Antonio Inoki, Japans größter Wrestling-Star, WWE Hall of Famer, ein politisches Schwergewicht und Gegner Muhammad Alis in dessen skurrilstem Fight, wäre heute 82 Jahre alt geworden. Sein Mythos ist der Wrestling-Szene und weit darüber hinaus präsent.
Der am 20. Februar 1943 in Yokohama geborene Inoki war zu aktiven Zeiten der wohl populärste Wrestling-Star seiner Heimat. Der 1,91-Meter-Mann stand seit 1960 im Ring und war ein Schüler von Rikidozan, dem 1963 von einem Yakuza-Kriminellen tödlich verletzten Gründervater des japanischen Wrestlings, damals tief mit dem Mafia-Milieu verstrickt.
Rikidozan hatte Inoki in Brasilien entdeckt, wohin dieser als Teenager ausgewandert war: Er war geflüchtet vor der Armut, in die seine eigentlich wohlhabende Familie nach dem Zweiten Weltkrieg geraten war - und machte dort als Leichtathletik-Talent im Kugelstoßen sowie Diskus- und Speerwerfen auf sich aufmerksam.
Inoki - trainiert vom als „Gott des Wrestling“ verehrten Karl Gotch - wurde nach der Rückkehr in die Heimat Teil von Rikidozans Promotion JWA, aus der er 1971 gefeuert wurde, als er dort die Macht übernehmen wollte. Als Reaktion gründete er im Jahr darauf die bis heute wichtigste Liga in Nippon: NJPW (New Japan Pro Wrestling). Ein zweites großes Beben gab es im selben Zeitraum, als auch Inokis vorheriger Partner Shohei „Giant“ Baba - der zweite japanischer Wrestling-Superstar dieser Generation - die JWA verließ und die ebenfalls bis heute existierende Konkurrenzliga AJPW (All Japan) formierte.
Inokis Aufstieg zum Wrestling-Star
Der charismatische Inoki wurde nicht nur zum langjährigen Lenker, sondern auch zum größten Star von NJPW, bestritt dort bis zum Ende seiner aktiven Karriere 1998 zahlreiche große Fights gegen nationale und internationale Stars - unter ihnen Hogan, Flair, Andre the Giant, Big Van Vader, Stan Hansen, den 1988 ermordeten Mythos Bruiser Brody oder auch „Big“ Otto Wanz aus Österreich und Roland Bock aus Deutschland.
Lesen Sie auch: Showkämpfe von Antonio Inoki
Der als harte Hund bekannte Ex-Olympiaringer Bock hat in der Auflistung einen besonderen Rang: Er lieferte Inoki in Europa und Japan eine Reihe von besonderen Fights, die auch durch persönliche Animositäten und einen Mangel an Kooperation geprägt waren - und in unter Szenekennern auf ihre Art legendär sind.
Der legendäre Kampf gegen Muhammad Ali
Den fraglos berühmtesten Kampf bestritt Inoki 1976 allerdings mit Box-Legende Muhammad Ali. Das Aufeinandertreffen - mitorganisiert vom späteren WWE-Boss Vince McMahon - war keine abgesprochene Show: Inoki bestand auf einem realen Kräftemessen unter speziellen Regeln, die ein Vorbild für den von Inoki sehr verehrten und geförderten MMA-Sport wurden.
Inoki wich Alis Fäusten aus, indem er zumeist am Boden krabbelte und Ali mit schmerzhaft-brutalen Tritten gegen die Beine traktierte, die Folgeschäden behinderten Ali - Kampfgage: sechs Millionen Dollar - bis zum Ende seiner Karriere. Viele Beobachter außerhalb Japans hatten der Kampf jedoch nicht ernst genommen und ihn als unprofessionell bezeichnet. Inoki versuchte es über den Großteil des Kampfes nicht mit Wrestling-Griffen, sondern lag auf der Matte und trat gegen Alis Beine, während der Boxchampion um ihn herumkreiste.
Das groß vermarktete und kommerziell sehr erfolgreiche Duell - im Ergebnis von den Zuschauern irritiert aufgenommen - endete unentschieden, Ali und Inoki wurden danach gute Freunde.
Inokis politische Karriere und soziales Engagement
Der internationale Ruhm, den Inoki durch seinen Kampf gegen Ali erwarb verschaffte ihm 1978 auch eine Rolle im Hollywood-Film „Die Bären sind nicht zu bremsen“ mit Tony Curtis.
Lesen Sie auch: Mehr über Antonio Inoki
Inoki war seit 1989 auch politisch aktiv, saß in mehreren Parlamenten - stets mit einem roten Schal bekleidet. Das politisch-wirtschaftliche Netzwerk, das er im Lauf seines Lebens aufgebaut hatte, half ihm dabei, wichtige politische Fäden zu ziehen: Im ersten Golfkrieg handelte er im Irak erfolgreich die Freilassung japanischer Geiseln aus, dasselbe gelang ihm auch in Nordkorea - wo er 1995 die meistbesuchte Wrestling-Show der Welt veranstaltete. Seinen Kampf mit Flair in Pjöngjang bei „Collision in Korea“ sahen im Stadion 1. Mai angeblich 190.000 Fans. Auch unabhängige Experten berichten, dass tatsächlich 165.000 Zuschauer vor Ort waren.
Er setzte sich für den »Frieden durch Sport« ein und unternahm mehr als 30 Reisen nach Nordkorea, in der Hoffnung, für Frieden und Freundschaft zu sorgen.
Zu Inokis politischer Karriere gehören auch Wunderlichkeiten wie seine 2017 erhobene Forderung, in der Regierung eine offizielle Position zum Thema Außerirdische zu schaffen - da er ein mysteriöses Flugobjekt am Horizont gesehen habe.
Inokis Erfolge im Überblick
Hier ist eine tabellarische Übersicht einiger von Inokis bemerkenswertesten Erfolgen:
| Erfolg | Details |
|---|---|
| Gründung von NJPW | 1972 gründete er New Japan Pro Wrestling, die bis heute wichtigste Liga in Japan. |
| Kampf gegen Muhammad Ali | 1976 bestritt er einen legendären Kampf gegen Box-Ikone Muhammad Ali, der als Vorläufer des MMA gilt. |
| Politische Karriere | Ab 1989 war er politisch aktiv und saß in mehreren Parlamenten. |
| Friedensbemühungen | Er setzte sich für den Frieden durch Sport ein und reiste über 30 Mal nach Nordkorea. |
| WWE Hall of Fame | 2010 wurde er in die WWE Hall of Fame aufgenommen. |
Inokis Tod und Vermächtnis
Als Inoki am 1. Oktober 2022 im Alter von 79 Jahren starb, spiegelte sich sein Rang in der politischen Sphäre auch in Beileidsbekundungen hochrangiger internationaler Würdenträger wieder, etwa von Shehbaz Sharif, dem Premierminister Pakistans. Er würdigte Inoki als großen Mann, „der eine ganze Generation verzaubert hat“.
