Regelmäßig fallen Shotokan-Gürtelprüfungen an, mit denen das Fortschreiten der Schüler dokumentiert werden soll. An Gürtelprüfungen kann man sehr schnell die Seriosität eines Budo-Vereins oder einer Kampfkunstschule erkennen. Wer z. schon nach 3 Wochen eine Prüfung macht, kann nichts gelernt haben... Eine "geschenkte Prüfung" nimmt dem ganzen Prüfungsgeschehen die Würde. Damit tut sich keiner einen Gefallen. Leider werden Anfänger häufig mit solchen Scheinerfolgen geködert.
Auf der anderen Seite weiß der Prüfling: Auf dem Weg zum Erfolg gibt es keine Abkürzung! Wird diese Prüfung „vorgezogen“, muss man sich bis zur nächsten Prüfung umso länger vorbereiten... Vorbereitungszeit zwischen einem halben und einem ganzen Jahr.
Die Prüfungsordnung gliedert die Trainingsinhalte in der Entwicklung eines Karatekas vom Anfänger bis zum Meister und die Prüfungskriterien zu den verschiedenen Schüler- und Meisterprüfungen. Durch langfristiges und beständiges Training soll der Übende, gleichzeitig mit der körperlichen Ausbildung, den verantwortungsbewussten Umgang mit Partnern im Karate erlernen. Dazu dienen die Regeln und Etikette des Karate - Do, die unverzichtbarer Bestandteil des traditionellen Shotokan-Karate wie auch dieser Prüfungsordnung sind.
Die Prüfungsordnung ist in vier Gruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe werden besondere Schwerpunkte in der Ausbildung gesetzt. Es sind dies:
Unterstufe (9. - 7. Kyu)
In der Unterstufe erlernt der Prüfling die Grundform der einzelnen Techniken. Den Abschluss dieser Stufe bildet der 7. Kyu, der den Übergang zur Mittelstufe vorbereiten soll. Prüfer und Prüfling achten vor allem auf sichere Stände, korrekte Techniken und Ausholbewegungen. Die aufrechte Haltung des Oberkörpers ist ein wichtiges Merkmal. Die Prüflinge zum 7. Kyu müssen bereits gute Ansätze von innerer und äußerer Spannung zeigen. Im Kumite sind die kontrollierte Ausführung der Techniken und die richtige Distanz beider Partner besonders zu beachten.
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In der Kata sind sowohl korrekte Abläufe, die beim 7. Kyu bereits Rhythmus erkennen lassen, als auch ein Verständnis der Hintergründe der Techniken in der Kata gefordert. Das Erlernen der Kampfkunst Karate soll den Karateka zur Selbstbehauptung und zur Selbstverteidigung befähigen.
Mittelstufe (6. - 4. Kyu)
Die Grundtechniken, die jetzt häufig in Kombinationen gezeigt werden, sollen sich von der Grundform zur Feinform entwickeln. Bei der Ausführung der Kombinationen ist wichtig, dass sich die Qualität der Einzeltechnik nicht verschlechtern darf. Besonderer Wert wird auf folgende Merkmale gelegt: Bewegungsrhythmus, bewusster Hüfteinsatz, Standfestigkeit, Atemtechnik und Kime. Im Kumite müssen sich die technischen Fertigkeiten in Bewegungsvielfalt, Kampfgeist und Kontrolle ausdrücken. Der Respekt vor der Gesundheit des Partners ist einer der Eckpfeiler des fortgeschrittenen Karatekas!
In der Kata soll sich das weiter entwickelte Können des Prüflings sowohl im Verständnis (BUNKAI) als auch in der Flüssigkeit (Rhythmus) des Vortrages zeigen.
Oberstufe (3. - 1. Kyu)
Die Grundschule der Oberstufe zeichnet sich durch eine Vielzahl schwieriger Kombinationen aus. Dabei ist Qualität in den Einzeltechniken, im Rhythmus in den Verbindungen, in der Standfestigkeit und nicht zuletzt in der Ausdauer zu zeigen. Sie spiegelt den Fleiß und die Intensität des Trainings wider.
Im Kumite wird sowohl das Jiyu - Ippon - Kumite, als auch der Freie Kampf (Jiyu Kumite) geprüft. Beides stellt höchste Anforderungen an den Prüfling. Nur wer exakte Technik mit Kampfgeist und Kontrolle paart, erfüllt die hier gesetzten Anforderungen.
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In der Kata, den realistischen Anwendungen und im Bunkai muss der Prüfling ein fortgeschrittenes Verständnis des Zusammenhangs von Kata und sinnvollen Anwendungen zeigen können.
Anforderungen für den grünen Gurt (6. Kyu)
Der 6. Kyū trägt den grünen Karate Gürtel und muss überwiegend Kombinationen erlernen, welche langsam die Einzeltechniken verdrängen. Weiterhin müsst Ihr die Kata Heian Sandan beherrschen, eine neue Variante des Kumite lernen und einen neuen Prüfungsteil, die Partnerübung zum Freikampf, vorführen. Diese gehört von nun an zum Prüfungsprogramm dazu.
Die folgende Tabelle fasst die Prüfungsinhalte für die verschiedenen Gürtelgrade zusammen:
| Gürtelfarbe | Prüfungsinhalt |
|---|---|
| Weißer Gurt (9. Kyū) | Grundlegende Techniken, Kata Taikyoku Shodan, Kumite (Abwehr von Fauststoß) |
| Gelber Gurt (8. Kyū) | Einzeltechniken, neue Fußpositionen, Kata Heian Shodan, Kumite (Abwehr von Fauststoß) |
| Oranger Gurt (7. Kyū) | Erste Kombinationen, Kata Heian Nidan, Kumite (Abwehr von Fauststoß und Fußtritte) |
| Grüner Gurt (6. Kyū) | Kombinationen, Kata Heian Sandan, neue Kumite-Variante, Partnerübung zum Freikampf |
| Blauer Gurt (5. Kyū) | Kombinationen, Kata Heian Yondan, Kumite (Partner landet Treffer bei erstem Angriff) |
| 2. Blauer Gurt (4. Kyū) | Rückwärtstritt Ushiro-Geri, Kata Heian Godan, Kumite (Tritte im Freikampf) |
| 1. Braune Gurt (3. Kyū) | Kata Tekki Shodan, Bunkai (Anwendung der Kata Heian Godan), Kumite (freie Wahl der Kontertechniken) |
| 2. Braune Gurt (2. Kyū) | Kata Bassai Dai, Bunkai (Anwendung der Kata Bassai Dai), Kumite (mehr Geschwindigkeit und Improvisation) |
| 3. Braune Gurt (1. Kyū) | Freie Kata-Wahl (mit Vorgabe), Bunkai (Anwendung der gewählten Kata) |
| 1. Schwarze Gurt (1. Dan) | Erhöhte Schwierigkeit im Kihon, Kata und Bunkai, Hintergrundwissen, freie Kata-Wahl (nicht identisch mit 1. Kyū) |
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