Über Sieben Brücken Musst Du Gehn: Die Bedeutung eines Deutschrock-Klassikers

ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN ist der Titelsong des zweiten Albums der DDR-Rockgruppe Karat, der in einer Cover-Version von Peter Maffay deutschlandweit bekannt geworden ist. Bis heute hat der Ostrock-Hit „Über sieben Brücken mußt du gehn” nichts von seiner Faszination eingebüßt: Noch immer löst er Beifallsstürme aus, wenn Karat oder Peter Maffay die Song auf der Bühne performen.

I. Entstehung und Hintergrund

ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN entstand 1977 im Zusammenhang mit der Musik zu einem Film des DDR-Fernsehens nach einer gleichnamigen Novelle des Leipziger Schriftstellers Helmut Richter aus dem Jahr 1975. Regisseur Hans Werner war es gelungen, Ulrich “Ed“ Swillms für die Filmmusik zu gewinnen, Keyboarder der 1975 in Ostberlin gegründeten DDR-Rockgruppe Karat, der sich als Komponist mehrerer Hits bereits einen Namen gemacht hatte.

Im Verlauf der Dreharbeiten schlug Dramaturg Peter Jakubeit vor, den Film mit einem Titelsong zu versehen, der die erzählte deutsch-polnische Liebesgeschichte auf eine sinnbildhafte Ebene projizieren und zugleich als dramaturgischer Anker im Film fungieren sollte. Helmut Richter schrieb dafür einen Text, der die Titelzeile seiner Erzählung zum Kern einer ins Allgemeinmenschliche zielenden melancholischen Betrachtung über die Mühen des Lebens machte, und Ed Swillms komponierte dazu eine ebenso suggestive wie kongeniale Musik.

Die Gruppe Karat übernahm den Song sofort in ihr Repertoire und erhielt damit 1978 beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden den Grand Prix. Im gleichen Jahr erschien die Aufnahme des DDR-Fernsehens auf Amiga, dem Popmusik-Label der staatlichen Plattenfirma VEB Deutsche Schallplatten, als A-Seite einer Single.

II. Politische und gesellschaftliche Bedeutung in der DDR

ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN wurde in der DDR zu einem Hit als die Fassade des “real existierenden Sozialismus“ unübersehbare Risse bekam, die ein Jahrzehnt später dann mit dem Fall der Berliner Mauer zum Ende des SED-Staates führten. War es Anfang der 1970er Jahre mit Erich Honecker als Nachfolger von Walter Ulbricht in den höchsten Ämtern von Partei und Staat zunächst zu einer Phase der Liberalisierung gekommen, die u.a. mit der Förderung der einst bekämpften Rockmusik in der DDR vor allem bei der Jugend ein Gefühl des Aufschwungs auslöste, so brach dieser Prozess mit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 jäh ab.

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Mit einer damals schon nicht mehr für möglich gehaltenen Zuspitzung der Konflikte begann die DDR-Führung Andersdenkende systematisch auszugrenzen, was vor allem den Künstlern aller Genres und Sparten das Arbeiten zunehmend unmöglich machte. In der Konsequenz wurde auch die Rockmusik ab 1977 von einer Ausreisewelle getroffen, die das künstlerische Potenzial empfindlich dezimierte.

Zugleich begann eine Generation junger Musiker, inspiriert nicht zuletzt durch die Verweigerungshaltung des britischen Punk Rock, die Kompromisse aufzukündigen, die ihre Vorgänger um einer möglichst unbehelligten Entwicklung ihrer Musik willen noch eingegangen waren. Immer häufiger wurden die stillschweigend vereinbarten Tabus nun sowohl in den Texten wie auch in der Musik verletzt. Das wiederum nahm die SED zum Anlass für ein noch konsequenteres Vorgehen, was den Druck weiter erhöhte.

Vor diesem Hintergrund gab es für Musiker und Bands eigentlich nur die Alternative, wenn sie sich nicht mit Auftrittsverboten aus dem Land treiben lassen wollten, entweder auf die zermürbenden Auseinandersetzungen einzugehen und entsprechende Kompromisse zu machen oder aber zu versuchen, den Repressalien durch eine schwer greifbare und damit auch schwer angreifbare Metaphorik in den Texten zu entgehen. Karat hat letzteren Weg gewählt und schon auf dem ersten Album mit Songs wie “König der Welt“ (1978), “Märchenzeit“ (1978), später dann mit “Albatros“ (1979), “Schwanenkönig“ (1980) oder eben auch mit “Über sieben Brücken musst Du gehn” Musterbeispiele für eine solche diffuse Metaphorik geschaffen.

Die nicht selten kryptischen Texte bildeten die Stimmungslage aber so genau ab, dass diese Songs in der DDR durchweg zu Massenerfolgen wurden.

III. Musikalische Analyse des Songs

ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN ist eine klassische Rockballade in Strophenliedform. Der zweistrophige Song ist durchweg aus zweitaktigen melodischen Phrasen aufgebaut, die sich nur wenig voneinander unterscheiden und in auf- und absteigender Bewegung nicht mehr als den Tonraum einer Quinte durchschreiten.

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Das macht den Song nicht nur sehr einprägsam, sondern erzeugt eine eigenartig kreisende melodische Bewegung. Die Melodie scheint immer wieder neu anzusetzen. Die sechzehntaktigen Strophen sind aus zwei Achttaktern aufgebaut, die ihrerseits aus zwei Viertaktern zusammengesetzt sind. Die zweite Viertaktgruppe weicht harmonisch in die Moll-Parallele der Grundtonart aus, was den Zweitaktgruppen hier einen hinreichend kontrastierenden Charakter gibt, ohne dass der melodische Duktus um der Kontrastwirkung willen verändert werden musste. Legt man die Zweitaktgruppen zugrunde, dann ergibt das den folgenden Strophenaufbau: a a b b a a b b.

Einen besonderen Charakter erhält der Song aber dadurch, dass die zweitaktigen melodischen Phrasen immer erst verzögert, auf dem zweiten Viertel des ersten Taktes beginnen. Die immer wieder neu ansetzende kleinteilige Melodik scheint auf den achttaktigen Refrain, der den beiden Strophen jeweils nachgestellt ist, förmlich zuzulaufen ( nach der ersten Strophe durch die Textzeile “und dann such ich Trost in einem Lied“ effektvoll unterstützt).

Mit seinem hymnischen Charakter ist der Refrain der Kulminationspunkt des Songs. Es sind nur kleine Veränderungen an den melodischen Zweitaktgruppen, die die Verschiebung ins Hymnische bewerkstelligen. So ist die Melodiestimme im Refrain nicht mehr solo, sondern im chorischen Unisono gesungen. Sie setzt hier nicht um ein Viertel verzögert, sondern jeweils ein Viertel vor Taktbeginn ein. Die melodischen Phrasen werden damit auftaktig. Die Achtelfolge des melodischen Verlaufs ist durch zwischengeschobene Viertel unterbrochen, so dass Ruhepunkte in der Bewegung entstehen. Durch Überbindungen von Achteln sind Synkopen gesetzt, was den Melodieverlauf hier deutlich spannungsreicher als in den Strophen macht.

Obwohl der Gesamteindruck ein ganz anderer ist, sind die Zweittaktgruppen, aus denen sich der Refrain zusammensetzt, dennoch nichts anderes als eine modifizierte Variante der Zweitaktgruppen aus der Strophe. Der Refrain hat den Aufbau a’ b‘ a‘ b‘. Nach der zweiten Strophe wird er wiederholt und dient so zugleich als Outro. Es ist dieser ebenso einfache wie kunstvolle Aufbau, dem die ungebrochene Popularität dieses Songs geschuldet ist.

Zudem bilden Text und Musik hier nicht nur formal eine nachgerade perfekte Einheit. Den diffusen Erinnerungsbildern mit ihrer ungerichteten Sehnsucht, die die Strophen heraufbeschwören und die mit der Zeile “manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn“ den melodischen Duktus der Zweitaktphrasen geprägt haben, entspricht der zerfließende Klangcharakter, in denen nur die Singstimme Kontur besitzt.

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IV. Erfolg und Coverversionen

ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN wurde in der DDR immens populär. Sowohl die 1978 erschienene Single wie auch das 1979 erschienene Album waren Verkaufserfolge, auch wenn das damals nicht viel hieß, da die Auflagen in der DDR im vorhinein limitiert waren und die festgesetzte Auflagehöhe nur sehr bedingt etwas mit der realen Nachfrage zu tun hatte. Mit der Single platzierte sich die Band auf Platz 2 der DDR-Jahreshitparade hinter ihrem Titel “König der Welt“.

Das Album erschien noch im gleichen Jahr in der Bundesrepublik auf dem von dem Westberliner Rock-Promoter Peter Schimmelpfennig eigens für den Import von DDR-Rockmusik gegründeten Label Pool unter dem Titel “Albatros“ mit leicht geänderter Songfolge. ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN wurde als Single-Auskopplung dem Album vorausgeschickt. Durch das Radio wurde auch der westdeutsche Rocksänger Peter Maffay auf den Song aufmerksam und produzierte 1980 eine Cover-Version mit einem eigenem, von einem ausgedehnten Saxophonsolo geprägten Arrangement.

Seine Version trug erheblich dazu bei, dass ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN zu einem der populärsten deutschsprachigen Songs überhaupt werden konnte. Mit erfolgreichen Cover-Versionen sind später sowohl Xavier Naidoo im Duett mit dem türkischstämmigen Schweizer Popsänger Erkan Aki als auch der irische Pop-Sänger Chris De Burgh hervorgetreten, der unter dem Titel “Seven Bridges“ eine englischsprachige Version des Songs veröffentlicht hat. Eine recht eigenwillige Version hat auch das von fünf jungen Opernsängern gegründete deutsche Klassik-/Pop-Crossover-Projekt Adoro eingespielt.

Die Geschichte des Hits „Über sieben Brücken musst du geh´n“ beginnt in den 60iger Jahren im Leipziger Südraum, als Helmut Richter vom Bezirksvorstand Leipzig des FDGB den Auftrag erhält, die Errichtung des Braunkohlenkraftwerkes Thierbach literarisch zu begleiten. Es entstehen Reportagen, die unter dem Titel „Schnee auf dem Schornstein“ 1969 in einem kleinen Taschenbuch erscheinen und von der Zusammenarbeit, dem Zusammenleben und den Problemen der polnischen, sowjetischen, ungarischen und deutschen Bauarbeiter handeln. Doch plötzlich verändert sich alles, das Buch wurde aus dem Handel genommen. Die Erlebnisse auf der Thierbacher Großbaustelle lassen Richter aber nicht los und erarbeitet immer wieder an diesen Texten.

In der damaligen Volksrepublik Polen entwickelte sich dagegen eine Art von Weltoffenheit. Aus propagandistischen Gründen erhielt deshalb das DDR-Fernsehen 1977 den Auftrag, möglichst schnell einen Film zum Thema internationale Freundschaft, insbesondere mit dem polnischen Volk zu machen. Dabei besann man sich wieder auf die noch vor kurzem verpönte Geschichte von Helmut Richter. Der Fernsehfunk kaufte die Rechte und beauftragte Richter, das Szenarium für den Film zu schreiben. Es entstand das Drehbuch für eine deutsch-polnische Liebesgeschichte mit den Hauptfiguren Gitta Rebus, einer Chemielaborantin, und dem polnischen Bauarbeiter Jerzy Roman.

Einziger Drehort in der Region war das Bornaer Kulturhaus der Gewerkschaften DSF (Deutsch Sowjetische Freundschaft). Die Erstsendung des Filmes lief am 30. April 1978 im 1. Programm des Fernsehens der DDR. Unmittelbar nach seiner Ausstrahlung liefen in den Adlershofer Fernsehstudios die Telefonleitungen heiß. Noch im gleichen Jahr siegte die Gruppe Karat mit dem Lied beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden.

Als Peter Maffay den Song zum erstmal im Rundfunkhörte, war er sofort davon begeistert und bemühte sich um Kontakt zu den Karat-Leuten. Im Jahr 1980 besuchte er schließlich die Gruppe bei einem Konzert im hessischen Wiesbaden. Er bat die Band um Erlaubnis, den Titel nachspielen zu dürfen. Karat willigte ein und Maffay arrangierte das Lied neu. Da es Karat in den ersten Jahren der 1980er Jahre von Seiten des Kulturministeriums der DDR verboten war, im West-Fernsehen aufzutreten, wurde der Titel verstärkt mit dem Namen Peter Maffay verbunden.

Coverversionen

  • Karat
  • Peter Maffay
  • Aki* & Naidoo*
  • Adoro
  • Helene Fischer
  • Chris de Burgh

Hauptaussagen des Gedichts

  • Das Gedicht handelt von einem Lebensweg des lyrischen Ichs, welcher Probleme und Schwierigkeiten beinhaltet.
  • Nach den schlechten Zeiten des Lebens kommen gute Zeiten, die wieder Hoffnung bringen.
  • Die Überschrift des Gedichts findet sich im Refrain wieder.
  • Die Kernaussage des Gedichts drückt aus, dass das Leben voller Herausforderungen und Veränderungen ist sowie traurige Aspekte beinhaltet.

Rhetorische Stilmittel im Gedicht

  • Die zentrale Metapher des Gedichts sind die "sieben Brücken", die für Hindernisse und Herausforderungen im Leben stehen.
  • Die "Brücken", die "Türen" und der "Glücksstern" sind starke Symbole im Gedicht.
  • Das Gedicht enthält einige Kontraste, wie zum Beispiel "dunkel" und "hell".
  • Manche Verse bestehen aus einer klaren Subjekt-Prädikat-Struktur.
  • Die Sätze sind kurz, was dazu beiträgt, dass die Botschaft deutlich hervortritt.
  • Zum Beispiel die wiederholte Verwendung des Wortes "Manchmal", am Anfang mehrerer Verse, erzeugt eine Anapher.
  • In Vers 18 wird der Glücksstern personifiziert, indem ihm eine menschliche Eigenschaft zugeschrieben wird.

Struktur des Gedichts

  • Das Gedicht "Über sieben Brücken musst du gehen" besteht aus fünf Strophen und 28 Versen.
  • Die erste und dritte Strophe besteht aus 8 Versen.
  • Die zweite, vierte und fünfte wiederum aus 4 Versen.
  • Das Metrum des Gedichts ist trochäisch.
  • Das Reimschema des Gedichts ist abccdd.