Große Trauer in Österreichs Sportwelt: Catch-Legende Otto Wanz ist tot. Der Steirer verstarb Donnerstagfrüh nach kurzer, schwerer Krankheit im 75. Lebensjahr.
Die Steiermark hat mit Otto Wanz eine ihrer zeitgenössischen Legenden und ein Original verloren: „Big Otto“ war mehrfacher Catch-Weltmeister im Superschwergewicht und galt als humor- und liebevoller Mensch mit polterndem Witz. Der steirische Sportlandesrat Anton Lang zeigte sich am Donnerstag „tief erschüttert“: „Ich spreche der gesamten Familie im Namen des Landessportressorts mein aufrichtig empfundenes Beileid aus.
Wir werden diese charismatische Sportler-Persönlichkeit, die weit über unsere Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt war, nie vergessen.“ Bei Catch-Veranstaltungen in Graz und in Leoben habe er „Big Otto“ bei dramatischen Fights selbst angefeuert.
Otto Wanz, geboren am 13. Juni 1943 in Graz, war ein österreichischer Boxer, Ringer, Wrestler und Schauspieler, der unter dem Ringnamen „Big Otto“ Wanz bekannt wurde. Zuletzt arbeitete Otto Wanz als Wettbewerbsveranstalter. Der Veranstaltungsorganisator und Fernsehkommentator Michael Wanz ist sein Sohn.
Frühe Karriere im Boxen
Otto Wanz (geb. 13. Juni 1943 in Graz) hatte eine Kfz- Mechaniker- Lehre gemacht und als Jugendlicher in den späten 1950er- Jahren mit dem Boxen beim BC Heros Graz begonnen. Er erkämpfte sich einige Landesmeistertitel und hatte damals auch schon internationale Fights zu bestehen. 1960 wurde er in die österreichische Olympia- Auswahl für die Spiele in Rom berufen und war lange Jahre Fixstarter im österreichischen Boxkader.
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Der gelernte Kfz-Mechaniker Otto Wanz war bereits in seiner Jugend ein derart erfolgreicher Boxer, dass er noch als 16-Jähriger vom Boxverband in den Erwachsenenbereich geholt wurde, nachdem die gleichaltrigen Boxkollegen gegen ihn chancenlos waren. Danach holte er zahlreiche Landesmeistertitel, wurde 1960 in die österreichische Olympia-Auswahl berufen und war langjähriger Starter im österreichischen Boxkader, dem er in den 1960er Jahren angehörte.
Mit 17 Jahren feierte Wanz als jüngster Schwergewichtler aller Zeiten sein Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft. Insgesamt erboxte sich Otto fünf steirische Landesmeisterschaften. Einmal war er sogar Union-Meister des Alpenlandes. Sein größer Erfolg war die Berufung in den Olympiakader 1960. Aufgrund mangelnder Disziplin im olympischen Dorf wurde er in Rom aber nicht eingesetzt.
Wechsel zum Wrestling
1967 überredete ihn ein Freund, ins Lager der Ringer zu wechseln. Wenig später begann seine Laufbahn als Catcher bzw. Wrestler. Als die Schaukampfform „Catch as Catch can“ nach Österreich kam, wurde Wanz ab 1969 rasch der populärste heimische Kämpfer und sollte es bis in die späten 1980er bleiben - sowohl am Wiener Heumarkt, Linz, als auch in der Eishalle Liebenau in Graz, wo er zum Gaudium des Publikums US- „Bösewichte“ wie Baron von Raschke oder Haystacks vermöbelte.
Im Lauf der Zeit entdeckte Otto seine Liebe zum Ringkampf und wechselte 1967 mit einem Gewicht von 135 Kilo in das Amateurringerlager beim ASKÖ Vorwärts Graz. Binnen kürzester Zeit schaffte er es in die erste Mannschaft und kam direkt bei seiner ersten österreichischen Meisterschaft im griechisch-römischen Stil, an der 13 Männer teilnahmen, punktegleich auf den ersten Platz.
Karriere als Wrestler
Im Verlauf mehrerer Jahrzehnte bestimmte Otto Wanz im großen Maße die europäische Ringkampfgeschichte. Er kämpfte ab 1968 als Catcher und setzte die Tradition der starken Österreicher fort. Wien etablierte sich schon früh als die Stadt der starken Männer. Berühmte Vertreter waren etwa: Josef Steinbach, Josef Grafl, Karl Swoboda, Georg Jagendorfer und der Mann mit der Eisenkraft Wilhelm Türk.
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Geboren wurde Otto Wanz 1943 in Graz als Sohn eines Kaufmanns. Mit 14 Jahren trat er einem Boxclub bei und bestritt ca. 120 Kämpfe. Ende der 50er Jahre war er österreichischer Meister. Anfang der 60er Jahre kämpfte Wanz in Deutschland bei Kirmesveranstaltungen. 1968 kam er mit Berufsringern in Kontakt, die gerade durch Graz zogen. Vor rund 5000 Zuschauern besiegte Big Otto eines Abends einen Türken.
Es dauerte keine 2 Jahre, bis ihn 1970 der Catch-Veranstalter Nicola "Nico" Selenkowitsch nach Deutschland holte. Selenkowitsch musste seine aktive Karriere im Ring verletzungsbedingt beenden. Aus Gerhard Schaefers Unterlagen ist ersichtlich, dass Wanz dabei zuerst in Dortmund antrat. Ende November folgte schließlich die Teilnahme am Selenkowitsch-Turnier in Bremen. Am 27.11.1970 besiegte Wanz Rudi Schumacher. Schon 1971 folgte ein Turnier in Kinshasa/Kongo, das Big Otto mit Platz 7 abschloss.
Unter Selenkowitsch erreichte Wanz schließlich am 30.04.1972 den ersten wichtigen Erfolg. Im Endkampf besiegte er seinen Erzrivalen Iwan Strogoff und verließ das Bremer Turnier als strahlender Sieger. Von diesem Zeitpunkt an kannte Bremen fast nur noch einen Sieger, Otto Wanz. Wanz bekam Mitte der 70er Jahre Zugang zu den weltberühmten Turnieren des IBV (Internationaler Berufsringkämpfer Verband Hamburg).
Er lernte somit beide Lager im Berufsringkampf kennen (VDB und IBV). Die Situation von zwei Verbänden existierte wieder, seit dem der VDB 1951 neugegründet wurde. Unter IBV-Veranstalter Gustl Kaiser erreichte Wanz Platz 2 nach Roland Bock bei der "Europameisterschaft" von 1974 in Münster. Als starke Kontrahenten erwiesen sich auch Horst Hoffmann und Billy Samson. Am 25.10.1975 unterlag Horst Hoffmann im Endkampf in München. Wanz erreichte Platz 1 beim "Großen Bayern-Preis 1975".
Kaisers Turniere wurden nach IBV Richtlinien durchgeführt. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltern nannte Kaiser seine Schützlinge lieber "Freistil-Berufsringkämpfer" statt "Catcher". Der Fiskus kannte die Bezeichnung "Catcher" auch nicht. Die Berufsbezeichnung von Wanz lautete: "vagabundierender Artist, Feuerschlucker und Kettenreißer". Nach fast 30 Jahren beendete Gustl Kaiser 1976 seine Veranstalterlaufbahn. Viele der späteren Catcher hatten ihm viel zu verdanken.
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Im Frühjahr 1976 kämpfte Wanz in Japan. Er verlor alle Kämpfe gegen Antonio Inoki. Den letzten am 26.01.1976 in Gamagori. Ein Jahr später wurde Wanz CWA-Weltmeister. Am 02.08.1977 besiegte der Grazer in Kapstadt den Lokalmatator Jan Wilkens. Ein 2.04m großer Kanadier namens Don Leo Jonathan nahm ihm das Titelgold aber am 01.09.1977 in Johannesburg wieder ab. Danach bestritt Wanz mehrere Vorbereitungskämpfe für den Rückkampf gegen Jonathan in Graz. Der kam am 15.07.1978. Nach 55 Minuten holte sich Wanz den CWA-Titel zurück.
Von nun an startete eine der längsten Regentschaften in der Geschichte des Pro-Wrestlings. Sie dauerte bis zum März 1987. Bis dahin besiegte er u.a. Big John Studd (1983) und King Kong Bundy (1984). Am 19.12.1981 kämpfte Wanz in der Bremer Stadthalle gegen den AWA World Heavyweight Nick Bockwinkel. Der Kampf endete im Unentschieden und es gab daher keinen Titelwechsel. Wanz brach sich eine Rippe und einen Finger.
Bockwinkel ließ nicht locker und forderte Wanz heraus mit ihm in Amerika zu kämpfen. Vor rund 18000 Zuschauern in der Civic Arena in St.Paul wendete sich das Blatt am 29.08.1982. Wanz besiegte Bockwinkel und wurde neuer AWA World Champion. Er hielt jetzt zwei World Title. Bockwinkel nahm ihm den AWA World Title am 09.10.1982 in Chicago wieder ab. Wanz verlor seinen CWA-Titel 1987 an "Bull Power" Leon White. White war für ihn einer der härtesten Gegner überhaupt. 4 Monate später holte er sich den Titel jedoch zurück.
Einen der größten Kämpfe erlebte Wanz am 19.12.1987. Rund 10 000 Menschen sahen die CWA-Weltmeisterschaft in der Bremer Stadthalle zwischen Wanz und Andre the Giant. Kurz vor Mitternacht fiel die Entscheidung, Andre wurde ausgezählt. Am 30.06.1990 folgte in Graz die letzte CWA-Weltmeisterschaft für Wanz. Er besiegte Leon White erneut.
Im Dezember 1990 schließlich beendete Otto seine Laufbahn als Catcher. Die zweite Phase im Catchen bestimmte seine Veranstalterlaufbahn. Zusammen mit Peter William war er mit an den großen Erfolgen in Bremen und Hannover beteiligt. Wanz machte sich nicht nur im Catchen einen Namen. 1981 zerriß er 20 Telefonbücher in 48 Sekunden. Hans Werner Flesch vom Ullstein-Verlag bestätigte im Juni 1981 die Eintragung ins "Guinness Buch der Rekorde".
Mit rosaroter Strumpfhose und Ballerinenkleid trat er in Peter Rapp´s Fernsehshow auf. Auch bei Chris Howland zerriß er 1982 Telefonbücher im Fernsehen, und Jürgen von der Lippe musste 1988 in seiner Show "So isses" Bekanntschaft mit Big Otto machen. Man zeigte einige Catch-Griffe. Ebenfalls trat er in verschiedenen Filmen und Serien auf.
Nach dem Ende seiner Laufbahn blieb er dem österreichischen Kraftsport weiterhin treu. Otto Wanz hat sich Zeit seines Lebens um das Catchen verdient gemacht. Mit Axel Dieter bildet er die Spitze der erfolgreichsten Catcher aller Zeiten. In den 90er Jahren erschienen einige Auflistungen seiner Weltmeisterschaftskämpfe. Die erste dieser Aufstellungen, die später eigentlich nur noch kopiert wurden, erstellte 1990 Gerhard Schaefer. Sie erschien als Sonderausgabe der Schriftenreihe "Wrestling Archives".
"Big Otto" als Promoter
Wanz, geboren am 13, Juni 1943 in Graz, war Promoter der 1973 Catch-Wrestling Association (CWA), die zahlreiche internationale Stars nach Österreich und Deutschland brachte. Bis in die neunziger Jahre war die Liga auch ein Sprungbrett für spätere Größen wie Vader (als Bull Power Wanz' wohl bekanntester Rivale), Layfield (Texas John Hawk), Kane (Spartacus) sowie die tragisch in Erinnerung gebliebenen Chris Benoit und Owen Hart.
Der Wiener Heumarkt, Lebensmittelpunkt der Wanz-Liga war über Jahre hinweg ein Zentrum der europäischen Szene, der internationale Stars und Talente auch deswegen anlockte, weil sie dort den europäischen Stil lernen und ihr Handwerk verfeinern konnten. Die CWA hatte auch eine Filiale in Bremen, wo sie zahlreiche gut besuchte Shows veranstaltete.
Internationale Bekanntheit und AWA World Title
Wanz selbst gewann an internationaler Bekanntheit, als er in die USA ging und dort für zwei Monate den World Title der AWA halten durfte, damals eine der größten US-Ligen. Der 175-Kilo-Koloss besiegte am 29. August 1982 das 2015 verstorbene WWE-Hall-of-Fame-Mitglied Nick Bockwinkel. Bei der AWA kämpfte Wanz auch an der Seite des jungen Hulk Hogan, kurz bevor der in der damaligen WWF zum globalen Phänomen wurde.
Nach Angaben des bekannten Wrestling-Journalisten Dave Meltzer (Wrestling Observer) hatte sich der findige Geschäftsmann Wanz die Regentschaft als AWA-Champion "im Wesentlichen gekauft". Es war ein lohnender Deal, der Wanz' Ruf nachhaltig aufbesserte.
Einfluss und Vermächtnis
„In Österreich ist Otto Wanz ein bekannterer Name als jeder andere Wrestler weltweit“, berichtete sein Landsmann Walter Hahn, der als WALTER bei WWE nun in Wanz' Fußstapfen getreten ist, im SPORT1-Interview 2020: „Meine Generation und die meiner Eltern kannten eher Otto Wanz als Hulk Hogan.“
Seine Popularität in Österreich steigerte Wanz durch zahlreiche Show-Auftritte in Film und Fernsehen, er spielte unter anderem in einem Musikvideo der EAV und im Udo-Lindenberg-Film "Panische Zeiten". Auch ein anderer Grazer Kraftprotz ist übrigens erklärter Fan von Wanz. Nach Wanz' Angaben war der junge Arnold Schwarzenegger auch einst Trainingskumpel der österreichischen Dampfwalze und wurde mal gemeinsam mit ihm vom selben Mädchen sitzen gelassen.
"Die hat sich mit beiden von uns - ohne dass wir's wussten - zur selben Zeit am selben Platz zum Randi (Rendezvous) verabredet, hat uns aber versetzt und aus an Versteck beobachtet", zitierte der Kurier Wanz in einem Nachruf: "Da simma ganz schee deppat da g'standen.
Die Titel von Otto Wanz im Überblick
Hier eine Tabelle mit den wichtigsten Titeln und Erfolgen von Otto Wanz:
| Titel | Organisation | Datum des Gewinns |
|---|---|---|
| CWA World Heavyweight Championship | Catch Wrestling Association | 02.08.1977 |
| AWA World Heavyweight Championship | American Wrestling Association | 29.08.1982 |
