Die Kampfkunststile von Jason Bourne

Kampfsportarten faszinieren viele Menschen. Die einen wollen sich sicherer fühlen, die anderen suchen einen spannenden Ausgleichssport oder wollen ihre Persönlichkeit weiterentwickeln. Besonders interessant ist dabei stets die Kampfkunst, die im Film verwendet wird.

Lange Zeit bestand in der Fangemeinde Uneinigkeit darüber, welche Kampfkünste bzw. welches Nahkampfsystem den rasanten und perfekt choreographierten Kampfszenen der Jason Bourne-Filme zugrunde liegen. Dies ist nicht verwunderlich, sind es doch die packenden Mann gegen Mann Kämpfe, mit denen der Schauspieler Matt Damon im Gedächtnis geblieben ist.

Will man das Geheimnis der hinter den Fightszenen stehenden Kampfkünste lüften, so fragt man am besten den Mann, der in zwei Filmen der Reihe sowohl für die Choreographie der Kämpfe als auch für das Training der an den Szenen beteiligten Schauspieler verantwortlich war: Jeff Imada, Stuntman und Kampfkünstler, Schüler von Dan Inosanto, der seinerseits ein Schüler und Freund der Martial Arts Legende Bruce Lee war.

Filipino Martial Arts (FMA)

Sind Rasante Kampfszenen in Hollywoodfilmen Kung Fu, Karate oder Taekwondo? Nein, meistens Filipino Martial Arts (FMA). Seit Anfang der sechziger Jahre waren die japanischen, koreanischen und chinesischen Kampfkünste die Nummer eins, doch inzwischen ist die Welt der Kampfkünste bunter geworden. Die Jason Bourne Filme zeigen dies.

Kali

Beim Kali handelt es sich um eine waffenbasierte Kampfkunst, deren Ursprung auf den philippinischen Inseln zu finden ist. Jede der zahlreichen Inseln hat hierbei im Laufe der Jahrhunderte ihren eigenen, oft mit den jeweils dort beheimateten Familien eng verbundenen und durch regionaltypische Besonderheiten ergänzten Kali-Stil entwickelt.

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Bei der in den Bourne-Filmen verwendeten Stilrichtung des Kali handelt es sich um den „Lacoste Inosanto Style“, der von Sifu Lacoste und Dan Inosanto entwickelt wurde, beide Schüler unter Bruce Lee. Von seinem Ursprung her ist das Kali eine waffenbasierte Kampfkunst, wobei nahezu jeder greifbare Gegenstand wie etwa Schlüssel, Stock, Regenschirm, Flasche, Zeitung oder Kuli zu einer solchen Waffe umfunktioniert werden kann.

Sicher erinnern sich die Fans noch daran, wie Jason Bourne im ersten Teil der Serie einen Kuli zur Hand nimmt, um sich gegen einen messerschwingenden feindlichen Agenten zur Wehr zu setzen. Oder an den brutalen Kampf in „Bourne Ultimatum“, als er zunächst ein Buch und dann ein Handtuch benutzt, um den auf ihn angesetzten Auftragskiller „Desh“ zu töten.

Kali gehört mit Sicherheit mit zu den effektivsten Systemen, die man lernen kann. Nicht ohne Grund trainieren weltweit Militär- und Polizeieinheiten das Kali. Doch Kali ist nicht nur hervorragend zum Kämpfen gemacht, sondern schult auf ganz besondere Art und Weise die kognitiven Fähigkeiten. Studien der UCLA zeigen auf, wie sich durch das Training von Kali signifikant die kognitiven Fähigkeiten steigern. Der Einsatz in der Prävention von Krankheiten wie Parkinson und Demenz sind nur einige Beispiele für die auch „heilenden“ Aspekte der Kampfkunst Kali.

Panantukan

Neben Kämpfen mit Waffen sind in den Bourne-Filmen auch eine ganze Reihe von Actionszenen enthalten, in denen unser Held mit bloßen Händen gegen seine Verfolger antritt. Diese waffenlosen Techniken sind im Kali unter dem Begriff „Panantukan“ bekannt, oftmals auch als Filipino Boxing bezeichnet.

Das Panantukan enthält viele aus dem westlichen Boxen bekannte Grundschläge, verwendet darüber hinaus aber verstärkt sogenannte „Dirty Tools“, also Techniken und Schläge, die im Sportbereich als unfair gelten würden. Gerade diese „schmutzigen“ Anwendungen - wie beispielsweise auf die Zerstörung von Knochen und Gelenken gerichtete Ellenbogenschläge - sind es aber, welche diese Kampfanwendungen so gefährlich und effektiv machen.

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Als besonders vorteilhaft erweist es sich hierbei, dass die beim Kampf mit Waffen erlernten Bewegungsmuster des Kali 1:1 auf die Techniken und Konzepte des waffenlosen Kampfes übertragen werden können. Durch dieses integrierte Training lassen sich die Anwendungen schneller erlernen und erlauben im Gegensatz zu starr auswendig gelernten Techniken eine deutlich bessere Anpassung an die Erfordernisse einer reellen Auseinandersetzung oder - wie im Fall des Agenten Jason Bourne - an die Hochstresssituation eines Kampfes auf Leben und Tod.

Dies erscheint logisch, da Kali auf den Philippinen ursprünglich als Kriegskunst entwickelt wurde, bei der ein Hauptaugenmerk auf der Entwicklung größtenteils tödlicher Techniken lag.

Jeet Kune Do

Neben dem Filipino Kali kommen in den Kampfszenen darüber hinaus Elemente des von Bruce Lee entwickelten Jeet Kune Do zum Einsatz. Genau genommen handelt es sich hierbei weniger um eine einzelne Kampfkunst als vielmehr um eine Philosophie des Kämpfens. Bruce Lee war stets der Meinung, dass ein guter Kämpfer in der Lage sein muss, aus jeder Distanz heraus zu agieren, sei es in der Trittdistanz, beim Nahkampf oder auch am Boden.

Insofern bedient sich das Konzept des Jeet Kune Do vieler Anwendungen des westlichen Boxens, des Panantukan, des Wing Chun, des Kickboxens und des Grapplings. Die einzelnen Kampfkünste werden hierbei allerdings nicht isoliert betrachtet, vielmehr ist es das Ziel, dass der Trainierende nach einer Zeit sein eigenes, speziell auf ihn und seine körperlichen Eigenschaften zugeschnittenes Kampfsystem entwickelt.

Realitätsbezug

Zu guter Letzt kommen wir noch mal auf die eingangs gestellte Frage zurück, ob es tatsächlich möglich ist, den Kampfstil von Jason Bourne in der Realität umzusetzen? Laut Stunt-Koordinator und Kampftrainer Jeff Imada ist die Antwort eindeutig: Ja! Dass hierzu eine Menge Training gehört, versteht sich fast von selbst, die im Film gezeigten Prinzipien werden im Filipino Kali aber tatsächlich so vermittelt und sind von einem geübten Anwender insofern auch auf die Situation eines Straßenkampfes übertragbar.

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