Deutschlands Judoka sorgen international immer wieder für Erfolge. So gab es bisher drei Olympiasiege, bei den Männern durch die Halbmittelgewichtler Frank Wieneke (1984 in Los Angeles) und Ole Bischof (2008 in Peking), als einzige deutsche Frau triumphierte Yvonne Bönisch 2004 in Athen.
Ole Bischof: Ein Vorbild im Judo
Ole Bischof ist einer der erfolgreichsten Judoka Deutschlands: Olympiasieger in Peking 2008, Vize-Olympiasieger in London 2012, dazu WM-Dritter und Europameister. In Paris ist der 45-Jährige für Eurosport als Experte im Einsatz.
Sportliche Laufbahn von Ole Bischof
- 1992: Beginn mit dem Judosport bei der TSG Reutlingen
- Mit 18 Jahren: Deutscher Meister in der Altersklasse U 21
- 2001: Deutscher Meister
- 2004: Deutscher Meister
- 2004: Silbermedaille/Vize-Europameister
- 2005: Goldmedaille/Europameister
- 2008: Goldmedaille/ Olympische Spiele in Peking
- 2009: Sieger New York Open
- 2009: Bronzemedaille/Weltmeisterschaft
- 2010: Grandprix Sieger
- 2011: Bronzemedaille/Europameisterschaft
- 2011: Grandprix Sieger
- 2012: Silbermedaille/ Olympische Spiele in London
- 2011: Bronzemedaille/Europameisterschaft
- 14 Medaillen bei Weltcups
- Mannschaftskapitän der Deutschen Judo-Nationalmannschaft
- Spezialtechniken: Seoi-Nage und Uchi-Mata
Auf dem Weg zu seinen Erfolgen musste Ole Bischof am eigenen Körper erfahren wie wichtig es ist, Schwierigkeiten entschlossen entgegen zu treten. Nur so konnte er in den Stadien von Tokio, Seoul, Paris oder Rio vor bis zu 15.000 Zuschauern bestehen.
Der diplomierte Volkswirt ist für ein großes internationales Unternehmen im Bereich Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfung tätig.
Lassen Sie sich vom olympischen Traum begeistern: ein Weg voller Leidenschaft, Emotionen und harten Rückschlägen. Transfer Impulse für die Anwendung im Unternehmen und Privatleben erhöhen die Nachhaltigkeit seiner Vorträge.
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Das Deutsche Judo-Team für Paris 2024
Mit großer Freude und Stolz präsentieren wir hier den Olympiakader des Deutschen Judo-Bundes (DJB) für die bevorstehenden Olympischen Spiele in Paris. Nach der Nominierung durch den DOSB sind nun zehn Judoka, sechs Frauen und vier Männer, für das Olympiateam nominiert.
Am 27. Juli starten die deutschen Judoka in der Champ de Mars-Arena in Paris in die Olympischen Sommerspiele. Nach drei Medaillen bei den vergangenen Spielen in Tokio (1x Silber und 2x Bronze) rechnet sich die zehnköpfige deutsche Mannschaft auch in Paris Medaillenchancen aus.
„Wir sind sehr erfreut über die frühzeitige Nominierung unserer Judoka durch den DOSB. So können sich unserer Sportler durch weitere Trainingsmaßnahmen zielgerichtet auf Olympia vorbereiten. Diese herausragenden Judoka haben sich durch unermüdlichen Einsatz, Disziplin, Leidenschaft und einem harten Konkurrenzkampf ihren Platz im Team Deutschland verdient. Ein großer Dank gilt auch den anderen Kämpferinnen und Kämpfern aus dem deutschen Team.
Für Eurosport-Experte Ole Bischof zählt vor allem die zweimalige Judo-Weltmeisterin Anna-Maria Wagner zu den Medaillenkandidaten. "Sie ist absolute Favoritin", erklärt der gebürtige Reutlinger im Exklusiv-Interview. Zusammen mit Basketball-Weltmeister Dennis Schröder wird Wagner bei der Eröffnungsfeier am Freitag die deutsche Fahne tragen.
Nominierte Judoka für Olympia 2024
- Anna-Maria Wagner (78 kg / KJC Ravensburg)
- Mascha Ballhaus (52 kg / TH Eilbeck)
- Miriam Butkereit (70 kg / SV Halle)
- Pauline Starke (57 kg / Judo-Team Hannover)
- Renée Lucht (+78 kg / HT16)
- Katharina Menz (48 kg / TSG Backnang)
- Igor Wandtke (73 kg / Judo-Team Hannover)
- Timo Cavelius (81 kg / PTSV Hof)
- Erik Abramov (+100 kg / UJKC Potsdam)
- Eduard Trippel (90 kg / JC Rüsselsheim)
Angeführt wird unser Olympiateam von der frisch gebackenen Weltmeisterin Anna-Maria Wagner (78 kg / KJC Ravensburg), die sich national gegen Alina Böhm durchgesetzt hat. WM-Bronzegewinnerin Mascha Ballhaus (52 kg / TH Eilbeck) ist ebenso nominiert wie Miriam Butkereit (70 kg / SV Halle), die in Giovanna Scoccimarro eine starke nationale Konkurrentin hat.
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Pauline Starke (57 kg / Judo-Team Hannover) und Renée Lucht (+78 kg / HT16) sind ebenso qualifiziert wie die beiden Männer Igor Wandtke (73 kg / Judo-Team Hannover) und Timo Cavelius (81 kg / PTSV Hof). Mit dabei ist auch Katharina Menz (48 kg / TSG Backnang), die mit ihrem 1. Platz in Tahiti noch die Nominierung bekommen hat. In der Gewichtsklasse +100 kg wurde der zweifache deutsche Meister Erik Abramov (+100 kg / UJKC Potsdam) nominiert.
Abschließend ist dann noch Vize-Olympiasieger Eduard Trippel (90 kg / JC Rüsselsheim) nominiert worden. Er profitiert vom Rückzug der russischen Athleten. Zuvor hatte er nach schweren Verletzungen die Olympiaqualifikation denkbar knapp verpasst. Damit kämpfen nun zehn DJB-Judoka in Paris um die Medaillen.
Deutsche Judo-Team verpasst Medaille im Mixed
Das deutsche Judo-Team hat zum Abschluss der Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Paris eine Medaille im Mixed hauchdünn und ganz unglücklich verpasst. In einem dramatischen Kampf um Bronze unterlag die DJB-Auswahl um Silbermedaillen-Gewinnerin Miriam Butkereit am Samstag Südkorea 3:4. Igor Wandtke verlor dabei das entscheidende Duell gegen An Ba Ul durch drei Verwarnungen.
"Blech" im Judo: Fahnenträgerin Wagner enthüllt VerletzungQuelle: Eurosport"Ich habe nicht verloren, weil ich schlechter war. Es ist sehr ärgerlich, weil es uns die Medaille gekostet hat", sagte Wandtke.
"Igor hatte einfach Pech, es waren komische Strafen, die es den ganzen Tag nicht gab. Man hatte das Gefühl, dass man schnell einen Sieger haben wollte", meinte Butkereit: "Ich bin traurig, aber auch stolz auf uns."
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Im Halbfinale hatte Deutschland, das bei der Mixed-Premiere in Tokio Dritter geworden war, 0:4 gegen Japan verloren. Damit bleibt Platz zwei für Butkereit die einzige Medaille für das deutsche Team in Paris. Vor drei Jahren hatte der Deutsche Judo-Bund drei Medaillen geholt. Eduard Trippel (Silber) und Anna-Maria Wagner (Bronze) gewannen damals auch im Mixed Edelmetall. Beide gehörten auch diesmal zum Team, Fahnenträgerin Wagner kam aber wegen einer beim fünften Platz im Einzel erlittenen Knieverletzung nicht zum Einsatz.
Im Kampf um Bronze brachte Trippel (Ravensburg), der erst spät für die Sommerspiele nominiert worden war, das deutsche Sextett mit einer starken Vorstellung in Führung. Schwergewichtlerin Renee Lucht (Hamburg) verlor deutlich, Schwergewichtler Erik Abramov (Potsdam) trotz starker Leistung gegen den Einzel-Olympiazweiten Kim Min Jong unglücklich. Für Pauline Starke (Hannover) war gegen Silber-Gewinnerin Huh Mi Mi nichts zu holen.
Wandtke (Hannover) mit Mühe und Butkereit (Halle/Saale) sorgten gegen vom Gewicht her deutlich leichtere Gegner - im Team-Wettbewerb werden bei Männern und Frauen jeweils sieben Gewichtsklassen zu drei zusammengefasst - für den Ausgleich.
Im entscheidenden Duell, das aus den vorigen sechs zur Neuauflage ausgelost wurde, musste wieder Wandtke (Gewichtsklasse bis 73 kg) gegen den Rio-Olympiazweiten An Ba Ul (66 kg) ran - und konnte aus seinen Vorteilen keinen Gewinn erzielen.
Judo: Eine Einführung
Der Kampfsport Judo hat seine Wurzeln im achten Jahrhundert, übersetzt heißt es „sanfter Weg“. Die Übungen dienten einst der Persönlichkeitsentwicklung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Judo zu einem Wettkampfsport, es ist die weltweit am meisten verbreitete Kampfsportart. 1956 fand im Mutterland Japan die erste WM statt, acht Jahre später feierte Judo an gleicher Stätte sein olympisches Debüt bei den Männern.
Judo ist eine traditionelle japanische Kampfkunst, die vom Jujitsu abgeleitet wurde und eine Nahkampftechnik der alten Samurai-Krieger war. Es geht darum, Gegner zu Boden zu werfen und sie in der Unterwerfung zu halten.
Dr. Jigoro Kano wird zugeschrieben, Judo in Tokio zum Leben erweckt zu haben, nachdem er 1882 sein erstes Dojo (Judo-Schule) mit dem Namen Kōdōkan eröffnet hatte. Auf Japanisch bedeutet das Wort „Judo“ übersetzt „der sanfte Weg“, allerdings erfordert dieser Sport eine hohe körperliche Kraft. Dr. Kano kombinierte die philosophischen Prinzipien des Judo mit körperlichen, intellektuellen und moralischen Erziehungsmethoden und verband gleichzeitig viele der gefährlicheren Aspekte des Jujitsu.
Judo wurde Ende des 20. Jahrhunderts in Europa und insbesondere in Frankreich populär. Dadurch entwickelte sich Judo zur ersten Kampfkunst, die außerhalb Japans weit verbreitet war.
Regeln kurz erläutert
Beim Judokampf ist das Ziel, den Gegner oder die Gegnerin auf den Rücken zu Boden zu werfen, die Person auf dem Rücken liegend festzuhalten, den Arm am Ellbogengelenk zu hebeln oder sie mit einer Würgetechnik zu bezwingen und so die Unterwerfung zu erreichen.
Es gibt zwei Arten von Wertungen im Judo:
- Ein Ippon (sofortiger Sieg) wird vergeben, wenn die gegnerische Person mit Kraft, Geschwindigkeit und Kontrolle auf dem Rücken auf die Matte geworfen wurde. Ein Ippon kann auch durch die Unterwerfung oder durch 20 Sekunden langes Festhalten der gegnerischen Person am Boden vergeben werden. Wer ein Ippon erhält, gewinnt sofort den Kampf.
- Ein Waza-Ari wird für einen Wurf vergeben, welcher nicht klar genug ausgeführt wurde, um ein Ippon zu sein. Beispielsweise hat die Geschwindigkeit oder Kraft gefehlt, die gegnerische Person landete nicht hauptsächlich auf dem Rücken oder konnte für weniger als 20 Sekunden (aber länger als 10 Sekunden) festgehalten werden.
Judo-Wettkämpfe werden in verschiedene Gewichtsklassen und je nach Geschlecht unterteilt. Alle Kämpfe können bei den Olympischen Spielen bis zu vier Minuten dauern, bei einem Gleichstand nach Ablauf der Zeit wird der Kampf verlängert werden. Es kann eine Strafe für Passivität während des Kampfes vergeben werden oder für negatives Verhalten, welches nicht dem Geist des Judo entsprechen würde.
Olympische Geschichte
Judo feierte 1964 in Tokio sein olympisches Debüt und wurde ab den Spielen 1972 in München zu einem festen Bestandteil des Olympischen Programms. Der Frauenwettbewerb wurde bei den Olympischen Spielen 1988 als ein Demonstrationswettbewerb und 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona als offizieller Medaillenwettbewerb eingeführt.
Seit der Einführung dieser Disziplin bei den Olympischen Spielen hat sich Judo weltweit sehr stark entwickelt - 128 Nationale Olympische Komitees schickten Ihre Judokas, um bei den Wettkämpfen bei den Olympischen Spiele 2020 in Tokio teilzunehmen. Japan stand häufig an der Spitze dieses Olympischen Sports. Die japanischen Judokas gewannen bisher 96 Medaillen, ebenfalls waren Team Frankreichreich (57 Medaillen) und die Republik Korea (46) sehr erfolgreich.
Die deutschen Judoka konnten bisher 40 Medaillen bei Olympischen Spielen gewinnen. Darunter fünf Olympiasiege, 10 Silber- und 25 Bronzemedaillen.
| Nation | Gold | Silber | Bronze | Total |
|---|---|---|---|---|
| Japan | 39 | 19 | 38 | 96 |
| Frankreich | 15 | 14 | 28 | 57 |
| Republik Korea | 11 | 17 | 18 | 46 |
| Deutschland | 5 | 10 | 25 | 40 |
Das unbestrittene Gesicht der Sportart ist der Franzose Teddy Riner. Der Franzose gewann 2012 und 2016 Olympiagold und wurde elfmal Weltmeister. Zwischen 2010 und 2020 blieb er in 154 Kämpfen unbesiegt.
Gekämpft wird auf mittelharten Matten, genannt Tatami. Es gibt eine Vielzahl von Wertungen, mit denen Punkte errungen werden können. Ziel ist es, den Gegner durch Anwendung verschiedener Techniken kontrolliert in die Rückenlage zu bringen.
