Im Laufe der Zeit ist ein profitabler Markt entstanden. Nach außen manchmal provokant und martialisch aufgemacht, manchmal aber auch nur mit dezenten Hinweisen auf den ideologischen Hintergrund, dienen diese Marken unter Rechten der Identitätsstiftung und der gegenseitigen Erkennbarkeit.
Die Ästhetik und Ideologie
Manche der Marken beschränken sich bei der Wahl der Motive auf ihrer Kleidung bewusst auf ideologische Andeutungen, lassen also immer Fragen offen: Geht es beispielsweise „nur“ um Wikingerkitsch oder schon um klar rechtsextreme Geschichtsmystik? Für Teile der Kundschaft ist gerade diese ästhetische Uneindeutigkeit interessant.
Die Motive beziehen sich vielfach auf die nordische Mythologie. Runen und vorchristliche Symbole lassen die Designs mystisch wirken und stellen Bezüge zur rechten Vorstellungswelt einer „nordischen Rasse“ her. Andere Motive drücken Gewaltfantasien aus, wie etwa ein T-Shirt mit dem Spruch „Straight Answer“ („direkte Antwort“) neben der Abbildung einer Kleinkaliberpistole. Im Repertoire sind darüber hinaus auffallend viele Motive mit Bezug zur deutschen Kolonialzeit.
Mit Aufdrucken wie „drugfree“ („drogenfrei“) will Black Legion Anhänger*innen einer sportorientierten, gesundheitsbewussten Jugendkultur ansprechen. So spielt neben der Feindschaft gegen Einwanderung auch Ablehnung von Modernität eine zentrale Rolle. Auch einer der Slogans von Greifvogel lautet "Strength against the modern world". Die Romantisierung der eigenen "Naturverbundenheit" bildet eine Klammer der Szene.
Bekannte Marken und ihre Hintergründe
Thor Steinar
Der Marktführer in der rechten Bekleidungsindustrie wurde 2002 in Königs Wusterhausen von Axel Kopelke und Uwe Meusel ins Leben gerufen. Udo Siegmund, der Kontakte in die Rechtsrockszene hatte, war in den ersten Geschäftsjahren für Teile des Versands zuständig, verließ die Firma jedoch. Kopelke überschrieb den Vertrieb mehrmals auf Fremdunternehmer, 2009 kurzzeitig auf einen arabischen Investor, was innerhalb der Szene für Verwirrung und Boykottaufrufe sorgte.
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Mit der Kollektion „TS Performance“ biedert sich die Marke bei Extremsportbegeisterten an, Aufdrucke wie „Stadionverbot! Na und?“ sollen Fußballfans ansprechen. Thor Steinar unterhält europaweit Dutzende Shops und expandierte in den letzten Jahren vor allem in Osteuropa.
Erik & Sons
2007 registrierte der ehemalige Thor-Steinar-Mitarbeiter Udo Siegmund die Marke Erik & Sons. Seine Firma, mit Sitz im Ort Niederlehme in der Nähe von Königs Wusterhausen, setzt größtenteils auf Motive aus der nordischen Sagenwelt. Zudem wurde Kleidung mit dem Aufdruck „Alarmstufe Weinrot“ entworfen, die Fußballfans des BFC Dynamo ansprechen soll. Eine weitere Verbindung liegt im Verkauf von Rechtsrock, wie etwa CDs der rechtsextremen Bremer Hooligan-Band Kategorie C.
Label 23 und Boxing Connection
Die Cottbuser Marke entstand 2009 aus dem Label Boxing Connection, dessen Inhaber bis 2012 Markus Walzuck war. Walzuck war 2010 und 2011 Deutscher Meister im Kickboxen, der Sportler gehörte der 2012 verbotenen Neonazi-Gruppe Spreelichter sowie der rechten Fan-Gruppe Inferno Cottbus 99 an. Heute bilden Label 23 und Boxing Connection ein zusammenhängendes Label. Durch Walzucks Anbindung an die Fußball-Szene funktioniert die Marke regional als Erkennungszeichen für rechte Ultras und Hooligans.
Pathetische Slogans wie „Unbreakable Brotherhood“ („Unzerbrechliche Bruderschaft“) und Begriffe wie Ehre, Herkunft und Stärke prägen die Designs. Aufgrund der Aktivitäten Walzucks als Kampfsportler trugen vereinzelt auch etablierte Sportler Label-23-Kleidung zur Schau.
Black Legion
Seit 2016 vertreiben Neonazis aus Cottbus die Marke Black Legion, die sie als Kleidung „von der Szene für die Szene“ bewerben. Der Händler Martin Seidel führt daneben in Cottbus mit Rebel Records eine der bundesweit wichtigsten Rechtsrock-Produktionsfirmen. Dazu gehört auch, dass die Marke als Sponsor von Sportveranstaltungen der Neonazi-Szene auftritt.
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Greifvogel Wear
Ursprünglich 2013 in Dresden registriert, residiert diese Marke seit Ende 2016 im südbrandenburgischen Ort Lindenau. Geschäftsführer ist der Neonazi Sebastian Raack der auch für das Rechtsrock-Label OPOS Records verantwortlich zeichnet. Greifvogel Wear ist eine der beliebtesten Marken bei neonazistischen Kampf- und Kraftsportler*innen. Mit martialischen Motiven aus der griechischen Mythologie und Sprüchen wie „might is right“ („Macht ist Recht“) werden sportliche Aspekte mit rechter Rhetorik vermischt. Allerdings finden sich auch Reminiszenzen an den nationalsozialistischen Terroristen Albert Leo Schlageter.
White Rex
Eine Sonderstellung nimmt »White Rex« aus Russland ein: In Deutschland noch nicht etabliert, aber in Russland bereits enorm populär. Der russische Hersteller "White Rex" präsentiert sich martialisch in einem Video, das für die Kampfsportartikel und Klamotten der rechten Modemarke wirbt. Von T-Shirts über Hosen und Jacken bis hin zu Boxhandschuhen und -helmen verkauft die Firma alles, was in der Hooligan- und Kampfsport-Szene beliebt ist. Der Vertrieb läuft vor allem über das Internet, inzwischen aber auch über rechtsextreme Läden. Am 14.08.08 soll White Rex entstanden sein. Neonazis verstehen diesen Wink sofort. 1488 ist in der Szene eine beliebte Grußformel, um die eigene Gesinnung zum Ausdruck zu bringen.
White Rex - das ist dem Selbstverständnis zufolge die Marke für "die weißen Völker Europas". Wer den Katalog des Kampfsportartikel-Herstellers durchblättert, stößt schnell auf in Deutschland verbotene NS-Runen und T-Shirts mit 88-Aufdruck. Für die russische Neonazi-Band "You must murder" (Du musst töten) hat White Rex eigens ein T-Shirt hergestellt. Die Mischung aus Gewaltästhetik, Rassismus, rechtsextremer Symbolik und Wikinger-Kitsch kommt an. In der russischen Kampfsportszene taucht das Logo bereits bei nahezu allen großen Veranstaltungen auf.
Kampfsport als Rekrutierungsfeld
Denn extrem rechte Hooligans haben die Welt des Kampfsportes für sich entdeckt. Dabei gestaltet sich diese für Außenstehende sehr unübersichtlich. Dies liegt zum einen daran, dass Kampfsport der Oberbegriff für eine Vielzahl an Disziplinen - vom klassischen Boxen über Karate bis hin zu Taekwondo - ist und diese sich unterschiedlich organisieren. Während die Verbände der drei Genannten Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund sind, werden Kickboxen und MMA auf dem freien Markt organisiert.
Jedoch sind nicht alle Kampfsportarten gleichermaßen interessant für extrem rechte Hooligans. Im Judo beispielsweise finden sie sich kaum, sondern eher in den Disziplinen, die dem Straßenkampf technisch am nähesten kommen: Mixed-Martial-Arts verbindet Stand- und Bodenkampf, verschiedene Schlag-, Tritt-, Griff- und Wurftechniken. In Deutschland wurde es lange Zeit „Freefight“ genannt und ist über die vergangenen 15 Jahre stark gewachsen.
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Dabei bestimmen die angekündigten Kämpfer wie in kaum einer anderen Sportart auch das Publikum. Wiederholt engagierte der Veranstalter Kämpfer, die er nach politischen Protesten wieder von der Fightcard nehmen musste. Im November 2016 in Weißensee trat das extrem rechte Label "Greifvogel" aus dem südbrandenburgischen Lindenau in Gruppenstärke und einheitlicher Markenkleidung wie ein Werbeblock auf.
Dort verkaufen "White Rex" aus Russland (gegründet 2008), "Pride France" (2013), "Sva Stone" aus der Ukraine (2010) und "Rodobran" aus Bulgarien (2018) alles von Alltagskleidung wie Mützen und T-Shirts bis Kampfsportausstattung wie Handschuhe, Mundschutz und Handtücher. Symbolisch bewegt man sich zwischen eher unverfänglichen Tiermotiven und kriegerischen Bildern, deutlicher NS-Symbolik und vermeintlich germanischen als auch slawischen Runen.
Im Selbstverständnis der Marke präsentiert man sich als antikapitalistische Alternative: "Das Volk wird belogen, betrogen, kriminelle Banden regieren ganze Stadtviertel und die überwiegende Volksmasse ist ertränkt in erbarmungsloser imperialistischer Lethargie."
Die Marke - zu Deutsch „Weißer König“ - wurde 2008 vom Moskauer Hooligan Denis Nikitin gegründet und begann mit kleineren Kampfsportveranstaltungen - 10 Kämpfer vor 20 Zuschauern - jenseits der russischen Großmetropolen. Später kamen die Turnierreihen "Birth of a nation" und "Jungsturmleague" hinzu, welche zum Teil als Qualifikationsturniere für Hauptevents in Moskau dienten. Daran nahmen auch deutsche Hooligans, u.a. aus Dortmund teil. Denn Denis Nikitin pflegt enge Kontakte nach Deutschland, vor allem nach Dortmund und Köln. Unter Nationalismus versteht Nikitin ganz im Sinne völkischer Ideologie eine weiße und wehrhafte Gemeinschaft: "Ich gebe weißen jungen Männern (und jungen Frauen) die Möglichkeit ihre Kräfte zu messen."
Der "Kampf der Nibelungen" (KdN)
Auch auf dem deutschen Markt ist das Netzwerk aktiv und sponsert das extrem rechte Kampfsportevent "Kampf der Nibelungen" (KdN), auf dem Kämpfe in MMA, Boxen und Kickboxen stattfinden. Es wurde 2013 von den "Hammerskins" als "Ring der Nibelungen" ins Leben gerufen, alsbald stießen Dortmunder Neonazis zur Organisation. Seither findet das Event jährlich statt, zuerst in der Pfalz, dann in NRW sowie in Hessen.
Zog das Event in den ersten Jahren zwischen 120 und 200 Zuschauer, waren es 2017 im sauerländischen Kirchhundem um die 500, 2018 auf mehreren Events im sächsischen Ostritz wuchs es auf über 650 an. Dort fand das Event zwei mal im Rahmen des extrem rechten Festivals "Schild und Schwert" sowie einmal eigenständig statt. So hat sich der KdN zu einem wichtigen und regelmäßigen Event des militanten Teils der extrem rechten Szene entwickelt.
Dabei trainieren die wenigsten zuhause in extrem rechten Gyms. Der Name des Turniers bezieht sich auf das mittelalterliche Heldenepos des Nibelungenliedes, in dem "Siegfried der Drachentöter" im Blut des Drachens badet und dadurch unverwundbar wird. Nur bedeckt ein Laubblatt ein Stück seiner Schulter, wo er verletzbar bleibt. Das Logo des "Kampfes der Nibelungen" ziert folgerichtig ein kleines Blatt eines Baumes. Man sieht sich in der Tradition des nationalen Epos.
Im Zentrum der Veranstaltung und seiner Kämpfer stehen derweil ein faschistisches Körperideal, Werte wie Härte und Selbstdisziplin sowie die Feindschaft zum demokratischen System. Zudem verstehen sich die Organisatoren zunehmend als Teil der NS-Straight-Edge-Szene. Dabei wird versucht, mit den Idealen von Reinheit und Stärke unter dem Slogan "Gesunder Geist - Gesunder Körper" ideologisch an den aus dem Hardcorepunk stammenden Straight-Edge-Gedanken anzuknüpfen, Drogen und Alkohol abzulehnen.
Der "Kampf der Nibelungen“"ist nicht nur ein wichtiger Treffpunkt für rechte Hooligans, Neonazi-Kader und Teile der internationalen, faschistischen Kampfsportprominenz und dient zu deren Vernetzung. Er entwickelt sich zusehends zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für die Szene und ihre Akteure. Tickets kosten 30 Euro, neben den Artikeln der Sponsoren werden auch indizierte Musik und Kleidung anderer Labels verkauft.
Anstatt einer Parteischulung wird ihnen hier eine rechte Erlebniswelt aus Gewalt, politischem Hass und Zugehörigkeit geboten. Zusammen ergibt das ein finanziell und politisch erträgliches Festival. 2017 wurde der KdN beim Deutschen Patent- und Markenamt offiziell angemeldet.
Die Rolle der Kleidung im Rechtsextremismus
Kleidung im Rechtsextremismus - wo früher eindeutige (Mode)Symbole dominierten, muss man heute oft doppelt hinschauen. Die Ästhetik aus Bomberjacke und Springerstiefeln ist Vergangenheit; längst haben sich neue Kleidungsformen in der Szene etabliert. In den 90er Jahren trugen rechtsextreme Menschen Springerstiefel, Bomberjacken und die Haare kahlgeschoren. Heute ist eine rechte Gesinnung von außen häufig nicht mehr so offensichtlich.
Einerseits seien die Motive weiterhin aggressiv und martialisch und es werden Symbole, Marken und Kleidung getragen, die auf verschiedene geschichtliche kriegerische Auseinandersetzungen verweisen. Gleichwohl fände sich aber auch Kleidung aus dem Milieu der Identitären Bewegung, die sich elitär inszeniert und intellektuelle Gruppen anspricht. Hier werde die Gesinnung mitunter durch kleine Logos von Marken transportiert, die nach außen oft nicht als rechtsextrem zu erkennen seien.
Der Slogan, mit dem die Partei 2021 in den Wahlkampf zur Bundestagswahl startet, lautete „Deutschland. Aber normal“. Diese Form der Außendarstellung übernehmen rechtsextreme Gruppierungen. Ein gutes Beispiel dafür, diesen Kurs erfolgreich eingeschlagen zu haben, ist die Identitäre Bewegung. Insgesamt sind Zugehörige der Gruppierung meist sehr jung und modisch gekleidet.
Damals wurden Marken ausgewählt, die auf dem Markt waren und sich vor allem mit der Skinheadkultur vereinbaren ließen“, sagt Matthias Müller von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin. Zwei der bekanntesten Marken, die dieses Schicksal getroffen hat, sind Lonsdale und Fred Perry. Obwohl beide ursprünglich aus dem Sport kommen und nichts mit der rechtsextremen Szene zu tun haben, gehören sie zu den ersten Marken, die von dieser vereinnahmt wurden. Lonsdale fiel der Buchstaben Konstellation „NSDA“ im Markennamen zum Opfer; bei Fred Perry war es der Lorbeerkranz, der in der rechtsextremen Szene „Sieg” symbolisieren soll.
„Es eröffnete sich also Anfang der 00er-Jahre ein neuer Markt mit eigenen Neonazi-Marken. „Thor Steinar”, eine der bekanntesten, ist 2002 als erste Marke mit der Absicht angetreten, Geld mit rechtem Publikum zu verdienen“, so Schulze.
In den Symbolen und Aufdrucken der Hoodies und T-Shirts vieler Marken spiegele sich auch das absolut männlich dominierte Geschlechterverständnis des Rechtsextremismus ab, erklärt Christoph Schulze. Aus diesem Grund sprechen die Marken in erster Linie ein männliches Publikum an. Doch es gebe auch ein modisches Angebot für Frauen, da sie der Ideologie nach zwar untergeordnet, aber dennoch unverzichtbar seien. Oft seien es hier jedoch nur die Schnitte der Kleidung, die feminin sind.
Maßnahmen gegen den rechtsextremen Kampfsport-Boom
Doch wie können wir auf diesen rechtsextremen Kampfsport-Boom und die dort vermittelte Gewaltkompetenz reagieren? Antworten darauf liefert das von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Modellprojekt „VOLLKONTAKT - Demokratie und Kampfsport“. Das Projekt strebt sowohl die Entwicklung dringend erforderlicher Präventionsmaßnahmen als auch die Verankerung politischer Leitplanken zum Thema Demokratie im Kampfsportsektor an. Der Fokus liegt hier auf „Extrem-Kampfsportarten“, wie beispielsweise dem (Thai) Kickboxen oder Mixed Martial Arts (MMA).
Die Mitarbeiter:innen von VOLLKONTAKT arbeiten mit Polizei-Behörden, kommunalen Verwaltungen, anderen Sportverbänden und Kampfsport-Organisationen zusammen. Besonders nicht-rechte Kampfsport-Veranstalter:innen müssen für das Problem sensibilisiert werden.
„Teile der Kampfsportwelt haben ein massives Problem rechts außen“, so Robert Claus von VOLLKONTAKT. Bundesweit stattfindende MMA-Veranstaltungen wie z.B. „We Love MMA“ mit tausenden von Zuschauer*innen und Live-Übertragungen im Fernsehen, sind mittlerweile gesellschaftlich relevante Großveranstaltungen. Doch immer wieder kommt es vor, dass dort bekannte Neonazis in den Ring geschickt werden.
„Neonazis arbeiten an der Professionalisierung von Gewalt. Die große Gefahr, die daraus resultiert, ist, dass die Gewalt nicht mehr nur im Ring stattfindet, sondern auch als politische Gewalt auf die Straße getragen wird“, so Robert Claus. Präventionsmaßnahmen, auf allen gesellschaftlich relevanten Ebenen sind also dringend erforderlich.
Bekleidungsmarken und ihre Verbindungen
Bei manchen Bekleidungsmarken ist der Bezug zur rechtsextremen Szene völlig klar. Wer mit einem Pullover herumläuft, der die Aufschrift "Masterrace Europe" - Herrenrasse Europa - trägt, dürfte sich seines politischen Statements bewusst sein. "Das sind Firmen, die ganz klar aus der Szene für die Szene produzieren, wo die Botschaften nicht eindeutiger sein könnten", sagt Michael Trube.
Schwieriger wird es bei der zweiten Kategorie. Bekleidungsfirmen, bei denen weder Besitzer noch Kollektionen eindeutig dem rechtsextremen Milieu zuzuordnen sind - die aber mit großer Wahrscheinlichkeit die besondere Zielgruppe im Blick haben und zweideutige Pullover, Jacken, T-Shirts und Hosen produzieren. "Es gab einen Pullover von Thor Steinar, auf dem stand Nordmark und das war der Name eines Arbeits-Erziehungslagers im Nationalsozialismus", erklärt Trube.
Was aber, wenn rechtsextreme Gruppen beschließen, sich eine bestimmte Marke zueigen zu machen - ohne eigenes Zutun? Marken wie "Fred Perry", "Ben Sherman", "Helly Hansen", "New Balance", "Dr. Martens" oder das vielleicht prominenteste Beispiel "Lonsdale": Sie alle wurden irgendwann in der rechtsextremen Szene mehr oder weniger populär.
Gerne werden auch Merchandise Artikel von rechtsextremen Bands, beispielsweise der verbotenen Gruppe „Landser“ oder ihrem Nachfolger „Lunikoff Verschwörung“ getragen. Die Kopie des Symbols der Antifaschistischen Aktion, eine schwarze und eine rote Fahne, werden von den „Autonomen Nationalisten" verwendet.
Es gibt Marken, die selbst ganz klar rechtsextreme Inhalte Teilen, andere setzten sich für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein und werden dennoch von rechtsextremen Akteuren getragen.
Kategorien von Bekleidungsmarken
Die hier aufgeführten Kategorien helfen dabei, die verschiedenen Arten von Marken und ihre Verbindungen zur rechtsextremen Szene besser zu verstehen:
- Bekleidungsmarken, die auch von Rechtsextremen getragen werden (ohne direkte Bindungen zur Szene).
- Bekleidungsmarken speziell für rechtsextreme Zielgruppen.
- Kleidung von Neonazis für Neonazis ohne eigenes Label.
Die Outdoor-Marke „Helly Hansen“ wurde schlichtweg deshalb von Rechtsextremisten entdeckt, weil sie das HH im Logo hat. Beim Sportartikel-Hersteller „New Balance“ wurde das Interesse der Rechtsextremen durch das Logo, ein großes „N“, geweckt.
Sie spielen und kokettieren mit dem Image gewaltbereiter „Gesetzloser“. Deshalb werden diese Bekleidungsmarken auch gerne von Rechtsextremisten getragen.
Das Wort ist nur scheinbar der englischen Sprache entlehnt. Wichtig ist nur, dass der Schriftzug „NSDAP“ vollständig zu erkennen ist. Über dem Schriftzug befindet sich oft ein Logo, welches dem im Nationalsozialismus verwendeten Reichsadler ähnlich sieht.
Typisch für die Marke sind heute das Logo mit der Gebo-Rune und die Verwendung der norwegischen Flagge. Die Marke „Erik & Sons“ versucht, an den Erfolg von Thor Steinar in der rechtsextremen Szene anzuknüpfen. Hier wird die Naudiz Rune als Logo genutzt.
Ansgar Aryan spielt gerne mit Wikinger-Ästhetik. Aber auch Motive der Hardcore-Szene oder der deutschen Wehrmacht werden genutzt. Neben Symbolen wie der Triskele, einer Art dreiarmiges Hakenkreuz, prangen Sätze wie „Gott mit uns“, der Losung auf den Gürtelschnallen deutscher Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Der Name ergibt phonetisch das englische „resist“, also „widerstehen“, und knüpft damit eher an linksextreme Rhetorik an. Baseball Caps, Baggy Hosen und Windbreaker gehören zum Sortiment für das städtische Publikum. Rizist wendet sich auch an die „Autonomen Nationalisten“ (AN): Rechtsextreme, die die Kleidung der Skater- und Hip-Hopper-Szene schätzen.
Die Vielfalt rechtsextremer Stile
Rechtsextreme Akteure nutzen bestimmte Modemarken bewusst, jedoch lässt sich dadurch nicht schlussfolgern, dass die entsprechenden Modemarken selbst der rechtsextremen Szene zugeordnet werden können. Oftmals erfolgte eine Instrumentalisierung der Modemarke.
Moderne Rechtsextremisten kleiden sich heute nicht mehr martialisch wie Skinheads oder stolzieren in Uniformen zu Demonstrationen. Die Zeiten ändern sich. Rechtsextreme haben ihre eigenen Bekleidungsmarken. Sie sind oft dezent und unauffällig.
Es lassen sich verschiedene Typen unterscheiden:
- „Die Scheitel“: Ihr Habitus orientiert sich am „Dritten Reich“. Vorbild für Frisur und Kleidung ist Adolf Hitler. Solche völkischen Neonazis verstehen sich als Elite und als letzte Kämpfer gegen alles Moderne.
- „Die Glatzen“: Es handelt sich um Neonazis, die den Stil der britischen Skinhead-Subkultur pflegen. Ihr Outfit orientiert sich am Habitus der britischen Arbeiter der 1960er Jahre: Kurzhaarfrisur, Jeans mit Hosenträgern und Boots. Sie kleiden sich martialisch und kampfbereit. Damit fühlen sie sich als die letzten „richtigen Männer“.
- Die „Autonomen Nationalisten“: Sie tragen die Kleidung der Skater-, Hardcore- oder Hip-Hop-Szene. Optisch unterscheiden sie sich stark von den etablierten Rechtsextremisten und orientieren sich an eher linken Jugendkulturen. Sie treten bevorzugt in Großstädten auf.
Die Rolle der Marke Lonsdale
Die englische Sportmarke Lonsdale erreichte ungewollt vielleicht die größte Popularität innerhalb der rechtsextremen Szene. Grund waren auch hier die mittleren Buchstaben: (Lo)NSDA(le). Im Gegensatz zur "Consdaple"-Marke aber keine bewusste Entscheidung.
