Raufen, toben, rangeln - das Ausprobieren der eigenen Kräfte gehört bei Kindern zum Wachstumsprozess. Es macht sie mental und körperlich stärker. Der kindlichen Lust am spielerischen Kräftemessens bietet das Kampfsporttraining einen idealen Raum.
Das ideale Einstiegsalter
„Das beste Einstiegsalter dafür ist mit fünf, sechs Jahren“, sagt Kampfsporttrainerin Ana Yagües. Das hängt aber stark von den Voraussetzungen des Kindes ab. „Es gibt Kids, die mit fünf Jahren schon recht groß und kräftig sind. Andererseits sind manche auch mit sechs Jahren noch eher klein und zierlich. Es kann auch sein, dass ein Kind im Alter von sechs Jahren noch sehr zurückhaltend und schüchtern ist, ein Fünfjähriges hingegen schon sehr forsch und mutig agiert.“ Für Kinder ab dem vierten Lebensjahr sei Budo-Turnen ein guter Einstieg. „Dabei lernen die Kleinen viel über Körperkontrolle, beispielsweise, wie man sich richtig nach vorn oder hinten abrollt und fällt, ohne sich wehzutun. Karate und Taekwondo sind für Schüchterne ein guter Anfang. Beides ist weniger körperlich.“
Die Rolle von Größe, Alter und Stärke
Selbst kampfsporterprobt, ist es der Hamburgerin eine Herzensangelegenheit, ihre Erfahrungen weiterzugeben. In ihren Gruppen kämpfen Schmale, Kräftige, Kleine, Große, Leichte und Schwere miteinander. Ist das nicht unverhältnismäßig? Die klare Antwort von Trainerin Ana Yagües: „Nein, im Gegenteil. Meine älteste Tochter ist elf Jahre alt und wiegt 42 Kilo. Würde sie immer nur mit ihrer Freundin kämpfen, die dieselben Voraussetzungen hat, dann würde sie nichts lernen, sich nicht weiterentwickeln.“ Es sei wichtig für die Kinder zu erfahren, wie es ist, sich mit einem stärkeren oder größeren Gegner zu messen. Daher werden die kleinen Sportler in den Gruppen immer wieder mit anderen Partnern zusammengewürfelt: „Der Kampf mit einem körperlich überlegenen Kind trainiert nicht nur die eigene Stärke und Technik, sondern man lernt auch, dass man nicht immer gewinnen kann und wie es sich anfühlt zu verlieren. Das bringt für die jungen Menschen automatisch mehr Respekt vor jeder weiteren Auseinandersetzung mit sich.“ Es sei ein gutes Training, im Kampf gegen einen stärkeren Gegner auch mal am Boden zu liegen: „Gerade beim Brazilian Jiu-Jitsu steht sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen der Selbstverteidigungsaspekt im Vordergrund. Dazu gehört die Erfahrung, in einer anscheinend aussichtslosen Situation nicht in Angst oder Panik zu verfallen, sondern dem ausgeübten Druck standzuhalten.“ Was man beim Kampfsport nicht lernt, ist, sich zu prügeln.
Fair Play und Regeln
Das Thema Fair Play ist Ana Yagües ohnehin besonders wichtig: „Es geht in jedem Alter darum, die Kontrolle über die Situation zu bewahren. „Das gilt für die körperliche Kraft, aber auch für die eigenen Gefühle, die beim Kämpfen hochkommen. Wutausbrüche lassen Kinder zum Beispiel sofort jegliche Konzentration und Technik vergessen.“ Während des Unterrichts gibt es klare Regeln: „Wer nach einem gewonnenen Kampf prahlt oder seinen Gegner gar auslacht, den lassen wir danach mit unserem Mat-Forcer, also dem besten aus der Riege, kämpfen. Es ist von vornherein klar, dass man gegen den nicht gewinnen kann.“ Demut und Respekt sind für die wettkampferprobte Lehrerin wichtige Werkzeuge im Kampfsport: „Wir sind vor einem Kampf Freunde und hinterher sind wir es auch wieder.“
Vorteile von Kampfsport für Kinder
Das Training hilft Kindern beim Abbau von Aggressionen und stärkt sie in Auseinandersetzungen jeder Art. Auch die körperliche Fitness profitiert vom Sport, denn in der Regel werden Muskeln in allen Bereichen des Körpers gefordert. Auf der psychischen Ebene verbessert das Kampftraining Achtsamkeit und Konzentration. Zudem stärkt ein Kampftraining immer das Selbstbewusstsein und trainiert Ängste ab. Man traut sich mehr. Das kann auch in andere Lebensbereiche übertragen werden, die nichts mit äußerlichem Kampf (sondern vielmehr mit dem inneren Kampf mit sich selbst) zu tun haben. Man braucht sich nicht mehr zu schlagen und kann eskalierenden Situationen gelassener entgegentreten, da man weiß was man kann (im technisch-kämpferischen Sinne). Somit ist man frei von Angst und kann sich mehr um die Schlichtung des Streits aus Vernunftsgründen bemühen.
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Zur Angstbekämpfung: Es gibt wohl nichts Besseres als mal ein Boxsparring gemacht zu haben. Man wird feststellen, dass man trotz Schutzausrüstung eine gewisse Angst vor Treffern und Verletzungen haben wird und dies sogar vor Gegnern, denen man normalerweise sogar technisch und körperlich überlegen ist. Somit können zaghafte Naturen hier lernen ihre Angst abzulegen und mutig nach vorne zu gehen.
Weitere Vorteile im Überblick:
- Disziplin: Karate erfordert Disziplin. Die Kinder lernen im Karate Unterricht sich an Regel zu halten und sie zu respektieren.
- Selbstvertrauen: Mit Karate lernt Ihr Kind sich im Alltag besser durchzusetzen. Dazu verhelfen viele Aspekte.
- Mobbing: In unserem Karate-Unterricht werden die Kinder für das Thema Mobbing sensibilisiert. Scherz zu unterscheiden und lernen, was zu tun ist, wenn sie oder ihre Freunde betroffen sind.
- Selbstverteidigung: Niemand hat das Recht mir weh zu tun!
- Zielsetzung und Zielerreichung: Ein Schwarzgurt ist ein Weißgurt, der nie aufgegeben hat.
- Beweglichkeit: Stretching ist ein sehr wichtiger Teil vom Karate.
- Soziales Verhalten: Durch die festen Gruppen aus Gleichaltrigen lernt Ihr Kind andere Kinder kennen.
- Respekt: Einer der Grundsteine von der Karate ist der Respekt.
- Fitness: Beim Karate ist Fitness sehr wichtig.
- Weg vom Handy, vom Nintendo, vom Netflix: Es ist ein Hobby, auf das sich ein Kind freut. Ein Hobby, das mit viel Leidenschaft und Euphorie ausgeübt wird. Weg von den modernen Zeiträubern.
Mögliche Nachteile und Risiken
Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo und Judo können Fitness, motorische Fähigkeiten, emotionale Entwicklung und das Selbstbewusstsein verbessern, sind aber auch mit einem erhöhten Risiko für Verletzungen verbunden. Einige Kampfsportarten sind riskanter als andere, davor warnen amerikanische Kinder- und Jugendärzte (American Academy of Pediatrics - AAP).
Prellungen und Verstauchungen sind die häufigsten Verletzungen, die sich bei der Ausübung eines Kampfsports ereignen. Gemischte Kampfkünste (Mixed Martial Arts - kurz MMA) mit Vollkontakt zum Beispiel bergen ein besonders hohes Risiko für Gehirnerschütterung, Wirbelsäulenschäden, Gefäß- oder Kopf-Hals-Verletzungen, so die Gesellschaft der amerikanischen Kinder- und Jugendärzte.
Die Verletzungsraten reichen von 41 bis 133 Verletzungen pro 1.000 Kämpfen, je nach Art der Kampfkunst, so schätzt der pädiatrische Verband. Um das Verletzungsrisiko zu reduzieren, sollte ein Kind nicht zu viel trainieren. Mehr als drei Stunden pro Woche können u.U. zu einer Überlastung führen.
Worauf Eltern achten sollten:
- Wahl eines Trainings, bei dem ein Kind vorrangig ein Sicherheitstraining mit Abwehrtechniken und Blockaden erhält.
- (Wettbewerbs-)Regeln müssen von der Sportschule streng eingehalten werden.
- Um das Verletzungsrisiko zu reduzieren, sollte ein Kind nicht zu viel trainieren.
Geeignete Kampfsportarten für Kinder
Es gibt viele verschiedene Kampfsportarten, die sich in ihrer Intensität und ihrem Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Einige, wie Karate und Judo, sind bereits für Kinder ab einem Alter von vier oder fünf Jahren geeignet, während andere, wie Muay Thai und Kickboxen, eher für Jugendliche oder Erwachsene empfohlen werden.
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Einige Beispiele:
- Judo: Das Prinzip hinter dieser Kampfsportart: Siegen durch Nachgeben. Dabei machen sich die Judokas, so heißen die Schüler, die Angriffswucht des Gegners zunutze und leiten die Energie in Hebel und Würfe um.
- Brazilian Jiu-Jitsu: Der Mix aus Ringen und Bodenkampf wird auch als „Schach auf der Matte“ bezeichnet. Der Name ist Programm: Brazilian Jiu-Jitsu ist sehr gut geeignet, um zu lernen, den Gegner oder Angreifer zu kontrollieren, ohne ihn zu verletzen.
- Taekwondo: Die koreanische Kampfkunst lebt vom gezielten Einsatz von Fuß (tae) und Hand (kwon). Der Stil ist auf Schnelligkeit, Dynamik und Beintechniken ausgelegt.
- Kickboxen: Die junge Disziplin verbindet Elemente aus dem thailändischen Muay Thai, etwa Tritte, Knie- und Ellbogenstöße, mit Schlagtechniken aus dem Boxen.
- Wing Tsun: WingTsun entwickelte sich aus dem „Tempelboxen“ von Shaolin-Mönchen. Für Frauen eignet sich dieser Kung-Fu-Stil, weil ein Teil des Trainings in der Analyse und Wahrnehmung von Bedrohungssituationen liegt: im Parkhaus, in düsteren Parks und auf einsamen Wegen.
- Karate: Das japanische Wort bedeutet „Leere Hand“, denn es wird in der Regel ohne Waffen gekämpft. Der Fokus liegt auf Schnelligkeit, Geschicklichkeit - und Gelassenheit: Denn nur wer bei einem Angriff nicht in Angst oder Panik verfällt, kann sich auch effektiv zur Wehr setzen.
Kyokushin Karate für Kinder
Kyokushin Karate ist ein Vollkontakt-Kampfkunststil, der sich ideal für die Selbstverteidigung von Kindern eignet und gleichzeitig ihr Selbstbewusstsein stärkt. Im Shinzen Dojo Berlin haben Kinder die Möglichkeit, Kyokushin Karate zu erlernen, eine effektive Form der Selbstverteidigung, die ihnen Selbstvertrauen, Stärke und Ausdauer verleiht.
5 Vorteile von Kyokushin Karate für Kinder und Jugendliche
- Selbstverteidigungsfähigkeiten: Kyokushin Karate vermittelt den Kindern effektive Techniken zur Selbstverteidigung.
- Stärkung des Selbstbewusstseins: Das Training im Kyokushin Karate stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen.
- Disziplin und Selbstbeherrschung: Kyokushin Karate legt großen Wert auf Disziplin und Selbstbeherrschung.
- Körperliche Fitness und Gesundheit: Kyokushin Karate ist eine anspruchsvolle Kampfkunst, die körperliche Fitness und Gesundheit fördert.
- Gemeinschaft und soziale Interaktion: Das Training im Shinzen Dojo Berlin ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, Teil einer Gemeinschaft zu sein und Freundschaften zu knüpfen.
Karate als Lebensschule
Karate ist nicht einfach nur ein Sport - es ist eine Lebensschule. Kinder lernen dabei weit mehr als nur Schläge und Tritte. Es geht um Disziplin, Respekt, Kontrolle und mentale Stärke. Werte, die sie ein Leben lang begleiten werden.
Taekwon-Do als Alternative
Neben Shotokan-Karate und Sportkarate gewinnt das traditionelle Taekwon-Do zunehmend an Beliebtheit. Traditionelles Taekwon-Do ist weit mehr als nur eine Kampfkunst. Es verbindet körperliche Fitness mit geistiger Schulung und legt großen Wert auf Respekt, Disziplin und Selbstkontrolle.
Im Gegensatz zu rein sportlich ausgerichteten Kampfkünsten steht hier nicht der Wettbewerb im Mittelpunkt, sondern die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen. Kinder lernen, dass der wahre Gegner nicht ein anderer Mensch, sondern die eigenen Grenzen sind. Sie werden ermutigt, an sich selbst zu arbeiten und sich kontinuierlich zu verbessern - nicht nur auf der Matte, sondern auch im Alltag.
Unterschiede zu modernen Kampfsportarten
Während viele Kampfsportarten auf Wettkämpfe und Medaillen ausgerichtet sind, verfolgt traditionelles Taekwon-Do einen ganzheitlichen Ansatz. Hier steht die persönliche Entwicklung im Vordergrund, nicht der sportliche Erfolg. Dies führt dazu, dass Kinder weniger unter Leistungsdruck stehen und stattdessen in einem unterstützenden Umfeld wachsen können.
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Zusammenfassende Tabelle: Kampfsportarten für Kinder
| Kampfsportart | Geeignet für | Fokus | Risiken |
|---|---|---|---|
| Karate | Kinder ab 4-6 Jahren | Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Selbstverteidigung | Prellungen, Verstauchungen |
| Judo | Kinder ab 4-6 Jahren | Würfe, Bodenkämpfe, Nachgeben | Prellungen, Verstauchungen |
| Taekwondo | Kinder ab 4-6 Jahren | Schnelligkeit, Dynamik, Beintechniken | Prellungen, Verstauchungen |
| Brazilian Jiu-Jitsu | Kinder (Alter beachten) | Ringen, Bodenkampf, Kontrolle ohne Verletzung | Prellungen, Verstauchungen |
| Kickboxen | Jugendliche/Erwachsene | Tritte, Knie-, Ellbogenstöße, Schlagtechniken | Höheres Verletzungsrisiko |
| Kyokushin Karate | Kinder und Jugendliche | Vollkontakt, Selbstverteidigung, Disziplin | Höheres Verletzungsrisiko |
