Kickboxen: Geschichte und Ursprung einer modernen Kampfsportart

Kickboxen hat eine recht junge Geschichte und gehört zu einer der wenigen Kampfsportarten, die federführend im Westen entstanden ist. Heute ist sie jedoch auch in Asien weit verbreitet und es gibt Abwandlungen.

Die Anfänge des Kickboxens

Die Entstehung der noch sehr jungen Kampfsportart geht auf die 1970iger Jahre zurück. Kickboxen entstand während der siebziger Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika. Es gab damals eine Vielzahl von traditionellen asiatischen Kampfsportarten, die einerseits eine Zersplitterung des Kampfsports förderte und andererseits Wettkämpfe mit vollem Kontakt mangels Schutzausrüstung nicht bieten konnten.

Georg Frederic Brückner und Mike Anderson

Der deutsche Georg Frederic Brückner gilt als treibendes Element bei der Kickboxen Entstehung. Er eröffnete 1961 eine Kampfsportschule in Berlin-Wilmersdorf und lernte kurz darauf Mike Anderson kennen, einen Amerikaner. Dieser brachte ihm die amerikanische Form des Sportkarate näher, aus welcher das heutige Kickboxen entstand.

Der Grundstein des Kickboxens wurde in einem Winterurlaub in Acapulco gelegt. Mike Anderson und Georg F. Brückner berieten über eine Idee, die eine weltweite Revolution einleiten sollte.

Die Rolle des Sportkarate

Ein Vorläufer von Kickboxen war das Sportkarate. Sportkarate entwickelte sich aus Techniken des Karate (Tritttechniken) und Boxen (Schlagtechniken).

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Die Gründung der WAKO

Nach der Entstehung im Jahr 1974 der „Professional Karate Association“ (PKA) als Grundlage, gründete Brückner 1977 mit einigen anderen Kampfsportgrößen, unter anderem Mike Anderson, die „World All-Style Karate Organisation“ (WAKO). Das ist auf die Beziehung zum damaligen Sportkarate zurückzuführen, wobei man auch den Kampfstil in den Anfangsjahren noch als Karate bezeichnete.

Der Name Kickboxen entstand erst Jahre später, als sich die Sportart vom Karate differenzierte und in diesem Zug wurde die WAKO in „World Association of Kickboxing Organisations“ umbenannt.

Einflüsse und Entwicklung

Einfluss des Thai-Boxens

Einflüsse des Thai Boxens auf die Kickboxen Entstehung werden, zu Zeiten der Besatzung Vietnams durch US-Amerikaner, ebenfalls oft mitverantwortlich für den neuen Namen gemacht. Es ist wohl auch kein Zufall, dass Kickboxen nach dem Vietnamkrieg entstand. Die Amerikanischen GI's waren schließlich in Thailand stationiert, wo der Nationalsport Thai-Boxen ist. Kickboxen gleicht - bis vielleicht auf dem französischem Boxen (Savate) - keiner anderen Kampfsportart mehr, als dem Thai-Boxen. Thai-Boxen gilt als eine ursprüngliche Form des chinesischen Boxens (Kung Fu), wobei wir wieder „back to the roots“ wären. Wenn man beim Thai-Boxen die Knie- und Ellenbogentechniken weg lässt, ist man im Prinzip beim Kickboxen. Beim Thai-Boxen haben die Kicks eine höhere Bedeutung, da die Füße nicht mit Protektoren bedeckt sind.

Verbreitung und heutige Bedeutung

Heute ist Kickboxen weltweit unter dem neuem Namen verbreitet, wobei einige der Verbände noch die Beziehung zum Karate erkennen lassen. Die Gründung verschiedener Organisationen, welche jeweils eigene Einflussbereiche besitzen und getrennte Meisterschaften bestreiten, hat für eine schnelle Verbreitung des Kickboxen in die ganze Welt gesorgt.

Wenn wir die Zahlen der Mitgliedsländer der WAKO als ausschlaggebenden Faktor nehmen, dann hat Europa mit über 40 Ländern das meiste Interesse an dem jungen Kampfsport, gefolgt von Asien mit knapp 30 Mitgliedsländern.

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Die Philosophie des Kickboxens

Immer wieder gerät Kickboxen in Verruf und Kickboxer werden oft als Straßenschläger dargestellt. Etwas dazu beigetragen hat sicherlich die fehlende Tradition. Die westliche Welt hat aus den verschiedenen Kampfsportarten die Techniken extrahiert ohne die Philosophie, Ethik o.ä. zu übernehmen. Es bleibt also jedem selbst überlassen, wie er seine erlernten Fähigkeiten einsetzt. Hinzu kommt, dass sich auch kriminelle Menschen sich gerne einer effektiven Kampfsport bedienen. Das bedeutet aber nicht, dass Kickboxer automatisch keine Ethik haben müssen oder sogar kriminell wären. Es kommt nur darauf an, was wir aus einer Sache machen. Ein Messer kann z. B. zum schneiden von Apfelsinen benutzt werden oder aber auf ein Bajonett aufgepflanzt werden.

Kampfsport ist eine der ältesten Sportarten auf der Welt und das Kämpfen war bzw. ist ein wichtiger Teil unserer Natur. In Ägypten gab es bereits vor 5000 Jahren Boxveranstaltungen. Die Kampfsportarten wie Boxen, Ringen usw. waren die ersten Disziplinen bei den olympischen Spielen im alten Griechenland. Dem Menschen steckt der Kampf und auch die Aggression in den Genen. Man kann Aggressionen für schlecht empfinden, aber unser Stammhirn und die Hormone funktionieren immer noch wie bei den Dinosauriern und können nicht verleugnet werden. Warum also nicht den Kampf als Sport betreiben und die Aggressionen im Sport beherrschen lernen bzw. abbauen?

Große Kämpfer sind Idole für viele Menschen, wie z. B. Bruce Lee, Chuck Norris, Jackie Chan, usw. Die Budo-Künste sehen nicht nur die Aufgabe den Gegner zu besiegen, sondern sich selbst. Es geht um Körperbeherrschung und Disziplin gegen sich selbst. Kickboxer sind daher in der Regel charakterstarke Menschen mit viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. „Schlägertypen“ haben nicht das Durchhaltevermögen für das harte Training. Auch wenn beim Kickboxen hart gekämpft wird, steht die Fairness an oberster Stelle und nach einem Kampf gibt es keine Rivalitäten. Ausnahmen bestätigen wie überall nur die Regel. Jeder Kickboxer hat vor einem Kampf eine gewisse Angst und lernt mit ihr umzugehen sowie mit Niederlagen fertig zu werden.

Die verschiedenen Wettkampfarten im Kickboxen

Kickboxen ist ein Wettkampfsport, der hohe Reaktions- und Kombinationsfähigkeit von sich verlangt. Eine Vielzahl von Hand sowie Fußtechniken ermöglichen den Kampfsportler seine körperlichen Begabungen voll auszuschöpfen. Grundlegend charakterisiert man 3 Disziplinen: Semi-, Leicht- sowie Vollkontakt-/ Kickboxen.

Semi-Kontakt-Kickboxen

Semi-Kontakt-Kickboxen ist stark auf Geschwindigkeit und Präzision ausgerichtet, mit einem klaren Fokus darauf, Punkte durch präzise, gut getimte Treffer zu erzielen. Der physische Kontakt ist minimal, und die Kämpfe werden oft gestoppt, sobald ein Punkt erzielt wurde, um diesen zu bewerten.

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  • Kontaktintensität: Leicht bis moderat.
  • Ziel: Punkte durch schnelle, kontrollierte Treffer zu erzielen, ohne den Gegner zu verletzen.
  • Bewertung: Kämpfe werden durch das Sammeln von Punkten gewonnen, die für erfolgreiche Treffer vergeben werden.
  • Sicherheitsausrüstung: Oftmals inklusive Kopfschutz, Schienbeinschützer und gepolsterte Handschuhe.
  • Strategie: Betonung von Geschwindigkeit, Technik und Taktik.

Vollkontakt-Kickboxen

Vollkontakt-Kickboxen erfordert eine robuste physische Konditionierung und die Fähigkeit, kraftvolle Treffer zu vergeben und zu empfangen. Es gibt ein höheres Verletzungsrisiko und nicht selten werden Kämpfe durch ein „Knockout“ gewonnen.

  • Kontaktintensität: Hoch.
  • Ziel: Den Gegner durch kraftvolle Treffer zu besiegen.
  • Bewertung: Punkte werden für Technik und Wirkung der Treffer vergeben.
  • Sicherheitsausrüstung: Mundschutz und Tiefschutz sind Standard; Handschuhe sind oft leichter und weniger gepolstert.
  • Strategie: Fokus auf Kraft, Ausdauer und die Fähigkeit, Treffer zu absorbieren.

Leichtkontakt-Kickboxen

Leichtkontakt-Kickboxen bietet eine Mischung aus technischer Präzision und moderater physischer Intensität. Es ermöglicht Kämpfern, ihre Fähigkeiten in einem kontrollierten Umfeld zu demonstrieren, in dem Technik und Taktik im Vordergrund stehen, ohne den Fokus auf KOs.

  • Kontaktintensität: Moderat.
  • Ziel: Technik und Geschwindigkeit zu demonstrieren, ohne den Gegner zu verletzen.
  • Bewertung: Punkte werden hauptsächlich für Technik und Kontrolle vergeben.
  • Sicherheitsausrüstung: Inklusive Kopfschutz und oft mit mehr Polsterung in den Handschuhen.
  • Strategie: Betonung von Technik, Geschwindigkeit und defensiven Fähigkeiten.

Jeder Stil hat seine eigenen Merkmale und kann je nach den Zielen und der physischen Verfassung des Kämpfers geeignet sein. Einige Kämpfer mögen sogar in mehreren Stilen trainieren und kämpfen, um ihre Fähigkeiten und Erfahrungen zu diversifizieren.

Die Bedeutung des Kickboxens im modernen MMA-Kampf

Kickboxen spielt im modernen MMA-Kampf eine große Rolle. In der Tat kann man nicht erwarten, erfolgreich zu sein oder das hohe Niveau des Spiels zu erreichen, ohne zumindest grundlegende Kickboxfähigkeiten zu besitzen. Ob K-1, holländischer Stil oder Muay Thai, die meisten Kickboxstile passen gut zum Käfigkampf.

Bekannte Stile des Kickboxens

  • Japanischer Stil
  • Amerikanischer Stil
  • Holländischer Stil

Zeitleiste der Kickboxen-Entwicklung

Jahr Ereignis
1970 Kung-Fu-Legende Bruce Lee steigert die Popularität fernöstlicher Kampfsysteme.
1974 Mike Anderson und Georg F. Brückner einigen sich auf einheitliche Regeln für Kickboxen und führen Schutzausrüstung ein.
1977 Gründung der WAKO (World All-style Karate Organisation) als Weltverband, gefolgt von der Gründung der WAKO Germany.
1987 Die WAKO benennt sich nach internen Auseinandersetzungen in "World Association of Kickboxing Organisations" um.
1991 Low Kick etabliert sich als neue Disziplin.
2000 Kickboxen wird vielseitiger, mit sieben verschiedenen Disziplinen in der WAKO.
2017 WAKO Deutschland wird als 101. Mitglied in Deutschland anerkannt.
2021 Die WAKO nähert sich dem Traum von Olympischen Spielen.
2022 Vorschlag zur Aufnahme der WAKO und des Kickboxens in das Programm für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.