Frankreich hat bestellt - und Teddy Riner hat geliefert: Der Superstar des Judo hat die Grande Nation nicht enttäuscht und bei den olympischen Heimspielen zum dritten Mal Gold im Schwergewicht gewonnen. Frankreichs Judo-Superstar Teddy Riner sorgt mit seinem historischen Triumph für einen ganz besonderen Olympia-Moment.
Für Le Figaro war Teddy Riner der „Gigant unter den Giganten“, die Sportzeitung L‘Équipe würdigte den Judo-Superstar als „den Größten“ - und der 35-Jährige lieferte nach seinem historischen Triumph bei den Olympischen Spielen die passenden Bilder.
In triumphaler Feldherrenpose stand 150-Kilo-Koloss Riner wie ein riesiger Napoléon inmitten der Marsfeld-Arena, ohrenbetäubender Jubel von 8500 Fans ließ fast das Dach wegfliegen. Riner hat das bestellte Gold bei den Heimspielen geliefert und seinen Rang als sportlicher Nationalheld endgültig zementiert.
"Ich habe immer gesagt, dass sich harte Arbeit auszahlt. Aber jetzt gerade ist es die pure, reine Freude. Ich bin so unglaublich glücklich", sagte der 35-Jährige, der mit seinem historischen vierten Olympiasieg für den nächsten ganz großen Moment der Gastgebernation gesorgt hat.
Am Freitagabend um genau 17.56 Uhr war der erfolgreichste Judoka der Geschichte am Ziel: Während aus Tausenden Kehlen "Allez, Teddy!" dröhnte, legte der 35-Jährige den südkoreanischen Weltmeister Kim Min Jong aufs Kreuz und krönte seine sagenhafte Karriere.
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An einem Ort, der symbolischer kaum sein könnte: Das 2021 fertiggestellte Grand Palais Ephemere liegt 500 Meter Luftlinie vom Invalidendom entfernt, der allerletzten Ruhestätte Napoleons. Und spätestens jetzt dürfte der Bekanntheitsgrad des Riesen Riner, der als erster Judoka zum vierten Mal Olympiasieger wurde, jenem des körperkleinen Bonapartes nahekommen.
Riners Weg zum Erfolg
Riner hatte bereits 2012 und 2016 Gold im Einzel und 2021 im neu geschaffenen Teamwettbewerb gewonnen, mit vier Olympiasiegen ist er nun der erfolgreichste Judoka der Geschichte. Vor Riner hatte nur der Japaner Tadahiro Nakamura dreimal Einzelgold gewonnen. Zudem holte der elfmalige Weltmeister 2008 und 2021 Olympia-Bronze.
Riner, der 2016 bei Olympia die französische Flagge getragen und in Paris eine Woche vor seinem Gold-Coup mit Leichtathletik-Ikone Marie-Jose Perec das olympische Feuer entzündet hatte, ist einer der größten Sportstars in Frankreich. Definitiv sehr groß: 2,04 Meter lang, 150 austrainierte Kilogramm schwer - ein menschliches Zentralmassiv, ein Jahrhundertathlet.
"Ich hatte das Pech, dass es Riner in meiner Altersklasse gab, sonst wäre ich vielleicht zweimal Weltmeister", sagte Andreas Tölzer, der 2011 bei der WM in Paris im Finale gegen den jungen Riner und 15.000 fanatische Franzosen verlor. Mit seinen 1,92 Meter und 140 Kilogramm wirkte der rheinische Brocken gegenüber Riner einigermaßen winzig.
13 Jahre später ist Riner immer noch das Maß aller Dinge, gewann sein drittes Einzelgold nach 2012 und 2016. 2008 und 2021 hatte der elfmalige Weltmeister zudem Bronze, 2021 auch Team-Gold geholt.
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Die Rivalität mit Guram Tushishvili
Auf dem Weg zum historischen dritten Olympiasieg bekam der Franzose allerdings Stress mit dem Georgier Guram Tushishvili. Der Streit zwischen den beiden hat eine Vorgeschichte.
Der mit Spannung erwartete Viertelfinalkampf in der Klasse ab 100 kg zwischen Teddy Riner und Guram Tushishvili war schnell vorbei: Judo-Superstar und späterer Goldmedaillengewinner Riner entschied den Kampf durch Ippon.
Doch dann ging der Fight erst richtig los: Tushishvili drückte seine durchgestreckten Beine auf Riners Brust, wodurch dieser mit dem Rücken auf dem Boden landete.
Anschließend beugte sich Tushishvili mit erhobenem Zeigefinger über seinen Gegner, drückte ihm die flache Hand ins Gesicht und schubste Riner mit seinen Beinen buchstäblich vor sich her.
Als Riner, der im französischen Karibik-Archipel Guadeloupe geboren wurde, aufstehen wollte, hielt er Tushishvilis rechten Fuß fest, was dieser mit einem Stoß gegen dessen Hüfte beantwortete.
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Das Publikum, das Riners Sieg frenetisch bejubelt hatte, quittierte die Aktion mit einem gellenden Pfeifkonzert.
Nachdem sich beide Kämpfer beruhigt hatten und Riner vom Schiedsrichter zum Sieger erklärt worden war, gab es immerhin einen "Handshake light".
Doch warum fuhr Tushishvili so aus der Haut? Riner hatte seinen Sieg aus Sicht des Georgiers überheblich gefeiert.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden erfolgreichen Judoka - Tushishvili war Welt- und Europameister und gewann in Tokio Olympia-Silber - nicht grün sind. Im November 2022 hatte Riner bei einem Turnier in Georgien gegen Tushishvili verloren, anschließend jedoch seine Niederlage angefochten und bei der IJF, der internationalen Judo-Föderation, dessen Disqualifikation erwirkt.
Für Tushishvili hat sein Verhalten im olympischen Kampf derweil ein Nachspiel. Wie die IJF mitteilte, wurde er von den Spielen in Paris suspendiert und darf nicht am Mixed-Teamwettwewerb am Samstag (3. August) teilnehmen.
Riners Zukunft
Dass Riner überhaupt noch dabei ist, wundert: Eigentlich war er vor einigen Jahren, als er alles und alles zudem mehrfach gewonnen hatte, bereits satt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach der WM 2017 genoss Riner das Leben, futterte sich auf fast 170 Kilogramm hoch.
"Ich sah aus wie ein Panzer", sagte Riner, damals mehr Panda als Teddy.
Doch Riner kam zurück, alles mit dem Traumziel Paris vor Augen. Und jetzt soll es auch weitergehen, bis Los Angeles 2028. "Ich möchte keine Reue empfinden, dass ich nicht alles aus meiner Karriere rausgeholt habe", sagte Riner.
Deutsche Judoka bleiben hinter den Erwartungen zurück
Die deutschen Judoka schieden in den letzten Einzelentscheidungen früh aus. Damit bleibt Silber für Miriam Butkereit in der Klasse bis 70 kg die einzige Einzelmedaille für das Team des Deutschen Judo-Bundes (DKB) bei den Sommerspielen. 2021 in Tokio hatte es noch Silber für Eduard Trippel und Bronze für Anna-Maria Wagner gegeben, die diesmal beide leer ausgingen.
Am Freitag scheiterte Schwergewichtler Erik Abramov (Potsdam) in der Klasse über 100 kg im Achtelfinale an Temur Rachimow aus Tadschikistan. Bereits in der ersten Runde unterlag im Frauen-Schwergewicht (über 78 kg) die Hamburgerin Renee Lucht der Georgierin Sophio Somchischwili.
