Wladimir Putin, geboren 1952, der Präsident der Russischen Föderation, praktiziert seit früher Jugend Judo und Sambo. Er ist Träger des 8. Dan im Judo.
Judo wird häufig mit „Der sanfte Weg“ übersetzt, doch sanft geht es auf den Matten insbesondere in der Wettkampfpraxis eher selten zu. Zutreffender ist die Übersetzung als „flexibler“ oder „intelligenter“ Weg.
Der österreichische Autor Robert Misik schrieb in seinem Buch „Putin - Ein Verhängnis“, dass der russische Präsident Judo von Beginn an als durchaus aggressive Ergänzung zu seinen angestrebten Fähigkeiten, jeden, egal wie, besiegen oder gar zerstören und im alltäglichen Überlebenskampf bestehen zu können.
Er selbst beschrieb laut SPIEGEL vom 22. Dezember 2007 seine Sicht auf das Judo indessen so: „Sportarten wie Judo lehren uns gegenseitigen Respekt.“
Als russischer Präsident aber hat Putin bereits die tschetschenische Hauptstadt Grosny auf brutalste Weise nahezu dem Erdboden gleich bomben lassen. Und aktuell haben seine Truppen auf seinen Befehl hin ein friedliches Nachbarvolk völkerrechtswidrig angegriffen, sind also die Aggressoren. Auf die Zivilbevölkerung nehmen Putin und seine Schergen keinerlei Rücksicht, auch auf Kinder nicht.
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Und nach dem verbrecherischen Massaker von Butscha dekorierte er die Tätertruppe mit hohen Auszeichnungen. Das ist in etwa so, als würde man im Judo dafür geehrt, dass man am Wettkampf Unbeteiligte auf hinterhältige und brutale Weise getötet hat. Und gar mit Atomwaffen zu drohen käme der Situation gleich, in der ein Judoka mit gezogener Schusswaffe in den Kampf geht.
Aber statt Putin wegen der rücksichtslosen Kriegführung in Tschetschenien und den von ihm genehmigten oder gar in Auftrag gegebenen Mordanschlägen auf politische Gegner, Kritiker und Abtrünnige sogar im Ausland achtkantig aus dem Verband zu werfen und von jeglichen Matten zu verbannen, wurden ihm gar noch hohe Ehrentitel verliehen.
So wurde er zuerst zum Botschafter der Internationalen Judo-Föderation (IJF) ernannt und im Jahr 2008 auch noch zu deren Ehrenpräsidenten. - Ein Hohn schon damals.
Anno 2011 erhielt er „ehrenhalber“ auch noch den 8. Dan-Grad verliehen. Dabei hat er mit Hilfe der Verbandsoberen einige Grade kurzerhand übersprungen.
In einer wohl ohne Genehmigung an die Öffentlichkeit gelangten Sequenz stellt er sich bei einem Armstreckhebel sogar ausgesprochen dämlich an. So hätte er gegen jeden mittelmäßigen Judoka verloren. Aber auch die grundlegenen Standard-Techniken zeigt Wladimir Putin derart mäßig bis schlicht falsch, dass er damit Probleme bei den Prüfungen zu den untersten Schülergraden bekäme.
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Nun darf und sollte man dem russischen Diktator zugestehen, dass er inzwischen 70 Jahre alt ist. Dass auch auf der Judo-Matte dann vieles nicht mehr so geht, wie in jüngeren Jahren, ist ein Schicksal, dass außer ihm noch andere alternde Judoka ereilt. Doch Putin geriert sich noch als der harte und erfolgreiche Kämpfer und Judo-Experte schlechthin.
Die „Washington Post“ schrieb am 18. Juli 2017 unter der Überschrift „Ist Putin ein Judo-Hochstapler?“: „Putin hat weithin den Ruf, ein Judo-Experte auf hohem Niveau zu sein. Sein Können sei so eindrücklich und bekannt, dass es zu einer Metapher für seinen Regierungsstil geworden ist.“
In seinem Nationalen Sicherheits-Blog „Lawfare“ befand er nach intensivem Studium der Judo-Videos mit Wladimir Putin, dass dieser ein Betrüger und Hochstapler sei. Ihm war aufgefallen, dass dessen Gegner allzu leicht fallen und es keine Bilder gebe, auf denen der Staatschef angegriffen werde. Deshalb wolle Wittes letzteres am liebsten selber tun.
Trotz aller Zweifel beweihräucherte der IJF-Präsident Marius Vizer den russischen Präsidenten bei der Verleihungszeremonie des 6. Dan-Grades anlässlich des 60-jährigen Bestehens der IJF und des 60. Geburtstages von Wladimir Putin den Geehrten als „perfekten Botschafter unserer Sportart“ und verstieg sich gar zu der Aussage, Putin repräsentiere die hohen Judo-Werte auf der ganzen Welt. - Auch das war damals schon lachhaft.
Und das beim Training mit der russischen Nationalmannschaft: Wladimir Putin steht aus einer Judo-Rolle heraus über das angewinkelte Knie auf. Ein Fehler, für den man schon bei der Prüfung zum gelben Gürtel dicke Minuspunkte bekommt.
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Am 27. Februar 2022, drei Tage nach Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine, entzog die IJF dem Kriegsherrn, der längst als dringender Kandidat für eine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gehandelt wird, sowohl den Botschafter-Titel als auch die Ehrenpräsidentschaft. Immerhin.
Wie weit dessen Einfluss reichte, konnte man bei den olympischen Spielen 2012 in London sehen. Als der deutsche Schwergewichtler Andreas Tölzer im Halbfinale gegen den Russen Alexander Michailin stand, befand sich Wladimir Putin unter den Zuschauern. Aufgrund höchst umstrittener Kampfrichterentscheidungen erreichte der Russe den Endkampf.
Summa summarum: Der russische Präsident Wladimir Putin ist nicht nur als Politiker eine Katastrophe, sondern auch ein höchst unwürdiger Judo-„Meister“.
Auch aus Japan, dem Mutterland des Judo, kommen deutliche Worte von prominenten Vertretern der Kampfsportart, die in dieselbe Richtung gehen.
Sie erinnert an eine Aussage des Begründers des Judo: „Die Lehre von Jigoro Kano Sensei lautet: ‚Wenn du einmal Macht erlangst, nutze sie, um Gutes für die Welt zu tun.‘ Im Lichte dieser Lehre ist Putins Machtgebrauch in dieser Weise unzulässig, ein definitives No-Go.
Die Aggression seines Landes in der Ukraine ist gegen das Ethos des Sports. Wenn ich die Medienberichte über die unmenschlichen Taten in der Ukraine und die militärische Aggression Russlands verfolge, bricht mir das das Herz. Präsident Putin ist ein Judoka, und diese Handlungen widersprechen dem Geist und dem Zweck des Judo. Als Judoka sind meine tiefe Trauer und meine Gedanken bei den Menschen in der Ukraine und bei allen Judo-Liebhabern auf der ganzen Welt.
Bisher heißt es, eine Aberkennung von Putins Judo-Dan-Grad sei unrealistisch. Verwiesen wird dann oft darauf, dass selbst Shizuo Matsumoto - Deckname Shoko Asahara -, der die religiöse Sekte Aum Shinrikyo führte und später für den Giftgasanschlag auf die Tokyoter U-Bahn im Jahre 1995 und weitere Verbrechen hingerichtet wurde, seinen Dan-Grad behalten hat.
Zurück zu Banskys Judo-Wandbild. Dieses lässt noch eine weitere Interpretation zu: Der Jüngere zeigt dem Älteren, wo es langgeht. So wie in der Klimapolitik. Da fordern ebenfalls junge Menschen die Politiker auf, dringenst erforderliche Schritte zur Eindämmung der Erderwärmung zu gehen.
Dieses Bild des britischen Streetart-Künstlers Bansky auf einer maroden Mauer eines zerbombten Hauses in der Ukraine zeigt nicht lediglich einen Judo-Wurf, sondern birgt eine tiefergehende Bedeutung. Da darauf zu sehen ist, wie ein Kind einen erwachsenen Mann wirft, also der Schwächere den Starken besiegt, hat es durchaus einen starken Bezug zur Kriegswirklichkeit nach dem russischen Überfall auf die Ukraine.
Banskys Wandbild wird den Judoka und einstigen Stadtmeister von Leningrad, Wladimir Putin, auch deshalb besonders ärgern, weil darauf seine Kampfsportart in Bezug zum - obwohl ausgesprochen brutal bis kriegsverbrecherisch vorgehenden - schwächelnden russischen Militär gesetzt wird.
Bleibt zu hoffen, dass Wladimir Putin Yasuhiro Yamashita seinerseits die Freundschaft kündigt, denn dieser aufrechte Judoka hat es nicht verdient, dass der verlogene Kreml-Herr sich noch länger mit ihm als „Freund“ schmückt.
Bekannte Judoka, die sich kritisch über Putin äußerten
| Name | Position | Aussage |
|---|---|---|
| Kaori Yamaguchi | Mitglied des Japanischen Olympischen Komitees, 7. Dan | Putins Machtgebrauch ist unzulässig. |
| Yasuhiro Yamashita | Präsident des Japanischen Judo-Verbandes, Vorsitzender des Japanischen Olympischen Komitees, 8. Dan | Die Aggression seines Landes in der Ukraine ist gegen das Ethos des Sports. |
