Teddy Riner: Frankreichs Judo-Superstar schreibt Geschichte in Paris

Frankreichs Superstar Teddy Riner hat bei den Sommerspielen in Paris Gold gewonnen und sich damit zum alleinigen Rekord-Olympiasieger im Judo gekrönt. Für Riner war es nach 2012 und 2016 das dritte olympische Einzel-Gold. Vor drei Jahren in Tokio hatte er sich zudem den Titel mit der Mannschaft gesichert.

Am Freitagabend um genau 17.56 Uhr legte der erfolgreichste Judoka der Geschichte unter tausendfachen "Allez, Teddy!"-Rufen den südkoreanischen Weltmeister Kim Min Jong aufs Kreuz und krönte seine sagenhafte Karriere. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verfolgte das Finale der Gewichtsklasse über 100 Kilogramm in der Champ-de-Mars-Arena. Riner besiegte Weltmeister Minjong Kim aus Südkorea und versetzte die Zuschauer in Ekstase.

Riner ist der größte Star seiner Sportart - und auch einer der größten im französischen Olympia-Team. Bei der Eröffnungsfeier seiner Heimspiele hatte der 35-Jährige gemeinsam mit der früheren Leichtathletin Marie-José Pérec das olympische Feuer entzündet.

Teddy Riner stand in triumphaler Feldherrenpose wie ein riesiger Napoleon inmitten der Marsfeld-Arena, ohrenbetäubender Jubel von 8500 Fans ließ fast das Dach wegfliegen - und dann eilte sogar Präsident Emmanuel Macron von der Tribüne, um Frankreichs Judo-Superstar zu herzen: Riner hat das bestellte Gold bei den Heimspielen geliefert, und eine ganze Nation wollte danach ihren gewaltigen Lieblings-Teddy knuddeln.

"Ich habe immer gesagt, dass sich harte Arbeit auszahlt. Aber jetzt gerade ist es die pure, reine Freude. Ich bin so unglaublich glücklich", sagte der 35-Jährige, der mit seinem historischen vierten Olympiasieg für den nächsten ganz großen Moment der Gastgebernation gesorgt hat.

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An einem Ort, der symbolischer kaum sein könnte: Das 2021 fertiggestellte Grand Palais Ephemere liegt 500 Meter Luftlinie vom Invalidendom entfernt, der allerletzten Ruhestätte Napoleons. Und spätestens jetzt dürfte der Bekanntheitsgrad des Riesen Riner, der als erster Judoka zum vierten Mal Olympiasieger wurde, jenem des körperkleinen Bonapartes nahekommen.

Ein Leben für den Judo-Sport

Riner hatte bereits 2012 und 2016 Gold im Einzel und 2021 im neu geschaffenen Teamwettbewerb gewonnen, mit vier Olympiasiegen ist er nun der erfolgreichste Judoka der Geschichte. Vor Riner hatte nur der Japaner Tadahiro Nakamura dreimal Einzelgold gewonnen. Zudem holte der elfmalige Weltmeister 2008 und 2021 Olympia-Bronze.

Im Viertelfinale hatte Riner ein hitziges Duell mit dem Georgier Guram Tuschischwili für sich entschieden. Riner hatte den Olympia-Zweiten von Tokio auf den Rücken geworfen und durch Ippon besiegt. Der 29-Jährige war anschließend wegen unsportlichen Verhaltens disqualifiziert und aus dem Wettbewerb genommen worden.

Doch dann ging der Fight erst richtig los: Tushishvili drückte seine durchgestreckten Beine auf Riners Brust, wodurch dieser mit dem Rücken auf dem Boden landete. Anschließend beugte sich Tushishvili mit erhobenem Zeigefinger über seinen Gegner, drückte ihm die flache Hand ins Gesicht und schubste Riner mit seinen Beinen buchstäblich vor sich her. Als Riner, der im französischen Karibik-Archipel Guadeloupe geboren wurde, aufstehen wollte, hielt er Tushishvilis rechten Fuß fest, was dieser mit einem Stoß gegen dessen Hüfte beantwortete.

Tuschischwili hatte den Franzosen daraufhin mit den Beinen zu Fall gebracht und sich über ihn gebeugt. Riner hatte seinen Sieg aus Sicht des Georgiers überheblich gefeiert. In der Tat sieht man auf verschiedenen Fotos, wie Riner im Moment des Triumphs Tushishvili breit grinsend und mit ausgestreckter Zunge beide Fäuste entgegenstreckt.

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Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden erfolgreichen Judoka nicht grün sind. Im November 2022 hatte Riner bei einem Turnier in Georgien gegen Tushishvili verloren, anschließend jedoch seine Niederlage angefochten und bei der IJF, der internationalen Judo-Föderation, dessen Disqualifikation erwirkt.

Wie die IJF mitteilte, wurde er von den Spielen in Paris suspendiert und darf nicht am Mixed-Teamwettwewerb am Samstag (3. August) teilnehmen.

Eine beeindruckende Karriere

Einst zehn Jahre lang ungeschlagen Judoka Teddy Riner blieb einst zehn Jahre lang ungeschlagen und gewann 154 Kämpfe in Folge. In jener Zeit hat er auch sieben WM-Titel gewonnen, davor schon drei, danach noch einen.

Dass Riner überhaupt noch dabei ist, wundert: Eigentlich war er vor einigen Jahren, als er alles und alles zudem mehrfach gewonnen hatte, bereits satt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach der WM 2017 genoss Riner das Leben, futterte sich auf fast 170 Kilogramm hoch. "Ich sah aus wie ein Panzer", sagte Riner, damals mehr Panda als Teddy. Doch Riner kam zurück, alles mit dem Traumziel Paris vor Augen.

Nun also Paris, wo der Superstar am vergangenen Freitag gemeinsam mit der Ex-Leichtathletin Marie-José Perec das Olympische Feuer entzünden durfte. Als Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Karriere? Nicht unbedingt. Er fühle sich nach wie vor gut und stark, erklärte Riner vor den Spielen in der französischen Sportzeitung „L’Équipe“, er spüre noch „Enthusiasmus“ für seinen Sport und ziehe die Möglichkeit, auch 2028 in Los Angeles zu starten, durchaus in Betracht.

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Erst einmal liegt der Fokus aber auf diesem Freitag. Klar ist: Es wird laut werden in der Arena Champ-de-Mars, die französischen Fans werden durchdrehen - zudem ist nicht ausgeschlossen, dass es am Ende wieder hochemotional wird.

Riners Einfluss und Vermächtnis

Vom Beliebtheitsgrad ganz zu schweigen: Riner, der 2016 bei Olympia die französische Flagge getragen und in Paris eine Woche vor seinem Gold-Coup mit Leichtathletik-Ikone Marie-Jose Perec das olympische Feuer entzündet hatte, ist einer der größten Sportstars Frankreich.

"Ich hatte das Pech, dass es Riner in meiner Altersklasse gab, sonst wäre ich vielleicht zweimal Weltmeister", sagte Andreas Tölzer, der 2011 bei der WM in Paris im Finale gegen den jungen Riner und 15.000 fanatische Franzosen verlor. Mit seinen 1,92 Meter und 140 Kilogramm wirkte der rheinische Brocken gegenüber Riner einigermaßen winzig. 13 Jahre später ist Riner immer noch das Maß aller Dinge, gewann sein drittes Einzelgold nach 2012 und 2016.

Als er den entscheidenden Wurf ausgeführt hat, den Wurf, der ihn endgültig zu einem der größten Sportler seines Landes macht, als er sich anschließend noch einmal verbeugt und seinen Gegner umarmt hat, fair, wie es der Kampfsport vorsieht, da fängt der französische Judoka Teddy Riner an zu hüpfen. Drei, vier, fünf Mal springt der Hüne mit seinen nackten Füßen in die Luft, ausgelassen wie ein kleines Kind.

Und jetzt soll es auch weitergehen, bis Los Angeles 2028. "Ich möchte keine Reue empfinden, dass ich nicht alles aus meiner Karriere rausgeholt habe", sagte Riner.

Die Judo-Wettbewerbe bei den Spielen von Paris sind für die Franzosen emotionale Höhepunkte. Und wer weiß, welchen Stellenwert die Kampfsportart in Frankreich hat, versteht auch das, was sich dort jeden Spätnachmittag abspielt. Es ist unfassbar laut, sobald eine Athletin oder ein Athlet aus dem Gastgeberland auf die Matte tritt. Es werden Fahnen geschwungen, riesige Plakate mit den Konterfeis der Sportler hochgehalten - und endet ein Kampf siegreich für „Les Bleus“, könnte man meinen, die Arena hebt ab.

Eine neue Dimension wird das ganze Spektakel an diesem Freitag erreichen, wenn Teddy Riner, der französische Nationalheld auf die Matte tritt. "Wenn ich die Kinder sehe, die Familien, die Judofans, die meinen Namen rufen, ist das großartig. Der reine Sauerstoff“, sagte er Anfang des Jahres, als er in Paris beim Grand-Slam triumphiert hatte.

Olympische Erfolge von Teddy Riner

JahrOrtWettbewerbMedaille
2008PekingEinzelBronze
2012LondonEinzelGold
2016Rio de JaneiroEinzelGold
2021TokioEinzelBronze
2021TokioMannschaftGold
2024ParisEinzelGold

Die deutschen Judoka schieden in den letzten Einzelentscheidungen früh aus. Damit bleibt Silber für Miriam Butkereit in der Klasse bis 70 kg die einzige Einzelmedaille für das Team des Deutschen Judo-Bundes (DKB) bei den Sommerspielen. 2021 in Tokio hatte es noch Silber für Eduard Trippel und Bronze für Anna-Maria Wagner gegeben, die diesmal beide leer ausgingen.

Am Freitag scheiterte Schwergewichtler Erik Abramov (Potsdam) in der Klasse über 100 kg im Achtelfinale an Temur Rachimow aus Tadschikistan.