Die Geschichte des Süddeutschen Verlags

Der Süddeutsche Verlag ist der Herausgeberverlag der Süddeutschen Zeitung. Er wurde am 25. Juli 1947 gegründet.

Die Gründerjahre

Schon im August 1945 hatte die Presseabteilung der amerikanischen Besatzungsmacht in Bayern den künftigen Lizenzträgern eröffnet, dass sie auch Verlagseigentümer werden sollten. Die neue Süddeutsche Zeitung (SZ) in München erschien ursprünglich in dem am 26. September 1945 gegründeten Verlag Süddeutsche Zeitung OHG August Schwingenstein & Co, im Dezember 1945 in Süddeutscher Verlag OHG August Schwingenstein & Co umgewandelt, der auch die Druckerei und die Verlagsrechte von Knorr & Hirth übernahm.

Am 25. Juli 1947 wurde dann die Süddeutscher Verlag GmbH gegründet. Gesellschafter waren August Schwingenstein (1881-1968), Edmund Goldschagg (1886-1971), Franz Josef Schöningh (1902-1960) und Werner Friedmann (1909-1969). Erst am 1. Januar 1953 wurde auch der frühere Betriebsleiter des Verlags Knorr & Hirth, in dem die Münchner Neuesten Nachrichten erschienen waren, Hans Dürrmeier (1899-1977), Gesellschafter des Süddeutschen Verlags, den er schon seit 1949 als Verlagsdirektor und Prokurist gemeinsam mit August Schwingensteins Sohn Alfred (1919-1997) leitete.

Die Gebäude und Druckerei der vom NS-Parteiverlag Franz Eher Nachfolger GmbH kontrollierten Knorr & Hirth GmbH waren nach Kriegsende auf den bayerischen Staat übergegangen, der sie an die Lizenzträger zunächst verpachtete. 1950 stand der Verkauf an. Das Verlagsvermögen wurde schließlich mit Ausnahme des Buchverlags am 6. April 1951 für fünf Mio. DM an den Süddeutschen Verlag verkauft.

Expansion und Krise

Über die Entwicklung des Verlags von den 1950er bis zu Beginn der 1990er Jahre sind zugängliche Quellen kaum vorhanden. Der Zeitungsverlag wurde zum florierenden Großunternehmen. Die Rezession von 1993 ließ das Anzeigengeschäft einbrechen, eine Krise des Verlags war die Folge. Weitere Gründe der Krise waren Gewinnentnahmen zugunsten der sich ständig untereinander befehdenden Eigentümer und der Expansionsdrang des Verlagsleiters Reiner Maria Gohlke (geb. 1934), der das Unternehmen zum Medienkonzern umwandeln wollte.

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Gohlke, von 1981-1990 Präsident der Deutschen Bundesbahn, war seit 1. April 1991 Sprecher der Geschäftsführung des Süddeutschen Verlags, seit 1. Januar 1993 deren Vorsitzender. Die von ihm zu verantwortende Beteiligung am privaten Fernsehsender Vox hatte 200 Mio. DM Verlust zur Folge. Auch das Engagement bei Fachzeitschriften war längere Zeit wenig erfolgreich. Verluste brachte überdies anfänglich das SZ-Magazin ein.

Auch die Zeitungsengagements in Franken und Thüringen und die Investitionen in den Bereich Elektronische Medien waren kostspielig. Mehrfach wurden deshalb kurzfristige Kredite nötig, die für den Verlag ruinös zu werden drohten. Dennoch erwarb Gohlke neue Beteiligungen wie die beim Verlag Moderne Industrie in Höhe von 100 Mio. DM. Die Verluste wollte er in erster Linie durch Personalabbau verringern. Für die SZ wurde 1998 eine eigene GmbH geschaffen, die dem Verlag untergeordnet war.

Als dann aber ein starker Einbruch des Gewinns offenkundig war, räumte man nur ein, dass die Konsolidierung nicht so schnell voranging wie erhofft. Tatsächlich drohte nach Gohlkes Ausscheiden im Jahr 2000 der finanzielle Zusammenbruch des Verlags. 2001 betrug das Defizit 43,9 Mio. €, 2002 76,6 Mio. €, obwohl die SZ 2002 mit 439.852 verkauften Exemplaren eine Rekordauflage hatte und im Marktanteil vor ihrer überregionalen Hauptkonkurrentin, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, lag. Der Stellenmarkt im Anzeigenteil halbierte sich dagegen jeweils von 2000-2002. Die Einnahmen aus Anzeigen betrugen 2005 nur noch 53 %, der Rest stammte aus dem Vertrieb.

Gohlkes Nachfolger Dirk Refäuter (geb. 1960) gab schon 2002 sein Amt wieder auf. Vor ihm war im selben Jahr auch bereits Bernhard von Minckwitz (1945-2023), der wesentlichen Anteil am Aufbau des Bereichs Fachinformationen hatte, wegen Differenzen über die Verlagspolitik aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Die Geschäftsführung wurde neu strukturiert.

Fünf Bereiche waren ihr von nun an direkt zugeordnet: der Anzeigenbereich mit der Marktforschung, der neue Bereich Kundenmanagement, der Bereich Logistik mit Vertrieb und Druck, der Bereich Verlagsproduktion und Informationstechnologie und der Bereich Projekte und Controlling. Damit hoffte man, die Effizienz der Konzernführung zu erhöhen.

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Die Rettung durch den Verkauf von Anteilen

Die Rettung konnte schließlich nur durch den Verkauf von Verlagsanteilen ermöglicht werden. Im November 2002 wurde schließlich die Übernahme von 18,75 % der Anteile durch die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH bekannt. Die Dachgesellschaft der Zeitungsgruppe Stuttgart mit zahlreichen Beteiligungen im Medienbereich ist neben der Axel Springer AG und der WAZ Mediengruppe (Funke Mediengruppe) eine der größten Unternehmensgruppen im Medienbereich in Deutschland. Die letzte Kontrolle über die Gruppe liegt beim Inhaber der Zeitung Rheinpfalz in Ludwigshafen, Dieter Schaub (geb. 1937). Branchenkenner schätzten den Preis für den Anteil am Süddeutschen Verlag auf 150 Mio.

Als neues Gremium wurde nach dem Einstieg der Südwestdeutschen Medien Holding GmbH ein Lenkungsausschuss als regulierende Instanz zwischen Gesellschaftern und Geschäftsführung des Süddeutschen Verlags eingesetzt. Vorsitzender wurde der Geschäftsführer der Medien-Union, Oliver Carsten Dubber (geb. 1955). Die Zusammensetzung bestimmte die sechsköpfige Gesellschafterversammlung, in der alle sechs Gesellschafter durch je eine Person vertreten waren. Deren Vorsitz hatte von 1982-2003 Hanns-Jörg Dürrmeier, ab 2004 Christian Goldschagg (geb. 1959). 2005 wurde der Lenkungsausschuss in einen Aufsichtsrat umfunktioniert.

Neben den Lenkungsausschuss und die Gesellschafterversammlung trat noch ein Herausgeberrat. Er bestand 2005 aus Werner Friedmanns Sohn, Johannes (geb. 1951), Hanns-Jörg Dürrmeier und Richard Rebmann (geb. 1958). Den Vorsitz hatte Friedmann. Im Juli 2018 wurde Dr. Christian Wegner (geb.

Insgesamt sollten nach dem Einstieg der neuen Mitbesitzer über 100 Mio. € eingespart werden. Es folgte ein Abbau von Arbeitsplätzen (2002-2004: 1.000 Arbeitsplätze) und die Einstellung verschiedener Angebote, darunter das Jugendmagazin jetzt (eingeführt 1993), die Berlin-Seite (1999-2002) und der Teil für Nordrhein-Westfalen (seit 1993). Der harte Sanierungskurs zeigte Wirkung. 2003 schrieb der Süddeutsche Verlag erstmals wieder schwarze Zahlen. Der Gewinn war von 54,8 Mio. € (2005) auf 78,1 Mio. € (2006) gestiegen. Neben dem Sanierungskurs hatte daran auch die bessere Konjunktur im Anzeigengeschäft ihren Anteil.

Der Umsatz stieg 2006-2007 um 21,198 Mio. € auf 727,545 Mio. €. Die SZ war mit einer Auflage von 441.500 Exemplaren Marktführerin geblieben. 2004 wurde der Stammsitz an der Sendlinger Straße in München an die Immobilientochter der Landesbank Baden-Württemberg und das amerikanische Unternehmen Hines verkauft, anschließend bis zur Fertigstellung des neuen Verlagshochhauses im Osten Münchens angemietet. 2006 begann der Bau des neuen 140 Mio. € teuren Verlagszentrums.

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Im November 2008 war das Verlagshochhaus in München-Steinhausen bezugsfertig. Der neben der Druckerei gelegene, "SZ-Turm" genannte Neubau wurde Anfang 2009 bezogen. Der Süddeutsche Verlag hatte das neue Gebäude bereits Ende 2007 an die Prime Office AG verkauft und von ihr zurückgemietet.

Im April 2007 wurde bekannt, dass eine Reihe der Erben der Lizenzträger ihre restlichen Anteile verkaufen wollten. Durch ihre beständige Uneinigkeit hatten sie die Lage des Unternehmens zusätzlich erschwert. Bis zum Dezember 2007 konnte man sich schließlich einigen: Mit Ausnahme der Anteile der Erben von Friedmann gingen zum 29. Februar 2008 alle übrigen Anteile der Alteigentümer (insges. 65,5 %) an die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH über. Über den Kaufpreis herrschen nur Vermutungen. Es wurde von 626 Mio. € gesprochen. Der Gesamtwert des Verlags wurde auf rund eine Mrd.

Das Gesellschaftskapital wurde bis 2011 auf 50 Mio. € erhöht. Dubber übernahm bald den Aufsichtsratsvorsitz. Für ihn trat Karl Ulrich (geb. 1962) in die Geschäftsführung ein. 2009 kam noch Detlef Haaks (geb. 1961) hinzu. Der seit Mitte 2000 vorgenommene Stellenabbau (über 100 Arbeitsplätze weniger) ging nach dem Verkauf weiter. 2008 wurden 90 Stellen gestrichen, je 30 sollten 2009 in Redaktion und im übrigen Verlag wegfallen.

Weitere Publikationen des Verlags

Der Süddeutsche Verlag knüpfte mit der Neugründung der Wochenzeitung Süddeutsche Sonntagspost im Jahr 1949 und der Münchner Illustrierten an schon im Vorgängerverlag Knorr & Hirth GmbH erscheinende Publikationen an. Die Süddeutsche Sonntagspost war bereits damals ein Verlustposten. Sie wurde 1951 wieder eingestellt.

Die Münchner Illustrierte wurde 1950 von Hans Habe (1922-1977) in der Nachfolge der Münchner Illustrierten Presse ins Leben gerufen. Habes Konzept, eine politische Illustrierte aufzuziehen, scheiterte. Er schied 1951 aus. Nach ihm war der vom Stern stammende Kurt Zentner (1903-1974) bis 1954 Chefredakteur. 1958 erreichte die Münchner Illustrierte eine Auflage von einer halben Million, konnte aber diesen Stand nicht halten. Kein Erfolg war auch die mit dem italienischen Verlag Arnoldo Mondadori (1907 gegründet von und benannt nach Arnoldo Mondadori [1889-1971]) seit 1963 gemeinsam herausgebrachte Kulturzeitschrift Epoca. Sie wurde 1970 bei einem geschätzten Schuldenstand von 20 Mio.

Der Münchner Stadtanzeiger war erstmals am 15. September 1945 als Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt München herausgekommen. Am 1. August 1950 übernahm der Süddeutsche Verlag den Stadtanzeiger. Er erschien zuerst einmal, später zweimal wöchentlich als Zeitungsbeilage.