Die Vize-Europameister im Kickboxen: Eine Erfolgsgeschichte

Der Kickboxsport hat in Deutschland eine lange Tradition und zahlreiche erfolgreiche Athleten hervorgebracht. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Erfolge, insbesondere die der Vize-Europameister, und würdigt die Pioniere dieses Sports.

Aktuelle Erfolge bei Europameisterschaften

Die Bayreuther Kickboxer Dawid Hilgers-Lehner und Marcus Walter waren bei der Europameisterschaft der World Amateur Kickboxing Organization (WAKO) in Athen erfolgreich. Die WAKO-Europameisterschaft fand vom 1. bis zum 10. November 2023 im Velodrom des olympischen Komplexes in Athen statt. Beide traten in der sogenannten Masterclass an, die die Jahrgänge 1985 bis 1968 umfasst.

Marcus Walter ist 51 Jahre alt und trat in der Gewichtsklasse über 94 kg an. Dawid Hilgers-Lehner trat in der Kategorie Pointfighting an, bei der Treffer nach jeder Aktion gewertet werden. Im Halbfinale wartete der Ire David Carthy, doch auch hier zeigte Hilgers-Lehner sein Können. Im Finale traf Hilgers-Lehner auf den Ungarn Peter Csikos, einen erfahrenen Gegner. Marcus Walter trat in der Kategorie Leichtkontakt an, bei der kontinuierlich gekämpft wird. Im Halbfinale traf er auf den irischen Weltmeister Stephen Jones. Im Endkampf stand Walter dem Engländer Alex Chalke gegenüber. Der Kampf war geprägt von harten Schlag- und Trittwechseln.

Auch zwei Nachwuchskickboxer aus Leutkirch, Movsar und Mohamad Sulimanov, nahmen dieses Jahr als Einzelsportler an der Kickbox-Europameisterschaft des Verbandes WTKA & AFSO teil. Die Europameisterschaft fand am 11. Zuvor nahmen die Brüder Sulimanov in diesem Jahr erfolgreich an internationalen Turnieren sowie an der Deutschen Meisterschaft teil und erkämpften dabei den ersten Platz als auch den zweiten Platz und qualifizierten sich für die Kickbox-Europameisterschaft 2021.

Mohamad Sulimanov hatte in seiner Altersklasse 13 - 15 Jahre unter 47 kg zwei Kämpfe zu kämpfen, im Finalkampf verlor er einen Punkt und wurde somit Silbermedaillengewinner und Vizeeuropameister 2021. Movsar Sulimanov, zweimaliger Vize-Weltmeister 2018 im Kickboxen, fünfmaliger deutscher Meister, sechsmaliger Meister internationaler Klasse, ist jetzt Europameister 2021 im Kickboxen.

Lesen Sie auch: Überblick: Judo Europameister

Weitere Erfolge bei der Europameisterschaft 2023

Bei der Europameisterschaft 2023 gab es weitere bemerkenswerte Leistungen deutscher Kickboxer:

  • Noel wurde Europameister 2023 und gewann Gold.
  • Hannah ist Vize-Europameisterin und gewann Silber.
  • Marlon gewann Bronze.
  • Noah ist Vize-Europameister und gewann Silber.
  • Quentin gewann Gold.
  • Fabian ist Vize-Europameister 2023 und gewann Silber.
  • Jule ist Vize-Europameisterin und gewann Silber.
  • Emma ist Vize-Europameisterin und gewann Silber.
  • Fynn wurde verdient Vize-Europameister und gewann Silber.
  • Thalia gewann den Titel der Vize-Europameisterin.

Eugen Ill wird Vize-Europameister

Ein weiterer toller Erfolg gelang Eugen Ill, der beim einzigen, vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannten Kickboxverband WAKO startet. Bei den Europameisterschaften in Athen wurde der ehemalige Sportsoldat trotz sehr kurzfristiger Vorbereitung sensationell Vize-Europameister Vollkontakt im Weltergewicht bis 67 kg.

Trainer Gerhard Johannes Walter vom TV 1868 Burghausen brachte es auf den Punkt: „Dieser Erfolg hat viele Väter. Zum einen den Athleten selbst, die Kadertrainer Kai Becker (DEG, d. Red.) und Peter Lutzney (ED, d. Red.), die Unterstützung durch den Freistaat Bayern und die Möglichkeiten des Heimtrainers. Entscheidend ist aber, ob der Wettkämpfer die Philosophie des Box-/Kickboxsports verinnerlicht hat, denn wahre Kampfsport-Champions verkörpern Werte und einen Ehrenkodex.“

In der ersten Begegnung landete Ill gegen den Polen Szymon Gaczynski einen lupenreinen Punktsieg. Der 24-jährige Salzachstädter übernahm von Anfang an das Geschehen und hatte in allen Situationen mehr präzise Treffer zu verzeichnen als sein Widersacher. Auch der zweite Wertungskampf gegen den griechischen Hausherren Michalis Kalouris verlief voll nach Plan. Ill, der sich boxerisch deutlich weiterentwickelt hat und jetzt von Beginn an die Initiative im Ring ergreift, führte bis zum Ende die Regie im Ring und landete einen überlegenen Sieg nach Punkten.

Gegen den Kroaten Robert Rezo stand jetzt der Einzug ins Finale auf dem Plan. Der Burghauser behauptete die Ringmitte und dominierte den Gegner jede der drei Runden deutlich, was am Ende erneut in einem komfortablen Punktsieg resultierte. Jetzt wartete der momentan versierteste Kämpfer im Aufgebot, der amtierende Weltmeister Lizana Crudad Jaime aus Spanien.

Lesen Sie auch: EM-Titel für deutsche Kickboxer

Der Spanier hat Größenvorteile und verfügt über eine enorme Reichweite. Zudem bewegte er sich effizient und verfügt über ein perfektes Schlagrepertoire mit Fuß und Faust. Ill nahm den Kampf sofort voll an und hielt gut dagegen, fand jedoch gegen die abgebrühte Kampfweise des Spaniers kein passendes, fortwährend durchschlagendes Rezept. Jaime feierte einen verdienten Punktvorsprung und verteidigte diesen bis zum Ende konsequent.

Historische Erfolge und Pioniere des Kickboxens

Bereits bei der Weltmeisterschaft 1983 in London in der Disziplin Semikontakt, sowie 1985 in London waren zwei Kickboxer des Landesverbandes von Niedersachsen sehr erfolgreich: Ludger Dietz und Rainer Walter aus Braunschweig, die jeweils eine Goldmedaille für Deutschland gewannen. Weitere Erfolge folgten bei den Europameisterschaften 1989 in Mestre/Italien sowie 1990 in Madrid/Spanien, wo Axel Briesenick vom AKBC-Wolfsburg im Leichtkontakt jeweils die Silbermedaille und 1992 in Kavala/Griechenland die Bronzemedaille gewann.

Bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart wurde Antony Spatola Weltmeister im Soft Style und brach damit die Erfolge der Amerikaner. Nur ein Jahr später konnte Antony Spatola noch einmal die Goldmedaillen bei den Weltmeisterschaften in Danzig/Polen gewinnen. Danach beendete er seine Sportlerkarriere.

Bei den Europameisterschaften 2000 in Moskau konnte Alex Melcher wieder einmal seine Weltklasse unter Beweis stellen und wurde Europameister in Vollkontakt. Heidi Hartmann aus Uphlen holte in Vollkontakt souverän die Silbermedaille.

Die "Hall of Fame" des Kickboxens

In der „Hall of Fame“ werden all diejenigen Sportler und Funktionäre aufgenommen, die große Taten und Leistungen vollbracht und dadurch den Kickboxsport nach vorne gebracht haben. Ohne diese Persönlichkeiten würde es den Sport Kickboxen in dieser Form nicht geben. An erster Stelle dieser Hall of Fame steht natürlich der Gründer der Sportart Kickboxen, Georg F. Brückner. Er ist der „Vater des Kickboxsports“, und ihm ist es zu verdanken, dass der Sport in der heutigen Form betrieben werden kann.

Lesen Sie auch: Die besten Kickboxerinnen Europas

Brückner organisierte die ersten Veranstaltungen und reiste durch ganz Europa, um Lehrgänge und Seminare zu geben. Er war der Gründer der WAKO und veranstaltete auch die ersten Welt- und Europameisterschaften in Deutschland. Weiterhin entwickelte er bereits zu den Anfangszeiten des Kickboxens eine Schutzausrüstung, die noch heute höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandard hält.

Auch Dr. Ludger Dietze ist eine prägende Figur des deutschen Kickboxens. Er begann 1977 mit dem Kickboxen über das Taekwondo und wurde 1983 Weltmeister im Semikontakt. Später war er Bundestrainer und Vizepräsident der WAKO.

Ferdinand Mack wurde viermal Europameister und viermal Weltmeister der Amateure. Von 1987 bis 2011 war er Bundestrainer im Vollkontakt-Kickboxen.

Peter Zaar ist seit 1990 Bundestrainer im Leichtkontakt Kickboxen und gilt als einer der erfolgreichsten Trainer Deutschlands. Seit 1990 modifiziert er das Prüfungsprogramm der WAKO Deutschland und wurde 1999 zum Präsidenten der WAKO Deutschland gewählt.

Werner Sossna begann 1979 mit dem Kickboxen und war später als Trainer und Funktionär tätig. Er ist eine Kickbox Legende.

Peter Harbrecht dominierte das Kampfgeschehen von 1977 bis 1979 und wurde 3x Deutscher Meister, 3x Europameister und 1x Weltmeister.

Peter Kruckenhauser begann 1978 mit dem Taekwondo und wechselte später zum Kickboxen. Er ist Präsident der WAKO Österreich und Gründer der Firma Budoland.

Andreas begann 1974 mit dem Kampfsport und wurde 1976 deutscher Jugendmeister. Er wurde Einzel- und Mannschaftsweltmeister im Semikontakt Kickboxen und war später Bundestrainer.

Birgid Sasse ist mit Sicherheit Deutschlands erfolgreichste Leichtkontakt Kickboxerin und Taekwondo Kämpferin aller Zeiten. Sie gewann insgesamt 10 Deutsche Meister Titel im Semi- und Leichtkontakt Kickboxen, sowie zwei Internationale Deutsche Meisterschaften und folgende Weltmeisterschaften der WAKO.

Gustav Baaden gehört zu den ersten Weltkampfrichtern im Kickboxen und kann auf eine Vielzahl von Deutschen- Europa- und Weltmeistern zurückblicken.