Die Kampfrichter waren sich nach einer Aktion im olympischen Finale +100 kg nicht einig.
Die Aktion war wirklich ziemlich schnell und die Unterschiede in der Landung nicht ganz leicht und klar auszumachen.
Es ist auch nach mehrmaligem Studium der Fotosequenzen und der Videos nicht eindeutig auszumachen, von wem welche "Wurf-"Aktion wann ausging und was bewirkt hat.
Im Judomagazin 06/16 schreibt Peter Frese im Vorwort: "Schon jetzt arbeitet das Präsidium gemeinsam mit der DJB-Jugend und den Nachwuchs-Bundestrainern daran, für Olympia 2024 die Weichen zu stellen. Das bedeutet im Speziellen: Die nötigen technischen Voraussetzungen bei den Nachwuchsjudokas schaffen. Mit unserer dazu entwickelten „Nationalen Grundkampfkonzeption“ sind wir bereits auf dem richtigen Weg - und dieser Weg ist alternativlos."
Die nationale Grundkampfkonzeption, die meinem Verständnis nach den Ärmel-Revers-Griff stark bevorzugt, wird von ihm in aktuellen Judomagazin dann ja auch eher klein gehalten.
Lesen Sie auch: Olympia Judo: Die Teilnehmerinnen in der -52kg Klasse
Dass er in der Ausgabe 06/16 das Wort "alternativlos" verwendet, halte ich für sehr unglücklich.
Ich kann mir außerdem erst einmal nicht vorstellen, dass die Nachwuchsbundestrainer den Vorstoß alleine gewagt haben, ohne das der Präsident davon nichts gewusst hat.
Dass er da jetzt gegen die Regeländerung ist, nachdem die öffentliche Meinung da negativ ausgefallen ist, ist auf der einen Seite löblich, da er sich nach dem Willen der Basis richtet, auf der anderen Seite wäre es schön, wenn er vorher schon soweit an der Basis wäre, dass es zu solchen Diskrepanzen erst gar nicht kommt.
Die Japaner haben große Probleme mit den "östlichen" Nationen.
Das liegt größtenteils daran, dass sie ihren Ärmel-Revers-Griff kaum noch durchkriegen und teilweise vollkommen hilflos sind, sobald jemand unorthodox greift oder mehr Kraft hat.
Lesen Sie auch: Judo Brüder Frey
Klassisches Problem zwischen Distanz- und Nahkämpfer.
Die Japaner sind eher Distanzkämpfer, die osteuropäischen Nationen (wenn man da AZE, GEO, USB usw. dazu zählt, dann noch die Mongolei als asiatisches Beispiel) vermehrt Nahkämpfer.
Die Deutschen sind UNFASSBAR schlecht und haben zurecht bisher fast alles verloren.
Das ist teilweise nicht mal Regionalliganiveau.
Eher Freizeitniveau.
Lesen Sie auch: Elena Quirici in Tokio
Tobias Englmaier verliert knapp gegen Kitadai, der später 7. wird und schon ein Olympiabronze hat.
Sebastian Seidl verliert gegen den späteren Olympiasieger.
Mareen Kräh verliert mit Yuko gegen die spätere Silbermedaillengewinnerin.
Igor Wandtke verliert gegen den späteren 5. Sagi Muki, anscheinend also auch kein ganz schlechter.
Wandtke macht einen guten Kampf, wirkt aber konditionell nicht wirklich fit und hat viele Ansätze, aber keinen wirklich zwingenden.
Miriam Roper verliert gegen Rafaela Silva, spätere Olympiasiegerin, in 45 Sekunden.
Zudem hat Mimi gegen sie noch einen Statistik von 0:9 vor dem Kampf.
Das Ergebnis sieht sehr schlecht aus, wenn bei der Ausgangslage die Anweisung war "geh hohes Risiko und versuch was".
Sven Maresch verliert gegen Sergiu Toma, der im Halbfinale steht.
Die Kampfweise hat mich unfassbar enttäuscht und da gebe ich dir in den Punkten mangelnde Finesse und Dynamik recht.
Auch von der Kreativität und taktischer Flexibilität nichts zu sehen, nach 1:30 Minuten 3 Shido auf der Uhr und noch keine Änderung in der Kampfweise.
Martina Trajdos verliert gegen Mariana Silva, die im Halbfinale steht.
Hier trifft eigentlich dasselbe wie bei Sven Maresch zu.
Heute war der von der Kampfweise enttäuschendste Tag, wenn Toma und Silva Olympiasieger werden, was ich nicht glaube, war eh nicht mehr drin, zumindest vom Ergebnis her.
An der Kampfweise muss man trotzdem arbeiten.
Ich prophezeie, dass es dieses Jahr nicht eine einzige Medaille geben wird, was dann von den entsprechenden Stellen auf das angeblich vorherrschende hohe Niveau geschoben werden wird.
Der DJB sollte den Tatsachen ins Auge blicken, dass sie den einst großen Judostandort Deutschland nahezu ruiniert haben.
Und anstatt immer weiter an ohnehin schon falschen Entscheidungen herumzudoktoren, vielleicht mal endlich zu reflektieren.
Mal abwarten, die starken deutschen Gewichtsklassen kommen ja noch.
Das vorherrschende Niveau ist auch hoch, du kannst ja mal gucken, wer noch alles zeitig rausgeflogen ist.
