Die französische Judo-Nationalmannschaft: Triumph und Kontroverse

Die Judo-Wettbewerbe bei den Spielen von Paris sind für die Franzosen emotionale Höhepunkte. Dort, unweit des Eiffelturms, finden während der Olympischen Spiele von Paris die Judo-Wettbewerbe statt. Und wer weiß, welchen Stellenwert die Kampfsportart in Frankreich hat, versteht auch das, was sich dort jeden Spätnachmittag abspielt.

Es ist unfassbar laut, sobald eine Athletin oder ein Athlet aus dem Gastgeberland auf die Matte tritt. Es werden Fahnen geschwungen, riesige Plakate mit den Konterfeis der Sportler hochgehalten - und endet ein Kampf siegreich für „Les Bleus“, könnte man meinen, die Arena hebt ab. Und übertrumpft den Tour Eiffel noch um ein paar Meter.

Teddy Riner: Der französische Nationalheld

Eine neue Dimension wird das ganze Spektakel erreichen, wenn Teddy Riner, der französische Nationalheld auf die Matte tritt. Von Teddy Riner, seines Zeichens der erfolgreichste Judoka in der bisherigen Geschichte dieser Sportart.

„Wenn ich die Kinder sehe, die Familien, die Judofans, die meinen Namen rufen, ist das großartig. Der reine Sauerstoff“, sagte er Anfang des Jahres, als er in Paris beim Grand-Slam triumphiert hatte. Nur ein Titel von vielen zwar, aber ein wichtiger auf dem Weg in den Olymp. Einst zehn Jahre lang ungeschlagen.

Zweimal Einzelgold hat der Koloss, geboren in Pointe-à-Pitre auf Guadeloup, schon gewonnen (in London und Rio nach Bronze in Peking), dazu eine weitere Goldmedaille mit dem Team vor drei Jahren in Tokio. Dass Teddy Riner sein Triple nicht schon in Tokio klargemacht hat, war eher überraschend.

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Schließlich war er in den Jahren zuvor nichts weniger als das: unschlagbar. Zwischen 2010 und 2020 gewann er 154 Kämpfe, ohne dazwischen einen zu verlieren. Erst im Februar 2020 wurde er wieder bezwungen. In jener Zeit hat er auch sieben WM-Titel gewonnen, davor schon drei, danach noch einen.

Nun also Paris, wo der Superstar am vergangenen Freitag gemeinsam mit der Ex-Leichtathletin Marie-José Perec das Olympische Feuer entzünden durfte. Als Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Karriere? Nicht unbedingt. Er fühle sich nach wie vor gut und stark, erklärte Riner vor den Spielen in der französischen Sportzeitung „L’Équipe“, er spüre noch „Enthusiasmus“ für seinen Sport und ziehe die Möglichkeit, auch 2028 in Los Angeles zu starten, durchaus in Betracht.

Klar ist: Es wird laut werden in der Arena Champ-de-Mars, die französischen Fans werden durchdrehen - zudem ist nicht ausgeschlossen, dass es am Ende wieder hochemotional wird.

Riners Triumph in Paris

Frankreichs Superstar Teddy Riner hat bei den Sommerspielen in Paris Gold gewonnen und sich damit zum alleinigen Rekord-Olympiasieger im Judo gekrönt. Für Riner war es nach 2012 und 2016 das dritte olympische Einzel-Gold. Vor drei Jahren in Tokio hatte er sich zudem den Titel mit der Mannschaft gesichert.

Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verfolgte das Finale der Gewichtsklasse über 100 Kilogramm in der Champ-de-Mars-Arena. Riner besiegte Weltmeister Minjong Kim aus Südkorea und versetzte die Zuschauer in Ekstase. Vor der Abend-Session hatte schon der französische Schauspieler Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“) dem Publikum ordentlich eingeheizt.

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Bei der Eröffnungsfeier seiner Heimspiele hatte der 35-Jährige gemeinsam mit der früheren Leichtathletin Marie-José Pérec das olympische Feuer entzündet. Im Teamevent am Samstag kann er bei seiner insgesamt fünften Olympia-Teilnahme bereits die siebte Medaille gewinnen.

Im Viertelfinale hatte Riner ein hitziges Duell mit dem Georgier Guram Tuschischwili für sich entschieden. Der 29-Jährige war anschließend wegen unsportlichen Verhaltens disqualifiziert und aus dem Wettbewerb genommen worden. Riner hatte den Olympia-Zweiten von Tokio auf den Rücken geworfen und durch Ippon besiegt. Tuschischwili hatte den Franzosen daraufhin mit den Beinen zu Fall gebracht und sich über ihn gebeugt.

Clarisse Agbegnenou: Eine weitere Schlüsselfigur

Aber schon der vergangene Dienstag bot einen Highlight-Vorgeschmack. Mit rührender Note. Clarisse Agbegnenou ist so etwas wie das Pendant zu Teddy Riner. Wenn auch nicht optisch. Die 31-Jährige kämpft in der Klasse bis 63 Kilogramm. Er ist Schwergewichtler, 2,05 Meter groß, über 130 Kilogramm schwer in der nach oben offenen Klasse.

Agbegnenou holte 2016 Silber in Rio, 2021 Gold in Tokio - dann wurde sie schwanger. Kam nach der Geburt ihrer Tochter aber zurück auf die Matte, holte 2023 ihren sechsten WM-Titel und war nun im Kampf um Bronze in Paris angetreten. Sie gewann, die Halle tobte - und die Judoka formte, als all der Druck abgefallen war, mit beiden Händen ein Herz, dankte so den Zuschauern, ehe sie an den Rand der Tribüne schritt. Und minutenlang ihre kleine Tochter auf dem Arm hielt. Einfach herzerwärmend in der gut gekühlten Arena.

Kontroverse um Mizuno Judoanzüge

Auch wir von Judowear.de möchten das in Frankreich bereits heiß diskutierte Thema der Ausrüstungsstrategie der Marke Mizuno aufgreifen. Die Verwendung von neuerdings Mizuno Judoanzügen in Frankreich und Deutschland hat bereits hohe Wellen geschlagen.

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Die Nationalkämpfer aus Japan werden seit Jahren von der Marke Mizuno ausgestattet, dabei greift der japanische Hersteller auf sein hochwertiges Modell, den Mizuno YUSHO „Made in Japan“, zurück (Listenpreis 300€). Natürlich hätte man auch in Deutschland und Frankreich erwartet, dass die besten Athleten des Landes mit dem Top-Produkt ausgestattet werden. Dem ist jedoch nicht so.

Nur wenige Wochen nach dem Wechsel ist klar, Mizuno misst bei der Ausstattung der Nationalmannschaft mit zweierlei Maß! Die Sportler aus Frankreich und Deutschland wurden mit dem Modell Mizuno YUSHO aus China bzw. Pakistan ausgestattet (Listenpreis: ab 165€). Für uns wirft das einige Fragen auf. Sind unsere Sportler weniger wert, als die Athleten in Japan?

Wir finden diese Strategie der Marke Mizuno äußerst überraschend und fragen uns, wie der Deutsche Judobund auf diese Abwertung des Deutschen Nationalmannschaft reagieren wird. In Frankreich setzen sich die Sportler bereits zur Wehr und fühlen sich verständlicherweise in der Ehre verletzt und nicht fair behandelt. Eine Nationalmannschaft sollte immer in den bestmöglichen Produkten ausgestattet werden.

Unabhängig von den Erfolgen des japanischen Nationalteams, verglichen mit den Resultaten der deutschen oder französischen Nationalmannschaft, bei der Ausstattung sollte keine Zweiklassengesellschaft herrschen. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass ein Bastian Schweinsteiger im Vergleich zu Lionel Messi im billigen Abklatsch des gleichen Fußballschuhs den Rasen betritt?

Qualitätsunterschiede der Judoanzüge

Wo liegen die Unterschiede des Produktes aus Japan zum Produkt aus China/Pakistan? Als Anzugtester wollten wir es natürlich genau wissen. Wo liegen die Unterschiede zwischen dem Modell „Made in Japan“ im Vergleich zum Modell „Made in China/Pakistan“.

Daraufhin haben wir einen Anzug der französischen Nationalmannschaft („Made in China/Pakistan“) mit dem japanischen Modell verglichen. Die Unterschiede in der Verarbeitung können als interessant bezeichnet werden. Wir finden, dass bereits nach einmaligem Waschen nach Waschanleitung beim Modell „Made in China“ Probleme beim Material deutlich wurden. Das Modell „Made in Pakistan“ ist in Bild 1 auf der linken Seite abgebildet. Es sind nach der ersten Wäsche bereits helle Stellen ersichtlich.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass das Modell “Made in China” bereits im Neuzustand eine hellere Farbe aufweist.

Des Weiteren mussten wir deutliche Unterschiede bei der Verarbeitung feststellen. Während das Revers beim Modell „Made in Japan“ hochwertig und genau vernäht wurde, fällt beim Modell „Made in Pakistan“ schnell eine schlechtere Verarbeitung auf. Zudem ist das Revers beim Modell „Made in Pakistan“ sowie „Made in China“ wesentlich dünner und weicher als bei der japanischen Version.

Vergleicht man das Design mit den klassischen 3-Streifen der Marke adidas, fühlen wir uns bei Mizuno doch eher an die alten DanRho Anzüge aus den 90er Jahren erinnert.

Zudem findet man auch hier deutliche Verarbeitungsunterschiede bei den verschiedenen Mizuno Versionen.

Vergleich von Adidas und Mizuno Judoanzügen

Wie schneidet der neue Anzug der Nationalmannschaften im Vergleich zum früheren Anzug der Marke adidas ab? Als Fazit haben wir die früheren adidas Judoanzüge mit den neuen Mizuno Anzügen der Nationalmannschaft verglichen. Bei den adidas Judoanzügen gibt es nur eine Qualität, hier wurden die Nationalkämpfer mit dem am Markt erhältlichen Produkt ausgestattet. (Listenpreis: ab 165€)

Auch adidas produziert in Pakistan. Preislich liegen beide Modelle auf dem gleichen Niveau, doch qualitativ liegen zwischen beiden Anzügen Welten, was auch daran liegt, dass adidas in einer der hochwertigeren Fabriken Pakistans „STARPAK“ zurückgreift. “STARPAK” verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der Fertigung von Judoanzügen und hat in der Vergangenheit bereits für alle großen Marken produziert.

Nachfolgend listen wir die Unterschiede der Judoanzüge von adidas und Mizuno, beide „Made in Pakistan“, auf:

Merkmal Adidas Mizuno Sieger
Verarbeitung Hochwertig verarbeitet, gerade Nähte, langlebiges Material Schiefe Nähte, dünneres Material bei der Hose, schlechte Verarbeitung. adidas
Revers Stabileres und festeres Revers, hochwertig verarbeitet, kaum Wellen nach dem Waschen Welliges Revers nach dem Waschen, schiefe Nähte und wesentlich dünneres und weicheres Revers adidas
Farbe Der adidas Anzug strahlt auch nach dem Waschen noch blau Das Mizuno Produkt verliert vor allem beim Modell „Made in Pakistan“ bereits nach dem ersten Waschen enorm an Farbe adidas
Schnitt Der adidas Anzug ist sowohl als reguläres als auch SlimFit Modell erhältlich. Die Hose ist verhältnismäßig schmäler geschnitten Beim Mizuno Anzug gibt es kein SlimFit Modell, zudem ist der Anzug eher traditionell und weiter geschnitten. Vor allem die Hose ist deutlich weiter und verhältnismäßig kürzer Unentschieden, da der Schnitt einfach Geschmackssache ist und vom Körperbau abhängt.
Preis/Leistung Ab 165 € Ab 165 € („Made in Pakistan/China“)Ab 290€ („Made in Japan“) Preislich liegen die Produkte „Made in Pakistan“ zwar gleich auf, jedoch sind die Unterschiede bei der Qualität enorm. Sieger: adidas

Vergleicht man beide Marken und ihre Modelle „Made in Pakistan“ liegt der adidas Anzug eindeutig vorne. Wir sind gespannt wie die deutschen Athleten auf diese Tatsache reagieren. In Frankreich ist bereits eine rege Diskussion in Foren, Magazinen und bei den Athleten entbrannt.

Weitere bemerkenswerte Ereignisse

Ein besonders bitteres Olympia-Heimspiel erlebte Madeleine Malonga. Die 30-jährige Französin unterlag bereits im Achtelfinale der Portugiesin Patricia Sampaio. Malonga hatte 2021 in Tokio noch Silber im Einzel und Gold mit der Mannschaft gewonnen. Das französische Judo-Team holte bei den diesjährigen Spielen bislang sieben Medaillen: zweimal Silber, fünfmal Bronze.

Einige der besten Judoka der Welt haben beim Grand Slam in Paris Station gemacht. In der französischen Hauptstadt ging es nicht nur um Titel und Medaillen, sondern auch um wertvolle Punkte für die Qualifikation zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. Für die Gastgeber gab es vor allem dank der Damen in Paris gleich mehrmals Grund zur Freude. Zunächst triumphierte Clarisse Agbegbenenou in der Klasse bis 63 Kilogramm. Dann setzten Madeleine Malonga und Fanny Estelle Posvite mit den Rängen eins und zwei in der Klasse bis 78 Kilogramm noch einen drauf. Zum krönenden Abschluss fuhr dann auch Romane Dicko in der Klasse über 78 Kilogramm den Sieg ein.

Dagegen blieben die französischen Männer etwas hinter den Erwartungen zurück. Nur Axel Clerget in der Klasse bis 90 Kilogramm schaffte als Dritter hinter Nikoloz Sherazadishvili aus Spanien und Kenta Nagasawa aus Japan den Sprung auf das Podium. Besonders überraschend kam dabei, dass sich der seit fast zehn Jahren ungeschlagene Teddy Riner in der Klasse über 100 Kilogramm bereits im Achtelfinale dem Japaner Daiki Kamikawa geschlagen geben musste.

Erfolgreichste Nation waren wieder einmal die Japaner mit drei Siegen, sechs zweiten und vier vierten Plätzen. Bei den Männern waren Ryuju Nagayama in der Klasse bis 60 Kilogramm und Soichi Hashimoto in der Klasse bis 73 Kilogramm nicht zu schlagen. Bei den Frauen siegte Yoko Ono in der Klasse bis 70 Kilogramm.