Polizei Europameisterschaft Judo: Deutschland Kämpft in Sofia um den Titel

Die Polizei-Europameisterschaften im Judo fanden in Sofia statt. Bei den Polizei-Europameisterschaften werden sowohl Einzelkämpfe in den jeweils sieben Gewichtsklassen der Männer und Frauen stattfinden als auch ein Mixed Team-Wettbewerb am Abschlusstag. Die Polizei-Europameisterschaften finden alle vier Jahre statt. Durch die Corona-Pause wurde nunmehr jedoch erst nach fünf Jahren die nächste EM vorbereitet.

Das Deutsche Polizeisport-Kuratorium (DPSK) entsendet insgesamt 27 Athleten und besetzt damit fast alle Gewichtsklassen doppelt. Betreut werden die Athleten durch die Trainer Luise Malzahn und Holk Silbersack. Im Team sind erfahrene Athleten, die bereits an Europameisterschaften teilgenommen haben. Aber auch viele junge Sportler, die zum ersten Mal zu solch einem polizeisportlichen Höhepunkt fahren.

Besonders reiche Erfahrungen hat Hannes Conrad. Der U21-Vize-Weltmeister von 2010 gewann den Polizei-EM-Titel 2015 und 2019. Nun ist es seine nächste Meisterschaft, bei der er das Triple schaffen könnte. Auch Jessica Lindner, frischgebackene Veteranen-Europameisterin, startet in Sofia. Sie wurde bereits zwei Mal Vize-Polizei-Europameisterin. Carolin Weiß ist ebenfalls eine erfahrene Kämpferin und geht als Vize-Europameisterin in die Wettkämpfe. In den Mixed Team-Wettkämpfen ist das deutsche Team Titelverteidiger.

Bei den letzten Europameisterschaften gewann Deutschland die Nationenwertung mit Abstand. Mit 14 Medaillen, davon sechs Gold, ist der Maßstab sehr hoch angesetzt. „Wir haben viele Kaderathleten, auch ehemalige, im Team, es ist eine schöne Mischung aus ganz jungen Athleten und alten Hasen“, schaut DPSK-Fachwart Johannes Daxbacher optimistisch auf die EM. „Ich freu mich, dass ich bei meiner letzten EM in dieser Funktion mit so einem tollen Team fahren darf.“ Auch DPSK-Geschäftsführer Arndt Jokschat erwartet die EM mit Spannung. „Ich wünsche allen Athleten Gesundheit und viel Erfolg.“

Unterstützt wird das Team durch Kampfrichter Klaus Pfaffl. „Es ist bereits meine fünfte Polizei-EM und ich bin in der Vorbereitung gut mit eingebunden gewesen. Die Leistungsdichte ist stärker geworden und es ist gut, dass wir auch im taktischen Bereich gut aufgestellt sind“, hofft er auf ähnlich gute Ergebnisse wie beim letzten Mal im ungarischen Györ. „Neben den Topathleten der Polizei nimmt mit Klaus Pfaffl auch ein Top-Kampfrichter der Polizei an diesem Event teil. Die Bundeskampfrichterkommission wünscht Klaus viel Erfolg“, gibt DJB-Kampfrichterreferent Stephan Bode beste Wünsche mit auf den Weg.

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„Wir fühlen uns bestens vorbereitet und haben, leider bis auf einen verletzungsbedingten Ausfall, alle Gewichtsklassen zweifach besetzen können. Ich sehe nun mit meinem Team der Polizei-EM 2024 voller Zuversicht entgegen“, sagt Johannes Daxbacher vor der Abreise des Teams.

Teilnehmer an den European Police Championships in Sofia/Bulgarien:

  • Bundespolizei: Helene Grau, Carolin Weiß, Tom Droste, Jonas-Schreiber, Dennis Mauer
  • Bayern: Bertille Murphy, Leonie Zeller, Max Heyder, Patrick Weiser, Kevin Abeltshauser
  • Baden-Württemberg: Corinna Bayer, Lea Schmid
  • Berlin: Denise Seidel Woronzow
  • Brandenburg: Kilian Ochs
  • Bremen: Jana Buschermöhle
  • Niedersachsen: Janine Hardenberg, Leila Göbel, Vivian Herrmann, Nicolas Kunze, Toni Grohn
  • Rheinland-Pfalz: Sarina Schellert, Jill Trenz
  • Saarland: Jessica Lindner
  • Sachsen: Hannes Conrad, Daniel Herbst, Martin Müller
  • Sachsen-Anhalt: Paavo Plöhnert

Zeitplan:

  • Donnerstag, 13. Juni 2024: 20:00 Uhr Technical Meeting, danach Auslosung
  • Freitag, 14. Juni 2024: Gewichtsklassen Männer: -60 kg, -66 kg, -73 kg, -81 kg; Frauen: -48 kg, -52 kg, -57 kg, -63 kg; 10:30 Uhr Opening Ceremony; 11:00 Uhr Wettkampfbeginn; 15:00 Uhr Finals
  • Samstag, 15. Juni 2024: Gewichtsklassen Männer: -90 kg, -100 kg, +100 kg; Frauen: -70 kg, -78 kg, +78 kg; 10:00 Uhr Wettkampfbeginn; 15:00 Uhr Finals

Polizei Mixed Team Wird Vize-Europameister

Die Polizei-Judoka stehen in Sofia im Finale, verlieren jedoch und werden somit Vize-Europameister. Eigentlich stand der Fokus der Mannschaft voll auf Titelverteidigung. So gaben es auch die Trainer aus. „Wir wollen den Titel hier verteidigen!“, sagt Trainer Holk Silbersack am Morgen vor Beginn der Kämpfe.

Im ersten Kampf ist der Gegner das gastgebende Team aus Bulgarien, das sicher über sich hinauswachsen will und es dem deutschen Team nicht einfach machen wird. „Aber wir wollen sie schlagen und bis ins Finale kommen. Dort wollen wir wieder einen heißen Tanz liefern“, gibt er die Marschrichtung fürs Team vor. Im ersten Kampf gegen Bulgarien steht es dann 2:2 und Einzel-Europameister Jonas Schreiber musste es richten. Allerdings kommt er mit Waza-ari in Rückstand. Er hat sich dann jedoch gut von seinem Trainer Holk Silbersack führen lassen und gewinnt das Duell noch. Damit stehen die Athleten im Halbfinale. „Er hat richtig Charakter gezeigt“, ist Johannes Daxbacher begeistert. „Es ist auch gut, wenn man hochkompetente Trainer hat und die Sportler die Anweisungen von außen gut befolgen“, gibt er ein großes Lob an die beiden Trainer weiter. „Da ist uns ein schwerer Amboss vom Herzen gefallen.“

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Im Halbfinale gegen Tschechien gewinnen Vivian Herrmann, Tom Droste und Lea Schmid. Mit 3:0 zieht das deutsche Team ins Finale ein, nun voll fokussiert auf die Titelverteidigung. Gegen Rumänien geben unsere Athleten den ersten Kampf ab. Lea Schmid gewinnt dann und Jonas Schreiber steht einem deutlich größeren und schwereren Athleten gegenüber. Trotz vieler Versuche gelingt es ihm nicht, den Rumänen zu bewegen. Letztendlich verliert er den Kampf und nun müssen die nächsten beiden Kämpfer beide gewinnen, um den Titel zu verteidigen. Kevin Abeltshauser kämpft wie ein Löwe, muss aber im Golden Score nach insgesamt fast acht Minuten Kampfzeit die dritte Strafe für Runterzeihen einstecken. Damit steht es 1:3 für Rumänien und das Team Deutschland ist Vize-Europameister. Es ist die 21. Medaille bei diesen Polizei-Europameisterschaften.

Bei 27 Teilnehmern gibt es 20 Einzelmedaillen und sechs Platzierungen, Deutschland führt die Medaillenwertung an. „Ich bin begeistert vom Engagement unserer Kämpfer. Sie haben alle versucht, ihr Bestes zu geben“, lobt Johannes Daxbacher. Es gab einige knallharte Kämpfe mit Golden Score und taktischen Umstellungen, bei denen die Kämpfe schon fast verloren schienen. „Die Sportler haben sich jedoch gut coachen lassen und aus drohenden Niederlagen noch glorreiche Siege gemacht.“ Die beiden Trainer Holk Silbersack und Luise Malzahn haben dabei ihr Bestes gegeben und einen großen Anteil an den Ergebnissen.

„Insgesamt war es eine tolle Kooperation zwischen dem DPSK und dem DJB mit Sichtungs- und Vorbereitungslehrgang, eine rundum mehr als gelungene Mission“, ist Johannes Daxbacher erfreut. Er hebt besonders die gelungene Mischung aus jungen und sowohl dienst- als auch judoerfahrenen Sportlern hervor und hofft, dass die Jungen viel von den Älteren lernen konnten und diese EM lange in Erinnerung bleiben wird. „Für mich waren es die letzten Europameisterschaften der Polizei, ich habs nochmal genossen“, schaut er sicher auch etwas wehmütig auf die bald folgende Zeit seines Ruhestandes. „Die Rahmenbedingungen waren top und es wurde mir hier sehr leichtgemacht von allen, die bei so einer Veranstaltung gern dabei sind. Es ist toll, wenn man so anständig und vertraut miteinander umgeht“, gibt er neben der Wertung der Ergebnisse auch noch ein Statement zum guten Umgang miteinander ab.

Ergebnisse der Mixed Team-Europameisterschaften:

  1. Rumänien
  2. Deutschland
  3. Frankreich und Österreich

Das Team in Abendkleidung für den Abschlussabend

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Am Abend erhielt Klaus Pfaffl noch eine besondere Auszeichnung von der Europäischen Polizei-Sport Union (USPE). Es waren an diesem Wochenende seine fünften Polizei-Europameisterschaften, die er als Kampfrichter begleitet hat. Er wurde mit der Ehrenmedaille der USPE für seine langjährige und herausragende Arbeit für den Judosport geehrt. „Ich bin sehr stolz und total geflasht, dass ich diese Auszeichnung erhalten habe.