Ist Wrestling nur Show? Eine Analyse des Sports Entertainment

Ob die WWE Fake oder Real ist, fragen sich insbesondere Leute, die sich selbst nicht für Wrestling interessieren. Wie real es beim Wrestling zugeht und was daran Sport und was Show ist, erklärt Ihnen dieser Artikel.

WWE - Ein riesiger Fake?

Den meisten Leuten dürfte zumindest bewusst sein, dass Wrestling generell Show ist. Ein Wrestling-Match ist ein Schaukampf. Das bedeutet, dass alles, was in einem Kampf passiert, vorher abgesprochen ist - auch wer am Ende siegt und wer verliert.

Nicht nur das: Alle Schläge, Tritte und Aktionen werden so ausgeführt, dass sie möglichst echt aussehen, dabei jedoch niemand verletzt wird. Die Aktionen wie Schläge werden nicht wirklich durchgezogen. Es geht im Ring also nicht zu wie etwa bei einer Kneipenschlägerei.

Die Titel, die ein Wrestler gewinnen kann, sind also Requisiten. Genauso wie Stühle, Tische oder auch Schlagstöcke und Ähnliches, die bei einem Kampf zum Einsatz kommen. Sowohl alle Wrestler als auch die Ringrichter, Ansager und Moderatoren, sowie der Großteil des Publikums sind sich dessen bewusst und haben sich dazu verabredet, so zu tun, als wäre Wrestling real, die Aktionen echt ausgeführt und Sieger und Verlierer würden nicht vorher feststehen.

Auch prinzipiell ist Wrestling eine Show: Die Wrestler tragen Kostüme, haben Pseudonyme, inszenieren sich bei ihren Einläufen mit lauter Musik, theatralischen Gesten und Feuerwerk. Teilweise sind sie geschminkt oder tragen Requisiten bei sich, die abgestimmt sind auf ihre Charaktere.

Lesen Sie auch: Mehr als nur Show: Promi-Wrestling

Ein Gimmick ist das Besondere an einem Wrestler, das ihn unverwechselbar macht, zumindest jedoch einen Wiedererkennungswert bietet. Ein klassisches (und eindeutiges) Beispiel für ein Gimmick wäre der Big Boss Man, der einen Polizeibeamten verkörpert, inklusive Uniform und Schlagstock.

Leute, die Wrestling für echt halten (oft sehr junge Fans) werden als "Marks" bezeichnet.

Das Reale am Wrestling

Ist Wrestling nun eine bloße Show? Nein, denn sportlich ist das Ganze auf jeden Fall. Ist Wrestling per Definition auch kein Kampfsport, so basiert es doch auf Ringen. Jeder Wrestler hat Jahre, wenn nicht Jahrzehnte trainiert.

Auch etwas wie ein Titelgewinn mag vorher abgesprochen sein, ist jedoch insofern real, als dass nicht jedem Anfänger ein Titel zugesprochen wird, sondern jemandem, dem man eine lange Karriere zutraut. Zudem ist es so, dass die reale Welt oft in die Storylines hineinwirkt.

Wrestling ist derzeit so beliebt wie nie. Die WWE bricht Rekorde über Rekorde und mit der AEW gibt es mindestens einen ernstzunehmenden Konkurrenten.

Lesen Sie auch: Promi Wrestling: Was Sie wissen müssen

Die Stars und ihre Rollen

Geht es allein um die Ergebnisse und Match-Ausgänge, ist Wrestling eine reine Show. Die Stars steigen meistens nicht unter ihrem echten Namen in den Ring. Auch charakterlich nehmen sie nur eine Rolle („Gimmick“) ein, die sich im Laufe der Karriere ändern kann.

So kann ein Kämpfer zunächst auf der „guten“ Seite stehen. Dann wird er als „Face“ bezeichnet. Wie im echten Leben können sich Einstellungen aber ändern. Greift ein Akteur auf unfaire Mittel zurück oder verhält er sich anderweitig problematisch, wird er zum „Heel“, der von den Fans ausgebuht werden soll.

Die Schläge, Tritte und anderen Moves werden so ausgeführt, dass sie möglichst echt wirken, den Kontrahenten aber nicht verletzen sollen. Im Vordergrund steht nicht, den Gegner K.o. zu prügeln, sondern eine unterhaltsame Show zu liefern.

In der WWE wird der Ausdruck „Wrestling“ (Deutsch: Ringen) als Sportart vermieden. Die Akteure sind auch offiziell keine „Wrestler“, sondern „Superstars“. Man verkauft sich nicht als Wettkampfsport, sondern als „Sports Entertainment“ (Sport-Unterhaltung).

Alles nur Show & Schauspielerei beim Wrestling?

Die Matches sollen keine realen Auseinandersetzungen zeigen, sondern unterhalten. Eingerahmt sind die Kämpfe in verschiedene Geschichten, die Storylines. Die Kämpfe entwickeln sich also aus verschiedenen geschauspielten Ereignissen im Vorfeld.

Lesen Sie auch: Alles Wissenswerte über den Royal Rumble

Gerade bei den WWE-Shows Raw und Smackdown nimmt das tatsächliche Geschehen im Ring nur einen kleinen Teil der Sendungen ein. Rund um die Matches gibt es verschiedene Interviews, Promos und Video-Clips, die die Vorgeschichte zu Matches oder andere Storys rund um die Superstars erzählen.

Man kann sich das „Sports Entertainment“ als Art Action-„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ vorstellen, bei denen Konflikte und Streitereien zwischen einzelnen Leuten oder Gruppen („Stables“) im Ring ausgetragen werden.

Die Ergebnisse werden meist von einer Person bestimmt. Im Fall der WWE ist es Triple H oder der ehemalige Eigentümer Vince McMahon, bei der AEW ist es der Business-Man Tony Khan, der sich als reicher Fan seine eigene Liga aufgebaut hat. Diese geben vor allem die Richtung vor. Die Storys selbst werden von Autoren geschrieben, die die Superstars dann umsetzen sollen.

Die Matches werden von „Producern“ (auch „Road Agents“ genannt) konzipiert. Dabei handelt es sich oft um ehemalige Wrestler mit viel Erfahrung im Ring. Je bekannter ein Superstar ist, umso mehr kann er Einfluss auf seine Entwicklung nehmen und eigene Storys entwickeln.

Je nach Erfahrung werden die Match-Aktionen mehr oder weniger konkret vorgegeben. Routinierte Akteure handeln häufiger spontan, während Neulinge stärker nach einer Choreographie arbeiten.

Wrestling: Gespielt, aber gefährlich - „Don't try this at home!“

Auch wenn die Ergebnisse abgesprochen sind, ist aber natürlich nicht alles nur ein Fake. Es reicht nicht, ein guter Schauspieler zu sein. Die Aktionen erfordern einen ausgezeichneten Fitness-Zustand, eine Top-Form, ein taktisches Verständnis und viel Leidensfähigkeit.

Nicht umsonst gibt es vor jeder WWE-Show die Einblendung, gezeigte Aktionen nicht nachzumachen („Don't try this at home“). Manchmal bluten die Superstars im Ring. Ist das an der Stirn der Fall, ist die Blutung meistens per „Blading“ selbst zugefügt. Das soll Matches dann realer und brutaler wirken lassen.

Die WWE hat vor allem Ende der Neunziger Jahre auf solche Mittel zurückgegriffen, vermeidet das aber inzwischen, um einerseits die Sportler zu schützen und andererseits seine Familien-freundliche Ausrichtung zu behalten. In der AEW ist hingegen regelmäßig Blut im Ring zu sehen.

Obwohl Schläge nicht durchgezogen werden, gibt es viele schmerzhafte und spektakuläre Stunt-Einlagen im Ring. Verletzungen sind manchmal nicht vermeiden, werden aber zu keinem Zeitpunkt von Gegnern bewusst provoziert.

Reale Begebenheiten werden manchmal in die Storylines integriert. Vor allem in der Welt der sozialen Medien lassen sich schließlich Geheimnisse nicht mehr bewahren. Verletzt sich ein Wrestler zum Beispiel im Real-Life, wird meistens auch eine Story-Idee erdacht, um zu erklären, warum er in der nächsten Zeit ausfällt.

Wrestling: Sport oder Show?

Wrestling wird oft als „Fake“ abgetan, doch hinter den spektakulären Aktionen und dramatischen Feindschaften lauern echte Risiken und manchmal wahre Emotionen.

Wrestling wird häufig als reine Unterhaltung betrachtet - doch wer einmal genauer hinschaut, merkt schnell: Hinter den glitzernden Kostümen, den lauten Einmarsch-Songs und den scheinbar gespielten Rivalitäten steckt eine beeindruckende Mischung aus Sport, Kunst und purer Hingabe.

Ja, die Matches sind abgesprochen, aber das macht Wrestling nicht „fake“: Die Athlet:innen riskieren echte Verletzungen, trainieren auf Profi-Level und stecken unzählige Stunden in ihre Performance.

Jeder Move, jeder Aufprall auf die Matte birgt echtes Verletzungsrisiko. Wrestler:innen trainieren, um ihre Stürze abzufedern, aber manche Verletzungen lassen sich nicht vermeiden.

Hinter den Kulissen sind sie höchst athletisch, mit einem beeindruckenden sportlichen Hintergrund. Wrestler:innen verbringen Stunden im Fitnessstudio, perfektionieren ihre Akrobatik und üben komplizierte Stunts, um sicher und spektakulär zu kämpfen.

Der Boden besteht aus Holzplatten und Metall, mit nur einer dünnen Schaumschicht darüber. Jeder Aufprall - ob aus großer Höhe oder bei einem einfachen Wurf - tut weh.

Manchmal sind die Dramen im Ring realer, als man denkt. Hinter den Kulissen gibt es echte Freundschaften, Rivalitäten und Familienbande, die den Matches eine besondere Tiefe verleihen.

Alles passiert live, vor Tausenden Fans in der Arena und Millionen vor den Bildschirmen. Jede Bewegung muss perfekt sein - auch wenn etwas schiefgeht.

Es kombiniert athletische Höchstleistungen, riskante Stunts und echte Emotionen, um das Publikum zu begeistern.

Die Organisation hinter der Show

World Wrestling Entretainment begeistert Millionen Fans - aber wer organisiert die Sport-Show, wer legt eigentlich fest, wer gewinnt?

In Grundzügen weiß fast jeder die Antwort: Die Wrestler von WWE tragen keinen sportlichen Wettkampf im eigentlichen Sinne aus, sondern eine abgesprochene Schau zur Unterhaltung der Fans, WWE nennt es "Sports Entertainment". Gesucht und mit Titeln belohnt wird nicht der beste Kämpfer, sondern der beste athletische Entertainer.

Über Jahrzehnte hinweg liefen bei WWE alle Fäden bei Vince McMahon zusammen, seit seinem Aus ist die Macht auf mehrere Schultern verteilt. Nachfolgerin als „Chairwoman“ und CEO des Unternehmens ist Vinces Tochter Stephanie McMahon. Co-CEO an ihrer Seite ist der frühere Sportmedien-Agent Nick Khan, vorher zwei Jahre lang Präsident und Finanzchef - und der Mann hinter den milliardenschweren TV- und Streamingdeals der Liga.

Das letzte Wort über das WWE-Programm hat allerdings ein anderer von McMahon geerbt: „Triple H“ Paul Levesque, Stephanies Ehemann, trifft als Verantwortlicher für den Kreativ- und Talentbereich alle Schlüsselentscheidungen zum Thema Kader, Gestaltung der Shows, Ausgang der Matches, Auswahl der Titelträger.

Die aller wichtigen Matches: Triple H. Für die Vorarbeit hat er wie vorher McMahon einen großen Mitarbeiterstab. Die Storys, die bei WWE im und um den Ring erzählt werden, denken sich - in Einklang mit den Richtlinien, die die Chefetage vorgibt - die für RAW, SmackDown und Co. zugeteilten Kreativteams aus.

Für jede größere Show wird ein Skript verfasst, das einem klassischen TV-Drehbuch gleicht: Es legt die Matches und ihre Ausgänge fest, dazu Anordnung und Verlauf von Interviews, Promo-Segmenten und Prügeleien.

Für die Durchführung der Matches und anderer Segmente im Ring sind so genannte Producer zuständig, früher Road Agents genannt. Es sind Ex-Wrestler wie Jamie Noble, „Hurricane“ Shane Helms und Molly Holly, die Bindeglied zwischen Autoren und Aktiven sind.

Wie stark ein Kampf durchchoreographiert wird, hängt von der Wichtigkeit des Kampfes und der Erfahrung der Beteiligten ab. Verlässliche Routiniers bekommen oft nur die Grundzüge vorgegeben.

Der Ursprung und die Entwicklung des Wrestling

Hast du schonmal von Wrestling gehört? Die Sportart wird als Schaukampf bezeichnet und dient der Unterhaltung. Sportler und Sportlerinnen gehen körperlich an ihre Grenzen. Wrestling hat seinen Ursprung in den 1860er Jahren. Vorgänger ist das Ringen. Ringen diente auf Jahrmärkten nicht nur der Unterhaltung. Das Ziel war, Geld durch Wetten zu verdienen.

Erst in den 1920er wurde Wrestling als internationale Sportart in den USA anerkannt. Mit der Gründung der WWF (world-wrestling-federation) gab es regelmäßige Wettbewerbe und wöchentliche Shows.

Beim Wrestling wird vor der Show der Sieger oder die Siegerin des Kampfes festgelegt. Das Publikum weiß aber nicht vorher, wer gewinnt. In den meisten Fällen gewinnt die sportlichste und unterhaltsamste Person.

Der genau geplante Ablauf ist auch der größte Unterschied zum Ringen. Der Kampf ist eine Kombination aus Choreographie und spontanem Handeln. Das bedeutet, eine geplante Bewegungsreihenfolge ist zwar vorhanden, aber alle Wrestler und Wrestlerinnen können eigene Elemente einführen.

Die Beliebtheit beim Publikum der Wrestler und Wrestlerinnen ist ein wichtiger Punkt während des Kampfes. Manche Wrestler oder Wrestlerinnen sind so unbeliebt, dass sie ausgebuht werden, andere werden angefeuert.

Der Kampf beginnt, wenn die Ringglocke ertönt und endet in den meisten Fällen, mit dem sogenannten Pinfall. Hierbei wird der Gegner oder die Gegnerin auf den Ringboden gedrückt. Erst wenn die Schultern auf dem Boden liegen, fängt der Ringrichter oder die Ringrichterin an bis drei zu zählen. Beim dritten Schlag auf den Ringboden ist der Gegner oder die Gegnerin K.o.

Alle Kämpfe finden in einem Ring statt, wie beim Boxen. Allerdings hat der Ring drei gespannte Seile auf jeder Seite und nicht vier. Der Ring ist viereckig und der Boden besteht aus gepolsterten Matten und Holz. Drumherum gibt es eine Absperrung, damit dem Publikum nichts passiert. Denn oft finden kleine Rangeleien auch außerhalb des Ringes statt.

Es gibt ein paar Untershows des WWE. Die älteste ist RAW oder auch “Monday-RAW” genannt. Seit 1999 gibt es den SmackDown, die erfolgreichste Wrestling-Show. Hier kämpfen die Superstars. Beim NXT handelt es sich nicht nur um einen Kampf, es ist eine Reality-Show mit Interviews, Reportagen und Hintergründen.

Frauen waren am Anfang nur neben dem Ring zum Anfeuern und als Unterstützung da. Heute ist dies anders. Jetzt haben Frauen eine eigene Liga in allen Untershows und im WWE und sind genauso beliebt wie die Shows der Männer. Sport oder Show? Männer- und Frauen-Wrestling unterscheiden sich heutzutage nicht mehr.