Claudio Castagnoli: Vom Schweizer Talent zum internationalen Wrestling-Star

In der Schweiz kennt Wrestling-Profi Claudio Castagnoli kaum jemand, in den USA ist er als Cesaro ein Star. Er ist einer der bekanntesten Wrestler der Welt.

Die Anfänge und der Durchbruch

Claudio Castagnoli, einst ein schüchterner Schüler aus dem luzernischen Meggen, tourt heute als Showfigur Antonio Cesaro mit den besten Wrestling-Kämpfern durch die Welt. Seit 18 Jahren lebt der mittlerweile 38-Jährige seinen Traum im grossen Wrestling-Land, schlug sich während Jahren als Showkämpfer in Bars und kleinen Hallen durch, bis er von der millionenschweren World Wrestling Entertainment (WWE) unter Vertrag genommen wurde.

Möglich machte seine Wrestling-Karriere damals übrigens der Zufall: In einer Lotterie gewann er eine Green Card, die Arbeitsbewilligung für die USA. 2004 gewann er in der Lotterie eine Greencard und wanderte danach in die USA aus. «Ich bin für Benzingeld in Bars und kleinen Hallen aufgetreten. Ich wollte es unbedingt bis ganz nach oben schaffen.» Sieben Jahre später wird Cesaros Traum wahr, und er wird von der millionenschweren World Wrestling Entertainment (WWE) unter Vertrag genommen.

Cesaro: Markenzeichen und Erfolge

«King of Swing», «Swiss Superman» oder «Swiss Cyborg». So nennen sie ihn, die Amerikaner, und wenn man weiss, dass kaum eine Gesellschaft so viel Freude am Etikett hat wie die USA, so macht es durchaus Sinn.

Cesaro ist gross und athletisch und muskelbepackt, sein Markenzeichen ist die «Giant Swing», die Riesen-Schaukel. Die Gegner pflegt er dann bei den Beinen zu packen, die Zuschauer rufen und drehen ihre Zeigefinger in der Luft. Immer schneller schwingt Cesaro die oft über 100 Kilogramm schweren Athleten durch den Ring, bis zu 30 Sekunden lang. Für diese Aktion ist Claudio Castagnoli bekannt: Mit seinem «Giant Swing» wirbelt er seine Gegner durch die Luft. Einer seiner Übernamen ist darum auch «King of Swing».

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Herausforderungen und Zukunftspläne

Wrestling zehrt am Körper. Vor zwei Jahren schlug sich der Hüne am Ringpfosten eine ganze Zahnreihe aus, monatelang musste er danach eine Spange tragen. «Allzu lange kann ich das nicht mehr machen», sagte Castagnoli jüngst der NZZ, «jeder Wrestler arbeitet auch für seine Zukunft.»

Auf ein Leben in Saus und Braus verzichtet er, sein Alltag bestehe aus Trainieren und (Show)kämpfen, führt Castagnoli weiter aus. Sein Vertrag mit All Elite Wrestling läuft noch mehrere Jahre, und aktuell denkt Castagnoli noch nicht über das Ende seiner Karriere nach. Er will den Traum weiterleben. «Aber in letzter Zeit denke ich öfter darüber nach, danach in die Schweiz zu kommen. Man lernt die Ruhe, die Ordnung und die kurzen Distanzen zu schätzen.»

Die Verbindung zur Heimat

Eben war Cesaro gerade wieder für einen Kampf in der Schweiz, diesmal im Hallenstadion. Schön sei das immer, zurückzukommen, er vermisse die Schweiz sehr fest, sagte Castagnoli der «Luzerner Zeitung». Cesaros Zuhause ist die USA, Castagnolis Daheim die Schweiz.

Obwohl Cesaro seit vielen Jahren mit seiner Partnerin, der Wrestlerin Sara del Rey (38), in Florida lebt, ist er mit seiner Heimat immer noch eng verbunden. «Ich telefoniere wöchentlich mit meinen Eltern und höre nur Schweizer Radiosender wie DRS 3 oder Radio Pilatus.» Auch Live-Auftritte in der Schweiz, wie vor kurzem im Zürcher Hallenstadion, seien für ihn wichtig: «Das ist jedes Mal eine besondere Ehre für mich. Ich habe hier als Kind Kickboxlegende Andy Hug gesehen und seither davon geträumt, eines Tages selbst in diesem Ring zu stehen.»

Wechsel zu All Elite Wrestling (AEW)

Claudio Castagnoli, besser bekannt als Wrestler Cesaro, war seit einigen Monaten arbeitslos. Jetzt steigt er wieder in den Ring.

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Der bekannteste Schweizer Wrestling-Star, Claudio «Cesaro» Castagnoli, hat einen neuen Arbeitgeber: Seit gestern ist bekannt, dass er sich All Elite Wrestling (AEW) angeschlossen hat, einem Rivalen des Platzhirschen World Wrestling Entertainment (WWE), wo der 41-Jährige aus Meggen seit 2011 unter Vertrag war. Mit dem neuen Arbeitgeber wechselt auch sein Name: Künftig verzichtet er auf seinen Künstlernamen Cesaro und wird nur noch unter seinem echten Namen auftreten.

An einer Pressekonferenz nach seinem Debüt begründete er auch damit seinen Schritt: Er fühle sich unter den zahlreichen alten Weggefährten bei AEW wie daheim, der Wechsel «passe perfekt». Castagnoli schien schon längere Zeit unzufrieden bei der WWE zu sein, denn trotz seiner grossen Beliebtheit bei den Fans blieben ihm grosse Titel verwehrt. Er sehe hier mehr Entfaltungsmöglichkeiten, denn: «Hier bei AEW kann alles passieren - hier werden die Leute gehört.»

Diese neu gewonnene Freiheit bewies er gleich bei seinem Auftritt am Sonntagabend vor 14'000 Zuschauerinnen und Zuschauer in Chicago: Seinen ersten Kampf beendete er mit seiner «Ricola Bomb», einer Attacke, die noch aus der Zeit vor der WWE stammt.

ROH-Weltmeistertitel

Seit vielen Jahren kämpft Claudio Castagnoli in den USA. Der Wrestler hat am vergangenen Wochenende einen Meilenstein erreicht. Der Luzerner krönte sich am Samstag zum ROH-Weltmeister. Erst im Februar verliess der Kämpfer, der unter dem Namen Cesaro bekannt war, die WWE. Er unterschrieb einen langfristigen Vertrag bei der AEW. Dieser Wechsel hat sich nun mit dem Championship-Titel bereits gelohnt.

Castagnoli, der nun mit seinem echten Namen antritt, besiegte Jonathan Gresham und ist damit der erste deutschsprachige World Champion in Amerika seit dem Österreicher Otto Wanz, der 1982 einen Titel hielt.

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Social Media Präsenz

Der Luzerner vermarktet sich optimal, auf Instagram folgen ihm mehr als zwei Millionen Menschen, womit er sich im Schweizer Vergleich vor Grössen wie Granit Xhaka (2 Millionen) oder Stan Wawrinka (1,1 Millionen) und zum Beispiel hinter Roger Federer (6,9 Millionen) einreiht.

Name Instagram Follower
Roger Federer 6.9 Millionen
Claudio Castagnoli (Cesaro) 2.1 Millionen
Granit Xhaka 2 Millionen
Stan Wawrinka 1.1 Millionen