Antonio Inoki: Eine Karriere Zwischen MMA und Showkämpfen

Die Welt des Kampfsports hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Das klassische Profiboxen verliert an Bedeutung, während pompös inszenierter Klamauk und Showkämpfe immer populärer werden. In dieser Entwicklung spielen Crossover-Kämpfe zwischen Boxern und MMA-Kämpfern eine wichtige Rolle. Ein Pionier dieser Art von Veranstaltungen war Antonio Inoki, dessen Karriere sowohl im Wrestling als auch im MMA bemerkenswert ist.

Der Kampf gegen Muhammad Ali

Ein Meilenstein in Inokis Karriere war der Schaukampf gegen Muhammad Ali im Juni 1976 in Tokio. Damals ließ sich Ali, der Champion im Schwergewicht, auf einen Schaukampf mit dem japanischen Ringer Antonio Inoki ein. Weltweit verfolgten über eine Milliarde Menschen den Kampf über fünfzehn Runden mit besonderen Regeln. Inoki versetzte Ali auf dem Rücken liegend Fusstritte und verletzt dessen Schienbein; dieser verpasst dem Japaner während der ganzen Kampfdauer gerade einmal sechs Faustschläge. Die Peinlichkeit endet unentschieden. Die Zuschauer sind über die Farce derart erzürnt, dass sie Abfall in den Ring werfen und schreien: «Okane no haibu!» - Geld zurück!

Dieser Kampf war ein frühes Beispiel für die Vermischung von Kampfstilen und zog ein großes Publikum an. Es war vereinbart worden, dass jeder nach den Regeln seiner Sportart kämpfen konnte, weshalb Inoki im Ring lag und nach Ali trat, der um ihn herum tänzelte und keinen Schlag anbringen konnte. Nach 15 Runden war unentschieden. Alles was Ali mit nach Hause nahm, war eine Schienbeinverletzung.

Showkämpfe als neues Geschäftsmodell

In den letzten Jahren hat sich eine Entwicklung akzentuiert: Das klassische Profiboxen verschwindet zusehends, pompös inszenierter Klamauk ersetzt es. Das klassische Profiboxen begann nach der Jahrtausendwende seinen Niedergang: Legenden wie Tyson fehlten, und die unterschiedlichen Verbände lagen im Streit miteinander. So schafften es die Veranstalter immer seltener, die besten Boxer gegeneinander antreten zu lassen. Zeitgleich erlebte die Ultimate Fighting Championship (UFC), die grösste Organisation von MMA-Kämpfen, einen Boom.

Seit die Promotoren das kommerzielle Potenzial der MMA-Athleten erkannt haben, engagieren sie diese nun immer öfter für Schaukämpfe mit Boxern. Für einen solchen (und 300 Millionen Dollar) kehrte 2017 sogar der ungeschlagene Floyd Mayweather junior in den Ring zurück; den MMA-Star Conor McGregor bezwang er vorzeitig. Und im vergangenen Jahr besiegte der Schwergewichtler Tyson Fury den jüngsten MMA-Aufsteiger Francis Ngannou. Die pompös inszenierten Show-Events sind eine Mischung aus Faustkampf und Schauspiel. Mit dem Spektakel lassen sich im Internet mittels Pay-per-View Millionen verdienen. Genau deshalb mischen seit einem Jahrzehnt nun auch die Influencer im Box-Business mit.

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Die Kombination aus Battle, Kumpanei und Klamauk rechnet sich. Das hat nun auch Netflix gemerkt.

Weitere bemerkenswerte Crossover-Kämpfe

Neben dem Kampf zwischen Ali und Inoki gab es noch weitere bemerkenswerte Crossover-Kämpfe:

  • Floyd Mayweather junior vs. Conor McGregor (2017): Im August 2017 kommt es in Las Vegas zum Duell zwischen Floyd Mayweather junior, dem besten Boxer der vergangenen fünfzehn Jahre, und Connor McGregor, dem damals stärksten Fighter der Mixed Martial Arts. Der unbezwungene Mayweather ist eigentlich bereits zurückgetreten, kehrt für eine Börse von 300 Millionen Dollar aber nochmals in den Ring zurück. Mayweather junior nennt McGregor vor dem Fight einen «Zirkusclown», dieser beleidigt den Amerikaner rassistisch. Im Ring bezwingt Mayweather junior den grossspurigen Iren dann in der 10. Runde durch technischen K. o.
  • Tyson Fury vs. Francis Ngannou (2023): Im Oktober 2023 fordert er in seinem ersten Profi-Boxkampf den damaligen Schwergewichts-Weltmeister Tyson Fury heraus. Der Schaukampf wird in Saudiarabien als «Battle oft the Baddest» vermarktet. Ngannou dominiert Fury und schickt den 125-Kilo-Koloss in der dritten Runde auf die Bretter. Später erklären die Ringrichter Fury trotzdem zum Sieger nach Punkten.

Antonio Inoki - Ein Pionier des modernen Kampfsports

Antonio Inoki trug maßgeblich dazu bei, die Grenzen zwischen verschiedenen Kampfsportarten zu verwischen und neue Formen der sportlichen Unterhaltung zu schaffen. Sein Kampf gegen Muhammad Ali bleibt ein legendäres Beispiel für die potenziellen, aber auch kontroversen Aspekte solcher Crossover-Events.

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