Deutsche Karate Weltmeister Liste: Eine Erfolgsgeschichte

Karate ist eine alte Kampfkunst, die Schläge, Tritte und Blöcke zur Selbstverteidigung kombiniert. Im Karate-Wettkampf werden zwei Disziplinen ausgetragen: Kumite (Kampf) und Kata (Form).

Kumite

Beim „Kumite” (Kampf) stehen sich zwei Karateka auf einer Kampffläche (Tatami) gegenüber und versuchen Stoß-, Schlag- und Tritt-Techniken in Richtung Kopf, Torso und Rücken, ausgenommen Wirbelsäule, anzubringen. Die Kriterien sind so gehalten, dass Verletzungen der Gegnerin bzw. des Gegners möglichst ausgeschlossen sind: Wer sich nicht an die Vorgaben hält, erhält eine Verwarnung oder wird sogar disqualifiziert. Im Kumite gibt es sowohl bei den Damen als auch bei den Herren fünf Gewichtsklassen. Ein Kumite-Duell dauert drei Minuten.

Kata

Die Disziplin „Kata” (Form) ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken in verschiedenen Richtungen gegen imaginäre Gegner.

Karate ist seit der ersten Austragung im Jahr 1981 in Santa Clara (USA) fester Bestandteil der World Games.

Thomas Nitschmann: Eine Karriere im Zeichen des Erfolgs

Alles natürlich nicht absehbar, als er 1984 mit 14 Jahren zum Karate kommt. Sein Bruder Michael weiß Rat und nimmt ihn mit zum USC Duisburg. „Das 1:1, die Partnerübungen, der Kampf, das hat mich sofort fasziniert.“ Trainer Manfred Kulke sei ein „sehr flexibler Karateka“ gewesen.

Lesen Sie auch: Die Wurzeln des Karate

Vorher geht sein Weg im Wettkampf nur steil nach oben. 1989 holt der Duisburger die NRW-Landesmeisterschaft und den Deutschen Vizemeistertitel in der Allkategorie, fünf Jahre nach dem Karate-Einstieg.

„Damals wurde nicht nominiert, die ersten Fünf der DM kämpften in jeder Gewichtsklasse den EM-Startplatz aus.“ Nitschmann setzt sich in der Allkategorie durch und glaubt, er könne nicht mehr verlieren.

Am zweiten EM-Tag kämpft das Team um Bronze gegen die Türkei. Es steht 2:2. Thomas Nitschmann gewinnt den entscheidenden Kampf und seine erste EM-Medaille. Eine steile Lernkurve. „Die Tür zur Nationalmannschaft war offen.“ Nitschmann nutzt seine Chance und kämpft elf Jahre mit dem Bundesadler auf dem Gi. Anfängerfehler macht er nicht mehr und stürmt bis 2000 von Erfolg zu Erfolg. Er belegt Platz drei bis 80 Kilogramm bei der WM 2000 in München und wird Vizeweltmeister im Team.

Denn einzig der Welt- und Europameistertitel bleiben dem 52-Jährigen verwehrt. 1997 wird er Vizeeuropameister, belegt acht dritte Plätze bei Europameisterschaften, gewinnt dreimal den Shotokan World-Cup und den Shotokan Europa-Cup. Eine einzigartige Karriere im deutschen Karate nimmt ihren Lauf.

Thomas Nitschmann gewinnt dreimal die Dutch-Open, dazu die French-Open, die British Open und die Finnish Open.

Lesen Sie auch: Umfassende Karate-Informationen

Mit Kata-Abläufen ist der 7. Dan nicht in Verlegenheit zu bringen. Sein Herz schlägt aber für das Kumite. Als Grüngurt kämpft er mit 15 Jahren sein erstes Turnier. Es gibt keine Alters- und Gewichtsklassen - und keine Faustschoner. Nitschmann kommt prompt ins Krankenhaus. Eine Augenbraue muss geklebt werden.

„Ich bin selbstständig, seit ich 16 bin“, betont Nitschmann. Nach der Realschule will er raschl finanziell unabhängig werden und erlernt deshalb bis 1991 bei Thyssen den Beruf des Industriemechanikers. Nach der Lehre ist schnell klar: „die Arbeit verträgt sich nicht mit dem Karatetraining“. Jobs sorgen zwei Jahre lang für den Lebensunterhalt und für genügend Trainingszeit. Die berufliche Wende kommt mit einer Umschulung. Thomas Nitschmann qualifiziert sich als Kommunikationselektroniker (Fachrichtung Funktechnik) und heuert 1995 bei Nokia in Bochum an. Die goldenen Jahre des Handyherstellers sollen noch kommen. Der Duisburger ist mit dabei.

Thomas Nitschmann zeigt im Job die Eigenschaften, die ihn im Karate erfolgreich machen. Er steigt zum Manager und Chef von 84 Leuten auf. „Ich habe Reparaturteams ausgebildet, geführt und geleitet.“

Seit 2004 arbeitet er als DKV-Bundestrainer für Jugend und Junioren. „Da sind 13 bis 14 Urlaubstage pro Jahr nur für Karate draufgegangen.“ 2007 übernimmt Nitschmann die Leistungsklasse der Damen. Die sportlichen Verpflichtungen nehmen weiter zu. Anfang 2008 will er deshalb kündigen. Das Zaudern entpuppt sich als Glücksfall.

17 Jahre bleibt der Duisburger im Amt. Er wird der erfolgreichste deutsche Karate-Bundestrainer aller Zeiten und gewinnt mit seinen Aktiven alle Titel im Welt-Karate. Das Dojo USC-Duisburg gehört regelmäßig zu den erfolgreichsten Vereinen Deutschlands, wenn am Jahresende Bilanz gezogen wird.

Lesen Sie auch: Transfer: Behrang Safari zu Anderlecht

„Karate hat was mit Perfektion zu tun. Bei mir ist es so, dass ich die Bereiche, die ich mache, sehr gut machen will“, sagt er. Ob das mit dem Karate gekommen oder nur verstärkt worden sei, könne er nicht sagen.

Genau festzuhalten sind jedenfalls die Erfolge, die Thomas Nitschmann mit seinen Kaderaktiven errungen hat. Horne gewinnt die World Games, wird Weltmeister und mehrfach Europameister. Kora Knühmnann erringt zwei Welt- und sieben Europameisterschaften. Das deutsche Damenteam holt WM-Gold, das Herren-Team wird Europameister. Die Erfolgsaufzählung kann nicht vollständig sein, allein aus Platzgründen.

Standesgemäß verabschiedet sich Thomas Nitschmann 2021 bei der Europameisterschaft. Es gibt Gold für Jonathan Horne und das Kumite Damen Team sowie zweimal Vize-Titel für Shara Hubrich und Jana Messerschmidt.

„Ich will Deutschland an die Weltspitze führen“, schreibt Nitschmann 2007 in die Prüfungsarbeit zum 4. Dan. Ein Prüfer belächelt diese Aussage. „2008 sind wir erstmals mit dem Frauen-Team Weltmeister geworden“, sagt der Bundestrainer a. D.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, ich ruhe in mir und brauche keine Leute, die mich anhimmeln“, stellt Thomas Nitschmann klar. Über Wertschätzung freut er sich trotzdem sehr.

Dieses Amt hat Nitschmann „mit großer Überzeugung“ nach dem Ausscheiden beim DKV übernommen. „Wir sind sehr froh, dass wir diesen herausragenden Sportler und Trainer als Landestrainer gewinnen konnten“, sagt Rainer Katteluhn (8. Dan). Er weiß, warum.

„Wenn Meisterschaften nicht erfolgreich waren, habe ich anschließend lange überlegt, woran es lag“, berichtet Thomas Nitschmann. Er könne Niederlagen ganz schlecht wegpacken.

Weitere Erfolge im Deutschen Karate

Ilja Smorguner

Der dreißigjährige Ilja Smorguner hatte in der Vorrunde unter anderem den amtierenden Weltmeister Antonio Diaz entthront und war absolut dominierend in die Finalrunde eingezogen. Dort traf er auf den Japaner Ryo Kiyuna, der seine „Annan“ eindrucksvoll in der mit rund 10.000 Zuschauern ausverkauften Arena präsentierte. Smorguner, der in München trainiert und den 3. Dan im Shito Ryu trägt, konterte den Auftritt mit der „Annan“. Trotz einer starken Vorführung und der Unterstützung durch das Publikum entschieden die Kampfrichter für den Japaner. Dennoch ist der Erfolg Smorguners ein historisches Abschneiden: Es handelt sich um die erste Medaille in dieser Disziplin seit 30 Jahren - und zugleich die höchstwertige, die bisher erreicht worden ist.

Deutsche Kata-Damen

Die drei Athletinnen Jasmin Bleul, Sophie Wachter und Christine Heinrich besiegten die japanische Auswahl mit 3:2.

Kumite-Herren

Die Kumite-Herren mit Mehmet Bolat, Noah Bitsch, Nikolosz „Nika“ Tsurtsumia, Jonathan Horne und Heinrich Leistenschneide konnten sich trotz großen Einsatzes letztlich nicht gegen den Iran durchsetzen und unterlag nach fünf Kämpfen mit 2:3 denkbar knapp.

Jonathan Horne

Jonathan Horne träumt von Gold in Tokio. Für den 31-jährigen Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen geht mit der Aufnahme seiner Sportart ein lang gehegter Traum in Erfüllung. „Olympia ist für jeden Leistungssportler das größte Ziel - einfach, weil es die größte Bühne der Welt ist“, sagt Horne, der in seiner beeindruckenden Karriere außer WM-Gold noch zwei weitere WM-Medaillen, bislang fünf EM-Titel und die World Games gewonnen hat.

Horne sagt deshalb:„Wenn ich schon einmal da bin, dann will ich natürlich auch die Goldmedaille holen.“

Wie er mit den leichteren Konkurrenten zurechtkommt, wird spannend - zu den Medaillen-Favoriten für Tokio gehört Jonathan Horne aber so oder so. Auch, weil er nach mehreren vergebenen Anläufen bei Weltmeisterschaften inzwischen sein Mindset geändert hat. Er sieht sich nicht mehr als Gejagter, sondern als Jäger; sagt sich, er habe nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen.

„Jeder kann schlagen und treten, aber im richtigen Moment mental da zu sein, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen, ist das Schwierige“, sagt Horne.

Aktuelle Deutsche Meister 2023 (Leistungsklasse)

Die Deutschen Meisterschaften im Karate bringen regelmäßig neue Talente und bestätigen die Leistungen etablierter Athleten. Hier eine Übersicht der Sieger aus dem Jahr 2023:

KategorieGewichtsklasseNameVerein
KataEinzel DamenJasmin JüttnerSC Judokan Frankfurt
KataEinzel HerrenLukas GrimmSV Unsu Mömlingen
KumiteDamen -50 kgSeden BugurSC Banzai Berlin
KumiteDamen -55 kgGizem BugurSC Banzai Berlin
KumiteDamen -61 kgReem KhamisHarburger TB
KumiteDamen -68 kgHannah RiedelKD Chikara-Club Erfurt
KumiteDamen +68 kgJohanna KneerKJC Ravensburg
KumiteHerren -60 kgMuhammed ÖzdemirTSG Wiesloch
KumiteHerren -67 kgTim SteinerMTV Ludwigsburg
KumiteHerren -75 kgPhilipp WalgerTeam Fightclub Westerwald
KumiteHerren -84 kgJanne HauboldSport- und Karateschule Stassfurt
KumiteHerren +84 kgKonstantinos PapastergiosMTV Ludwigsburg
KataTeam DamenTasha Pothmann, Rebecca Ohnesorge, Christina DannenbergLandesverband Hessen
KataTeam HerrenJan Clemens, Lion-Cem Edin, Noel SeitzLandesverband Hessen