauen in der World Wrestling Federation.
In den frühen 2000er-Jahren waren sogar Frauen im Main Event von Raw oder Smackdown keine Seltenheit. Ein paar Jahre später machte die WWE, die sich mittlerweile umbenannt hatte, diesen kleinen Erfolg für die Frauen wieder kaputt. Sie stellten lieber professionelle Models statt passionierten Kämpferinnen an.
2008 folgte die Einführung der „WWE Divas Championship“. Die Frauen hatten sich jetzt zwar im WWE-TV etabliert, rückten aber nach kurzem Wirbel wieder ins zweite Glied.
Von 2008 bis 2016 wurden die Frauen der WWE als »Divas« bezeichnet, der Gürtel zum entsprechenden Divas Title war rosa und geformt wie ein Schmetterling. Hinzu kam ab 2013 mit »Total Divas« eine Reality-Show, die sich in erster Linie mit dem Privatleben der Wrestlerinnen und hier bevorzugt mit ihren Liebesbeziehungen zu männlichen Wrestlern der WWE befasste. Dieser anfangs durchaus neue, innovative und erfolgreiche Weg, Frauen-Wrestling zu vermarkten, wurde jedoch mit der Zeit zu einer Sackgasse. Bei Wrestlemania 32 im April 2016 wurde der Divas Title daher offiziell wieder durch einen Women’s Title ersetzt.
Parallel dazu bemühte sich die WWE, die symbolische Gleichstellung der Frauen mit den Männern stetig weiter voranzutreiben, auch wenn diese freilich noch immer merklich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.
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Die heutige Situation und Zukunftsperspektiven
In den frühen 2000er brachten die Independent-Promotions wie Impact Wrestling oder Ring of Honor neue Möglichkeiten für Frauen. Eine Firma ließ aber besondere Durchbruchshoffnungen in den Wrestling-Frauen dieser Zeit aufkeimen: „Shimmer Womens Athletes“. Gegründet von der ehemaligen IWA Mid-South-Größe Dave Prazak und Ex-Ring of Honor-Wrestlerin Allison Danger und ab jetzt Anlaufstelle für junge, hoffnungsvolle Wrestlerinnen aus der ganzen Welt. Auch die Karrieren von heutigen Veteraninnen wie Bayley oder Asuka wurden maßgeblich von Shimmer geprägt.
Eine Revolution für das Frauen-Wrestling stellte auch die Gründung der „Knockouts-Division“ bei TNA dar. Mit Stars wie Gail Kim. Awesome Kong oder Velvet Sky bauten sie ein Produkt, in dem Frauen-Wrestling endgültig mehr war als eine nette Randnotiz.
Mittlerweile hat sich das Frauenbild im Wrestling radikal geändert. Im Gegensatz zur damaligen Zeit, als deren Kämpfe ja nicht zu gewalttätig aussehen durften, damit die (meist männlichen) Zuschauer mit ihrem konservativen Frauenbild nicht abgeschreckt wurden, stehen inzwischen die Frauen ihren männlichen Pendants in Sachen Kampfkunst in nichts mehr nach. Dennoch ist die Riege der Top-Wrestlerinnen diverser geworden: von grazil bis muskulös und verspielt bis aggressiv ist alles dabei - genauso wie bei den Männern.
Jazzy Gabert, die erfolgreichste Wrestlerin Deutschlands, schaffte sogar den Sprung in die WWE. Im Jahr 2000 sah sie in Berlin zwei Frauen gegeneinander kämpfen und wagte selbst den Schritt in den Ring. Gabert erinnert sich: „Ich war selbst keine starke Frau, sondern ein kleiner Teenager. Ich war sechzig Kilo schwer und nicht das, was ich heute bin.“
Gabert musste gegen Vorurteile ankämpfen. „Am Anfang wollten die mich gar nicht haben. Ich musste monatelang betteln, bis sie mich endlich in ihrer Schule aufgenommen haben.“ Die erste Zeit glich jedoch der Hölle.
Heute ist Jazzy Gabert Deutschlands bekannteste Wrestlerin, was sie ihrem Gimmick, also ihrem Charakter der Alpha Female, zu verdanken hat. Der Name hält, was er verspricht. Muskulös, blonder Mohawk, laut: Eine Frau, die sich nicht einschüchtern lässt und so gar nicht dem Bild der damaligen Wrestlerinnen entsprach, die eher durch ihr sexy Auftreten als durch Talent und starke Leistungen bestachen.
Shadia Bseiso ist eine weitere bemerkenswerte Frau in der Wrestling-Welt. Sie ist die "erste arabische Frau", die für die WWE antritt. Dieser Schritt wird als großer Fortschritt für die Gleichberechtigung muslimischer Frauen angesehen.
ExklusivJazzy Gabert alias Alpha Female ist die erfolgreichste Wrestlerin Deutschlands und schaffte sogar den Sprung in die WWE. Letztes Jahr schrieb die WWE, die größte Wrestling-Liga der Welt, Geschichte. Das erste Mal wurde der Hauptkampf bei Wrestlemania, welches dem Superbowl gleicht, ausschließlich von Frauen ausgetragen. 82.000 Menschen im Publikum und weitere Millionen vor den Fernsehgeräten feuerten Rhonda Rousey, Charlotte Flair sowie Becky Lynch an, als diese um den begehrtesten Titel in der Welt des Wrestlings kämpften.
Die letzten 70 Jahre haben gezeigt, dass für diese Powerfrauen alles möglich ist. Sogar gefeierte Auftritte im eher konservativen Saudi-Arabien. Der Krieg hat sich gelohnt.
Frauen sind aus dem Wrestling nicht mehr wegzudenken. Sie stehen in Main-Events, sie liefern uns Kämpfe die uns nostalgisch werden lassen.
Tabelle: Wichtige Ereignisse im Frauen-Wrestling
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1890er | Josephine Wahlford-Blatt alias Minerva hält als erste Frau einen Titel im professionellen Wrestling. |
| 1950er | Billy Wolfe bookt vermehrt weibliche Athletinnen in seine Shows. |
| 1968 | Die „All Japan Women‘s Pro Wrestling Corporation“ wird gegründet. |
| 2008 | Die „WWE Divas Championship“ wird eingeführt. |
| 2016 | Der Divas Title wird durch einen Women’s Title ersetzt. |
| Heute | Frauen stehen in Main-Events und liefern Kämpfe, die begeistern. |
