Ja, wir befinden uns an einem Endpunkt der Geschichte. Den Anfangspunkt müssen wir erst noch finden. Es gibt so viele Lösungsansätze, die nur darauf warten, an den Start gehen zu dürfen.
Mit viel Zustimmung und Dankbarkeit habe ich Ihren Artikel gelesen. Mit Zustimmung deshalb, weil ich die Analyse teile und die drei strukturellen Vorschläge aus meiner Sicht durchaus hilfreich sind. Mit Dankbarkeit deshalb, weil ansonsten weitgehend - und wenig überraschend - eine Analogie besteht zwischen der medialen Darstellung und dem öffentlichen Bewusstsein: Die unterschiedlichen Krisen und Probleme werden allzu häufig nacheinander betrachtet, und zwar so, als ob es zu einem bestimmten Zeitpunkt immer nur eine Krise gäbe, nämlich diejenige, die durch tagesaktuelle Ereignisse am deutlichsten spürbar ist. Genau so wird man der Problemlage aber nicht gerecht; es braucht ganzheitliche Überlegungen und eine Öffnung des Horizonts, keine Verengung.
Allerdings wird am Ende des Artikels meines Erachtens auch deutlich, dass es problematisch ist, die (auch von Ihnen zu Beginn erwähnte) Krise der westlichen Demokratien in dieser Analyse auszublenden. Denn die "innere Weisheit der Demokratie" (an die zu glauben derzeit nicht immer leicht fällt) ist unlösbar verknüpft mit dem politischen Bewusstsein und den Werten der Menschen, die in ihr leben und handeln. Es gibt leider beträchtliche Teile in der Bevölkerung, die glauben wollen, dass sie von den diversen Krisen nicht persönlich betroffen seien und dass ihr Handeln folgenlos für die Zukunft des Planeten sei. Viele zweifeln sogar die Existenz zumindest einiger dieser Krisen per se an. Hier geht es letztlich um das Themenfeld Bildung und Erziehung, das als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden muss.
"Die Politik" muss "die Menschen" tatsächlich mit "der Wahrheit" konfrontieren. Das setzt aber voraus, dass deren Existenz sowohl grundsätzlich als auch im Konkreten überhaupt von den Menschen anerkannt wird. Hier müssen Glaubwürdigkeit "der Politik" und die Bereitschaft jedes einzelnen, Verantwortung zu übernehmen und nach Maßgabe der Vernunft zu handeln, zusammenfinden.
Die Vorschläge von Bernd Ulrich sind geeignete Starthilfen: Akzeptanz von Zumutungen, Synergien, lagerübergreifende Projekte. Der Schlüssel aber ist: Wir müssen anfangen! Loslassen ist notwendig, um endlich auf der Höhe unserer Zeit anzukommen und sich - befreit von der Last der alten Ideologien - auf den Weg der Veränderung unserer Art zu leben und zu wirtschaften machen zu können.
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Der Artikel von Herrn Ulrich zeigt in schonungsloser Klarheit auf, das es keinen Weg zurück gibt nach dem Motto: "Wir wollen unserer Freiheit wieder haben" oder "Wir wollen unser Leben zurück haben". Im Ergebnis wird es am Ende eben alles noch viel schlimmer und ich mag mir die Folgen eines weiter ungezügelt fortschreitenden Klimawandels gar nicht ausmalen. Aber Verzicht heisst auch die Systemfrage des Kapitalismus in seiner jetzigen Form zu stellen und auch da muß die Politik sehr bald Wege aus der Falle der inhärenten Wachstumszwänge aufzeigen. Dies alles wird Zumutungen bedeuten, aber wir werden nach meiner festen Überzeugung Wege finden in einer dann gefestigten Demokratie leben zu können. Es wird höchste Zeit, endlich gemeinsam aufzubrechen.
Diese sieben Krisen sind nicht nur eng verzahnt, sie haben ursächlich sogar einen gemeinsamen Nenner: Es ist die Bevölkerungsexplosion! Wenn vor ca. 2.000 Jahren etwa 300 Millionen Menschen die Welt bevölkerten und jetzt ca. 8 Milliarden, dürfte klar sein, dass unser Planet überfüllt ist wie ein Schlauchboot mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. Jede einzelne der sieben genannten Krisen lässt sich problemlos auf das Phänomen der Bevölkerungsexplosion zurückführen, mit Einschränkungen das Thema Krieg, nämlich dann, wenn er wie z. Z.
Es ist schwer verständlich, dass die Überbevölkerung als Ursache allen Krisenübels nicht näher thematisiert wird, zumal sie auch das vom Verfasser vorgeschlagene synergetische Potenzial bietet, mehrere Krisen auf einmal anzugehen. Ist es das von den üblichen Bedenkenträgern vorgetragene "wie soll das gehen?" oder die Kirche mit ihrem Dauerverbot der Geburtenkontrolle? China hat gezeigt, dass es geht und wie es geht, zumindest ein weiteres Wachstum der Bevölkerung einzudämmen. Worauf warten wir?
Die erste Forderung des Artikels besteht in "Zumutungen als unabdingbare Voraussetzung krisenwirksamen Handelns." Zumutungen erfordern Mut. Und von diesem Mut bräuchten wir in diesen Tagen mehr, auch in unserer Regierung. Wie können wir nur täglich dreistellige Millionenbeträge nach Russland fließen lassen? Dass Putin uns nicht längst den Gashahn zugedreht hat, zeigt ja, wie dringend er auf unser Geld angewiesen ist. Und genau deshalb brauchen wir jetzt den Mut, die Importe aus Russland sofort zu stoppen. Natürlich kommen dabei große Härten auf uns zu. Zumutungen eben. Eine mutige Regierung würde sie den Menschen erklären und dadurch erträglich machen. Es wäre unser Beitrag zur Gestaltung der Zeitenwende. - Prof. Dr.
Sie haben Symptome genannt und mutig einige Therapie-Ansätze vorgeschlagen. Machen Sie - ggf. Hier wäre auch die Frage nach einer Kontrolle des Be-völkerungswachstums aufzuwerfen, die jahrzehntelang tabuisiert wurde. Wer ist dafür verant-wortlich ?
Immer mehr Menschen wollen immer mehr Wohlstand und müssen mit immer weniger Ressourcen auskommen. Nicht einmal der kleinste Verzicht ("Tempolimit 130","Veggie-Day") ist in dieser Demokratie durchsetzbar. Kann man noch ernsthaft von "Wissenschaft" sprechen, wenn die Wirtschaftstheorien immer noch ein grenzenloses Wachs-tum voraussetzen ?
Sieben Krisen, miteinander verzahnt, zählt Bernd Ulrich auf. Eine achte muss ich hinzufügen: die Gier der Menschen. Sie ist überall festzustellen: die Gier nach Besitz, nach Macht, nach Ansehen. Wahrscheinlich gibt es diese Gier seitdem es denkende Menschen gibt, doch so wie Klimakrise und Artensterben rasant fortschreiten, so wird die Gier immer größer.
Schaute man sich hypothetisch um das Jahr 1800 den Kohlenstoff-Kreislauf mitsamt den damals noch reichlich vorhandenen Mooren, natürlichen Flussläufen, Wäldern, relativ wenig Acker- und Siedlungsflächen (da nur 1 Mrd. Menschen auf der Erde lebten) an, hätte man folgendes sehen können: Die etwa mit der beginnenden Industrialisierung peu à peu angestiegenen jährlichen CO2-Emissionen werden in noch gut funktionierenden Ökosystemen - bspw. dank "CO2-Düngung" etwas besser wachsenden Pflanzenmassen - weitestgehend längerfristig wieder gebunden.
Ein großer "Treiber" dahinter wird immer wieder gern übersehen: Eine weiter Richtung 10 - 11 Milliarden Menschen anwachsende Menschheit - über 30 % Zuwachs gegenüber heute. Der anthropogene Teil von Klimaeskalation beruht zumindest auf zwei wichtigen menschlichen Einflüssen: Einerseits Emissionen von insgesamt sieben Treibhausga-sen (CoP 21; Paris), andererseits Zerstörung wichtiger "Senken" durch Umpflügen der Erde (CoP 7, Marrakesch). Deshalb ist es zumindest oberflächlich, lediglich die CO2-Emissionen zu betonen. Haben wir verlernt, in Ökosystemen zu denken oder konnten wir es nie ? Und wo bleibt eine wirkungsvolle Bevölkerungspolitik als notwendige Nebenbedingung jeder "Klimapolitik"? - Prof. Emeritus Dr.
Den Ausführungen ist insgesamt zuzustimmen. Doch fehlt das zentrale 8. Risiko-feld: die demografische Entwicklung. Nicht nur durch die Geburtenzahl wächst die Weltbevölkerung, sondern auch durch längere Lebenserwartung. Die Erhaltung der Artenvielfalt, die Begrenzung des Klimawandels, die Reduzierung von Fluchtbe-wegungen und die Begrenzung der Weltbevölkerung sind unauflöslich verbunden.
Anlässlich des 50. Jahrestages des Berichtes "Grenzen des Wachstums" des Club of Rome wird deutlich, dass wir anders leben müssen, um die Krisen nicht noch mit unserem Lebensstil zu befeuern. - Dr.
