Joel Wicki: Eine Karriere im Zeichen des Schwingens

Das Sägemehl spritzt, die Kulisse ist gewaltig, das Panorama ebenso.

Während das Schweizer Fernsehen live überträgt, sind mehr als 50.000 Zuschauer in einem der größten temporären Stadien der Welt versammelt.

Der Blick aus der sechseckigen, über mehr als zwei Monate eigens aufgebauten Arena führt weit hinaus zu bewaldeten Hügeln und fernen Bergkämmen.

Doch für das Drumherum hat Joel Wicki keine Muße.

110 Kilogramm Gewicht bringt er bei 1,83 Meter Körpergröße auf die Waage - dahinter verbirgt sich reine Muskelmasse, gewonnen aus Krafttraining und landwirtschaftlicher Arbeit auf dem eigenen Hof bei Luzern.

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Sein Gegenüber Matthias Aeschbacher ist nicht weniger ein Koloss.

Wie ineinander verhakte Bullen schieben und zerren sich die Kontrahenten durch den runden Ring, der aus einem Bett von Sägemehl besteht.

Dabei fassen sich die beiden Männer an ihren kurzen, reißfesten Überhosen und versuchen, den anderen auf den Boden zu werfen.

Wicki muss mehrere heikle Momente überstehen, doch er kann sich jedes Mal befreien - und nach fast 13 Minuten kommt schließlich der Moment, der dem Namen dieses Sports alle Ehre macht: Schwingen.

Er hebt seinen Gegner erst in die Luft, als sei er nur ein Pappkamerad, und schmeißt ihn mit Schwung auf den Rücken.

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Seit dieser fulminanten Aktion Ende August 2022 beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Pratteln bei Basel ist Wicki „Schwingerkönig“.

Wichtige Schwingfeste in Wickis Karriere

Joel Wicki hat im Laufe seiner Karriere an zahlreichen bedeutenden Schwingfesten teilgenommen. Hier eine Auswahl:

  • Stoos-Schwinget
  • Schwing- und Älplerfest Schwarzsee
  • Nordostschweizer Schwingfest Balterswil
  • Innerschweizer Schwingfest Ennetbürgen
  • Rigi Schwing- und Älplerfest
  • Bernisch Kantonales Schwingfest
  • Weissenstein-Schwinget
  • Brünig-Schwinget
  • Nordwestschweizer Schwingfest
  • Schwägalp Schwinget

Diese Feste bieten eine Bühne für die "Bösen", die Elite des Schwingsports, um ihr Können zu zeigen und sich für das Eidgenössische Schwingfest zu qualifizieren.

Rivalitäten und Triumphe

Wie in jedem Sport gibt es auch im Schwingen Rivalitäten und unerwartete Wendungen.

Christian Stucki, der Berner Hüne, nahm seinen Gegner Joel Wicki an der kurzen Überhose, wirft ihn aus dem Stand auf den Rücken.

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"Kurz" heißt dieser Schwung - einfach, aber gewaltig.

Er macht den Stucki Christian, wie die korrekte Namensreihenfolge im Schwingen lautet, zum neuen Schwingerkönig der Schweiz.

Die Stimme des Kommentators überschlägt sich.

"Der Stucki! Der Stucki ist König!"

Es klingt, als sei der Stucki ein alter Bekannter. Und so falsch ist das nicht.

Christian Stucki, 34 Jahre alt, knapp zwei Meter groß und rund 140 Kilo schwer, schwingt seit 27 Jahren, seit etwa einem Jahrzehnt gehört er zu den besten Schwingern des Landes, zu den "Bösen", wie die Elite dieses Nationalsports genannt wird.

Doch zum König hatte es dieser Mann, der selbst unter seinen Schwingerkollegen noch als Koloss heraussticht, nie gebracht.

Beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug qualifizierte sich Stucki mit fünf Siegen und zwei unentschiedenen Kämpfen für den Schlussgang.

Damit startete er mit einem leichten Punkterückstand in den Kampf gegen Joel Wicki.

Dem jungen Innerschweizer hätte deshalb ein Unentschieden zum Königstitel gereicht - Stucki musste gewinnen.

Nun darf sich Wicki, der zwar verloren, aber genauso viele Punkte wie sein Gegner hatte, "Erstgekrönter" nennen.

Ein unbeliebter Titel, doch Wicki wirkte nach dem Kampf am Sonntagabend nicht bitter: Er gönne es dem "Chrigu" von Herzen, ließ er wissen.

Der Stellenwert des Schwingens in der Schweiz

Das Schwingen ist mehr als nur ein Sport; es ist ein wichtiger Teil der Schweizer Kultur und Tradition.

Die Eidgenössischen Schwing- und Älplerfeste ziehen Zehntausende von Zuschauern an und werden live im Fernsehen übertragen.

Die Schwinger sind nicht nur Sportler, sondern auch Botschafter der Schweizer Werte: Bodenständigkeit, Bescheidenheit und harte Arbeit.