Die körperliche Leistungsfähigkeit ist eine Schlüsselqualifikation für Polizeibeamte in Deutschland. Sie ist eine Voraussetzung, um Bürger zu schützen und sich selbst zu sichern.
Die Bedeutung von Sport und Fitness für die Polizei
Der Polizeiberuf stellt hohe Anforderungen an die physische und psychische Belastbarkeit, insbesondere durch dynamische Einsatzlagen und Gewalt gegen Polizeibeamte. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, benötigen Polizeibeamte eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit. Diese reduziert die Eigengefährdung, erhöht den Einsatzerfolg und kompensiert gesundheitsabträgliche Belastungen.
Sport in der Polizei dient insbesondere dem Erhalt und der Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund hat Sport eine besondere Bedeutung, um die Polizeidienstfähigkeit bis zum Berufsende zu erhalten.
Regelmäßige sportliche Aktivitäten entfalten positive Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-, das Muskel-Skelett- und das Zentralnervensystem, den Stoffwechsel sowie auf das Immunsystem. Sie erhöhen die Regenerationsfähigkeit, die Reaktions- und Handlungsschnelligkeit sowie die psychische Belastbarkeit.
Dienstsport und Gesundheitsförderung
Dienstsport ist die regelmäßige, systematische, altersgerechte sportliche Betätigung während des Dienstes. Er soll Übungen enthalten, welche die motorischen Fähigkeiten in gleichen Maßen berücksichtigen, und abwechslungsreich sowie aufgaben- und teilnehmerorientiert gestaltet sein. Der Dienstsport soll darüber hinaus das Betriebsklima und Zusammengehörigkeitsgefühl fördern und das für den Einsatz notwendige Teamverhalten stärken.
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Dienstsport beinhaltet auch den Gesundheits- und Präventionssport (GPS), welcher gesundheitsabträgliche berufsbedingte Belastungen kompensiert. Der GPS motiviert die Beamten und Beamtinnen zu regelmäßigem Sport und regt zu einer gesundheitsbewussten Lebensführung an.
Kampfsportarten und Selbstverteidigungstechniken für Polizisten
Die meisten Kampfsportarten sind bei den Polizeien fehl am Platze. Die Polizei trainiert SV-Techniken. SV bedeutet aber nicht Selbstverteidigung, sondern Sicherungs- und Vollzugstechniken. Allerdings enthalten diese SV- Techniken auch Elemente aus Kampfsportarten. Entweder Boxen, Thai- oder Kickboxen, Krav Maga oder modernes wie Ju Jutsu.
Krav Maga
Krav Maga bietet den Vorteil der schnellen Erlernbarkeit. Es ist ein sich stetig fortschreibendes, hybrides System, welches an wissenschaftlichen Erkenntnissen und am Praxiswissen professioneller Anwender orientiert wird. Im Vordergrund stehen Effektivität und Effizienz. Es geht nicht um starre Techniken, sondern um eine situationsangepasste Anwendung von taktischen und methodischen Prinzipien. Entwicklungshistorisch bedingt, gehören dazu auch Verhaltensgrundsätze in der Konfrontation mit bewaffneten Aggressoren sowie der eigene Umgang mit Waffen im Nahkampf.
Muay Thai und Kickboxen
Muay Thai, auch „Thaiboxen“ genannt, ist die traditionelle thailändische Nationalsportart. Erlaubte Techniken sind neben Schlägen und Tritten auch Ellenbogen- und Knietechniken. Muay Thai bildet in der Regel die technische Grundlage des freien Standkampfes. Neben dem Muay Thai Stil kann man auch olympisches Boxen trainieren. Boxen besteht vereinfacht dargestellt aus lediglich drei Grundtechniken, welche jeweils beidarmig ausgeführt werden können. Es zählt dennoch zu den koordinativ komplexesten Sportarten überhaupt. Dazu kommt ein hoher Anspruch an die Kondition des Athleten.
1974 legten Mike Anderson und Georg F. Brückner den Grundstein für das Kickboxen, wie wir es heute kennen. Vor der Entstehung des Kickboxens gab es in der Welt des Kampfsports revolutionäre Bewegungen: Der legendäre Bruce Lee hatte die Vision von modernen Wettkämpfen mit Schutzausrüstung. Als Mike Anderson und Georg F. Brückner jedoch sahen, wie positiv und ungefährlich die wenigen Karateturniere verliefen, die mit Schutzausrüstung ausgetragen wurden, beschlossen sie, das Experiment aktiv voranzutreiben.
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Brazilian Jiu Jitsu (BJJ) und Grappling
Das Brazilian Jiu Jitsu (BJJ) und Submission Grappling hat sich mittlerweile als feste Sportart in Deutschland etabliert und sich von seinen traditionelle Wurzeln gelöst. Luta Livre (portugiesisch „Freikampf“) zählt zu den sog. Grappling-Sportarten, ähnlich wie auch Judo oder Ringen. Trainiert werden Wurftechniken („Takedowns“), Positionswechsel („Sweeps“) sowie natürlich zahlreiche Würge- und Hebeltechniken, welche den Gegner zur Aufgabe bewegen sollen („Submissions“). Technisch hat Luta Livre viele Gemeinsamkeiten mit der brasilianischen Form des Judo, dem sog. „Brazilian Jiu-Jitsu“ (BJJ), nur dass im Luta Livre ohne den traditionellen Anzug (GI) gekämpft wird.
Brazilian Jiu Jitsu ist eine Kampfsportart, die sowohl als Turniersport, als auch als Bewegungs- und Fitnessprogramm praktiziert werden kann. Hier kann jeder durch konsequentes Training eine bessere Fitness erlangen, das Selbstbewusstsein stärken, Techniken zur Selbstverteidigung erlernen oder sich auf den Wettkampfsport vorbereiten.
Wettkampfsport in der Polizei
Der Wettkampfsport hat als wichtiger Teil des Sports in der Polizei eine lange Tradition und ist Ausdruck des Leistungsprinzips. Zu den Aufgaben des DPSK gehört die Koordination und die Veranstaltung von Wettkämpfen der Polizeien von Bund und Länder. Als Dachorganisation des deutschen Polizeisports veranstaltet das DPSK „Deutsche Polizeimeisterschaften“ in ausgewählten Sportarten. Auf der Ebene des Europäischen Polizeisportverbandes (USPE) werden „Europäische Polizeimeisterschaften“ durchgeführt.
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