Karate Andi: Vom Hinterhof zum Deutschrap-Olymp

Karate Andi, bürgerlich Andreas Marquardt, ist eine markante Figur in der deutschen Rap-Szene. Sein Aufstieg vom unbekannten Rapper zum gefeierten Künstler ist eine bemerkenswerte Geschichte. Dieser Artikel beleuchtet seine Vergangenheit, seine Anfänge und seinen Weg zum Erfolg.

Die Anfänge in Göttingen

Noch weit von jedwedem Status entfernt, beginnt die Laufbahn des Knaben im beschaulichen Göttingen. Dort fängt er im losen Verbund mit Freunden an, unter dürftigen Bedingungen erste Raps aufzunehmen. Sie nennen sich Human Traffic, vertreiben mit der Musik ihre Langeweile und rauchen dazu jede Menge Gras. Die mehr oder minder ambitionierten Songs veröffentlichen sie jedoch nie.

Der Umzug nach Berlin und "Rap am Mittwoch"

Richtig ernst wird es für Karate Andi erst nach seinem Umzug nach Berlin. Der Legende nach soll sich dort folgendes zugetragen haben: Sternhagelvoll besucht Andi das Battlerap-Format "Rap am Mittwoch". Eigentlich will er nur zusehen, aber seine Kumpels schubsen ihn auf die Bühne - und er freestylt seinen Gegner mal eben in Grund und Boden.

Es folgen weitere Auftritte, von denen sich neben zahlreichen Besuchern auch ein gewisser 7Inch beeindruckt zeigt. Der Produzent, der schon für Kool Savas, Prinz Pi und auch Lil Wayne Beats schraubte, versteht sich auf Anhieb mit dem Boss vom Hinterhof. Die Idee, ein gemeinsames Album aufzunehmen, entsteht bereits nach einigen Studiosessions.

Ben Salomo erinnert sich noch genau an das erste Aufeinandertreffen mit Andi: »Der hatte einfach Ausstrahlung! So ein gewisses Charisma. Als er dann anfing zu rappen und seine verrückten Punchlines auspackte, war ich direkt begeistert.«

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Schnell mausert sich der »RAM«-Neuling zum Publikumsliebling. Karate Andi ist der neue Stern am Himmel von »Rap am Mittwoch« und perfektioniert seine anfangs noch etwas unsicheren Performance-Skills in Windeseile. Am Ende der Saison steht er im Gesamtranking zwar nur auf dem dritten Platz, doch im Gegensatz zu seinen Konkurrenten P-Zak und Drob Dynamic kann er eine deutlich größere Aufmerksamkeit für sich verbuchen, die ihn zahlreiche Connections knüpfen lässt.

"Pilsator Platin" und der Durchbruch

Dieses soll wenig später den famosen Titel "Pilsator Platin" tragen und auf irrwitzige Art und Weise das Bild eines jungen Mannes zeichnen, der ausnahmsweise nicht seine fehlende Orientierung beklagt, sondern seiner Generation mit reichlich Sarkasmus und noch mehr Unverständnis gegenübersteht. "Pilsator Platin" ist lustig, zynisch, unterhaltsam und hat auch musikalisch einiges zu bieten.

Der Wechsel zu Selfmade Records und "Turbo"

2014 erfolgt ein großer Sprung auf der Karriereleiter: Spekulationen, er ziehe demnächst ins Trailerpark-Camp ein, zeigt Andi gekonnt den Mittelfinger. Der realtighte Breakdance-MC unterschreibt beim Düsseldorfer Erfolgslabel Selfmade Records, wo 2016 sein zweiter Longplayer "Turbo" erscheint.

Der Aufstieg des Karate Andi scheint so unaufhaltsam wie deine fette Mutter, wenn sie wütend ist. Andis Selfmade-Debüt »Turbo«, das mit dem neuen Power-Producerteam DIE ACHSE, bestehend aus Bazzazian und Farhot, entstand, erfüllt alle Erwartungen, die Rapdeutschland an den zugezogenen Eckkneipenhustler hätte stellen können. Es geht um Punchlines, Pils und Pennerrap.

Scharfzüngig und zielsicher, vorlaut und politisch inkorrekt - so liebt man Andi und so bekommt man ihn auch auf »Turbo«. In gewohnter Lässigkeit, mitunter mit bisher ungewohnter Flowvielfalt, pfeffert der Boss vom Hinterhof eine Punchline nach der anderen raus - popkulturelle Referenzen mit einer Bandbreite von Taktloss bis Günter Grass inklusive.

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Stil und Einflüsse

Mit Battlerap der alten Schule gelang Karate Andi in den 2010ern der Durchbruch im deutschen HipHop: Provokante, oft sinnfreie und alkoholgeschwängerte Texte trafen auf einen einprägsamen Künstlernamen und eine Plattenfirma, die schon Rapper wie Casper oder Kollegah groß machte.

Im Deutschrap-Kosmos lässt er sich wahrscheinlich irgendwo zwischen dem derben Humor von K.I.Z. und dem Selbstverständnis vom Retrogott verorten. In seinen Alben erkennt man eigentlich wunderschön seine Entwicklung. Im ersten Album musste Andi noch schwarz fahren und vor Kontrolleuren wegrennen, im zweiten Album hatte Andi dann immerhin schon ein Mofa.

Ich glaube hier beschreibt sich Karate Andi ganz gut selbst, ich möchte mal kurz ein Zitat aus dem Song Der Boss vom Hinterhof 2 einfließen lassen: “Enchanté dank meim Koks-Problem Schreib ich nur Lieder ohne Inhalt übers Drogennehmen.” Und genau das ist ja das Fette am ganzen Album.

Auch fett ist, dass quasi jedes Lied vollgestopft mit popkulturellen Referenzen ist. Man sieht einfach, dass er nicht jedem Hip Hop Trend hinterherrennt sondern einfach trotz der vielen Jahren Pause real geblieben ist und seine Hartz IV Attitüde nicht verloren hat.

Diskografie

Album Erscheinungsjahr Label
Pilsator Platin 2014
Turbo 2016 Selfmade Records

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