Die Entwicklung des Graduierungssystems ist eine Innovation Jigoro Kanos, die sich als ausserordentlich hilfreich bei der Verbreitung des Kodokan-Judo erwiesen hat. Bereits in den Schulen der traditionellen Kriegskünste (Koryu-bugei) gab es ein System der Anerkennung und Lizenzierung in meist fünf Stufen.
Bereits kurz nach Gründung des Kodokan nahm Kano eine Unterscheidung in Nicht-Graduierte (Mudansha) und Graduierte (Yudansha) vor. Die Graduierungen der Yudansha, also der DanTräger, wurden der Einfachheit halber durchnummeriert: 1. Dan, 2. Dan, 3. Dan usw. Das Dan-System war dem Gedanken folgend, dass Wissen und Können stets wachsen können, grundsätzlich nicht nach oben begrenzt.
Später (1935 und 1937) schuf er allerdings Fakten, indem er als höchsten Grad den 10. Dan verliehen hat und höhere Dan-Grade nicht mehr erwähnt wurden. Die Mudansha waren zunächst in drei Gruppen unterteilt. Nacheinander durchliefen die Schüler die Ränge (hei), (otsu), und (ko). Mit der zunehmenden Anzahl von Kindern wurden die drei Ränge der Mudansha verdoppelt, um häufigere Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
Es entstanden die Kyu-Grade (von Kyu: Rang, Klasse), die rückwärts gezählt wurden, vom Mu-Kyu (Anfänger ohne Kyu, später 6. Kyu) über den 5. Kyu, 4. Kyu usw. bis zum 1. Kyu. Im Jahr 1895 wurde die Dai-Nihon Butokukai (DNBK), die (Grossjapanische Vereinigung der Kriegskünste) gegründet, in der es Sektionen für Jujutsu, Kenjutsu (Kendo) usw. gab.
Interessant ist, dass der gesamte Bereich der Kyu·-Grade kaum reglementiert wurde. Erst etwa drei bis vier Jahre nach der Etablierung des Graduierungssystems, also ca. 1886/87 begannen die DanTräger des Kodokan schwarze Gürtel als Zeichen für ihre Graduierung zu tragen. Im Jahr 1923 galt z.B. - 5. bis 4. - 3. bis 1. Am 1. - 1. bis 5. - 6. bis 9. -10. - Erst im Januar 1943, wurde auch dem 9. Frauen, für die einige Sonderregelungen gelten, haben einen schmalen weissen Längsstreifen in ihrem Gürtel und tragen bereits ab dem 8. Rot-weisse und rote Gürtel gelten in Japan vorwiegend als zeremonielle Gürtel, die stets bei feierlichen Anlässen, aber nicht, oder nur selten im alltäglichen Training getragen werden.
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Wie sind Fortschritte in einem System zu bemessen, das neben technischen und kämpferischen Fertigkeiten auch Gesundheitsförderung, Charakterschulung und soziale Verantwortung als wesentliche Ziele betont? ln den 1925 gedruckten Regeln für Kyu- und Dan-Grade des Kodokan heisst es dazu in Artikel 10 (aus A. Bennett, 2009, S. Die Entscheidung über eine Graduierung basiert auf dem Charakter des Kandidaten, seinen Fertigkeiten in Kata und Randori, Wissen über Judo, Teilnahme am Judo-Training, Ergebnisse im Judo usw. d) ln Bezug auf das Wissen über Judo müssen Kandidaten für den 1.
Um graduiert zu werden, muss ein Kandidat, bis einschliesslich zum 8. Dan(!) eine bestimmte Anzahl an Gegnern im Wettkampf besiegen und so die Punkte für die nächste Graduierung sammeln. Der Bereich Kata wird bei höheren Dan-Graden durch öffentliche Vorführungen nachgewiesen. Für hohe DanGrade erfolgen diese auf entsprechend hochrangigen Veranstaltungen.
So musste z.B. der mehrmalige Weltmeister und Olympiasieger Yasuhiro Yamashita für die Graduierung zum 8. Ein wie in Deutschland (oder der Schweiz) detailliert festgelegtes technisches Programm, dessen Beherrschung durch eine Kommission geprüft wird, gibt es in den japanischen Prüfungsrichtlinien nicht, weder früher noch heute.
Jigoro Kano war der Ansicht, dass die Beurkundung einer neuen Graduierung und eine öffentliche Würdigung den Stolz und damit die Motivation der erfolgreichen Kandidaten anregen würde. Die ersten Graduierungsurkunden wurden bereits 1894 gedruckt, bis dahin waren sie handschriftlich abgefasst.
Im selben Jahr fand auch die erste grosse Verleihungszeremonie im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für das Dojo in Shimotomizaka-cho mit 103 zu Ehrenden statt. 1., 2. und 3. (Der Halter dieses Zertifikats hat grosse Anstrengungen im Studium von Nihon-den-Kodokan-Judo unternommen und ausreichende Fortschritte gemacht, um mit dem 1. (2./3.) Dan ausgezeichnet zu werden. 4. und 5. (Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat der Halter dieses Zertifikats grosse Anstrengungen beim Studium von Nihon-denKodokan-Judo unternommen, grosse technische Fähigkeiten gezeigt und wird hierfür mit dem 4. (5.) Dan ausgezeichnet. 6. (Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat der Halter dieses Zertifikats grosse Anstrengungen beim Studium von Nihon-den-Kodokan-Judo unternommen, eine Meisterschaft in der Technik demonstriert und wird hierfür mit dem 6. Dan ausgezeichnet. Der 1.
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Auffällig ist ferner, dass alle Beurkundungstexte mit der Aufforderung schliessen, weiter zu studieren. ln der Anfangszeit des Kodokan entschied Jigoro Kano noch persönlich über jede Graduierung. Mit zunehmender Verbreitung war dies aber nicht mehr möglich. Nach und nach wurden Gremien eingesetzt, die über Regularien formaler und inhaltlicher Art beschlossen, Vorschläge zu Graduierungen sichteten und Entscheidungen darüber trafen. Das Graduierungssystem wurde konsequent als Mittel der Motivation von aussen entwickelt. Das Kyu-/Dan-System bestimmte auf diese Weise also wesentlich die Hierarchie innerhalb des Dojo. Das Kyu-/Dan-System ist ein zweischneidiges Schwert.
Die folgende Übersicht zeigt die ersten Graduierten für jeden Dan-Grad und die vollständige Liste aller Träger des 10.
| Dan | Information |
|---|---|
| 1. bis 9. Dan | [Information fehlt im Originaltext] |
| 10. Dan | 10. 10. 10. 10. 10. 10. 10. 10. 10. 10. |
Es dauerte 18 Jahre von der erstmaligen Verleihung eines 8. Dan bis zur Verleihung eines 9. Dan, aber nur fünf Jahre bis der so ausgezeichnete Yoshitsugu Yamashita posthum mit dem 10. Auf relativ viele Verleihungen eines 10. Dan zwischen 1945 und 1948 folgte für einen Zeitraum von 19 Jahren überhaupt keine Verleihung eines 10.
Die nächsten vier Verleihungen eines 10. Erst wieder 1984 wurde einem lebenden Judoka der 10. Es dauerte weitere 22 Jahre, bis der 10. Die Gründe hierfür liegen unter anderem darin, dass sowohl Kyuzo Mifune (1965) als auch Sumiyuki Kotani (1991) als zu dieser Zeit einzige lebende Träger des 10.
Nils Stump gelingt an der Judo-EM in Lissabon ein Exploit. Der 24-jährige Zürcher Oberländer gewinnt als Dritter seine erste EM-Medaille. Stump gewann vier seiner fünf Kämpfe, darunter auch jenen im Viertelfinal gegen den zweifachen Europameister Tommy Macias aus Schweden. Einzig im Halbfinal gegen den späteren kosovarischen Europameister Akil Gjakova musste er sich mit Ippon im Golden Score geschlagen geben.
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Für Stump, der noch um die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio kämpft, ist es der bislang grösste Erfolg. Völlig aus dem Nichts kam dieser nicht: An der letzten EM war er vor fünf Monaten Fünfter geworden, und vor zwei Jahren hatte er seinen ersten Weltcupsieg errungen.
Es fehlte wirklich nicht viel für seine erste Medaille bei den Elite Europameisterschaften. Nach einem Freilos wartete im ersten Kampf eine bekannte Herausforderung. Gegen Giovanni Esposito (ITA) war Nils im Verlauf seiner Karriere bereits zweimal unterlegen, zuletzt beim Grand Prix in Tel Aviv (ISR) 2019. Nach einem weiteren Sieg gegen Guillaume Chaine (FRA) warte Tommy Macias im Viertelfinal. Die Weltnummer 6 aus Schweden zeigte seine Klasse und ging mit einer Waza-Ari-Wertung in Führung.
Doch es blieb genug Zeit für den Ausgleich. Und Nils liess sich nicht zweimal bitten, glich bei der nächsten Gelegenheit mit einer Kontertechnik aus, gefolgt von einem erfolgreichen Festhaltegriff. Die Chancen für den Finaleinzug standen an diesem Tag mehr als gut, denn der nächste Kontrahent Victor Sterpu (MDA) rangierte ein paar Stellen hinter dem Schweizer in der Weltrangliste. Doch dieser wusste zu überraschen! Sterpu verdiente sich seinen Sieg durch sein Kontakt-Judo und punktete vorzeitig mit Ippon. Somit ging es für Nils noch um Bronze.
Der kleine Final war eine Reprise des GS-Budapest-Finals gegen den Vize-Olympiasieger Rustam Orujov (AZE). Nils startete hervorragend und punktete mit einem Waza-ari. Doch so schnell die Führung kam, so schnell war der Medaillentraum wieder geplatzt. Orujov setzte in der unmittelbar nächsten Aktion zum O-Soto-Gari an und wurde mit vollem Punkt belohnt. Trotz guter Leistung resultierte am Ende ein undankbarer, fünfter Rang für Nils.
Fabienne Kocher traf in ihrer Startrunde auf die Ungarin Reka Pupp (WNr. 26), die zuvor das Duell gegen Cristina Blanaru (MDA) gewinnen konnte. Die beiden Athletinnen lieferten sich ein Duell auf Augenhöhe, das schliesslich im Goldenscore verlängert wurde. Charline Van Snick (BEL), ihres Zeichens Weltnummer 11, lautete die Aufgabe im Hoffnungslauf. Die Athletin vom JC Uster dominierte diesen Kampf über weite Strecken und führte bis kurz vor Schluss mit zwei Strafen. Möglicherweise ist dieses Urteil der Sichtweise als «Schweizer Fan» geschuldet - doch hätte die dritte Bestrafung nicht längst erfolgen dürfen? Ärgerlich, natürlich!
Als einziger Schweizer Judoka hat sich Sergei Aschwanden für Peking qualifiziert. Nun will er endlich auch an Olympia für Furore sorgen. Aschwanden (32) gehört zur Weltspitze, gilt aber trotz Podestplätzen in den beiden letzten Weltcup-Turnieren vor Olympia nicht mehr wie früher als «heisser» Schweizer Medaillentipp. Aber die gedämpfte Erwartungshaltung könnte seinem Nervenkostüm dienlich sein.
Der in Bussigny-près-Lausanne lebende Sohn eines Urners und einer Kenianerin war an den letzten zwei Olympischen Spielen jeweils nach dem ersten Kampf der 81kg-Kategorie auf der Strecke geblieben. Mittlerweile kämpft Aschwanden in der Kategorie bis 90kg. Auch das Umfeld hat sich verändert, kümmert sich doch ein ganzer Stab von Fachkräften wie Ärzte, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Sponsoren darum, optimale Trainingsbedingungen für den ehrgeizigen Judoka zu ermöglichen.
Falls der Romand in Peking unter die ersten drei gelangen sollte, wäre er der erste Schweizer, der nicht nur an EM und WM, sondern auch an Olympischen Spielen mindestens eine Medaille gewinnt. Der zweifache Europameister Aschwanden sicherte sich an den WM 2001 Bronze und 2003 Silber im Limit bis 81 kg.
Nils Stump hat sich an der Judo-WM in Doha sensationell zum Weltmeister gekürt. Der 26-Jährige gewann in der Kategorie bis 73 kg sämtliche fünf Kämpfe und holte als erster Schweizer überhaupt WM-Gold. Im Final setzte sich Stump gegen den Italiener Manuel Lombardo durch.
Stump, der zuvor noch nie an einem offiziellen Turnier gegen Lombardo angetreten war, übernahm im finalen Kampf schnell die Initiative, verpasste aber vorerst die Entscheidung. Nach Ablauf der regulären Kampfzeit von vier Minuten ging der Kampf in den «Goldenscore». Bei seinem Seoi-nage-Angriff stützte sich Lombardo unerlaubterweise auf dem Kopf ab, was mit der Disqualifikation bestraft wurde. Die darob zunächst etwas getrübte Freude wich bei Stump aber schnell dem Jubel.
Bislang standen die WM-Silbermedaillen von Sergei Aschwanden (2003) und Eric Born (1993) als grösste Schweizer Erfolge an Judo-Weltmeisterschaften zu Buche. An Olympischen Spielen holte Jürg Röthlisberger einst Gold (1980) und Bronze (1976), Eric Hänni liess sich 1964 die Silbermedaille umhängen.
In jüngster Vergangenheit hatte Stump sein Potenzial immer wieder angedeutet. Im Oktober 2022 triumphierte er beim Grand-Slam-Turnier in Abu Dhabi und gewann damit als erster Schweizer Judoka überhaupt einen Wettkampf auf dieser Stufe. Im Februar doppelte er in Tel Aviv nach, im März schaffte er es in Taschkent als 3. zum dritten Mal in Folge an einem Event dieser Grössenordnung auf das Podest. In der Weltrangliste gehört der Zürcher seit geraumer Zeit zu den Top 10 seiner Gewichtsklasse, aktuell wird er auf Platz 9 geführt.
Für Stump ist es die zweite Medaille an einem Grossanlass. An den Europameisterschaften in Lissabon holte er 2021 die Bronzemedaille. An den selben Titelkämpfen kürte sich übrigens Finalgegner Lombardo zum Europameister, damals aber in der Kategorie bis 66 kg.
