Karat und die Johanniskirche Magdeburg: Eine musikalische und historische Verbindung

Die Johanniskirche in Magdeburg, ein architektonisches Kleinod mit einer faszinierenden Geschichte, diente schon oft als Veranstaltungsort für außergewöhnliche Ereignisse. Die Kirche wurde fünfmal zerstört und immer wieder aufgebaut.

Showgrößen wie Ute Freudenberg, Karat, Gabi Albrecht, Gospelchöre und Tom Gaebel wissen die Eventlocation der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM) zu schätzen.

Wer ein Ticket für eine Veranstaltung in der Magdeburger Johanniskirche hat, kann sich auf ein außergewöhnliches Ereignis freuen. Das dreischiffige Kirchenschiff ist eine beeindruckende Kulisse mit außergewöhnlicher Akustik. Wo sich moderne Architektur und alte Kirchenmauern treffen, bietet sich eine beeindruckende Atmosphäre.

Die Johanniskirche ist nicht nur eine Besichtigung wert, sondern auch ein wunderschöner Veranstaltungsort. Ein schönes Ambiente für Konzerte und Veranstaltungen, wie die Jugendweihe.

Ein solches außergewöhnliches Ereignis war das Unplugged-Konzert der Band Karat in der Johanniskirche. Es war Teil einer exklusiven Konzertreihe, die sich die Band hin und wieder gönnt, mit maximal zehn Auftritten pro Jahr. Dabei nehmen sich die Vollblutmusiker zurück und genießen gemeinsame Zeit mit ihren Fans hautnah im kleinen, fast intimen Kreis. Und das immer an besonderen Orten, wie dem Leipziger Gewandhaus oder auserwählten Kirchen.

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Seit August war die Magdeburger Johanniskirche ausverkauft, und aufgrund der großen Nachfrage wird es im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben.

Karat: Eine Legende der deutschen Rockmusik

KARAT waren bei ihrer Gründung im Jahr 1975 keine pickligen Teenager mehr, die ihre ersten wackeligen Schritte auf der Bühne unternahmen. Sie hatten ihre Meriten in bekannten Rockbands, vor allem „Panta Rhei“ und „Horst-Krüger-Band“, bereits gesammelt.

Im Jahr 34 nach dem Mauerfall ist es ganz sicher kein Geheimnis mehr und breitet sich gar zunehmend in westelbischen Rezeptionsräumen aus: die Rockmusik aus dem Osten Deutschlands hat eine sehr große Anzahl Künstler und Lieder zu bieten, die fester Bestandteil des gesamtdeutschen Kulturerbes waren, sind und bleiben werden.

Die Band um Sänger Herbert Dreilich und Keyboarder Ed Swillms, aus dessen Feder die großen KARAT-Hits stammen, kam zusammen, die Nummer eins zu werden und schnell war klar, dass sie dazu in der Lange sind. Das Besondere dabei: die Erfolge endeten nicht an der ehemaligen Zonengrenze.

Zweifelsohne Balsam für die ostdeutschen Musikfans: Denen war immer schmerzlich bewusst, dass das meiste, was sie auf dem heimischen Markt live oder von legal erworbener Konserve konsumierten, eine Art Ersatz für die Großen der Rock- und Pop-Welt hinter der Mauer war.

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KARAT gaben das erste Mal das Gefühl, auch zu Hause oder in der eigenen Stadthalle etwas zu hören, das mehr war als popmusikalischer Mocca-Fix, also Ersatzprodukt. Schon 1979 wurde das zweite KARAT-Album (im Osten: „Über sieben Brücken“) in der BRD unter dem Titel „Albatros“ herausgebracht - die schlauen Vermarkter hatten den „König der Welt“ zusätzlich drauf gepackt. Es verkaufte knapp unter Goldstatus. Den knackten KARAT dann im Gefolge von „Der blaue Planet“, eins der erfolgreichsten Alben der Ostrock-Geschichte, dass auch im Westen fast ein ganzes Jahr lang ununterbrochen in den Charts lag.

KARAT waren nicht nur wegen ihrer Musik allein ungeheuer wichtig, sondern weil diese Musik eine gesamtdeutsche Sache war, die aus dem Osten kam.

Es scheint müßig, weil hinreichend bekannt, im Zuge von 45 Jahren KARAT auf die großen Klassiker wie „Schwanenkönig“, „Gewitterregen“, „Magisches Licht“, „Jede Stunde“, „Mich zwingt keiner auf die Knie“ sowie „Blumen aus Eis“ (und nicht zuletzt auf die bereits genannten) zu verweisen.

Auf die vielen KARAT-Coverversionen von Gregor Meyle, Heinz Rudolf Kunze, Peter Maffay, Helene Fischer, Chris de Burgh, Jan Josef Liefers und Max Raabe, um nur einige zu nennen. Auf die ausverkaufte Waldbühne ganz ohne DDR-Publikum, auf den Umstand, als erste und einzige Band des Ostens bei „Wetten dass...“ gewesen zu sein.

Bernd Römer (git), Michael Schwandt (dr), Christian Liebig (b), Martin Becker (keyb) und Claudius Dreilich (voc) haben nie aufgehört, kreativ zu sein. Es war nie ihr Ding, sich auf den erreichten Lorbeeren auszuruhen. Stets überzeugen sie live - rockig, sinfonisch, balladesk, in Kollaborationen mit Orchestern oder befreundeten Musikern sowie unplugged.

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Dass KARAT nach wie vor ausverkaufte Tourneen spielen, hat auch und vor allem mit der Personalie des Frontmannes zu tun. Damit, dass Tragik und Triumph oft nicht nur eng beieinander liegen, sondern sich zum Teil auch regelrecht bedingen können: Der tragische Krebstod von Herbert Dreilich, der viel mehr als nur der Sänger dieser Band war, sondern ihr Gesicht und ihre Seele verkörperte, schien im Jahr 2004 das Ende von KARAT zu markieren. Aber am Ende ermöglichte er der Band - mit seinem Sohn Claudius als neuem Frontmann - wie der berühmte Phönix aus der Asche zu steigen.

Die Band "Karat" gründete sich 1975 und gab von Beginn an 100 % ihrer künstlerischen Meisterschaft und wurde schnell zu einem Juwel der deutschsprachigen Pop- und Rockmusik-Landschaft. Der Lohn dafür waren neben der dauerhaften Fan-Begeisterung zahlreiche ‚funkelnde‘ Auszeichnungen, darunter ganz viel Gold.

Bereits 1983 erhielt KARAT für ihr bahnbrechendes Album „Der blaue Planet“ (1982 veröffentlicht) in der damaligen Bundesrepublik Deutschland ihre erste ‚Goldene Schallplatte‘ und verweilte 48 Wochen (!) ununterbrochen in den Album-Charts.

Allein auf diesen beiden Alben sind die größten Hits der ostdeutschen Kult-Band versammelt, die zugleich den musikalisch-künstlerischen Anspruch der Musiker verdeutlichen. Mit dieser Vision kreierten sie ihren eigenen authentischen Stil, an dem sich die Schubfach-Strategen des Musik-Journalismus zunächst die Zähne ausbissen.

Ihren Anspruch machte "Karat" von Anfang an klar, mit inzwischen zahlreichen selbst zu modernen Volksliedern, Pop-Evergreens und Klassikern des Deutsch-Rock gewordenen Hits…“König der Welt“, „Albatros“, „Gewitterregen“, „Schwanenkönig“, „Jede Stunde“, „Blumen aus Eis“, „Der blaue Planet“ und natürlich ihrem Über-Hit „Über sieben Brücken musst Du geh’n“, den "Peter Maffay" in seiner Version zum größten Ost-West-Hit im damals noch geteilten Deutschland machte.

Die 45jährige Band-Geschichte von KARAT verzeichnet aber auch Tiefschläge. Den schlimmsten 2004, als Sänger Herbert Dreilich nach einer schweren Krankheit verstarb. Nur einer konnte diesen schweren Verlust ersetzen: Herbert’s Sohn Claudius Dreilich, der 2005 neuer "Karat"-Sänger wurde.

Unplugged in der Johanniskirche

Unplugged, das bedeutet im eigentlichen Sinne „ohne Strom“. Und so startete die Band auch ihr Kirchenkonzert. Eine Herausforderung - sowohl an Sänger Claudius Dreilich, stimmlich den Saal zu durchdringen, als auch ans Publikum, vor allem in den hinteren Reihen.

Ersten irritierten Blicken und „Lauter!“-Raufen folgte intensives Lauschen und schließlich viel Applaus. Der galt sicher dem „Schwanenkönig“ ebenso wie solchem ungewöhnlichen Start. Der zeigte Mut und machte zudem den Unterschied deutlich zum folgenden Programm.

Dafür hatten die Musiker bekannte Lieder aus der 40-jährigen Bandgeschichte in ein neues Gewand gehüllt, ergänzt von Songs aus dem aktuellen Album „Seelenschiffe“.

Arrangiert in akustisch-geeigneter Form, wie sie auch am Lagerfeuer erklingen könnte oder in einer Pianobar. Manchmal mit mehreren Gitarren, manchmal mit einem Hauch Swing oder im Country-Style. Wohltuend, diese leisere Variante.

Am schönsten waren die Momente, wenn Schlagzeuger Michael Schwandt anstelle der großen Trommeln für den Rhythmus den Schellenring nutzte oder wenn Keyboarder Martin Becker zur Mundharmonika griff.

Doch mindestens ein Original war auch dabei: „Der blaue Planet“ war „so weit von unplugged entfernt wie die Erde vom Mond“, so der Vergleich von Claudius Dreilich. „Diesen Song wollen wir nicht neuer, nicht anders, der blaue Planet muss so bleiben wie er ist“, sagte er. Gut so.

Die Band zeigte sich in großer Spielfreude. Da wurden Titel schon mal über zehn Minuten zelebriert. Wie das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte „Über sieben Brücken“, lauthals vom Fanchor mitgesungen.

Die Musiker zeigten sich Fan-verbunden, plauderten mit dem Publikum, Dreilich ging durch die Reihen, nahm eine Frau mit zur Bühne, die ihr persönliches Ständchen bekam und dazu eine signierte CD.

Letztlich luden die Musiker das Publikum zum anschließenden Beisammensein nach dem Konzert ein - für Gespräche, Bierchen und Autogramme. Abschluss eines ungewöhnlichen Abends.

Aufgrund der großen Nachfrage gibt es einen Zusatztermin in der Tour am 18. November 2016 in der Johanniskirche.

50 Jahre KARAT

2025 laden Gitarrist Bernd Römer, Schlagzeuger Heiko Jung, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Sänger Claudius Dreilich zu einem ganz besonderen Jubiläum: 50 Jahre KARAT werden gefeiert.

Neben einer umfangreichen, über das komplette Jahr andauernden Geburtstagstournee wird es ein Album mit neuen Liedern sowie ein neues Karat-Buch, das alle fünf Dekaden umfasst, geben.