Die Ursprünge des Karate

Karate-Do, was übersetzt "Der Weg der leeren Hand" bedeutet, ist eine traditionelle Kampfkunst, die aus Japan, genauer gesagt aus Okinawa, stammt. Doch woher kommt Karate eigentlich und wie hat es sich entwickelt?

Die frühen Wurzeln in China

Der Schauplatz der frühesten Entwicklungsphase des heutigen Karate wie auch vieler anderer Kampfkünste war das alte China, das schon seit dem 12. vorchristlichen Jahrhundert komplexe Kampfsysteme hervorbrachte. Im Jahre 523 bereiste der indische Zen-Gelehrte Bodhidharma (Daruma, Ta Mo) das chinesische Kloster Shaolin in der Provinz Henan, um den Zen-Buddhismus zu verbreiten. Seine Übungsformen wurden im Kloster weiterentwickelt und überliefert, und in den folgenden Jahrhunderten kam ihnen immer größere Bedeutung zu.

Chinesische Mönche, die keine Waffen tragen durften, entwickelten aus gymnastischen Übungen im Laufe der Zeit eine spezielle Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Diese Kampfkunst galt auch als Weg der Selbstfindung und Selbsterfahrung.

Die Entwicklung auf Okinawa

Das, was wir heute als Karate kennen, entstand auf Okinawa, einer kleinen Insel mit zentraler Position zwischen Japan, China und Taiwan im Ostchinesischen Meer.

Eine eigene Art des Kampfes hatte auf Okinawa seit frühester Zeit existiert. Die Techniken waren rein kämpferisch und wiesen weder esoterische, noch gesundheitlich-therapeutische oder besondere künstlerische Aspekte auf. Sie wurden „Te“ („Technik“) genannt und waren lange Zeit die einzige etablierte Form der Kampfkunst auf dem Archipel.

Einheimische Zweikampfformen, bestimmte Formen von Tänzen und der Einfluss chinesischer Kampfkunstexperten ließen im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl von Übungsformen, die Kata genannt werden, entstehen. Es ist erwiesen, dass in der langen Zeit der Besatzung von Okinawa nicht nur das Tragen von Waffen, sondern auch das Ausüben von Kampfkünsten verboten war. So “tarnten” die Anhänger der Kampfkunst ihre Übungen auch in Tanzformen.

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Die Selbstverteidigung der Okinawaner wurde zu dieser Zeit Tode genannt. Die Ryukyu Inseln waren zu dieser Zeit unabhängig von Japan, die Insel Okinawa eine Teil des Reiches. Nach einem Verbot Tode (Karate) auszuüben, entwickelte sich die Kampfkunst im Geheimen und wurde weiter perfektioniert.

Durch die unterschiedliche Gewichtung zwischen Te- und Quanshu-Einflüssen und individuelle Eigenentwicklung der Meister waren im Laufe der Zeit zahlreiche Stile des Karate entstanden, die sich räumlich in den drei wichtigsten Städten Okinawas konzentrierten: Naha, Shuri und Tomari. Dabei fasst man die Stile aus Shuri und Tomari unter dem Begriff „Shorin-Ryu“ oder „äußere (harte) Schulen“ zusammen, während die Methoden aus Naha als „Shorei-Ryu“ oder „innere (weiche) Schulen“ bezeichnet werden.

Die Verbreitung in Japan

Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstand in Japan aus der traditionellen Kampfkunst ein Kampfsport mit eigenem Regelwerk. Um 1901/1902 berichtete eine Schulkommission unter Leitung von Shintaro Ogawa über die Ergebnisse bei den Gesundheitskontrollen auf Okinawa. Arme und Beine, sowie der gesamte Körper der Karateka war viel stärker entwickelt als bei Bewohnern Okinawas gleichen Alters, bei etwa gleicher Ernährung.

Gegen Anfang dieses Jahrhunderts, als die alten Kampfkünste in Japan eine Renaissance erlebten und zum nationalen Kulturgut und Erbe erhoben wurden, erwachte nach einem Besuch des japanischen Thronfolgers Hirohito im Jahr 1921 auf Okinawa das Interesse am “exotischen”. Bestandteil seines Besuchsprogramms war eine Karatevorführung, die von Gichin Funakoshi organisiert wurde.

1922 reiste Gichin Funakoshi nach Japan, um in Tokio Karate vorzustellen. Funakoshi wollte das Okinawa-Te an die japanische Kultur anpassen und benannte viele Katas um. So gab er den überlieferten Kata neue, japanische Namen und benutzte für die Stilbezeichnung eine Schreibweise, die noch immer „Karate“ gelesen wurde, übersetzt jedoch „leere Hand“ bedeutete.

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Karate wurde durch die Meister Okinawas als Sport für die Jugend bekannt und geachtet. Die Einheit von Körper und Geist - der Weg - wird zum Ziel. Schließlich wurde Karate-do Dank Meistern wie Funakoshi, Mabuni, Miyagi u.a. in Japan bekannt und geachtet.

Die Bedeutung von "Karate-Do"

Auch heute noch spiegelt sich im Karate-Do die fernöstliche Philosophie wider. Übersetzt bedeutet "Karate-Do" so viel wie "der Weg der leeren Hand". Im wörtlichen Sinne heißt das: Der Karateka (Karatekämpfer) ist waffenlos, seine Hand ist leer. Das "Kara" (leer) ist aber auch ein ethischer Anspruch.

Danach soll der Karateka sein Inneres von negativen Gedanken und Gefühlen befreien, um bei allem, was ihm begegnet, angemessen handeln zu können. Im Training und im Wettkampf wird dieser hohe ethische Anspruch konkret: Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration. Die Achtung vor dem Gegner steht an oberster Stelle.

Die drei Säulen des Karate

Karate wird in drei Teilbereichen trainiert:

  • Kihon (Grundtechnik): Hier wird jede einzelne Technik, Schläge, Tritte und Blocktechniken, genauestens geübt, bis sie schließlich in Kombination mit anderen Techniken ausgeführt werden kann.
  • Kumite (Partner- und Kampfübung): Hier wird von einfachen vorgegebenen Kombinationen bis hin zur freien Anwendung die Technik am Partner kontrolliert in die Tat umgesetzt.
  • Kata (Form): Kata ist die stilisierte Form eines Kampfes gegen mehrere imaginäre Gegner. In der Kata kann die Meisterung der Technik, das Verstehen der Technik und die Meisterung des inneren Gegners unter Schulung von Atmung, Ruhe, Sicherheit, Kampfgeist und Rhythmus geübt werden.

Karate als moderne und wirksame Selbstverteidigung

Viele Karateka üben ihren Sport aus, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Und tatsächlich ist Karate eine wirksame und praktikable Verteidigungsart. Kraft und körperliche Statur spielen in der Karate-Selbstverteidigung nur eine untergeordnete Rolle.

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Wichtiger sind Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gelassenheit. Nur wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, kann sich sinnvoll verteidigen. Deshalb vermitteln spezielle Lehrgänge neben technischen Fertigkeiten auch die psychologischen Komponenten der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Diese Aspekte machen Karate-Selbstverteidigung insbesondere für Frauen und Mädchen interessant.

Karate: Ein Sport für alle

Ob Ausgleichssport, allgemeine Fitness oder Selbstverteidigung: Karate eröffnet allen Altersgruppen und Interessenlagen ein breites sportliches Betätigungsfeld. Karate ist nicht nur spannend für alt und jung. Durch die Vielseitigkeit fördert Karate Gesundheit und Wohlbefinden. Auch deshalb haben sich viele junge und ältere Menschen für diesen Sport entschieden.

Karate-Do ist von seinem Ansatz her überaus körperschonend und, richtig geübt, sogar sehr förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden. Jeder Schüler wird von Anfang an individuell betreut. Die Techniken werden auf seine körperlichen Fähigkeiten, individuellen Wünsche und Ziele abgestimmt.

In den meisten Vereinen gibt es Anfängerkurse, die den Einstieg leicht machen: Stufe um Stufe wachsen Geschicklichkeit und Leistungsvermögen. Die farbigen Gürtel der Budo-Sportarten sind dabei Hilfe und Ansporn.

Wettkampf und Tradition

Im Karate werden grundsätzlich zwei Wettkampf-Disziplinen unterschieden:

  • Beim "Kumite" (Freikampf) stehen sich zwei Karateka auf einer Kampffläche gegenüber und versuchen, wertbare Stoß-, Schlag- und Tritt-Techniken anzubringen. Die Kriterien sind so gehalten, dass Verletzungen der Kampf-Partner ausgeschlossen sind: Wer sich nicht daranhält, wird disqualifiziert!
  • Die Disziplin "Kata" ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehr-Techniken gegen mehrere imaginäre Gegner, die sich aus verschiedenen Richtungen nähern. Man unterscheidet rund 50 verschiedene Katas, deren Ästhetik im Einklang von Kampfgeist, Dynamik und Rhythmik liegt.

Die Entwicklung des Karate in der Übersicht

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Etappen der Karate-Entwicklung zusammen:

Zeitraum Ort Ereignis
Vor dem 12. Jh. China Entwicklung von Kampfsystemen
523 n. Chr. Shaolin-Kloster, China Bodhidharma unterrichtet Mönche in Kampfkunst
7. Jh. Okinawa Kontakt zu Japan und China, Einfluss auf Kampfkunst
15. Jh. Okinawa Waffenverbote fördern Entwicklung waffenloser Kampfkünste
1922 Japan Gichin Funakoshi stellt Karate in Tokio vor
1948 Japan Gründung der Japan Karate Association (JKA)