Am Anfang von Härte stehen harte Worte.
„Ich war ein sehr harter junger Mann... Ich war ein eiskalter Typ, ein Block und mir war alles scheißegal“.
Es sind Worte, mit denen Andreas Marquardt sich und sein Leben beschreibt.
Ein Leben, das von sexuellem und körperlichem Missbrauch geprägt in der Härte Halt suchte: Sein Vater wollte ihn leiden sehen, seine Mutter missbrauchte ihn.
Ausweg und Fluchtpunkt aus der familiären Gewalt waren für Andy der Kampfsport und die Zuhälterei.
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Stählern wollte er der beste der Welt in Karate werden und emotionslos führte er sein Frauen-Hassprogramm durch.
Mehrfach wurde er Europa- und Weltmeister und in den 1970er Jahren häufte er als Zuhälter Millionen an, bis das Gefängnis rief.
Das Dokudrama zeigt ein Leben voller Gewalt und Demütigung, voller Brutalität und existentieller Abgründe.
Auf Grundlage der 2006 erschienenen Autobiografie Marquardts erzählt Rosa von Praunheim in einer Kombination aus farbigen Interview-Ausschnitten und nachgestellten Szenen in schwarz-weiß die Geschichte des ehemaligen Zuhälters und heutigen Kampfsporttrainers Andreas Marquardt.
Bilder aus dem Karate-Sportzentrum und Erzählungen des Protagonisten und seiner langjährigen Lebensgefährtin Marion Erdmann treffen dabei auf nachgespielte Lebenssituationen, die mit professionellen Schauspielern vor minimalistischen, überstilisierten Fototapeten in Szene gesetzt werden.
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Neben der Problematik der sexuellen und körperlichen Gewalt, die zunächst am Ausgangs- und Mittelpunkt der erzählten Lebensgeschichte steht, fächern sich durch die Lebensstationen Marquardts zahlreiche weitere Themen auf: Familie und zwischenmenschliche Beziehungen, Zuhälterei und Frauenfeindlichkeit können ebenso in die pädagogische Arbeit integriert werden wie die Rolle des (Kampf-)Sports, die selbstreflexive Infragestellung des eigenen Handelns und der eigenen Ideale oder die Frage nach dem Recht auf eine zweite Chance im Leben.
Parallel dazu bietet die Gestaltung des Dokudramas Anlass, die für den Film essentiellen Verbindungen zwischen narrativer und ästhetischer Ebene aufzugreifen.
Andreas Marquardt, geboren 1956, war über zwei Jahrzehnte Zuhälter in der Berliner Halbwelt.
„Verziehen habe ich ihr bis heute nicht. Das wird sich nie ändern, denn es gibt keine Entschuldigung. Keine Mutter darf ihr Kind so behandeln.“
Andreas Marquardt war einer der brutalsten und gefährlichsten Zuhälter Berlins.
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Mit Anfang 40 wird er zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.
Erst dort vertraut er sich einem Therapeuten an: Der Vater war ein sadistischer Schläger, der die Familie früh im Stich ließ.
Ein weiterer Bereich seines sozialem Engagements ist der Sport.
Als Karate-Trainer vermittelt er Kindern und Jugendlichen Selbstbewußtsein, Fairness und Spaß am Sport - und zeigt so Alternativen auf zu Gewalt und Kriminalität.
Als "Karate-Andy" stieg er in den 80er-Jahren zum gefürchtetsten Zuhälter Berlins auf.
Andreas Marquardt lebte im Luxus - auf Kosten der Frauen.
Im Berliner Rotlicht-Milieu startete er seine kriminelle Karriere: Mit falschen Versprechen nahm Andreas Marquardt Frauen für sich ein, um sie dann zur Prostitution zu zwingen.
Skrupel hatte der Zuhälter nicht.
Als eine seiner Prostituierten gegen ihn aussagen wollte, prügelte er sie fast zu Tode.
1994 wurde Marquardt wegen Zuhälterei, Menschenhandel und illegalem Waffenbesitz angeklagt und zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.
Heute ist er auf freiem Fuß.
In Zusammenarbeit mit seinem Psychiater schrieb er ein Buch und eröffnete 2004 eine Kampfsportschule.
In der Reihe "Überführt" stellen sich Straftäter dem Kreuzverhör durch Joe Bausch.
Der Presenter, der seit 30 Jahren als Gefängnisarzt in der JVA Werl arbeitet, kennt sich mit Verbrechern aus.
In "Überführt" will er herausfinden, warum sie zu dem wurden, was sie sind.
Andy (Hanno Koffler) beim Karate-Training.
Rosa von Praunheim war einmal ein Bürgerschreck: Mit seinem Frühwerk wurde er in den 1970er Jahren zum Wegbereiter der Schwulenbewegung.
Den Wirbel um seine Filme kann man sich heute kaum noch vorstellen.
Nachdem Praunheim in mehreren Filmen seine verschlungene Familiengeschichte aufgearbeitet hat, erzählt er nun vom außergewöhnlichen Leben des Andreas Marquardt - einem Ex-Luden, Knacki und Karate-Weltmeister.
Bereits die ersten Bilder machen klar: Wer sich mit diesem Mann anlegt, darf sich über Schmerzen nicht wundern.
Trotz vorgerückten Alters hat Marquardt, Jahrgang 1956, etwas unberechenbar Gefährliches an sich.
Als Karate-Kampfsportler war er 25 Jahre lang nahezu ungeschlagen.
Im Gefängnis machte er eine Therapie; sie förderte Schreckliches zutage.
Marquardt wurde schon als Kleinkind von seinem Vater sadistisch gequält und später von seiner Mutter jahrelang sexuell missbraucht.
Dass es ihm an Urvertrauen und Empathie mangelte, ist verständlich.
Marquardt schlug eine kriminelle Halbwelt-Karriere ein und war sehr erfolgreich.
Er genoss das wilde Leben mit schnellen Autos, vielen Mädchen und allem anderen, was dazu gehört.
Dennoch betrachtet er rückblickend seine Verhaftung und acht Jahre im Gefängnis als seine Rettung.
Gemeinsam mit seinem Therapeuten Jürgen Lemke schrieb er dort seine Biografie.
Nachdem er seine Strafe abgesessen hatte, steuerte Marquardt um.
Er baute sein Neuköllner Fitnessstudio aus; dort bietet er Selbstverteidigungs-Kurse für Jugendliche aus sozial problematischen Milieus an.
Zudem tourt er als eine Art Experte für Jugendgewalt durchs Land.
Seine Geschichte ist die klassische Wandlung vom Saulus zum Paulus und könnte gefällig erzählt werden.
Er zeichnet hart und schonungslos wie sein Protagonist dessen schillerndes Leben nach; in farbigen Interview-Sequenzen führt er quasi durch den Film.
Regisseur Praunheim verzichtet bewusst auf aufwändige Ausstattung.
Die Schauspieler agieren zwischen wenigen Requisiten vor einer Wand mit Rückprojektionen.
