Das Land erhielt von den Mauren den Namen "al-Andalus". Der Name leitet sich von den Wandalen ab, die lange vor den Westgoten vorübergehend auf der Halbinsel gesiedelt hatten. Die Wandalen hatten später nach Nordafrika übergesetzt und waren mit arabischen Berberstämmen in engen Kontakt gekommen.
Sie kamen für die Araber aus "al-Andalus", dem Wandalenland, und so nannten sie später bei ihrer Ankunft auf der Halbinsel das Land weiterhin bei diesem Namen. Die muslimischen Mauren machten in der Folgezeit auch an den Pyrenäen, der Gebirgskette, die Spanien vom übrigen Europa trennt, nicht halt. Sie eroberten Gebiete im heutigen Südwestfrankreich.
Von dort aus unternahmen sie immer wieder Vorstöße in das Gebiet der christlichen Franken, die für Muslime die „Ungläubigen“ waren. Im arabischen Mutterland stürzten 750 die Abbasiden die bislang herrschende Omaijaden-Dynastie. Im Juni 750 wurden die Tore von Damaskus, dem Sitz des Omaijaden-Kalifats, geöffnet.
Das weiße Banner der Umijaden verschwand und wurde durch die abbasidische schwarze Fahne ersetzt. Kalif Abd ar-Rahman I. Abd ar-Rahman I., dem letzten Omaijaden-Kalif, gelang die Flucht von Damaskus nach Andalusien, wo er ein Gegenreich zum Abbasidenreich gründete. Bis 1031 herrschten in Andalusien die Omaijaden. Das politische Zentrum dieses muslimischen Reiches lag während dieser Zeit in Cordoba.
Die Herrschaft von Abd ar-Rahman I. und seinen Nachfolgern
Andalusien erlebte unter den Omaijaden-Herrschern eine außergewöhnliche Blütezeit. Abd ar-Rahman I. schuf zum Selbstschutz ein stehendes Heer von 60.000 Mann. Nach seinem Tode 788 konnte Abd ar-Rahmans Sohn Hakâm I.
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Nördlich einer Linie, die von den Flüssen Duerro und Ebro gebildet wird, entstanden in der Folgezeit christliche Fürstentümer und Königreiche. Der Großteil Spaniens jedoch geriet dauerhaft unter muslimische Herrschaft. Weitere bedeutende Orte neben Cordoba waren Sevilla, die Hafenstädte Almería, Denia und Valencia sowie die inländischen Metropolen Badajoz, Toledo und Zaragoza, welche die Zentren der Grenzmarken zu den christlichen Nachbarn bildeten.
Im letzten Jahr der Regierung Abd ar-Rahmans II., man schrieb 825, plünderten die nordischen Seefahrer das andalusische Sevilla. Seine größte Pracht entfaltete Al Andalus unter dem Omaijaden Abd ar-Rahman III., der von 912-961 n. Chr. regierte. Er war nach einer Zeit der politischen Wirren im muslimischen Andalusien an die Macht gekommen und wurde schließlich der erfolgreichste Herrscher in Córdoba.
Während seiner 49jährigen Regentschaft versöhnte er den regionalen Araberadel, die Berber und die Muwallad miteinander. Er war der Sohn einer Nebenfrau seines Vaters, einer fränkischen Sklavin. 926 ließ sich Abd ar-Rahman III. zum "Herrscher aller Gläubigen" ausrufen, um anzuzeigen, daß er sich und Spanien endgültig von Bagdad gelöst hatte.
Den Titel Emir, den seine Vorgänger trugen, um vom Kalifat in Bagdad geduldet zu werden, ersetzte er nun selbstbewußt durch Kalif. Widerspruch auf diese politische Demonstration blieb aus, weil die Abbassiden praktisch keine Macht mehr besaßen. Parallel dazu baute Kalif Abd al-Rahmar ein neues Söldner-Heer aus gekauften Kriegssklaven auf. Sie hießen Saqalib und kamen aus dem germanischen und slavischen Osten.
Da diese Sklaven schon als Kinder gekauft wurden, konnten sie leicht erzogen und islamisiert werden. Sie wurden zu den treuesten Gefolgsleuten der Kalifen. Um die Gläubigen enger an sich zu binden ließ der Kalif Abd al-Rahmar III. Córdoba als alternativen Wallfahrtsort zu Mekka ausrufen, was der Stadt ungeheuren wirschaftlichen Aufschwung brachte.
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Kulturelle und wirtschaftliche Blüte unter Abd ar-Rahman III.
Mit dem Abfall Córdobas von Bagdad entwickelte sich eine geschlossene Kultur, die sich ungestört von der Auseinandersetzung zwischen Christentum und dem Islam entwickeln konnte. Die Entwicklung der Landwirschaft im Andalus nahm unter Abd ar-Rahman III. einen schier unglaublichen Aufschwung. Der Kalif gründete das „Tribunal de las Aguas“, das die Verteilung des Wassers an die Bauern regelte und Streitigkeiten schlichtete.
Das System der Wasserkanäle stammte schon von den Römern. Die sagenhafte Fruchtbarkeit der „Huertas“, wie die intensiv genutzten, bewässerten Obst- und Gemüseländereien heißen, machten Cordoba reich. Das Bewässerungssystem ist zum Teil bis heute unverändert in Betrieb. Auch die damals von den Mauren eingeführten Pflanzen werden noch immer in Spanien angebaut und machen auch im 21. Jahrhundert einen Großteil des spanischen Exports aus.
„In der Nähe Cordobas, in dem Garten seines Schlosses, das er nach Plänen des Wüstenpalastes seines Ahnherrn in Syrien erbaute, pflanzte ein arabischer Fürst die erste Palme in Andalusien“, schreibt Sigrid Hunke. Gegen Ende der Regierung des Kalifen Abd ar-Rahmans III., um 961, war Córdoba die bevölkerungsreichste und wohlhabendste Stadt Europas. Spanien galt als Heimat des feinen Lebensgenusses und hoher wissenschaftlicher und künstlerischer Tätigkeit.
Nach arabischen Quellen soll die Stadt um das Jahr 1000 eine halbe Million Einwohner gehabt haben. Europäische Reisende berichteten zu Hause von dem sagenhaften Komfort und Luxus Córdobas. Sie erzählten von gepflasterten Straßen, die des Nachts beleuchtet wären, von Wohnhäusern, die mit fließendem Wasser ausgestattet seien und von Kristallglas, das die Gold- und Silberbecher als Trinkgefäße verdrängt habe.
Außerdem von den teuren Gewürzen, die hier angepflanzt würden wie Zimt, Safran, Koriander, Ingwer, Muskat und Nelken. Diese Schätze wurden dann alsbald von al-Andalus ins mittelalterliche Europa ausgeführt, wo sie die Speisen verfeinerten.
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Einwohnerzahl und Einrichtungen in Córdoba um das Jahr 1000
Die folgende Tabelle zeigt die beeindruckende Anzahl an Gebäuden und Einrichtungen in Córdoba um das Jahr 1000:
| Einrichtung | Anzahl |
|---|---|
| Häuser | 113.000 |
| Läden | 80.455 |
| Moscheen | 600 |
| Hospitäler | 50 |
| Öffentliche Bäder | 300 |
| Öffentliche Schulen | 80 |
| Höhere Lehranstalten und Hochschulen | 17 |
| Öffentliche Bibliotheken | 20 |
