Wladimir Putin und seine Kampfsportgrade: Judo und Taekwondo im Fokus

Wladimir Putin, bekannt für seine Rolle in der russischen Politik und den Konflikt in der Ukraine, ist auch ein leidenschaftlicher Kampfsportler. Er besitzt einen schwarzen Gürtel im Judo (8. Dan) und wurde im Taekwondo mit dem 9. Dan ausgezeichnet.

Putins Judo-Karriere: Zwischen Anerkennung und Kritik

Putin selbst beschrieb seine Sicht auf das Judo einst so: „Sportarten wie Judo lehren uns gegenseitigen Respekt.“ Doch als Kriegsherr verhält er sich geradezu gegenteilig zu dieser Aussage. Von Charakterbildung, die im Judo ein angestrebtes Ziel ist, keine Spur.

Trotzdem wurden ihm hohe Ehrentitel verliehen. So wurde er zuerst zum Botschafter der Internationalen Judo-Föderation (IJF) ernannt und im Jahr 2008 auch noch zu deren Ehrenpräsidenten - Ein Hohn schon damals. Anno 2011 erhielt er „ehrenhalber“ auch noch den 8. Dan-Grad verliehen. Dabei hat er mit Hilfe der Verbandsoberen einige Grade kurzerhand übersprungen.

Die „Washington Post“ schrieb am 18. Juli 2017 unter der Überschrift „Ist Putin ein Judo-Hochstapler?“: „Putin hat weithin den Ruf, ein Judo-Experte auf hohem Niveau zu sein. Sein Können sei so eindrucksvoll und bekannt, dass es zu einer Metapher für seinen Regierungsstil geworden ist.“

Benjamin Wittes, ein amerikanischer Martial Arts-Spezialist und Dan-Träger im Taekwondo und Aikido, befand nach intensivem Studium der Judo-Videos mit Wladimir Putin, dass dieser ein Betrüger und Hochstapler sei.

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Trotz aller Zweifel beweihräucherte der IJF-Präsident Marius Vizer den russischen Präsidenten bei der Verleihungszeremonie des 6. Dan-Grades anlässlich des 60-jährigen Bestehens der IJF und des 60. Geburtstages von Wladimir Putin den Geehrten als „perfekten Botschafter unserer Sportart“ und verstieg sich gar zu der Aussage, Putin repräsentiere die hohen Judo-Werte auf der ganzen Welt.

Am 27. Februar 2022, drei Tage nach Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine, entzog die IJF dem Kriegsherrn, der längst als dringender Kandidat für eine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gehandelt wird, sowohl den Botschafter-Titel als auch die Ehrenpräsidentschaft.

Der Taekwondo-Ehrengrad: Eine diplomatische Geste mit Folgen

Als leidenschaftlicher Kampfsportler besitzt der Staatschef mehrere schwarze Gürtel, darunter einen im Taekwondo. Während eines offiziellen Besuchs in Südkorea wurde Wladimir Putin von Choue Chung-won, dem Präsidenten des Internationalen Taekwondo-Verbandes, persönlich mit einem schwarzen Gürtel und einem Diplom für den neunten Dan ausgezeichnet.

Eine Auszeichnung, die mehr darauf abzielt, Russlands Engagement für die Demokratisierung dieser Praxis zu symbolisieren, die weltweit fast 80 Millionen Menschen begeistert. "Ich glaube nicht, dass ich einen so hohen Rang verdiene", gibt der Kreml-Pensionär während der Verleihungszeremonie zu. "Betrachten wir es als unser gemeinsames Projekt, diese bemerkenswerte Kampfkunst populär zu machen."

Im Februar gab der Internationale Taekwondo-Verband bekannt, dass er Wladimir Putin infolge des Ukraine-Kriegs den schwarzen Gürtel 9. Dan aberkannt hat. Und das, obwohl er diese Sportart nie selbst ausgeübt hat.

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Die Frage der Aberkennung von Dan-Graden

Interessant ist die Frage, ob man einen Dan-Grad überhaupt aberkennen kann. Wenn man die Dan-Ränge aus der Sicht der japanischen Kultur betrachtet, sollten sie niemals weggenommen werden. Es sind keine militärischen Ränge, die man abnehmen kann.

Diplome werden auf der Grundlage der Erfüllung der Anforderungen zu einem bestimmten Zeitpunkt verliehen. Ebenso kann ein Judo-Verband jemandem die Lizenz zur Ausübung des Judo entziehen, vorausgesetzt, alle objektiven Standards und unabhängigen Überlegungen werden eingehalten.

Es gibt zahlreiche Menschen im Jûdô, die abscheuliche Verbrechen begangen haben, die nichts mit Jûdô zu tun haben. Sogar Osama Bin Laden hatte einen jûdô-Rang. Wenn Menschen am Ende dafür bestraft werden müssen, dass sie in der realen Welt Verbrechen begangen haben, dann gibt es Gerichte, die sich damit nach formalen Verfahren befassen, die sorgfältig in Gesetzen und unter Einhaltung nationaler und internationaler Verträge festgelegt sind.

Sport als Teil der russischen Außenpolitik

Seit vielen Jahren begreift der Kreml den Sport als Teil seiner Außenpolitik, besetzte internationale Spitzenposten mit Putin-Getreuen, schaffte Abhängigkeiten durch hoch dotierte Sponsorenverträge und holte serienweise Top-Wettbewerbe ins Land.

Viele Sportverbände bereiteten Putins Russland in den vergangenen Jahren die große Bühne. Die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau, die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014, die Fußball-WM 2018 und die EM-Partien in St. Petersburg 2021 oder die Formel-1-Auftritte in Sotschi waren dabei nur die wirkmächtigsten unter vielen Beispielen.

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Gazprom spielte für Russland eine zentrale Rolle im sportlichen Machtpoker. Mindestens 40 Millionen Euro soll Gazprom Schätzungen zufolge jährlich an die Europäische Fußball-Union UEFA überwiesen haben, Vorstandschef Alexander Djukow ist auch Mitglied der UEFA-Spitze.

Das IOC erkannte ihm den olympischen Orden in Gold ab, der Internationale Judoverband entzog ihm die Ehrenpräsidentschaft, der Taekwondo-Weltverband forderte den ehrenhalber verliehenen schwarzen Gürtel zurück.

Fazit

Die Aberkennung der Dan-Grade Putins ist ein symbolischer Akt, der die Verurteilung seiner politischen Handlungen durch die internationale Sportgemeinschaft verdeutlicht. Ob dies tatsächlich eine Wirkung auf Putin selbst hat, bleibt jedoch fraglich.