Dieser Artikel beleuchtet die Erfolge deutscher Karateka, die sich auf internationaler Ebene einen Namen gemacht haben. Ein besonderer Fokus liegt auf den Weltmeistern und den Personen, die durch ihre Leistungen und ihr Engagement den Karate-Sport in Deutschland geprägt haben.
Die Erfolge von Thomas Nitschmann
Thomas Nitschmann ist eine prägende Figur im deutschen Karate. Alles natürlich nicht absehbar, als er 1984 mit 14 Jahren zum Karate kommt. Sein Bruder Michael weiß Rat und nimmt ihn mit zum USC Duisburg. „Das 1:1, die Partnerübungen, der Kampf, das hat mich sofort fasziniert.“ Trainer Manfred Kulke sei ein „sehr flexibler Karateka“ gewesen.
Er unterrichtet auch Anfänger früh im Bunkai, in der Selbstverteidigung und im Kumite. Mit Kata-Abläufen ist der 7. Dan nicht in Verlegenheit zu bringen. Sein Herz schlägt aber für das Kumite. Als Grüngurt kämpft er mit 15 Jahren sein erstes Turnier. Es gibt keine Alters- und Gewichtsklassen - und keine Faustschoner. Nitschmann kommt prompt ins Krankenhaus. Eine Augenbraue muss geklebt werden.
Vorher geht sein Weg im Wettkampf nur steil nach oben. 1989 holt der Duisburger die NRW-Landesmeisterschaft und den Deutschen Vizemeistertitel in der Allkategorie. Fünf Jahre nach dem Karate-Einstieg. „Damals wurde nicht nominiert, die ersten Fünf der DM kämpften in jeder Gewichtsklasse den EM-Startplatz aus.“ Nitschmann setzt sich in der Allkategorie durch und glaubt, er könne nicht mehr verlieren.
Am zweiten EM-Tag kämpft das Team um Bronze gegen die Türkei. Es steht 2:2. Thomas Nitschmann gewinnt den entscheidenden Kampf und seine erste EM-Medaille. Eine steile Lernkurve. „Die Tür zur Nationalmannschaft war offen.“ Nitschmann nutzt seine Chance und kämpft elf Jahre mit dem Bundesadler auf dem Gi. Anfängerfehler macht er nicht mehr und stürmt bis 2000 von Erfolg zu Erfolg.
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Er belegt Platz drei bis 80 Kilogramm bei der WM 2000 in München und wird Vizeweltmeister im Team. Denn einzig der Welt- und Europameistertitel bleiben dem 52-Jährigen verwehrt. 1997 wird er Vizeeuropameister, belegt acht dritte Plätze bei Europameisterschaften, gewinnt dreimal den Shotokan World-Cup und den Shotokan Europa-Cup. Eine einzigartige Karriere im deutschen Karate nimmt ihren Lauf.
Thomas Nitschmann gewinnt dreimal die Dutch-Open, dazu die French-Open, die British Open und die Finnish Open. Nitschmann macht sein eigenes Ding und zieht das auch durch. Und er macht kein großes Aufheben darum. Sein Ruhm ist ihm fast peinlich.
Seit 2004 arbeitet er als DKV-Bundestrainer für Jugend und Junioren. „Da sind 13 bis 14 Urlaubstage pro Jahr nur für Karate draufgegangen.“ 2007 übernimmt Nitschmann die Leistungsklasse der Damen. Die sportlichen Verpflichtungen nehmen weiter zu. Anfang 2008 will er deshalb kündigen. Das Zaudern entpuppt sich als Glücksfall.
17 Jahre bleibt der Duisburger im Amt. Er wird der erfolgreichste deutsche Karate-Bundestrainer aller Zeiten und gewinnt mit seinen Aktiven alle Titel im Welt-Karate. Horne gewinnt die World Games, wird Weltmeister und mehrfach Europameister. Kora Knühmnann erringt zwei Welt- und sieben Europameisterschaften. Das deutsche Damenteam holt WM-Gold, das Herren-Team wird Europameister.
Standesgemäß verabschiedet sich Thomas Nitschmann 2021 bei der Europameisterschaft. Es gibt Gold für Jonathan Horne und das Kumite Damen Team sowie zweimal Vize-Titel für Shara Hubrich und Jana Messerschmidt. „Ich will Deutschland an die Weltspitze führen“, schreibt Nitschmann 2007 in die Prüfungsarbeit zum 4. Dan. Ein Prüfer belächelt diese Aussage. „2008 sind wir erstmals mit dem Frauen-Team Weltmeister geworden“, sagt der Bundestrainer a. D.
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Nitschmann blickt nach vorn und hat Pläne. „Mit 52 ist das Leben noch nicht vorbei“, sagt er lachend. Die Flamme brennt noch, auch als KDNW-Landestrainer. „Wir sind sehr froh, dass wir diesen herausragenden Sportler und Trainer als Landestrainer gewinnen konnten“, sagt Rainer Katteluhn (8. Dan).
Er könne Niederlagen ganz schlecht wegpacken. Genau festzuhalten sind jedenfalls die Erfolge, die Thomas Nitschmann mit seinen Kaderaktiven errungen hat.
Jonathan Horne: Ein Goldtraum in Tokio
Für Jonathan Horne und die anderen deutschen Karateka ist 2020 ein besonderes Jahr - in Japan wird ihre Sportart zum ersten und vorerst einzigen Mal olympisch sein. Jonathan Horne träumt von Gold in Tokio.
Für den 31-jährigen Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen geht mit der Aufnahme seiner Sportart ein lang gehegter Traum in Erfüllung. „Olympia ist für jeden Leistungssportler das größte Ziel - einfach, weil es die größte Bühne der Welt ist“, sagt Horne, der in seiner beeindruckenden Karriere außer WM-Gold noch zwei weitere WM-Medaillen, bislang fünf EM-Titel und die World Games gewonnen hat.
Horne sagt deshalb:„Wenn ich schon einmal da bin, dann will ich natürlich auch die Goldmedaille holen.“ Zuvor muss sich der 1,94-Meter-Hüne aber noch für die Wettkämpfe in Tokio qualifizieren. Nach aktuellem Stand wäre Horne als Zweiter der Olympia-Rangliste in seiner Gewichtsklasse über 84 kg mit dabei.
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Horne träumt davon, gemeinsam mit seinem guten Kumpel, Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, an den Spielen teilzunehmen. Für Horne wartet bei der Premiere im ehrwürdigen Nippon Budokan, errichtet für die Judo-Wettkämpfe bei den Olympischen Spiele 1964, noch eine andere Herausforderung: Weil für das Olympia-Turnier einzelne Gewichtsklassen zusammengelegt werden, muss der 84+ kg-Weltmeister auch mit leichteren Athleten zurechtkommen.
Wie er mit den leichteren Konkurrenten zurechtkommt, wird spannend - zu den Medaillen-Favoriten für Tokio gehört Jonathan Horne aber so oder so. Auch, weil er nach mehreren vergebenen Anläufen bei Weltmeisterschaften inzwischen sein Mindset geändert hat.
Ehrung verdienter Persönlichkeiten im Karate
Erstmalig wurde am 24.11.2018 in München der Deutsche Karate Award verliehen. In der Laudatio auf Fritz Nöpel bezeichnete DKV-Präsident Wolfgang Weigert das Leben des jetzt 83-Jährigen als einmalig. Er lenkte den Fokus auf die abenteuerliche Weltreise in den 1950er Jahren des damals Neunzehnjährigen Fritz, die ihn auf Umwegen nach Japan brachte, wo er bei Meister Tomuharu Kisaki das Karate kennen lernte.
Seit 60 Jahren ist er im Karate aktiv, seit über 50 Jahren pflegt er das GOJU-Ryu Karate-Do in Deutschland, steht für Integration, Offenheit, Toleranz und technischer Brillianz. Er trägt heute den 10. Dan, ist höchster Dan-Träger und ranghöchster Dan-Prüfer in Deutschland. Er war Mitbegründer der EGKF und des GKD.
Die laudatio für Albert Singer, den erfolgreichsten Para-Sportler, hielt Dr. Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turnerbundes. Albert Singer kommt aus Vaihingen /Enz. Er begann das Karatetraining mit 14 Jahren. Er trainierte fleißig und zeigte Talent.
Nur sechs Jahre später wurde er zum erfolgreichsten Karateka der Menschen mit Behinderungen. 2013 erkämpfte er sich Platz 7 bei der DM, 2014 und 2015 erreichte er Platz drei. 2016 wurde sein Jahr: Albert Singer wurde Deutscher Meister und später sogar Weltmeister.
Weitere Erfolge und Auszeichnungen
Die Liste der Gäste und Laudatoren liest sich wie das Who-Is-Who des Deutschen Sports und der Politik: Die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer war anwesend, außerdem Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, Vizepräsidentin des DOSB.
Vor den Kumite-Finalkämpfen wurden Helga Balkie, Thomas Nitschmann, Sophie Wachter, Philip Jüttner, Jonathan Horne und Ralf Brünig von DKV-Präsident Reinhard Schmidt-Eckhardt und DKV-Vize-Präsidentin Kathrin Brachwitz geehrt.
Nitschmann, 17 Jahre lang als Bundestrainer in Diensten des Dach-Verbandes, erhielt die DKV-Ehrenmedaille in Platin - die höchste Auszeichnung, die der Verband zu vergeben hat. Jonathan Horne wiederum ist der erfolgreichste Karateka der jüngeren Vergangenheit gewesen. Olympia-Teilnehmer, Welt- und Europameister, World-Cup-Sieger und mehrmaliger Deutscher Meister, um nur einige seiner größten Erfolge zu nennen, sind in seiner Vita hinterlegt. Für diese Leistungen gab es die DKV-Ehrenmedaille in Gold.
Ergebnisse der Deutschen Meisterschaft 2024 (U21)
Bei den Deutschen Meisterschaften wurden folgende Ergebnisse erzielt:
- U21 (weiblich): Jessica Vlai (Asia Sports Waldkraiburg)
- U21 (männlich): Aaric Liam Lück (Karate-Schule Nippon Bremerhaven)
Europameisterinnen 2024
Die Europameisterinnen im Kumite-Team 2024 sind Reem Khamis, Mia Bitsch und Madeleine Schröter.
Hall of Fame des Kickboxens
In der „Hall of Fame" werden Sportler und Funktionäre geehrt, die den Kickboxsport vorangebracht haben. Dazu gehören:
- Georg F. Brückner (Gründer des Kickboxens)
- Dr. Dr. Ludger Dietze (Weltmeister im Semikontakt)
- Ferdinand Mack (mehrfacher Europa- und Weltmeister)
- Peter Zaar (Bundestrainer im Leichtkontakt)
- Peter Harbrecht (mehrfacher Deutscher-, Europa- und Weltmeister)
- Michael Kuhr (Vize-Weltmeister)
Erfolge bei Deutschen Meisterschaften
Die Deutschen Meisterschaften bringen regelmäßig neue Talente hervor. Einige Beispiele:
- 2023: Janne Haubold (Sport- und Karateschule Stassfurt)
- 2023: Philipp Walger (Team Fightclub Westerwald)
- 2023: Reem Khamis (Harburger TB)
- 2023: Tim Steiner (MTV Ludwigsburg)
- 2023: Gizem Bugur (SC Banzai Berlin)
- 2023: Muhammed Özdemir (TSG Wiesloch)
- 2023: Konstantinos Papastergios (MTV Ludwigsburg)
- 2023: Lukas Grimm (SV Unsu Mömlingen)
- 2023: Jasmin Jüttner (SC Judokan Frankfurt)
Weitere bemerkenswerte Karateka
Neben den bereits genannten Sportlern gibt es viele weitere Karateka, die durch ihre Leistungen und ihr Engagement den Sport in Deutschland bereichert haben. Dazu gehören:
- Birgid Sasse (mehrfache Weltmeisterin im Leichtkontakt Kickboxen und Taekwondo)
- Gustav Baaden (Mitbegründer der WAKO Germany)
- Rüdiger Hermann (ehemaliges Mitglied der Nationalmannschaft)
- Peter Blankenburg (Mitgründer der WAKO Germany)
Diese Athleten und Funktionäre haben dazu beigetragen, dass Karate und Kickboxen in Deutschland eine feste Größe im Sport geworden sind.
Tabellarische Übersicht einiger Deutscher Karate Erfolge
| Name | Erfolge |
|---|---|
| Jonathan Horne | Weltmeister, mehrfacher Europameister, World Games Sieger, Olympia-Teilnehmer |
| Albert Singer | Deutscher Meister, Weltmeister (Para-Karate) |
| Birgid Sasse | Mehrfache Weltmeisterin (Leichtkontakt Kickboxen, Taekwondo) |
| Thomas Nitschmann | DKV-Ehrenmedaille in Platin, Erfolgreichster Bundestrainer |
