Karat und die Bedeutung von "Albatros"

Die Gruppe Karat war vor der Wende ein Teil des Ost-Rock - und wurde auch im Westen gehört. Karat war eine 1975 gegründete Band aus Berlin, die zu den erfolgreichsten in der DDR gehörte und mit deutschsprachiger Rockmusik erfolgreich ist.

Der Sturmvogel Albatros mit seinen mächtigen Schwingen hat schon viele Künstler inspiriert. Im Pop entstanden zwei ganz besondere Songs: 1968 schrieb Gitarrist Peter Green für Fleetwood Mac sein unsterbliches, schwebendes Instrumental. Elf Jahre später ließ die Berliner Band Karat auf dem Album „Über sieben Brücken“ ihren Albatross steigen.

Keyboarder Ulrich Swillms, der „Ed“ genannt wurde, fand eine eigenartige Tonfolge auf dem Synthesizer, spielte Streicher dazu, sang beim Komponieren eine Melodie, bevor er noch ein mächtiges zweistimmiges Gitarrenthema im Mittelteil einwob. Dazu ließ der Text aufhorchen.

Denn Herbert Dreilich besang hier einen Vogel, der mit seinem Freiheitswillen alle Schlösser und Riegel, alle Fesseln und Ketten sprengt - „Gefangenschaft heißt für ihn Tod“.

Der Song Albatros von Karat hält die symbolische Figur des Albatros hoch, die nicht nur ein majestätischer Vogel ist, sondern auch ein Zeichen für Freiheit und Unabhängigkeit repräsentiert. In den ersten Strophen beschreibt der Text, wie der Albatros um die Erde fliegt, ohne Grenzen und mit Würde. Diese Freiheit des Albatros steht im Kontrast zu den ängstlichen Matrosen, die oft von den Weiten des Meeres eingeschüchtert sind.

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Ein zentrales Thema des Liedes ist die Gefangenschaft. Der Albatros, der in Schlingen gefangen wird, spiegelt die Not der Menschen wider, die unterdrückt oder in ihrer Freiheit eingeschränkt sind. „Die Sklaven der Erde“ werden in einem Atemzug mit dem Albatros genannt, was verdeutlicht, dass das Schicksal der einen auch das der anderen beeinflusst.

Der Text malt kräftige Bilder von Kämpfen gegen die Widrigkeiten, von stürmischen Gewässern und dem unermüdlichen Drang, die Fesseln zu sprengen. Der Albatros symbolisiert den unbezwingbaren Geist und den Wunsch nach Freiheit, selbst unter extremen Bedingungen. Diese Metaphern laden die Hörer ein, darüber nachzudenken, wie wichtig es ist, für seine Freiheit zu kämpfen und nicht aufzugeben, egal wie stark die Herausforderungen auch sein mögen.

Laut Karat-Gitarrist Bernd Römer ging der Text von Norbert Kaiser bei den DDR-Kulturbehörden nur durch, weil er als Anklang an Pablo Nerudas Ode vom „Gemordeten Albatros“ gehört werden konnte; Solidarität mit den Sozialisten in Chile war damals ein großes Thema im DDR-Rock.

Der Song hat bis heute nichts von seiner Kraft verloren, passte mit seinen mehr als acht Minuten Spieldauer aber nicht ins Radio, anders als Titel wie „König der Welt“, „Über sieben Brücken“, „Gewitterregen“, „Schwanenkönig“, „Der Blaue Planet“ oder „Jede Stunde“ - allesamt Karat-Hits jener Jahre, alle komponiert von Ed Swillms.

Die elegisch-schwärmerischen Keyboard-Klänge von Swillms, die weiche Stimme von Herbert Dreilich und die metaphernreichen Texte von Norbert Kaiser ergaben einen Dreiklang, der Karat zur erfolgreichsten DDR-Band jener Jahre machte.

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„Allgemein konnten wir aber mit der Zensur ganz gut umgehen, weil wir genau wussten, worauf die gucken", sagt Römer. "Außerdem hatten wir einen klugen Texter, der Themen fast fabelmäßig transportierte." Zum Beispiel beim "Albatros". Da sang die Band vom Drang der Sklaven nach Freiheit.

"Hier wird ganz klar die Situation in der DDR geschildert. Aber das Ding wurde zugelassen, weil es in Ursprung und Wortwahl Parallelen gab zu Pablo Neruda, der eine Gallionsfigur des chilenischen Freiheitskampfes war." Dagegen konnte das Lektorat nichts sagen. "Oder es wollte nicht. Ich habe manchmal das Gefühl, dass es mehr durchlassen wollte, als ihr Auftrag war."

Viele Fans sahen im Text allerdings ihr eigenes Dasein beschrieben, weshalb der Song auch einer der erfolgreichsten Songs der DDR wurde und Karat zum Kult machte.

Eine Interpretation wäre der Phoenix aus der Asche, angelehnt an die DDR_Hymne "Auferstanden aus Ruinen", was vielleicht die Zensoren dem Song andichteten. Da die Zensur dies entweder nicht erkannte oder nicht ahnden konnte, da der Text eben nicht offensichtlich darauf einging, griff die Zensur nicht.

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